Mo

21

Feb

2011

Zwei Dumme, ein Gedanke…

Zugegeben, mit diesem Artikel habe ich mich echt schwer getan. Schließlich geht es um das Highlight unserer Australien-Reise, etwas so Besonderes, das der Artikel natürlich wiedergeben sollte. Klar gebe ich mir immer Mühe beim Schreiben, aber dieses Mal sollte der Blogeintrag noch spritziger, noch mitreißender, noch tiefgründiger werden… Einfach weil wir uns wahrscheinlich noch in 50 Jahren daran zurückerinnern werden, an diesen völlig durchgeknallten Tripp. Es gibt wahrhaftig kein besseres Wort, als „durchgeknallt“, um das zu beschreiben, was wir die letzten Tage in Down Under gemacht haben. Daher etwas mehr Text und Fotos als sonst. Also, lest selbst, ich weiß nicht, ob es mir gelungen ist, sagt ihr es mir – hinterher, nach dem Lesen. Aber erst mal viel Spaß!

 

Es fing alles mit einer kleinen fixen Idee an. Kennt ihr das? Wenn einem so ein kurzer Gedanke durch den Kopf schießt, der sich dann über kurz oder lang in Deinem Hirn manifestiert und solange keine Ruhe gibt, bis Du ihn, so abwegig er auch ist, in die Tat umsetzt? Nun ja, so saßen wir also in unserem Hostel an der Great Ocean Road, hatten noch eine Woche Zeit bis zu unserer Rückkehr nach Sydney, die Rückreiseroute an der Küste stand eigentlich fest, und plötzlich überkam uns die Schnapsidee, mal eben noch einen kurzen Abstecher ins Outback zu machen. Nach 4 Wochen Sonne, Strand, Meer und Regenwald kam irgendwie der Wunsch auf, noch mal das „richtige“ Australien zu sehen. Nach dem wir uns in unseren ganzen bisherigen Australien-Tagen immer gewundert haben, dass Australien so gar nicht das ist, was man von TV und Kino kennt, wollten wir endlich noch mal rote Erde sehen und das echte Cowboy-Marlborough-Feeling leben. Endlose staubige Straßen mitten im Herzen Australiens. Man muss dazu sagen, dass sich das eigentlich Outback sehr weit im Landesinneren zwischen South Australia und dem Northern Territory erstreckt, der Osten des Landes, wo wir uns eigentlich befanden, ist eher grün mit dichten Wäldern. Aber wo wir nun also eh in Richtung Norden fahren wollten, dann… Uns spukte also Beiden die gleiche Idee im Kopf herum – nur, dass keiner von uns beiden sich traute, es dem anderen zu erzählen. Bis wir dann irgendwann am Frühstückstisch saßen, uns anschauten: „Du, ich hab da so eine Idee… Ich weiß ja nicht, wie Du das siehst, aber wenn wir nun schon mal ein Auto haben und in Richtung Outback fahren, dann könnten wir doch eigentlich… so ein klitzekleines Stück weiter fahren, bis zum… Du weißt schon…Na bis zum ... Ayers Rock?!“. Und von da an gab es kein Halten mehr. Hibbelig und voller Vorfreude starteten wir also am vergangenen Samstag in Richtung Adelaide. Wohl wissend, dass uns wahrscheinlich jeder, dem wir von unserem Spontan-Vorhaben erzählen würden, mal eben von der Südküste bis zum Ayers Rock und zurück nach Sydney in einer Woche zu fahren, einen Vogel zeigen würde. Sind ja nur mal eben an die 5.000 Kilometer. Aber so sind wir nun mal. Und warum nicht mal richtig vom Reiseplan abweichen und etwas komplett anderes machen? Gesagt getan…

Tag 1, Samstag, 12.02.2011, 688 Kilometer

 

Nach unserem erneuten Abstecher zu den 12 Aposteln, dieses Mal bei Sonne (siehe letztem Bericht) brechen wir gegen 16 Uhr Ortszeit endlich gen Norden auf. Irgendwie haben wir uns den ganzen Tag noch ganz schön verzettelt, der Küstenabschnitt bei Port Campbell hat uns zu sehr an die Algarve in Portugal erinnert. Und wo nun nach mehreren Tagen endlich wieder Sonne war, wollten wir natürlich auch ein paar schöne Fotos machen… Wir fahren also die 688 Kilometer in Richtung Southern Australia, zunächst noch an der Küste bis in das kleine Örtchen Warrnambool wo sich das offizielle Ende der Great Ocean Road befindet, von hier aus dann ins Hinterland. An der Straße verschlafene Nester, Pferdekoppeln, Rinderherden, kleine Lämmchen und Weingüter. Die Rebstöcke begleiten uns mehrere Kilometer, dazwischen romantische kleine Güter, Fachwerkhäuschen, über und über bewachsen von wildem Wein. Einige bieten Übernachtungen an – wir müssen weiter. Gegen 17 Uhr sind es immernoch über 500 Kilometer und wir bekommen eine Ahnung davon, wann wir heute Abend, oder vielleicht doch eher morgen früh, in Adelaide ankommen werden. Aufgrund der Landesinneren Zeitverschiebung kommen wir ganz durcheinander. Mitten im Nichts dann ein winziger Rasthof mit Volkfeststimmung. Die Gemeinde hat zum Open-Air-Kino eingeladen. Hunderte Menschen haben sich eingefunden, bewaffnet mit Kissen, Decken und Kühlboxen, Musik weht über die Wiese, immer mehr Autos kommen, Männer mit Cowboyhüten weisen ihnen Parkplätze zu. Die Leinwand ist an einem LKW gespannt, um 18 Uhr ist Filmbeginn. Einige sitzen schon auf der Wiese, viele haben Klappstühle dabei. Natürlich müssen wir sofort an die Filmnächte denken, ein bisschen wehmütig. Irgendwann, ich habe nicht auf die Uhr geschaut, geht links von uns die Sonne unter. Glutrot, steht sie hinter den Bäumen und Büschen, die sich wie Scherenschnitte schwarz davor abheben. „Wie Namibia“ kommt mir in den Sinn. Noch lange stehen orange Streifen am Himmel und leuchten uns den Weg. Erst, als alles komplett schwarz ist, stellen wir fest, dass es höchste Eisenbahn ist, zu tanken. Zwar liegen einige Orte auf unserer Route, aber alle haben eins gemeinsam. Sie bestehen aus maximal 5 Häusern. Und wenn sie eine Tankstelle haben, dann ist diese bereits geschlossen. In letzter Minute erreichen wir Tailem Blend und da, endlich, werden wir fündig. Bewaffnet mit einem Footlong Subway-Sandwich machen wir uns auf die letzten Kilometer, André ist völlig übermüdet und wir wollen Nichts als ein Bett. Leider erweist sich unserer Abstecher nach Murray Bridge, einer Vorstadt von Adelaide, als Reinfall. Das simpelste Motelzimmer kostet 120$ die Nacht. Dann doch lieber bis Adelaide weiter. Mittlerweile haben wir, nach 4 Tagen und Melbourne, endlich wieder Internet anliegen und ich mache noch während der Fahrt unser Hostel klar. Google Maps lotst uns zuverlässig durch die Stadt und gegen 23 Uhr fahren wir endlich vor dem Hostel vor. An der Rezeption, wie fast immer, Deutsche. Wir lassen uns noch ein paar Tipps für unseren Trip geben, fallen wenig später dann aber doch lieber schnell in unsere Kojen. Von den 18 anderen Betten im Zimmer bekommen wir nichts mehr mit…

Sonnenuntergang vor Adelaide
Sonnenuntergang vor Adelaide

Tag 2, Sonntag, 13.02.2011, 840 Kilometer

 

Unerbittlich klingelt der Wecker wieder um sieben. André rüttelt mich wach, meine Lider wollen und wollen nicht aufgehen. Will nur schlaaaaaaaaaafen. Irgendwann rappeln wir uns dann doch auf, nach einer Dusche geht es uns besser. Schnell noch einen Toast in der Hostelküche, gegen 9 Uhr, viel zu spät laut unserer Planung, starten wir. Noch in Adelaide wollen wir uns im Supermarkt für die nächsten Tage eindecken. Doch Fehlanzeige, Coles öffnet sonntags erst gegen 11 Uhr. Also fahren wir los in Richtung Port Augusta. 300 Kilometer und die letzte Stadt am Meer. Dort werden wir dann doch noch fündig und horten Getränke und nicht verderbliche Lebensmittel – wir ahnen bereits jetzt, dass die Preise im Outback für uns unerschwinglich sein werden. Ab Port Augusta endet dann auch die letzte zwei-spurige Straße und wir sind allein. Ich hatte gedacht, da dies, der Explorer`s Way die einzige Verbindung Australiens durch das Landesinnere zwischen Adelaide und Darwin ist, dass mehr Verkehr wäre, auch Touristenbusse oder mehr Camper. Statt dessen können wir wetten, wann das nächste Auto um die Ecke kommt und welche Farbe es hat. Zunächst geht die Straße steil bergauf, über lange karge Hochebenen, doch wer jetzt denkt, dass Outback sei nur trocken, Fehlanzeige. Die gesamte rote Erde ist übersäht mit dichtem grünen Gras. Und kurz hinter Pimba finden wir uns plötzlich am Lake Hart wieder, einem riesigen Salzsee. Wer hätte das vermutet? Seen im trockensten Teil des Landes? Am Straßenrand ein totes Känguru nach dem anderen… Es muss sie also tatsächlich geben, wilde Kängurus, doch so sehr wir uns auch anstrengen und in das dichte Buschwerk links und rechts starren, wir sehen keins. Dafür Autowracks ohne Ende. Völlig verrostet, um Bäume gewickelt, wurden sie zurückgelassen, manche hunderte Meter von der Straße entfernt, und ich frage mich, wie man auf einer derartig gerade und langen Straße so vom Weg abkommen kann.

Nur eines von Vielen an Straßenrand
Nur eines von Vielen an Straßenrand

Je weiter wir in Richtung Norden kommen, desto grüner scheint das Outback zu werden. Mittlerweile sind aus dem Gras, Büsche und Bäume geworden und der rote Sand blinzelt nur noch vereinzelt zwischen grünen Blättern hervor. Am Himmel weiße Schleierwolken, die Temperaturen um die 20 Grad. Verkehrte Welt in Australien. Normalerweise dürften alleine hier um die 40° sein, doch die Wettermassen nach „Yasi“ bringen Kaltluft herüber. Wie auf`s Stichwort fängt es plötzlich auch noch an zu regnen! Sprachlos starren wir durch die Windschutzscheibe nach draußen. Das gibt es jetzt doch wirklich nicht. Regen in der Wüste? Hier regnet es sonst angeblich nur 3x im Jahr! Aber wenn wir eines inzwischen in Australien gelernt haben, dann das das Wetter dieses Jahr komplett verrückt spielt. Wahrscheinlich sehen wir das Outback wirklich so, wie es die Einheimischen in den vergangenen 10 Jahren nicht erlebt haben, grün und fruchtbar statt rot und trocken. Gegen 18.30 Uhr erreichen wir unser heutiges Ziel, bei immer noch strömendem Regen. Coober Pedy, die Opal-Hauptstadt Australiens. Bis zum Horizont liegen Erdhäufchen in allen 4 Himmelsrichtungen. Stumme Zeugen einer verzweifelten Suche nach Bodenschätzen, die Reichtum bringen sollen, jedoch in meinen Augen nur Einsamkeit und Verzweiflung. Eine lebenslange Droge. So sind auch die Menschen, Eigenbrötler, Aussteiger, an so einem Ort kann man nur leben, wenn man die Zivilisation verabscheut. Unter die Erde sind sie geflüchtet, aus Schutz vor den extremen Temperaturen und den Naturgewalten. Kein Berg schützt sie vor Wind und Regen, im Sommer bis 47° heiß, im Winter bis zu 0 Grad. So befindet sich die eigentlich Stadt unter der Erde, inklusive einer ganzen Kirche. Alte Mienengänge wurden zu Wohnzimmern. So auch unser Hostel für heute Nacht. Das Radeka Downunder. Der Besitzer ein verschrobener, kauziger alter Brummbär. Hier, 4-5 Meter unter der Erde sind konstant um die 24°, das ganze Jahr über. Unsere Betten, in einer alten Opal-Miene, unsere Tapete, rot schimmerndes Gestein. Als wir die Stufen hinab steigen, sind wir überrascht, wie angenehm das Klima unter der Erde ist. Draußen ist es nämlich aufgrund des Regens empfindlich kalt geworden. Erst jetzt verstehen wir, was mit einem „Open Dorm“ gemeint ist, die Doppelstockbetten stehen einfach im Mienen-Gang, es gibt keine Türen. André ist fasziniert und begeistert. Wer kann schon sagen, dass er einmal in seinem Leben in einer alten Miene geschlafen hat?

Unser Bett unter der Erde
Unser Bett unter der Erde

Tag 3, Montag, 14.02.2011, 849 Kilometer

 

Das Aufstehen fällt nicht schwer heute. So nah schon ist unser Ziel vor Augen. Der Ayers Rock kommt näher! Immer noch warten wir, dass sich das eigentlich erwartete Outback-Feeling bei uns einstellt. Statt dessen wieder nur grün soweit das Auge reicht. Ganze Landstriche neben der Straße stehen sogar unter Wasser. Kein Wunder, die harte Erde kann das ganze Wasser gar nicht mehr aufnehmen. So wie hier muss die Serengeti aussehen, nach dem es geregnet hat. Totes Land erwacht zum Leben. Nur das hier leider keine Giraffe um die Ecke spaziert kommt. Warum eigentlich nicht, fragen wir uns? Das hier wären doch beste Bedingungen für afrikanische Tiere? Ist schon mal jemand auf die Idee gekommen, hier Löwen und Geparden auszuwildern? ;-)

Outback unter Wasser
Outback unter Wasser

Je näher wir dem roten Herzen Australiens kommen, desto besser wird heute das Wetter. Der Himmel blau, hin und wieder Berge aus rotem Gestein am Straßenrand. Straßen bis zum Horizont, meist ohne Gegenverkehr, nur hin und wieder ein Schleicher vor uns. „Warum zum Teufel hält sich hier jeder an die 110?“ fragt André mich kopfschüttelnd. Ich weiß es nicht. „Vielleicht, weil sie es nicht anders kennen und gar nicht wissen, dass ein Auto auch schneller fahren kann?“ Wir lachen uns ins Fäustchen und André träumt von deutschen Autobahnen und seinem Galant. Jetzt, so kurz davor, können wir einfach nicht langsam fahren. Irgendwann wollen wir schließlich ankommen. Nur eines tut weh. Je weiter wir uns von der Küste entfernen, desto schwerer wird der Gang zur Tanksäule. Jede Stadt später steigt der Literpreis und als wir endlich, nach gefühlten endlosen Stunden später, die Grenze zum Northern Territory passieren und in die Straße zum Ayers Rock einbiegen, sind wir bei einem Literpreis von 1,74 (zu sonst um die 1,30!). Jetzt ist es nicht mehr weit. Der Himmel über uns wölbt sich dunkelblau und weiße Wattewolken hängen plastisch über unseren Köpfen, wie in einer 3D-Animation. Als könnte man sie einfach wie Zuckerwatte vom Himmel pflücken. Ich bin mir fast sicher, wenn ich aus dem Auto und auf`s Dach steigen würde, könnte ich sie berühren.

Viel Grün im roten Herzen Australiens
Viel Grün im roten Herzen Australiens

Mittlerweile sind wir so aufgeregt, dass wir nur noch unruhig auf unseren Sitzen herumrutschen. 140 Kilometer noch. Plötzlich taucht zu unserer linken ein roter Berg aus der grünen Wiese auf. Ist er das etwa schon? Nervös starre ich hinaus und versuche in der Ferne mehr zu erkennen. Wir kommen näher und irgendwann erhasche ich einen vollständigen Blick darauf. „Nein, das ist er nicht.“ Bin ich enttäuscht. Der Ayers Rock ist kein Tafelberg, wie dieser hier. Ein paar Kilometer weiter sehen wir dann auch das Schild: Mt. Connor (The forgotten Mountain). Okay, dann also noch nicht. Noch ein bisschen Warten. Als vor uns plötzlich mitten auf der Straße ein schwarzer VW-Golf steht, halten wir verwundert dahinter an. Was ist denn hier los? Und da sehen wir sie: Wilde Dromedare! Kein Witz! 3 Stück, direkt am Straßenrand. Wir sehen uns an: „Sind wir irgendwo falsch abgebogen und im Orient gelandet? Oder schon so dehydriert, dass wir eine Fata Morgana haben?“ Echte wilde Kamele im Outback? Davon hatten wir noch etwas gehört. Die 3 starren uns irritiert an, ehe eines direkt vor unserem Auto über die Straße läuft und wenig später mit den anderen beiden zwischen den Bäumen verschwindet. Das kam jetzt echt überraschend!

Nein wir sind hier nicht im Orient
Nein wir sind hier nicht im Orient

Eine Stunde später sehen wir dann endlich die ersten Zipfel des heiligen Berges. Je näher wir kommen, desto höher und majestätischer hebt er sich mit seinen 348 Metern gegen den blauen Himmel ab. Immer wieder bitte ich André anzuhalten, damit ich ein Foto machen kann, er wird schon ganz unruhig, will er direkt zum Berg und ihn nicht nur aus der Ferne sehen. Wir passieren den Nationalparkeingang und legen die letzten 15 Kilometer bis zum Berg zurück. Es hat etwas Spirituelles, nach all den Strapazen der Reise anzukommen. Vor 3 Tagen hätten wir es noch nicht zu glauben gewagt, dass wir diesen Mammuttrip tatsächlich schaffen. Und nun sind wir da. Wir! Am Ayers Rock! Als wir das Auto abstellen und in die Stille hinaustreten, reißen wir die Arme in die Höhe „Geschafft!!!!!!!“ jubeln wir und fallen uns in die Arme. Wir sind tatsächlich mit dem Auto hierhergefahren. GEFAHREN! Jeder Dummdödel kann schließlich zum Ayers Rock fliegen, nur wahre Helden fahren die 1.500 Kilometer selbst. „We can be heroes!“ In unserem Reiseführer steht, es sei eine epische Reise hierher, ich zitiere: „Adelaide to Alice Springs along the Stuart Highway. For wide open spaces and an adventure you`ll never forget this epic journey from the southern ocean to Australia`s red heart and beyond is a must…” Es hatte beinahe etwas von Pilgern, diese Fahrt hierher, das Ziel immer vor Augen und doch war ja auch der Weg das Ziel. Und nun sind wir da! Einen schöneren Abschluss für unseren Australien-Aufenthalt kann man sich kaum wünschen.

Der heilige Berg
Der heilige Berg

Fassungslos und müde laufen wir die wenigen Schritte direkt bis zum Felsen, zu seinem Fuße fühlen wir uns wie winzige Ameisen unter einem Baum. Da es bereits später Nachmittag ist, haben wir den Weg fast für uns allein, die befürchteten Touristenströme bleiben aus und wir genießen die Ruhe. Die Abendsonne taucht den heiligen Berg in ein goldenes Licht, als ich ihn berühre, spüre ich die Wärme, die er vom Tag gespeichert hat und versuche mit geschlossenen Augen ein wenig seiner Kraft zu fühlen. Wie konnte nur mitten auf einer Ebene ein derartiger Berg entstehen? Für die Forscher bis heute ein Rätsel ist der Ayers Rock für die Aborigines heilig. Laut Wikipedia ist der Uluru kein eigenständiger Gesteinskörper, sondern ein Teil einer unterirdischen Gesteinsschicht, die auch am 30 km entfernten Katja Tjuṯa an die Erdoberfläche tritt. Die Besteigung ist in Ausnahmefällen sogar möglich, es wird jedoch dringend davon abgeraten, da hier bereits 35 Menschen zu Tode gekommen sind.

Endlich da
Endlich da

Dafür führt direkt um den Berg ein kleiner Pfad, Eukalyptusbäume heben sich mit weißen Stämmen kontrastreich gegen den Himmel ab. Höhlen zeigen Jahrhunderte alte Felsmalereien und wir staunen immer wieder, wie glatt und einzigartig dieses Gestein ist. Schmale Rinnen sind vom Regenwasser schwarz gefärbt, ansonsten ist der Berg von einem bestechenden Rot, wie die Erde auf der er steht. Unser Weg endet an einem winzigen See mit heiligem Wasser, welches die Aborigines-Frauen für traditionelle Zeremonien verwenden. Nicht überall darf man übrigens fotografieren oder den Stein berühren. Viele Abschnitte sind so heilig, dass man nur in aller Stille daran vorübergehen kann. Als dann doch noch eine Reisegruppe an uns vorüberzieht, die meisten bekleidet mit peinlichen Netz-Hüten gegen die, zugegebenermaßen, ziemlich lästigen Fliegen, die einem hier buchstäblich in jede Körperöffnung fliegen wollen, sind wir wie immer unendlich froh, keine Pauschaltouristen zu sein. Es lebe das individuelle Reisen. Zurück am Parkplatz setzen wir uns noch für ein paar Minuten still auf eine Bank und lassen den Ausblick auf uns wirken. Die Sonne ist hinter den aufziehenden Gewitterwolken verschwunden, wir haben, wie immer, den perfekten Moment für unseren Besuch abgepasst. So richtig können wir uns nicht losreißen und uns verabschieden. Der Berg war das Ziel und jetzt haben wir nur noch eine verdammt lange Rückfahrt vor uns. Wir mögen beide noch nicht an morgen denken. Statt dessen fahren wir zurück ins 100 Kilometer entfernte Curtin Springs, unser Nachtlager für heute. Im Rückspiegel beobachten wir den immer kleiner werdenden Berg, wir waren tatsächlich da. Die Stimmung im Auto ist feierlich. Obwohl wir kein Wort sagen, sind wir uns nur stumm einig, über unser Erlebnis. Es gibt nichts mehr zu sagen, wir wissen beide, wie sich der andere fühlt.

Abschied vom Ayers Rock
Abschied vom Ayers Rock

In Curtin Springs dann die Vorbereitungen für morgen. Tanken, bei schmerzlichen 1,94 den Liter. Der Ort besteht nur aus einer Farm, klar das hier, bei den langen Transportwegen, alles um das 10-fache teurer ist. Um Geld zu sparen, nutzen wir den kostenlosen Zeltplatz. Wir suchen uns einen ruhigen Stellplatz unter den Bäumen, stellen das Auto ab und präparieren es für die Nacht. Mit uns nur eine handvoll Autos, im Gegensatz zu uns besser für das Outback gerüstet. Sie machen Lagerfeuer, schlagen ihre Zelte auf und duschen unter den Bäumen. Diese Nacht, das weiß ich schon jetzt, werden wir niemals vergessen. Wir, mitten im Outback, eine Nacht quasi in der Wildnis unter dem Sternenhimmel. So komme ich doch noch zu meinem gewünschten Farmstay. Allerdings in einer etwas anderen Form als geplant. Ich kämpfe noch mit dem neugierigen Haus-Emu. Aufdringlich schleicht er um unser Auto herum, in der Hoffnung, etwas Fressbares zu finden. Aufgerichtet ist er so groß wie ich und mir irgendwie nicht wirklich sympathisch. Ich springe ins Auto und werfe die Tür hinter mir zu, er steht draußen, mit dem Schnabel direkt an der Scheibe und starrt mich aus seinen undurchdringlichen braunen Augen tiefgründig an. Wäre die Scheibe nicht dazwischen, würden sich unsere Nasen berühren. Egal was ich auch tue, sein Blick verfolgt mich und er will einfach nicht weggehen. André steht etwas entfernt draußen und amüsiert sich köstlich. Nach dem wir uns noch gute 5 Minuten gegenseitig durch`s Fenster taxiert haben, gibt der Emu endlich auf und trottet davon. Endlich kann ich unser spärliches Abendessen zubereiten und danach klappen wir die Autositze zurück und versuchen es uns, so gut es geht, bequem zu machen. Nach und nach wird es ruhig um uns, durch die offenen Fenster zieht ein angenehm kühler Luftzug. In der Ferne Wetterleuchten, Blitze zucken immer wieder kurz über den Himmel. Lange können wir nicht einschlafen, trotz Müdigkeit, zu aufregend war der Tag. Wir starren in die Dunkelheit und erst als das letzte Lagerfeuer um uns erlischt, finden wir Schlaf. Meine letzten Gedanken, was ist, wenn des Nachts eine giftige Spinne oder Schlange durch die geöffneten Fenster ins Auto krabbelt oder kriecht, versuche ich auszublenden.

Autsch
Autsch

Tag 4, Dienstag, 15.02.2011, 1.086 Kilometer

 

Als Bewegung in die ersten Zelte um uns herum kommt, schlage ich die Augen auf. Es ist noch stockdunkel und ich habe erstaunlich gut geschlafen, wenn man das von einer Nacht im Auto überhaupt sagen kann. Relativ fit beobachte ich, wie die ersten, um rechtzeitig zum Sonnenaufgang am Ayers Rock zu sein, aufbrechen. Warum eigentlich nicht jetzt schon los fahren? Überlege ich mir, während auch André langsam wach wird. Ich unterbreite ihm meinen Vorschlag, und er nickt nur schlaftrunken. Ich bedeute ihm, weiterzuschlafen und steuere das Auto hinein in die Nacht. Zurück bis zum Haupt-Highway in Richtung Süden sind es von hier gute 150 Kilometer und da heute eine Fahrtstrecke von knapp 1.200 Kilometer vor uns liegt, ist es gut, wenn wir zeitig starten. Die Straße ist komplett leer und ich fahre langsamer als sonst, weil ich Angst habe, dass mir im Kegel der Scheinwerfer doch noch ein Känguru vor`s Auto springt. Laut Uhr ist es jetzt um sechs und ich warte vergeblich auf die ersten Anzeichen der Dämmerung. Über eine Stunde fahre ich durch die Dunkelheit, nur Gelegentlich hoppelt ein Hase über die Fahrbahn, bis endlich ein schmaler heller Lichtstreifen am Horizont auftaucht. Langsam, ganz langsam färbt sich der Himmel dunkelblau und von Minute zu Minute wird es heller. Eine Wohltat für meine müden Augen, fahre ich doch nicht gerne nachts. Ich genieße die Stille, André schläft wieder ganz fest, so allein auf der Straße nur ich und die Weite um uns herum. Bäume und Berge nehmen langsam Kontur an im Licht der aufgehenden Sonne. Noch ist sie nicht auszumachen, nur aus dem dunkelblau wird allmählich ein zartes gelb. Erst als wir gegen 7:30 in Erldunda ankommen, dem Kreuzungsort zwischen Alice Springs und Coober Pedy und wieder auf den Haupt-Highway fahren, blitzen die ersten Strahlen auf und wir kneifen die Augen zusammen, angesichts des gleisenden Lichtes. Jetzt ist auch André wach und hat das Steuer übernommen, damit ich noch ein wenig schlafen kann. Heute heißt es wirklich einfach nur fahren, fahren und nochmals fahren. Wir wollen zurück bis Port Augusta, von wo wir morgen weiter in Richtung Sydney fahren werden. Das bedeutet, wenig Pausen, eigentlich nur Tankstopps, viele Fahrerwechsel und ein straffes Reisetempo.

Zum Glück ist auch heute wieder wenig Verkehr und wir können straff die 140 km/h durchfahren. Wir kommen gut voran. Alle 2 Stunden legen wir eine kurze Pause ein, um zu tanken und uns am Steuer abzuwechseln. Die Kilometer fliegen dahin und gegen Mittag sind wir bereits zurück in Coober Pedy. Da noch eine Nacht hier für uns nicht in Frage kam, fahren wir direkt weiter. Nur hin und wieder bremst uns einer der riesigen Road Trains aus, riesige LKW`s und Schwerlasttransporte, zum Teil mit bis zu 3 Anhängern. Bei einer schnurgeraden Straße ohne Gegenverkehr zum Glück kein Problem. Wir haben heute kaum einen Blick für die Umgebung. Schlafen und Fahren wechseln sich ab. Unser kleiner Huyndai bringt uns zuverlässig und schnell gen Süden. Die Orte Glendambo und Pimba lassen wir links liegen. Unglaublich, dass wir noch gestern und vorgestern auf dieser Strecke gen Ayers Rock gefahren sind, wir winken den entgegenkommenden Fahrern, diese haben ihr Highlight noch vor sich. Überhaupt ist Grüßen hier Pflicht. Egal ob Camper oder LKW, wenn uns ab und zu dann doch mal ein Fahrzeug entgegen kommt, grüßen wir uns gegenseitig – lonely riders on the road of life…

Weites Land
Weites Land

Gegen 17:30 Uhr sind wir zurück in Port Augusta. Schneller als gedacht. Und… müde. Hundemüde. Wir steuern den nächsten Campingplatz an – Hostels sind auch hier Fehlanzeige. Die Cabins, wie immer zu teuer, was bleibt, wieder der Zelt-Stellplatz und noch eine Nacht im Auto. Immerhin eine Dusche heute und eine Campingküche. Die weihen wir dann auch gleich Mal ordentlich ein, ehe wir uns den Staub des Outbacks von den Körpern waschen. Die Zivilisation hat uns wieder. Das Outback liegt hinter uns. 3436 gefahrene Kilometer. Morgen noch einmal eine Mammut-Etappe von 1.200 Kilometern bis kurz vor Sydney. Dann haben wir es geschafft.

Tag 5, Mittwoch, 16.02.2011, 1.168 Kilometer

 

Waren wir gestern noch hoch motiviert, die lange Strecke anzugehen, können wir uns heute kaum aufraffen. Viel zu spät quälen wir uns aus unseren Autositzen, viel zu spät machen wir uns auf den Weg. Von Port Augusta geht es zunächst über ein paar Dörfer in Richtung Osten, ehe wir auf den richtigen Highway stoßen. Autobahn auch hier Fehlanzeige, wieder nur Landstraße. André hat es Erkältungstechnisch voll erwischt, seine Augen sind ganz klein und müde. Ich schrubbe Kilometer, d.h. durchziehen. Nur, heute sind Berge und Täler, Kurven und wesentlich mehr Verkehr an der Tagesordnung. Wir queren ein paar Pässe, Erinnerungen an Neuseeland werden wach. Kühe und Schafe grasen an der Straße, lediglich die allgegenwärtigen Eukalyptusbäume erinnern uns daran, dass wir noch in Australien sind. Dann mal wieder weite Plateaus, auf denen ich das Ende der Straße nicht ausmachen kann. Die Luft ist heiß, die Klima läuft auf Hochtouren und doch schwitzen wir im Auto wie verrückt. Die Straße verschwimmt in der Glut der Mittagssonne und immer wieder breche ich Überholvorgänge ab, weil ich in der flirrenden Hitze nicht ausmachen kann, ob uns ein Auto entgegen kommt oder nicht. Eine Herde Emus steht irgendwann auf der Straße und lässt sich kaum dazu bewegen, den Weg frei zu machen.

Straßensperre der etwas anderen Art
Straßensperre der etwas anderen Art

Orte, die so einsam sind, dass ich für eine Million nicht freiwillig hierherziehen würde. Wieder Outback, abwechselnd mit grünen Hügeln und Wiesen. Irgendwann die Grenze zu New South Wales. Dazwischen immer wieder Tanken. Jedes Mal kratzen wir die Überreste der Schmetterlinge, Fliegen und Libellen von Windschutzscheibe und Kühlerhaube. Ein gefundenes Fressen für die Krähen und Raben, die sich begierig darauf stürzen, wie auf ein kaltes Buffet. Jeder Muskel schmerzt von zwei Nächten hintereinander im Auto und wir sehnen uns nach unserem heutigen Ziel, der kleinen Stadt Dubbo, 300 Kilometer vor den Toren Sydneys. Dort wartet zum ersten Mal seit 5 Wochen ein Hotelzimmer auf uns. Ein Einzelzimmer mit eigenem Bad! Nur das treibt uns voran und macht die Fahrt irgendwie erträglich. Wir reden nicht viel, die Ereignisse der vergangenen Tage schwirren in unseren Köpfen herum und die Tatsache, dass wir mal eben 4.700 Kilometer in 4 Tagen gefahren sind. Ab der Stadt Broken Hill sind wir plötzlich wieder mitten im Outback. Eukalyptusbäume überwuchern halb die Straße, als hätte man gerade erst frisch eine Schneiße in den Urwald geschlagen. Als die drückende Schwüle dann kaum noch zu ertragen ist, öffnet der Himmel endlich seine Schleußen und endlich, endlich regnet es wieder. Wir fahren direkt in eine dunkle schwarze Wand, hinter uns die untergehende Sonne und vor uns… ein Regenbogen. So kräftig in den Farben, so intensiv. Ich halte mitten auf der Straße und springe hinaus mit der Kamera. Ein krönender Abschluss unseres Outback-Trips! Gerade rechtzeitig zum Einbruch der Dunkelheut erreichen wir schließlich Dubbo und beziehen unser Zimmer. Noch ehe André mit dem Essen vom Fastfood-Restaurant um die Ecke zurückkommt, bin ich eingeschlafen. 12 Stunden Fahrt zollen ihr Tribut. Wir sind am Ende. Doch alle Anstrengung hat sich gelohnt. Wir haben den Ayers Rock gesehen! Noch vor 5 Wochen sind wir bei der Vorstellung, den weiten Weg ins Outback zu fahren, in Gelächter ausgebrochen, so abwegig erschien uns der Gedanke. Doch nun haben wir es tatsächlich getan. 4 Staaten in 5 Tagen. Victoria, Southern Australia, Northern Territory und New South Wales. Eine wahrhaft durchgeknallte Reise!

Willkommener Regen
Willkommener Regen

Noch mehr Fotos vom Outback Trip gibt`s hier:

http://wirsinddannmalunterwegs.jimdo.com/fotogalerie/australien/

1 Kommentare

Do

17

Feb

2011

Die Straße der 100 und eins Koalas

Der Duft von Eukalyptuswäldern, die nach Nadelwald riechen, als hätte man eben ein Räucherkerzchen mit dem obligatorischen Kiefernduft angezündet, und „die Straße der 100 und eins Koalas“ werden uns wohl ewig an die Great Ocean Road erinnern. 3 Tage Roadtrip an der Südküste Australiens, eines DER Wahrzeichen des Landes und viele hübsche verschlafene Dörfchen am Meer haben sich in unser Gedächtnis gebrannt. Da sich mit den 12 Aposteln das wohl (neben dem Ayers Rock) bedeutendste und meistbesuchte Ziel von Down Under befindet, müsste man denken, dass die Küste sehr touristisch ist. Aber das Gegenteil ist der Fall. Wir haben eher Ruhe und Abgeschiedenheit entdeckt, einsame Strände, wilde Wälder, rauhe Küsten, bedeckt mit einem feinen Nebel aus meterhoher Gischt, die dem Ganzen eine magische, fast mystische Stimmung verleihen. Mehr Irland, weniger Australien.

Dieser hübsche bunte Prachtkerl frisst André sprichwörtlich aus der Hand
Dieser hübsche bunte Prachtkerl frisst André sprichwörtlich aus der Hand

Von Melbourne ging es per Mietwagen über Torquay gen Süden, lange, sehr lange, sind wir im Landesinneren gefahren und konnten es kaum erwarten, bis die Straße endlich ans Meer ging. Mit 250 Kilometern ist die Great Ocean Road, neben dem Pacific Coast Highway in Kalifornien, eine der beliebtesten und bekanntesten Küstenstraßen der Welt. Hinter Torquay, dem Surfer Mekka, welches für uns nur ein paar verächtliche Mini-Wellen übrig hatte, ging es dann endlich an die Küste und langsam konnte man die Schönheit dieses Küstenstreifens erahnen. Bei Bells Beach dann die wahren Surfer Helden, die gekonnt, als hätten sie nie etwas anderes gemacht, die Wellen abreiten, eine nach der anderen, scheinbar mühelos und wir erinnern uns an unsere ersten wackligen Versuche. Das Wetter: rau, zum ersten Mal seit Tagen kein Sonnenschein, sondern tiefhängende Wolken, Nebel, dafür eine Luft, dermaßen frisch, dass jeder Atemzug wahrscheinlich eine wahre Freude für unsere Lungen ist. Wir kurbeln die Fenster runter und halten unsere Nasen in den Fahrtwind, während uns die Serpentinen durch dichte Eukalyptuswälder führen. Mit Lorne dann das hübscheste der kleinen Ortschaften, direkt am Meer, mit Strand und einer süßen Promenade, gerne würden wir bleiben, doch die Zeit treibt uns weiter. Ab hier dann das schönste Stück der Straße: Direkt am Abgrund, über dem Meer, windet sich die Great Ocean Road den Hang entlang, Haarnadelkurven bieten Ausblicke auf die Steilküste, die uns den Atem anhalten lassen. Vielleicht, oder gerade deswegen, weil heute keine Sonne scheint, und die Wellen sich unbarmherzig gegen schwarze Felsen drücken, ist es hier so faszinierend. Sonnige Strände mit seichtem Meer hatten wir genug in den letzten 4 Wochen. Hier kann man die Unerbittlichkeit der Natur spüren und am liebsten würde ich mich in einem der niedlichen Bed&Breakfasts einquartieren, mich in eine Decke gehuschelt auf die Terrasse mit Blick auf`s Meer setzen und eine Tasse heiße Schokolade trinken.

"Unser" Koala - ganz zahm, ganz zutraulich
"Unser" Koala - ganz zahm, ganz zutraulich

Ab Apollo Bay dann dichter Küstenregenwald mit unzähligen Eukalyptusbäumen, die so unverkennbar riechen, dass man den Geruch einpacken und mitnehmen möchte. Wenn Koalas high vom Fressen der Blätter werden können, dann sind wir es von der Frische des Duftes. Vögel zwitschern und wir halten Ausschau nach den kleinen Tieren, die sich in den obersten Baumwipfeln versteckt halten. Steile Straßen, dicht bewachsen, die eine maximale Geschwindigkeit von 35 km/h zulassen, zwingen zum langsam fahren, zum Glück, denn nur so, kann man den Wald richtig riechen.

 

Nach einer durchwachten Nacht im einsamen Princetown, verlassen, mit schätzungsweise unter 10 Einwohnern dann die 12 Apostel. Gehüllt in undurchdringlichen Nebel sind sie nur schwer auszumachen, wir stehen eingemummelt in unsere dicken Pullover zitternd auf der Aussichtsplattform, bei um die 15 Grad! Und das, wo wir vor wenigen Tagen noch 42,2 Grad in Sydney hatten. Es bedarf noch zweier weiterer Anläufe, ehe wir am dritten Tag dann diesen Küstenstreifen mit Sonne bewundern können. Riesige gelbe Sandsteinfelsen, die einsam aus dem Meer ragen, Felshöhlen, die der Zahn der Zeit in das Gestein geschlagen hat. Hubschrauber kreisen über den Klippen und hunderte Busse laden Tonnen japanischer Touristen aus – das ist nichts für uns. Dann lieber den Cape Otway Nationalpark, unser persönliches Highlight der Tour. Die Straße der 100 und eins Koalas, wie wir sie nennen, eine 12 Kilometer lange schmale Route durch dichten Wald hinaus zum Leuchtturm. Die Wurzeln der Eukalyptusbäume am Straßenrand heben den Asphalt schon und wir bleiben alle 2 Minuten stehen, um uns die Hälse nach den wilden Koalas zu verrenken, die in den Wipfeln über uns sitzen. Hunderte müssen es sein. Oder tausende. In jedem Baum sitzen sie. Schauen zu uns herab. Manche mit Babys auf dem Rücken. Und einer, direkt am Straßenrand, der sich erst für ein Foto in Pose setzt um dann direkt vor unseren Füßen über die Straße zu laufen. Wer braucht Touristenscharen, wenn er wilde Natur um sich haben kann?

Die 12 Apostel - das Wahrzeichen, neben dem Ayers Rock, Australiens
Die 12 Apostel - das Wahrzeichen, neben dem Ayers Rock, Australiens

3 Tage Great Ocean Road, wir haben viel erwartet, und viel unerwartet Schönes vorgefunden. Die schönsten Momente waren immer die, in denen wir abseits der Straße ungeplante Stopps eingelegt haben. Hätten wir nicht den Leuchtturm sehen wollen, wären wir den Koalas nicht begegnet. Hätten wir nicht wegen eines Umwegs tanken müssen, hätten wir nicht wilde, bunte Papageien füttern können. Ausgetretene Pfade verlassen und Neuland entdecken. Das Salz in der Suppe des Reisens!


Noch mehr Fotos von der Great Ocean Road gibt`s hier:

http://wirsinddannmalunterwegs.jimdo.com/fotogalerie/australien/

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Di

15

Feb

2011

Melbourne - ganz und gar nicht wie Sydney

Touristen, vorwiegend Backpacker, äußern sich gerne mal abfällig darüber, dass Melbourne auf dem Reißbrett entstanden sein soll. Tatsächlich haben wir bisher keine Stadt besucht, in der so viel moderne Architektur entstanden ist bzw. sich noch in der Bauphase befindet. Als würde die ganze Stadt in einem unsichtbaren Wettkampf mit sich selbst stehen (und vielleicht konkurriert sie auch ein wenig mit Sydney, was sie eigentlich nicht wirklich nötig hat) vibriert das Stadtzentrum vor Tatendrang. Es scheint fast so, als wäre diese Stadt erst in den vergangenen 10 Jahren erbaut worden, so nagelneu sehen die Gebäude aus und viele sind nach wie vor noch Baustellen. So zum Beispiel die Docklands. Ein riesiger Wohn- und Geschäftskomplex, der am Hafen komplett neu aus dem Boden gestampft wurde. Beinahe eine eigene Stadt in der Stadt. Wir laufen durch die Straßen und sie sind so neu, dass vereinzelt noch Bauzäune und –Schilder stehen und wir teilweise um Baugruben herumstiefeln müssen.

Dockland
Dockland

In Wahrheit braucht sich Melbourne keineswegs vor einem Vergleich mit Sydney fürchten. Ganz im Gegenteil. Beide Städte könnten unterschiedlicher nicht sein und der Mix hier aus historischem Baumaterial und Neuzeit ist hervorragend geglückt. Dem Besucher der "europäischsten" Stadt Australiens bietet sich eine Fülle an Museen, Theatern, Parks, Sportstätten, jedem Kunst- und Kulturliebenden dürfte das Wasser im Munde zusammen laufen. Was dem Sydney sein Darling Harbour und Circular Quay sind, dürften den Melbournern ihre Sounthbanks sein. Direkt am Yarra-River, der sich mitten durch das Zentrum zieht, sind beidseitig wunderschöne Fußgängerzonen mit unzähligen Restaurants und kleinen Cafés entstanden, die zum Verweilen einladen und einen Blick auf die atemberaubende Skyline bieten. Mitten dazwischen der Eureka Tower, mit 297,30 Metern das höchste Gebäude der südlichen Hemisphäre. Mit um die 30 $ Eintritt hat der Blick vom Skydeck dann auch seinen Preis, weswegen wir lieber am Wasser flanieren.

Am Fluss
Am Fluss

Das Besondere an der Stadt, und woran sich deutsche Städte gerne mal ein Beispiel nehmen können, es gibt einen kostenlosen Stadtbus und eine Straßenbahn, die einmal rundherum ums Stadtzentrum verkehren und einem die wichtigsten Sehenswürdigkeiten nahe bringen. Unser Hostel ist zum Glück nur einen Katzensprung vom Zentrum entfernt und so nutzen wir unsere 3 Tage ausgiebig um die Straßen zu erkunden. So viel gibt es zu sehen, auf unserer Ostküstentour haben wir ein deutsches Mädel kennengelernt, die sich unsterblich in Melbourne verliebt hat und gleich mal 7 Wochen hier hängen geblieben ist. Kein Wunder. Zu vielfältig ist der Mix der Einheimischen, zu aufregend die Szene. Ein Kasino, so groß, dass man sich darin verlaufen kann und wir beinahe 1 Stunde gebraucht haben, um wieder hinaus zu finden. Riesige Kathedralen, so mächtig, dass sie eher ins tiefste Gothik Frankreichs gehören, als nach Australien. Und, wir können unseren Augen kaum trauen – ein bisschen Wiener Charme mit Fiakern in der Innenstadt. So hatte ich dann auch beinahe Tränen in den Augen, als wir an der Rod Laver Arena vorbeifuhren, genau 7 Tage nach dem Finale der Australian Open! Aber an alles kann man nun mal nicht denken, wenn man eine 6-monatige Reise plant. Und es gibt ja schließlich noch die French Open, Paris ist nicht ganz so weit weg und dann steht Roger Federer hoffentlich wieder im Finale!

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Mi

09

Feb

2011

42,2°, eine Brunch-Fahrt und ein bisschen Wildlife

Hätten wir damals, vor einem Jahr, gewusst, dass wir so schnell wieder nach Sydney zurückkommen würden, wären wir sicherlich nicht so enttäuscht gewesen, damals das Feuerwerk zu Silvester um genau 6 Stunden verpasst zu haben. Nun sind wir mittlerweile zum 5. Mal (!) in dieser Stadt, die sich nicht umsonst rühmt, eine der Städte mit der höchsten Lebensqualität zu sein. Als wir aus dem Bus von Byron Bay kommend steigen (nach wieder einmal einer an die 16 stündigen Bus-Nachtfahrt), empfängt uns erst einmal senkende Hitze! Die schwere heiße Wand hängt zwischen den Wolkenkratzern von Downtown und wir kämpfen uns gegen unseren inneren Schweinehund mit unseren inzwischen annähernden 30 kg Gepäck pro Person in Richtung Hostel. Eine derartige brütende Hitze haben wir hier noch nie erlebt, da kommt nicht einmal Bangkok in der Trockenzeit heran. Der Wahnsinn! Alles um uns herum stöhnt und schwitzt und als wir endlich an der Rezeption stehen um einzuchecken, im Wake Up, dem natürlich coolsten Hostel in Sydney, werfe ich erleichtert meinen schweren Rucksack ab und lasse mich in die weichen Kissen der Lobby-Couch sinken. Sydney hat uns wieder! Wir sind einfach nur happy. Kein Wunder, dass die Menschen hier einfach immer gute Laune haben. Bei knapp 9 Monaten Sonnenschein im Jahr, dem Beach direkt vor der Haustür, all den hippen Cafés und Geschäften, lässt es sich definitiv aushalten. Wäre nur Sydney nicht so verdammt weit weg von zu Hause! Über 20 Stunden Flugzeit! Aber egal, jetzt sind wir erst einmal wieder zurück, und haben erneut 2 Tage Zeit, die Stadt unsicher zu machen.

Darling Harbour
Darling Harbour

So ging es dann auch erstmal direkt zum Darling Harbour, dem hübschen Hafenviertel mit seinen unzähligen Restaurants. Hier waren wir schon am 01.01. diesen Jahres, bevor es nach Fiji ging, zum ersten Mal und hatten einen traumhaften Spaziergang von hier bis zum Circular Quay gemacht. Auf dem Weg in Richtung Darling gibt es glücklicherweise überall Springbrunnen, die dazu einladen, sich abzukühlen. Am Hafen dann ist die Hitze beinahe unerträglich. Als würde man vor einem offenen Backofen stehen, bläst einem der wüstenartige Wind heiß um die Ohren. Wir retten uns von Schatten zu Schatten, wetten, wie viel Grad genau heute sind, und überlegen gerade, was wir bei diesen extremen Temperaturen in Sydney anstellen könnten, als uns eine Frau plötzlich ihr Tagesticket für die Wildlife World, einen Zoo gleich um die Ecke, in die Hand drückt. Das ist ja toll! Wir nutzen natürlich direkt die Gelegenheit und sind umso positiver überrascht, als wir am Eingang stehen und sehen, was uns das hier an Eintritt gekostet hätte, hätten wir es selbst bezahlen müssen – 49,90 $ pro Person! Wir flüchten in das klimatisierte Innere und befinden uns sofort in Mitten von unzähligen Terrarien voller Schlangen, Spinnen, Ameisen und anderer Insekten. Australien hat die gefährlichsten Tiere der Welt doch die von ihnen ausgehende Gefahr wird eindeutig überschätzt! Die meisten Tiere sind so scheu, dass es kaum zu Berührungen zwischen Mensch und Tier kommt, und wenn, dann haben sämtliche Krankenhäuser direkt die jeweiligen Gegengifte parat. Also alles halb so wild. Viele der giftigen Schlangen und Spinnen sind zu dem nur im einsamen Outback zu finden, ein weiterer Punkt, warum man sich absolut keine Gedanken machen muss, nach Australien zu reisen. Wir haben jedenfalls in unseren über 3 Wochen hier nur friedliche Exemplare zu Gesicht bekommen ;-)

Wildlife World am Hafen
Wildlife World am Hafen

Die nächsten 2 Stunden bestaunen wir also sämtliche in Australien lebenden bekannten Tierarten. Die meisten davon, Koalas, Kängurus, Wombats etc. haben wir ja eh schon unterwegs gesehen, dort allerdings in einem wesentlich natürlicheren Lebensraum, als hier im künstlichen Zoo. Dennoch ist die Wildlife World hübsch gemacht, ein netter Tierpark in Mitten der Stadt, der auch Australien-Besuchern, die nur kurz auf der Durchreise sind, einen guten Überblich über die Fauna des Landes bietet. Mehr als beeindruckt sind wir dann doch von einem gut 5 Meter langen riesigen Alligator, der zunächst majestätisch durch ein großes Wasserbecken gleitet, um sich dann faul an Land zu räkeln. Mit diesem Ur-Vieh möchte man jedenfalls keine Begegnung in freier Wildbahn erleben. Der könnte uns, ohne mit der Wimper zu zucken, im Ganzen verschlucken!

 

Als wir irgendwann am späten Nachmittag wieder ins Tageslicht treten, haben die Temperaturen kein Stück nachgelassen. Jeder kleine Anstieg in den Straßen gleicht einer Everest-Besteigung und wir werden später in der Zeitung lesen, dass dies der heißeste Tag mit sagenhaften 42,2° des bisherigen Jahres war!

Die Harbour Bridge
Die Harbour Bridge

Am nächsten Morgen heißt es dann zeitig aufstehen, wir haben für heute einen Brunch-Cruise durch den Hafen gebucht. Das hatte ich mir schon ewig gewünscht und nach über 3 Wochen Supermarkt-Verpflegung mit Toastbrot und Müsli wollten wir es uns endlich mal wieder richtig gut gehen lassen. Um 9 Uhr war dann also Abfahrt ab Darling Harbour und nach einem Glas Champagner und einer witzigen Begrüßung durch den Chef-Stuart laufen wir aus und steuern in Richtung Harbour Bridge und Opera House. Das Buffet wird wenig später eröffnet und wir stürzen uns auf Bohnen, Speck, Rührei und Würstchen. Mmmhhhh…. Mit randvoll beladenen Tellern balancieren wir zurück zu unserem romantischen Tisch am Fenster und genießen beim Essen den Blick auf den Hafen von Sydney. Am Circular Quay lesen wir dann noch ein paar weitere Passagiere auf, dann geht die Fahrt in östliche Richtung bis zum Point Piper, wo wir unsere Silvesternacht verbracht haben, um das Feuerwerk zu sehen. Erst jetzt erfahren wir, dass die kleine Halbinsel im Hafen der teuerste Wohnplatz am Ort ist, da haben wir uns ja ein dekadentes Fleckchen für den Jahreswechsel ausgesucht ;-))) Auf der Rückfahrt bieten sich dann endlich tolle Blicke vom Wasser aus auf die Oper, die Skyline und die Brücke und wir machen tausend Fotos, Jana mit Brücke, André mit Oper, Jana und André vor Oper, neben Oper, unter der Brücke, mit allem zusammen und und und.

Mit der Captain Cook auf Brunch-Cruise durch Sydneys Hafen
Mit der Captain Cook auf Brunch-Cruise durch Sydneys Hafen

Vollgefressen rollen wir dann am Circular Quay von Bord, nicht ohne noch die aktuelle Tageszeitung als Andenken mitzunehmen, in der über den gestrigen Hitzerekord berichtet wird. Auch heute ist es immernoch annähernd 35° warm und wir retten uns in den Finanzdistrikt, in den Schatten riesiger moderner Hochhäuser. Das Zentrum der Stadt kennen wir nach mittlerweile 4 Besuchen wie unsere Westentasche und an jeder Straßenecke kommen andere Erinnerungen hoch. Im Hydepark beobachten wir spielende Kinder, händchenhaltende Pärchen und hunderte Studenten. Es scheint, als würde die ganze Stadt vor Energie und Frische nur so sprühen. Im Film „Eat, Pray, Love“ vergeben die Darsteller bezeichnende Adjektive an Städte. So bekam London das treffende „steif“ zugeteilt, New York „zielstrebig“ und wir haben am 01.01.11 als wir vor der Oper in einer Bar vor einem riesigen Teller Penne mit Shrimps saßen, überlegt, welches Adjektiv wohl am besten auf Sydney zutreffen könnte. „Jung“ und „Sexy“ waren wir uns einig. So viele junge, hübsche und gut angezogene Menschen haben wir selten an einem Ort gesehen. Andrés treffender Meinung nach ist der Grund, warum es hier kaum fülligere Menschen gibt, schlicht und ergreifend der, dass die Leute hier 9 Monate im Jahr in Sommerklamotten und viel freier Haut herumrennen. Da kann man sich einfach keine Schwimmringe oder Pölsterchen an den falschen Stellen leisten ;-) Hier ist jeder Bordstein ein kleiner Laufsteg, jedes Ausgehen wird zelebriert. Jeden Abend findet irgendwo eine andere angesagte Party statt. Und wir ärgern uns einmal mehr, dass immer die schönsten Fleckchen auf Erden definitiv viiiiiel zu weit weg von Deutschland sind. Sydney jedenfalls ist uns nach San Francisco mittlerweile die liebste Stadt auf Reisen geworden.

 

Noch mehr Fotos von Australiens heimlicher Hauptstadt gibt`s hier:

http://wirsinddannmalunterwegs.jimdo.com/fotogalerie/australien/

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Mi

09

Feb

2011

Traumzeit-Legenden

This is an Aboriginal Dreamtime story about how the koala came to live in the Eucalyptus tree:


Long ago there were many koalas who would wander all over the land. Some were giants and able to reach the tops of the Eucalyptus trees along the Barwon River. After eating all the leaves, so none were left for the little ones, they would feel very comfortable and fall asleep along the river.


In a camp, not far away, there were two naughty boys named Billa and Mundi. Both the boys were told not to go down by the river because the giant koalas would roll over in their sleep and squash them. But the naughty boys did not listen. They took their boomerang and went down to the river to torment the giant koalas. Billa and Mundi would throw their boomerang at the giants and wake them up. When they went back to sleep the boys would run over and pick up their boomerang – until the giant koala rolled onto the boy`s boomerang. Knowing they would be in big trouble if they returned home without them, they crept towards the giant koalas and rolled them into the river.


As the giant koalas floated down the river they threw the boomerang into the Eucalyptus trees. The boys had to climb up into the trees but when they did, they turned into koalas themselves. Afraid the giants would return, Billa and Mundi must keep look out all night long with their boomerangs hidden in the trees.

Wer mehr über die Mythen und Legenden der australischen Ureinwohner, der Aborigines, erfahren möchte, wird auf dieser interessanten Seite fündig:

http://www.traumzeit-legenden.de/

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Mo

07

Feb

2011

Unglaubliche Begegnungen der dritten Art

Boah! Leute gibt es, dat jibt`s jar nüscht! Wenn man so lange unterwegs ist, trifft man unweigerlich über kurz oder lang immer wieder auf Menschen, die einem dermaßen suspekt sind, dass man ihnen normalerweise direkt aus dem Weg gehen würde. Aber in einem 8-Bett-Dorm ist das nun mal schlecht möglich. Oder einem voll besetzten Greyhound-Bus. Da kann man schlecht das Zimmer wechseln oder aussteigen. Da kommt es schon mal vor, dass man sich hinter ein paar dermaßen nach Knoblauch stinkenden Anti-Typen wiederfindet, oder in einem Zimmer mit einem Mit-Fünfziger schlafen muss, bei dem man sich fragt, warum der zum Teufel in einer Jugendherberge im Mixed Dorm absteigt? Oder nachts um 23 Uhr bei Mc Donalds, eingezingelt von Obdachlosen, die Selbstgespräche führen, aber Mc Donalds ist nun mal das einzige, was um diese Zeit auf hat, in einer Stadt, die sich Hauptstadt nennt, jedoch nicht mehr als ein Kuhkaff ist, wenn man 3 Stunden auf den Anschluss-Bus warten muss. Oder ganz zu schweigen von den Jungspunden, die in der Hostelküche (trotz Hinweisschild) gerne mal vergessen, dass sie nicht zu Hause bei ihrer Mutter sind, die ihnen den Dreck hinterherräumt und so einfach ihr benutztes Geschirr überall rumstehen lassen. Irgendein Dussel wird sich schon finden, der die paar Teller mit spült.

 

Ja, diese Liste könnte man jetzt unendlich fortsetzen, von Nacktschläfern haben wir gehört (im Mehr-Bett-Dorm!), weit verbreitet ist auch der Säger, der sich, sobald irgendwann im 8-Bett-Dorm gegen 03 Uhr morgens das Licht ausgegangen ist (nicht ohne dass noch ein paar Mal jemand lautstark und rücksichtlos hinein oder hinaus geplatzt ist) tief schlafend und laut schnarchend durch ganze Wälder hindurchsägt. Und übrigens: es gibt auch 20-Bett-Dorms. Na da fängt der Spaß erst richtig an. Das einzige Mittel gegen das alles: Ohropax und eine Augenklappe. Damit ist im Handumdrehen himmlische Ruhe und alles Lästige wird einfach ausgeblendet.

 

Ich habe mal gelesen, Reisen sei schlecht für Vorurteile. Und tatsächlich, wenn Du reist, musst Du Dich einfach an Deine Umgebung anpassen. Einfach irgendwann selbst wie ein Freak aussehen, dann wirst Du schon in Ruhe gelassen ;-) Nein im Ernst, so eine Reise härtet ab und fördert die Toleranz dermaßen. Dinge, die zu Hause ein absolutes No Go wären, sind unterwegs Alltag und Du findest Dich damit ab, bis es irgendwann normal ist. Da kommt es auch schon mal vor, dass Du morgens verschlafen ins Bad tappst, um Dir die Zähne zu putzen, und in den Toiletten kotzt sich einer die Seele aus dem Leib und daneben geht einer gepflegt seinem Geschäft nach. Und wenn sich ein Klischee bewahrheitet hat, 99,9% der Männer lassen immer, aber wirklich immer, die Klobrille oben!

 

Aber egal, alles was zählt, ist eine warme Dusche, egal wie versifft das Bad auch ist ;-), ein Bett (egal wo es steht, Hauptsache liegen) und eine Mahlzeit (den Verschmutzungsgrad mancher Hostelküchen möchte ich an dieser Stelle gar nicht erwähnen). Australien hat uns abgehärtet (Ja, Australien, nicht Südamerika!). Wir sind genügsam geworden. Und trotzdem zufrieden. Weil uns die vielen schönen Erlebnisse unterwegs dann wieder bewusst machen, was für ein Glück wir doch haben, so eine Reise machen zu können. Basta!

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So

06

Feb

2011

Byron Bay – Kleinstadt mit Hippieflair

Seit ich meinen ersten Reiseführer von Australien im Jahr 2003 gekauft hatte, spukte mir das Bild des Leuchtturms von Byron Bay durch den Kopf. Ich muss dazu sagen, ich liebe Leuchttürme. Leuchttürme haben etwas Magisches, etwas Spirituelles. Sie sind das Symbol für`s Nachhause-Kommen, sie leuchten Dir im schweren Sturm den Weg, sie helfen Dir, auf dem richtigen Kurs zu bleiben. Gibt es ein Bauwerk, das einen tieferen Sinn und Zweck hat, dessen Bedeutung so elementar ist, dass Menschenleben davon abhängen? Dazu die Lage am Meer, Freiheit, Weite, Naturgewalt und unendliche Schönheit. Schon Herbert Grönemeyer sang in seinem Lied „Land unter“:

 

Übernimm die Wacht
bring mich durch die Nacht
Rette mich durch den Sturm


Ein wundervolles Lied (wie eigentlich alle Lieder von Herrn Grönemeyer).

Der Leuchtturm von Byron Bay
Der Leuchtturm von Byron Bay

Wenn ich könnte, würde ich in einem Leuchtturm wohnen, habe mal eine Reportage über eine Familie gesehen, die in Holland einen alten Leuchtturm als Wohnhaus umgebaut hat. Ein Traum. Diese Gebäude haben mich einfach schon immer fasziniert. Wann immer wir an einem Ort sind, wo es einen Leuchtturm gibt, muss ich dahin. Einfach auf`s Meer hinausstarren, ganz in sich versunken seinen Gedanken nachhängen. Das hat was.

 

Nach dem Massentourismus in Surfers Paradise sollte Byron Bay also unsere willkommene Ruheoase nach all dem Trubel der vergangenen Tage werden. Die kleine Stadt, ca. 5 Busstunden von Brisbane entfernt, ist das Paradies für alternative Mit-Vierziger und –Fünfziger, die einen Hang zu Yoga, Meditation, Naturheilkunde und Esoterik haben. So hat es uns nicht überrascht, dass der Großteil der Bevölkerung hier überwiegend barfuß geht, lange Haare hat und nicht selten einen alten VW-Bus aus den späten 70ern fährt (natürlich mit Blumen und Schmetterlingen bemalt). Eine Handvoll kleiner Boutiquen, die Schmuck, Tücher und Flowerpower-Kleider verkauft, dazu ein paar organische Restaurants mit „mental food“ und ein paar Galerien für Aborigines-Art. Und natürlich der Leuchtturm, flaniert von gleich mehreren Traumstränden, Stränden, die zu schön sind, um wahr zu sein, für die es kaum Worte gibt, um sie zu beschreiben.

Der Südstrand
Der Südstrand

An diesen Ort ein riesiges Hostel für durchgeknallte partywütige Backpacker zu bauen, ist eine schreiende Ungerechtigkeit, hier gehört nichts her, das laut ist, und so langsam gehen uns die 8-Bett-Dorms und Trinkspiele unser Um-Die-Zwanzig-Jährigen Mitreisenden gehörig auf den Wecker. Ist der Sinn des Reisens für die meisten Traveller, sich die Rübe zuzuschütten, mit einer Flasche billigsten Fusels in der Runde jeden Abend darüber zu sinnieren, wo der Alkohol am billigsten ist und in welchem Hostel man am besoffensten war? Wir ergreifen lieber die Flucht und machen einen ausgedehnten Strandspaziergang zum Leuchtturm. Schon von Weitem sichtbar überragt er die Bucht, majestätisch weiß hebt er sich vor dem tiefblauen Himmel ab. Wir laufen an die 2 Stunden und steigen unzählige Stufen hinauf, bis wir schließlich am östlichsten Punkt der gesamten australischen Küste stehen. Wer morgens hier sitzt, kann als erster auf dem Kontinent Down Under die Sonne aufgehen sehen. Was für ein schöner Platz für einen Leuchtturm! Wir genießen die Aussicht lange, auf das unter uns liegende Byron Bay, geschafft vom Aufstieg in der Mittagshitze bei um die 40° ohne Schatten. Der Abstieg dann durch tiefsten Küstenregenwald, begleitet vom Zirpen der Zykaden und ein paar Schmetterlingen.

André nach dem Surfen
André nach dem Surfen

Am zweiten und letzten Tag zieht es uns dann natürlich an den Strand, jetzt will auch André es endlich wissen und stürzt sich mit dem Surfboard in die Wellen. Begeistert kämpft er 3 Stunden mit dem Meer, ich baue der Weile Sandburgen am Strand, als er endlich wieder an Land kommt, leuchten seine Augen und ich bin über und über mit Sand paniert, wie ein Wiener Schnitzel. So verbringen wir unsere letzten Stunden in Byron Bay, ehe es schon wieder weiter geht, gen Süden, nach Sydney.

 

Tolle weitere Bilder unseres Strandspaziergangs findet ihr hier:

http://wirsinddannmalunterwegs.jimdo.com/fotogalerie/australien/

 

Und: Wir haben es mal wieder mit einem Artikel auf sz-online geschafft:

http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=2679623

 

 

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Sa

05

Feb

2011

Die unendliche Geschichte des kleinen USB-Sticks

Es war einmal ein kleiner 2 Gigabyte USB-Stick, der kam aus dem fernen… Mmhhh… sagen wir mal aus China. Von dort legte er eine laaaange Reise per Schiff nach Europa zurück, wo er schließlich zu allem Übel in einem Krabbeltisch eines namhaften Elektronik-Fachgeschäftes landete. Dort war er zwar zumindest unter seinen Artgenossen, ihm fehlte jedoch ein behagliches Heim. Bis, ja schließlich, eines Tages, ihn jemand unter den dutzenden herausfischte und mit sich nach Hause nahm. Von da an, war der kleine USB-Stick in seinem Element. Er konnte Daten speichern und wiedergeben, einfach jeden Tag etwas Sinnvolles tun. Eines Tages begaben sich seine neuen Besitzer jedoch auf eine weitere laaange Reise, die ihn zu mehr Kontinenten und durch mehr Länder führen sollte, als er es sich jemals zu träumen gewagt hätte. Er legte tausende Kilometer zurück, und sollte schließlich seiner ursprünglichen Heimat wieder sehr nahe kommen.

 

Da war schließlich diese große Insel mitten in einem noch größeren Ozean. Die, auf der viele gefährliche Tiere lebten. Der kleine USB-Stick fürchtete sich schon ein wenig, aber seine Besitzer hatten ihn immer gut verpackt in einer kleinen Tasche bei sich. Hier reisten sie etwas länger umher und er hatte sich schon beinahe an die neue Umgebung gewöhnt, als es eines Tages zu einem folgenschweren Vorfall kam: Seine Besitzer ließen ihn aus Versehen in einer Stadt, in einem sehr großen Haus mit sehr vielen Betten und vielen fremden Menschen, zurück. Der kleine USB-Stick war todtraurig, dass man ihn hier einfach vergessen hatte, er dachte, er wäre etwas Besonderes. Er hoffte und bangte und wartete, dass seine Besitzer ihn vermissen würden, und tatsächlich nach über einem Tag langen Ausharrens, kam der ersehnte Anruf. Doch es sollte noch ein langer, einsamer Weg zurück in die Arme seiner Vertrauten werden.

Nach dem ihn seine Besitzer nun als vermisst gemeldet hatten, sollte er ihnen mit dem nächsten Bus hinterherreisen. Aufgeregt und voller Vorfreude auf das Wiedersehen, harrte er gespannt der Dinge, doch… nichts geschah, dieses Mal hatte ihn der freundliche Mann im großen Haus vergessen zum Bus zu bringen. Wieder verging ein ganzer langer Tag, doch da… seine Besitzer riefen wieder an, um nach ihm zu fragen. Und tatsächlich, dieses Mal brachte man ihn wirklich zu dem großen Gebäude, wo all die roten Busse abfuhren. Doch auch da musste er sich noch ein wenig in Geduld üben. Er konnte nicht ahnen, wie sehr seine Besitzer nach ihm fahndeten, waren sie doch weiter auf dem Weg gen Süden und hatten durch ihren straffen Zeitplan keine Chance, länger an einem Ort auf ihn zu warten. Also reisten sie bangen Herzens weiter, und hatten schließlich die Hoffnung schon beinahe aufgegeben, ihn jemals wiederzusehen.

 

Und so, eines Abends, ging es erneut für ihn auf in ein spannendes Abenteuer. Der alte Mann in dem roten Bus nahm ihn mit auf die Reise in Richtung der riesigen Stadt ganz im Süden, mit der großen Brücke und dem berühmten Gebäude, dessen Dach wie große Segel aussehen. So legte er mehrere hunderte Kilometer zurück bis, ja bis, er in einem kleinen Ort am Meer ankam, wo viele seltsame Leute in den Bus stiegen, Menschen, die komische Sachen anhatten und lange Haare und keine Schuhe an den Füßen. Da fühlte sich der kleine USB-Stick plötzlich wieder sehr einsam, wollte er doch endlich wieder vertraute Gesichter sehen. Und dann plötzlich, sah er sie: Seine Besitzer. Sie stiegen in seinen Bus! Er konnte seinen Augen kaum trauen. Sie waren es wirklich. Die Suche hatte ein Ende. Sie hatten ihn ebenfalls sofort entdeckt und schlossen ihn freudestrahlend in die Arme. Von da an, würden sie doppelt auf ihn aufpassen und ihn wie ihren Augapfel hüten. Zu wichtig war er für sie. Und der kleine USB-Stick war auch ein wenig stolz auf sich, wie mutig er die ganze Reise allein zurückgelegt hatte. Und so reisten und lebten sie von da an gemeinsam glücklich für alle Zeit.

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Fr

04

Feb

2011

Life`s a beach, surf it! – oder: Schwitzen, bis der Arzt kommt…

Surfers Paradise, das Partymekka für Backpacker an der legendären Goldcoast hat seinem Namen alle Ehre gemacht: Sonne satt, Gigantische Wellen, ein Strand, dessen Enden man sowohl gen Norden als auch gen Süden nicht mal erahnen kann, Wolkenkratzer, die nicht nur Dubai-Feeling vermitteln und jede Menge Vergnügungsparks. Surfers wird nicht umsonst „Klein-Miami“ genannt. Ein bisschen Miami-Feeling hatte es dann schon, so am Strand langzuflanieren, hier schießen beinahe monatlich neue Skyscraper in den Himmel, viele gut betuchte Rentner verlegen ihren Alterssitz hierher (was für ein Widerspruch zur trinkwütigen Jugend) und zahlreiche Familien frequentieren rege die hiesigen Hotels um Dreamworld, Seaworld etc. einen Besuch abzustatten. Die typisch australischen 3 B`s werden hier zelebriert: Beach, Bear & Barbecue. Dazu wird natürlich fleißig gesurft, wie es der Name schon sagt!

Der Strand von Surfers Paradise
Der Strand von Surfers Paradise

Unser Hostel, nur 150 Meter vom Strand entfernt, beste Lage also, um uns in die Fluten zu stürzen. Und dann noch ein kostenloser Bodyboard-Verleih! Besser geht`s gar nicht. Einziger Haken, die fehlende Klimaanlage im Zimmer: Da liegt man schon mal schweißgebadet die ganze Nacht wach, oder rennt 3x in der Nacht unter die kalte Dusche um die irren Temperaturen von über 30° im Zimmer zu ertragen. Mit uns im Dorm 3 nette Norwegerinnen (zum ersten Mal, dass wir diese Nation unterwegs treffen, in der Regel sind es die Schweden, die neben uns Deutschen sämtliche Welt-Sehenswürdigkeiten überfluten!).

 

Dennoch zog es uns schnell weiter gen Süden, irgendwie fehlte dem Ort Surfers das gewisse Etwas, wie im beschaulichen Noosa, im süßen Airlie-Beach, zu viel Massentourismus, zu lieblos die Architektur, wir haben die 2 Tage also eigentlich nur am Strand verbracht, sind geschwommen, haben riesige Muscheln gesammelt (endlich ein Strand für die Jana!) und sind mit unseren Bodyboards auf den Wellen geritten – immer unter den wachsamen Augen der Lifeguards natürlich ;-)

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Do

03

Feb

2011

Koalas knuddeln und mit Kängurus abhängen

Brisbane – die erste Großstadt seit langem, darauf hatten wir uns schon seit Tagen gefreut. Endlich wieder bekannte Gesichter sehen, das pulsierende Leben einer Metropole spüren und unsere Freunde von Fiji, Adam und Christie besuchen. Nach unserem gemütlichen ruhigen Hostel in Noosa, war das BUNK! mit um die 500 Betten zwar erstmal ein Schock, aber es sollte ja nur für 2 Nächte sein und wir wollten eh die ganze Zeit unterwegs sein. Aus unserem gebuchten Billig-20-Bett-Dorm (!) wurde dann glücklicherweise nur ein 8-Bett-Zimmer, immerhin mit eigenem Bad! Einen Hang zum Morbiden kann man den Hostel-Gestaltern jedenfalls definitiv bescheinigen, überall hingen geköpfte und zerteilte Barbie-Puppen, hier hatte offensichtlich einer der Architekten sein Kindheitstrauma verarbeitet ;-) Der straight umgesetzte Industrie-Style hatte jedenfalls etwas, wenn man Backstein, Metalltreppen und Lagerhallen-Flair mag. Nach dem wir erst einmal das Stadt-Zentrum Brisbanes zu Fuß erkundet hatten, stand für den zweiten Tag ein Besuch des Koala Sanctuary sowie das erste Treffen mit den Aussies an. Unser Hostel hatte netterweise einen kostenlosen Transport in den etwas außerhalb gelegenen Park angeboten, was uns nur recht war, angesichts der Taxi- und Buspreise. Unterwegs gab es sogar noch einen kurzen Stopp am Mount Coot-tha, dem Aussichtspunkt der Stadt. Leider war die Skyline aufgrund des diesigen Wetters nur verschwommen zu erkennen. Angekommen am Koala Sanctuary warteten tatsächlich schon Adam und Christie auf uns und es gab erst einmal eine herzliche Begrüßung mit den beiden: „Welcome to Australia!“

Christie wollte uns 2 Stunden später wieder abholen und so machten André und ich uns auf, die Tierwelt Australiens zu erkunden. Seit ich zu Beginn unseres Australien-Aufenthaltes gelesen hatte, dass man hier einen Koala cuddlen (Knuddeln) kann, waren André und ich begeistert von dem Gedanken. Immerhin haben sich schon viele bekannte Prominente, wie z.B. die englische Queen, hier mit einem der possierlichen Tiere ablichten lassen. Gleich hinter dem Parkeingang dann die Überraschung, im Sanctuary gibt es nicht nur Koalas und Kängurus sondern beinahe sämtliche Tiere des Kontinents zu sehen. So auch jede Menge Eidechsen, die bis über einen Meter lang, frei zwischen unseren Beinen herumwuselten. Natürlich zog es uns zielgerichtet zu den süßen Bären und wenig später standen wir vor den Freigehegen voller Eukalyptuszweigen und noch mehr Koalas. Adam hatte schon prophezeit, dass durch das Eukalyptus-Fressen die Tiere stetig „high“ sind und eigentlich die meiste Zeit über nur schlafen. Außer ein paar verschlafener Grunzer und einem gelegentlichen Zwinkern, gab es dann auch nicht viel zu sehen. Trotzdem ist es erstaunlich, wie man im Tiefschlaf, nur mit seinem Popo zwischen zwei Ästen eingeklemmt, schlafen kann… ;-)

Da die Flut leider auch vor dem Tierpark nicht halt gemacht hat, laufen zur Zeit noch die Aufräumarbeiten und das Highlight des Parks, das Koala streicheln wurde kurzerhand umverlegt in ein anderes Gebäude. Für 16$ waren wir dabei und harrten gespannt der Dinge, als eine Pflegerin mit einem der Koala-Jungen auf dem Arm zu uns kam. Ganz vorsichtig musste ich meine Hände vor dem Bauch verschränken, damit sie ihn mir auf den Arm geben konnte. Mit seinen kleinen Pfötchen klammerte er sich sofort fest an mich und eine Welle tiefer Zuneigung ergriff mich. So ähnlich muss sich eine frischgebackene Mutter fühlen, wenn sie ihr Baby zum ersten Mal auf dem Arm hält. André stand dicht neben mir und gemeinsam hielten wir dieses süße Wesen und André kraulte liebevoll sein dichtes graues Fell. Eigentlich wollte ich ihn gar nicht mehr hergeben, doch um die 7 Kilo werden dann doch irgendwann schwer und schließlich wollte auch André ihn noch einmal auf den Arm nehmen. Schnell schoss ich noch ein paar Fotos, ehe wir endgültig Lebewohl zu „unserem“ Koala sagen mussten und die nächsten Touristen an der Reihe waren.

Weiter ging es dafür direkt in das Känguru-Gehege, ähnlich unserem heimischen Streichelzoo. Mit dem gekauften Futter pirschten wir uns ganz langsam an die Tiere heran, hatten wir doch mehrfach gehört, dass ein Tritt vor die Brust ziemlich schmerzhaft sei. Die ersten Kängurus waren dann wohl ziemlich übersättigt, von den vielen Besuchern heute, bis wir eines gefunden hatten, welches uns begeistert aus der Hand gefressen hat, verging ein Weilchen. Dafür war dieses dann umso zutraulicher, es lag entspannt auf der Wiese herum, und selbst als wir uns dazulegten, malmte es weiter genüsslich in Richtung Videokamera. Coool!!! So haben wir noch ein paar echt witzige Shots gemacht, aber seht selbst:

Neben den farbenfrohen Lorikees und Kakadus, gab es natürlich auch alle sonstigen Tiere Australien zu bewundern: Emus, Krokodile, Cassowarys, einen Platypus und natürlich auch Wombats, die sich leider tiefschlafend in einem hohlen Baumstamm verschanzt hatten. Pünktlich um 14:30 Uhr holte uns Christie wieder am Zoo ab und es ging zunächst zum Haus von Adams Familie. Adams Vater als Inhaber einer eigenen Baufirma hat das gesamte Haus selbst entworfen und gebaut und als wir schließlich davor standen, waren wir einfach sprachlos! 4 Etagen, inkl. eigenem Kino, Fahrstuhl (!), Indoor-Pool, Billardtisch, mehreren Schlafzimmern, Weinkeller, Fitnessraum, begehbaren Kleiderschränken und Dachterrasse – der Hammer! Wir fühlten uns wie einer der TV-Serien, in denen Stars ihre Häuser vorführen, tja, Geld müsste man halt haben. Respekt! Und erst die riesige Küche, ein Traum! Weiter ging es dann zu Christies Haus. Dieses steht dem von Adams Familie in nichts nach, ist zwar „nur“ einstöckig gebaut, dafür herrlich weitläufig, alles super offen gebaut, ein riesiger Wohn- und Essbereich mit offener Küche, ebenfalls mehrere Schlafzimmer und zwei Bäder! Christies Mom begrüßte uns herzlich und wir wurden erstmal durch`s Haus und den Garten geführt. Als uns im Garten 2 Rottweiler freudig entgegenspringen, war André natürlich gleich in seinem Element. Christie zeigte uns den verwüsteten Garten, die Flut hat den ganzen unteren Teil des Grundstücks überschwämmt und nur Unmengen Sand und Schlamm hinterlassen. Alle packen gerade mit an, um aufzuräumen, das ganze Bootshaus ist abgesoffen. Ein bisschen war es uns schon peinlich, dass wir nicht mithelfen können/dürfen, Christie nahm uns statt dessen mit in die Küche und es gab erst mal ein leckeres spätes Mittagessen. Nach dem anschließenden Kaffee ging es dann wieder in den Garten hinab zum Fluss und Adam, Christies Bruder Ben und ihr Vater manövrierten den Jetski ins Wasser. Angesichts der fehlenden Rampen eine echte Meisterleistung. Einmal im Wasser gab`s dann jede Menge Action für André, Jetski, Kneeboard und Donut, Christies Familie (ihr Vater und Bruder sind Wasserskiläufer) und Adam hatten jede Menge Spielzeug aufgefahren, mit denen es flussauf- und abwärts ging und das über 3 Stunden lang bis zur beinahe einsetzenden Dunkelheit. Ich habe mir das ganze gepflegt vom Festland angesehen, André jedenfalls hatte `ne Menge Fun mit Adam, Ben und Christie. Nach einer gefühlten Ewigkeit kam er mit dem breitesten Grinsen der Welt an Land, völlig am Ende seiner Kräfte, weil er die letzte Stunde hängend auf einer Art riesiger runder Luftmatratze mit 70 km/h hinter einem Jetski hergezogen wurde. Natürlich musste nun auch ich nochmal ran, und kurzerhand drehte Ben mit mir noch eine ordentliche Runde auf dem Jetski (nach dem er mir fest versprochen hatte, mich nicht ins Wasser plumpsen zu lassen ;-)).

André wurde dann erstmal unter die Gästedusche gesteckt, wir sahen beide aus wie kleine Schweinchen vom ganzen Schlamm am Fluss, und Christies Mom hatte uns wie selbstverständlich, als wären wir Teil der Familie, zum abendlichen Barbecue eingeplant. So gab es dann herrliche gegrillte Würstchen, Steaks, Salat und Kartoffelauflauf und schließlich als Dessert einen fantastischen Kuchen mit warmer Vanillesauce. Die ganze Familie, inkl. der Oma waren beisammen und es war super schön, mit ihnen auf der Terrasse zu sitzen, zu schlemmen und zu essen. Ein großes Dankeschön nochmal an dieser Stelle an Christies Familie und Adam für den unvergesslichen Tag! Müde und ausgepowert schafften uns die beiden dann noch zurück ins Hostel, nicht ohne dass wir uns noch einmal für dem kommenden Nachmittag verabredet hatten, um die beiden als Dankeschön wenigstens ein auf Eis einzuladen.

 

Letzteres haben wir dann also am Montag Nachmittag, nach dem die beiden Dienstschluss hatten, nachgeholt. Bei einem ausgiebigen Stadtbummel konnten wir leider auch noch mal die Nachwirkungen der Flut sehen, da der schöne Stadtpark, die Southbanks, völlig zerstört war. Adam und Christie zeigten uns trotzdem die schönsten Plätze ihrer Stadt und nach dem sie uns auch noch zum Busterminal gebracht hatten, konnten wir uns gar nicht genug bei den beiden bedanken für die tolle Zeit! Hoffentlich kommen die beiden eines Tages mal zu uns nach Dresden, damit wir uns revanchieren können. Adam hat auch Familie in Deutschland, vielleicht klappt es also mal mit einem Besuch!

So ging am Montag Abend unser Brisbane-Aufenthalt zu Ende und per Bus ging es ins nur eine reichliche Stunde entfernte Sufers Paradise, an die Gold Coast. Ein bisschen waren wir schon traurig, uns wieder verabschieden zu müssen, dieses Mal steht nicht fest, wann wir uns das nächste Mal sehen werden, aber es gibt ja Skype und E-Mail und so kann man hoffentlich in Kontakt bleiben!

 

Mehr schöne Fotos vom Koala Sanctuary gibt´s hier:

http://wirsinddannmalunterwegs.jimdo.com/fotogalerie/australien/

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Mi

02

Feb

2011

Zyklon-Warnung "Yasi"

Das Wetter in Australien spielt komplett verrückt! Erst die schlimmste Flutkatastrophe aller Zeiten und nun ein Monster-Zyklon. Um es vorwegzunehmen, ihr braucht Euch keine Sorgen um uns zu machen! Wir sind aktuell in Surfers Paradise und fahren heute Abend noch weiter gen Süden, "Yasi" wird heute Abend gegen 20 Uhr das australische Festland um Cairns erreichen. Es ist einfach schrecklich. Gerade das bereits schwer Flut-geschädigte Gebiet in Queensland ist betroffen. Bereits jetzt wurden alle Straßen nördlich von Rockhampton gesperrt und tausende Menschen evakuiert. Der Zyklon soll laut Meteorologen die Ausmaße von "Katrina" haben. Wir sind glücklicherweise noch mit einem blauen Auge davon gekommen, als wir in Cairns waren, haben wir nichts von der Flut mitbekommen, weil es südlich von uns war und nun sind wir im Süden und der Norden ist betroffen. Dank Andrés guter Petrus-Connection haben wir mächtig Schwein gehabt. Drückt die Daumen für Queensland, dass die Ausmaße nicht ganz so verheerend sind und der Sturm noch etwas an Kraft verliert. Wir halten Euch auf dem Laufenden!

 

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,742990,00.html

"Yasi" (Quelle: Spiegel)
"Yasi" (Quelle: Spiegel)
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Di

01

Feb

2011

Unterwegs auf der größten Sandinsel der Welt

Fraser Island, Queenslands größte Insel, die 6.-größte Australiens (die Australier leben Extreme, alles ist das Größte, das Beste, das Einzigartigste) misst 120 km Länge und 24 Kilometer Breite und liegt direkt vor der Ostküste auf Höhe von Hervey Bay. Wer jetzt denkt, dass auf der ganzen Insel nur Sand ist, der irrt. Auf dem sandigen Untergrund hat sich im Laufe der Jahre eines der außergewöhnlichsten Ökosysteme der Welt gebildet. Es gibt urzeitlich anmutende Kauri-Riesen und jahrtausende alte Baumfarne, und dank des Hundeverbots auf der Insel, die ursprünglichste Dingo-Population. Vergangenen Freitag haben wir uns aufgemacht, „the great sandy island“ zu erkunden. Da dies nur mit einem 4x4-Fahrzeug und somit einer geführten Tagestour möglich war, wurden wir um 05:50 Uhr (morgens!!!!!) an unserem Hostel in Noosa abgeholt:

Rob, unser Guide für heute, ein waschechter Aussie aus Noosa, empfängt uns putzmunter und nach dem Check unserer Namen, dürfen wir in den zum Glück klimatisierten Allrad-Bus steigen. Wir kämpfen gegen unsere bleischweren Lider an, so früh aufstehen im Urlaub geht gar nicht. Bis zur Fähre in Rainbow Beach sind es erst einmal noch 1 ½ Stunden Fahrtzeit, gut für uns, Zeit für ein Nickerchen! Immer wieder blinzele ich zwischendurch nach draußen, wie fahren durch traumhafte riesige grüne Wälder, dazwischen immer wieder vereinzelte hübsche Farmen mit weiß-gezäunten Pferde- und Rinderkoppeln. Gegen 8 Uhr sind wir in Rainbow, und gehen samt Wagen auf die Autofähre nach Fraser. Die Überfahrt dauert nur knapp 5 Minuten, wir halten Ausschau nach Walen, Haien und Delfinen, die es hier geben soll, sehen jedoch keine. Angelangt am anderen Ufer fahren wir auf den Strand und Rob beginnt uns einiges über „seine“ Insel zu erzählen. In der Sprache der Aborigines heißt sie K’gari, was so viel wie „Paradies“ bedeutet. Vor ca. 750.000 Jahren bildeten sich aus einzelnen Sandablagerungen an vereinzelt aus dem Meer ragenden Felsnasen riesige Dünen, die im Laufe der Jahre zunächst von Gras und später von weiterer Vegetation überwuchert wurden. Eines der Besonderheiten der Insel ist der 75-Mile-Beach an der Ostküste der Insel, welcher bei Ebbe von Fahrzeugen befahren werden kann und als Landebahn für Flugzeuge dient. Vom Südzipfel aus cruisen wir diesen 40 Minuten lang gen Norden, links neben uns bis zu 200 Meter hohe Dünen, rechts neben uns der tosende Ozean. Nur gelegentlich kommt uns ein anderes Fahrzeug entgegen, das Licht der morgendlichen Sonne taucht den Strand in beinahe goldenes Licht. Rob lenkt unser Fahrzeug geschickt um einige schwarze Gesteinsbrocken und durch vereinzelte Süßwasserzuflüsse, die überraschend viel Wasser führen. Auf Fraser gibt es fast 200 Südwasserseen! Aber dazu später mehr.

Unser 4x4
Unser 4x4

Gerade will ich jubeln, als Rob uns auf eine riesige Schildkröte vor uns aufmerksam macht, als wir jedoch näher kommen, sehen wir, dass leider nicht mehr viel von ihr übrig ist als der Panzer und die Beine. Als sich dann auch noch ein Dingo hungrig über die Reste hermacht, muss ich würgen, aber das ist nun mal der Lauf der Natur. Erster Stopp für heute ist Eli Creek, der größte Süßwasserzufluss zum Meer. Hier legen wir eine kurze Pause für einen Morgentee ein und können durch das herrlich klare und kühle Süßwasser waten, welches am Strand riesige Naturpools gebildet hat. Auf einem kleinen Boardwalk kann man ein Stück ins Inselinnere laufen, riesige braune Fliegen (ca. 3-4 Zentimeter im Durchmesser) lassen uns jedoch beizeiten wieder zurück zum Auto flüchten.

 

Zurück im Auto fahren wir dann weiter den Strand entlang, sehen wie eines der Touristenflugzeuge am Strand landet, und gelangen zu unserem nächsten Highlight unseres Fraser Ausfluges: den Coloured Sands „The Pinnacles“, ein Abschnitt des Strandes der unterschiedlich gefärbt ist, von fast dunkelrot über hellorange bis beinahe weiß. Direkt daneben das 1935 gestrandete Schiffswrack der „Maheno“, einer 1904 in Schottland gebauten Luxusyacht, welche bei schwerem Sturm hier auf Grund gelaufen ist. Das riesige vor sich hin rostende Ungetüm ist mehr als beeindruckend und erinnert uns an die Bilder von Namibia und der Skeleton Coast.

Schiffswrack der "Maheno"
Schiffswrack der "Maheno"

Von hier geht es wieder in südliche Richtung bis zum kleinen Ort „Happy Valley“, dem Zentrum der Insel mit ein paar Unterkünften und einer Tankstelle. Ab hier geht es landeinwärts über tiefe Sandpisten mitten durch den Regenwald. Das muss man sich mal vorstellen: Tropischer Regenwald, gewachsen auf Sand! Immer wieder zeigt uns Rob die Besonderheiten der Flora, der Bus kämpft sich durch bis zu 50 Zentimeter tiefen Sand, mal kommen wir schneller voran, mal langsamer. Ziel ist der Lake McKenzie, der angeblich „schönste Swimmingpool der Welt“. Rob stellt das Auto ab und wir laufen das Stück bis zum Ufer des glasklaren Sees. Das Wasser ist hier so rein und sauber, dass es keinerlei Nährstoffe beherbergt und somit auch keinerlei Leben, weder Tiere noch Pflanzen. Wir reißen uns die verschwitzten Klamotten vom Leib und stürzen uns begeistert in die Fluten! Das Wasser ist einfach herrlich! Bei den Temperaturen heute ist es einfach ein Traum, in so einem herrlichen See schwimmen zu gehen, so ganz ohne Wellen und Salz!! Wir tauchen und schwimmen um die Wette bis fast zur Mitte des Sees, das wäre toll, wenn wir zu Hause ein solches Naturparadies hätten. Durch die zeitlich versetzt agierenden Reisegruppen sind wir wenig später ganz allein im Wasser und lassen uns einfach treiben. Australien ist einfach soooo cool!

André am Lake McKenzie
André am Lake McKenzie

Nach über eine Stunde im Wasser melden sich unsere knurrenden Mägen pünktlich zum Barbecue. Rob hat schon alles vorbereitet: Es gibt Steaks, Würstchen, gebratene Zwiebeln, Kartoffel- und Nudelsalat, Früchte, einfach alles, was das Herz begehrt. Mir läuft das Wasser im Mund zusammen und ich häufe mir den Teller randvoll – Schwimmen macht einfach mega hungrig. Mitten im Barbecue gesellt sich ein Goanna zu uns, ein ca. 1,50 Meter langes Reptil, welches gierig um unseren Tisch herumscharwenzelt, in der Hoffnung, einen Bissen zu ergattern. Wir amüsieren uns köstlich darüber, wie er mit seiner riesigen langen Zunge jeden Krümel vom Boden aufkratzt. Später lese ich, dass die Tiere eine echte Gefahr für den Schildkröten- und Vogelbestand sind. Durch immer mehr Touristenrastplätze auf der Insel, werden die Reptilien angelockt und gut versorgt, sie fressen jedoch auch Vogel- und Schildkröteneier. Das Tier ist tatsächlich so zahm, dass es bis auf wenige Zentimeter an uns herankommt. Wow!

Letzter Stopp für heute ist am Wanggoolba Creek, hier besichtigen wir auf einem knapp 1 Kilometer langen Naturlehrpfad die ganze Pracht des hiesigen Regenwaldes. Im Gegensatz zum feuchten Klima im Daintree ist es hier wesentlich angenehmer, in der Mitte des Tals folgen wir einem flachen, klaren Süßwasserflüsschen, in welchem sich zahlreiche Aale tummeln. Von hier geht es dann zielgerichtet zurück in Richtung Fähre. Solange es die Gezeiten zulassen, fahren wir noch am Strand entlang, dann muss Rob auf die Sandpiste im Inselinnern ausweichen. Der Übergang ist völlig versandet und wir brauchen annähernd zwanzig Anläufe, ehe wir durch den tiefen Sand hindurch sind und die Räder wieder greifen. Rob jagt die Drehzahl in die Höhe und düst im Eiltempo voran, so dass wir uns an den Sitzen festklammern, um nicht allzu sehr durchgerüttelt zu werden. Offenbar ist die Flut sonst zu hoch, wenn wir nicht rechtzeitig vorher übersetzen. Gegen 16 Uhr sind wir zurück in Rainbow Beach, lassen uns unseren Afternoon Tea am Strand schmecken, ehe uns Rob zurück nach Noosa bringt. Um kurz nach sechs setzt er uns am Hostel ab, genau richtig zum heutigen freien Hostel-Barbecue. Bei einem ordentlichen Hotdog und der Partie Federer - Djokovic lassen wir den Abend dann in Ruhe ausklingen.

 

Und noch viiiiele schöne weitere Pics von Fraser gibt`s hier:

http://wirsinddannmalunterwegs.jimdo.com/fotogalerie/australien/

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Sa

29

Jan

2011

Hang loose in Noosa

„Noosa is by far the best place, I`ve been in Australia”. Diesen Satz habe ich im Blog einer Engländerin auf Fiji gelesen. Da war natürlich klar, dass ein Stopp an der Sunshine Coast ein Muss für uns ist. Nach dem wir auch noch eines der besten Hostels gecheckt hatten – ging es also am vergangenen Dienstag von Airlie Beach ab gen Süden. 17 Stunden später waren wir da, und bezogen das bisher mit Abstand beste Hostel unserer Reise. Nach einem gepflegten Großeinkauf bei Coles für schlappe 98$ inklusive Kinderschokolade, yummy, (Coles ist, neben Aldi, der preiswerteste Supermarkt in Australien und schon mal einen Fußmarsch von einer Stunde hin und zurück wert – so geschehen in Airlie Beach ;-)) wurden erst einmal ein paar deftige Hackfleisch-Käse-Bällchen in der Pfanne gebrutzelt. Herrlich! Das ganze Hostel nagelneu und die Dorms nur mit 4 Betten! Mit Alex aus England sollten wir auch noch einen wahren Glückstreffer eines Zimmergenossen landen.

André sieht schon fast aus wie ein richtiger Ozzie ;-)
André sieht schon fast aus wie ein richtiger Ozzie ;-)

So haben wir es uns die vergangenen 4 Tage richtig gut gehen lassen. Chillen am Pool, lecker gemeinsam kochen, Australien Open auf dem mega-großen Flat-Screen schauen und, das allerbeste, Surfen lernen! Ja, ihr habt richtig gehört, ich habe Surfen gelernt! Unsere Melbourne-Freunde von Fiji hatten uns schon verraten, dass Noosa der ideale Ort zum Surfen ist, und da unser Hostel nicht nur kostenlos Bretter verliehen hat, habe ich mir glatt mal einen Crash-Einsteigerkurs über 2 Stunden am Mainbeach gegönnt. Wenn schon Surfen lernen, wo dann besser als in Australien mit all den braungebrannten durchtrainierten Surfertypen? Ich kann nur sagen, Surfen ist mit Abstand das Genialste, was ich seit langem probiert habe. Nur Du und das Board, der Ozean, die Wellen. Der Hammer! Nach 2 Stunden, dank des guten Coachings, konnte ich komplett alleine auf den Wellen reiten. Bewaffnet mit dem Board am Strand kam ich mir fast wie eine richtige australische Surfer-Biene vor. Wie cool ist das denn? Um das ganze Feeling dieser Erfahrung rüberzubringen, habe ich mir gleich mal den Surfer-Slang der Einheimischen für diesen Blogartikel vorbehalten ;-).Hier mal ein kleines Video meiner ersten richtigen Welle...

Alles was ihr tun müsst, um wie ein richtiger Ozzie zu wirken, ist nicht mehr als eine Shorts oder einen Bikini und Havaianas zu tragen und lässig „How`re going?“ zu sagen („How are you going“ in einem Wort). André sieht mit seiner sagenhaften Beach-Bräune eh schon aus, wie von hier, und auch ich habe dank der australischen Sonne mittlerweile einen Farbton erreicht, den ich mir nie zu träumen gewagt hätte! Überhaupt hat die Sunshine Coast ihrem Namen alle Ehre gemacht und ganz ohne lästige Salzwasserkrokodile und jellyfish (Quallen) im Wasser konnten wir endlich das Meer genießen. Noosa war einfach toll. Süße Geschäfte, nette Restaurants, zwei klasse Strände, irre Wellen – und so viele coole Menschen! Im Gegensatz zu dem so angeblich „mondänen“ Port Douglas im Norden, war das hier eine echte Wohltat! Ein bisschen Warnemünde, Binz und Kühlungsborn gepaart mit Sylt-Feeling.

Unterwegs auf dem Coastal Track
Unterwegs auf dem Coastal Track

Und noch eine witzige Episode aus Noosa zum Schluss – mehr von unserer tollen Fraser-Tour gibt`s im nächsten Blogartikel – die so typisch ist für Australien:

 

Donnerstag Abend wollten wir mit dem Bus noch mal kurz ins Zentrum. In unserem Hostel hatte man uns den Coastal Walk empfohlen, und wir, als schnelle Läufer, dachten uns, okay, die 2 Stunden unterbieten wir locker. Wir sind also in Noosa Sound gegen 18 Uhr losgelaufen, immer an der Küste entlang auf dem gut angelegten Weg. Unter uns tosende Wellen mit wagemutigen Surfern im glutroten Licht der untergehenden Sonne. Plötzlich bleibt André abrupt stehen und deutet ins Unterholz. „Ein Koala!“ Und tatsächlich, das süße possierliche Wesen kommt uns direkt auf dem Wanderweg entgegen. Erst bleibt es vor André sitzen und mustert ihn von oben bis unten, dann kommt es zu mir und setzt sich für ein Foto in Pose! Das ist sooo süß!!! Ich gehe in die Hocke, fast könnte ich sein weiches, schimmerndes Fell berühren. Was für eine geniale Begegnung.

Unsere erste Begegnung mit einem Koala in freier Wildbahn
Unsere erste Begegnung mit einem Koala in freier Wildbahn

Ab jetzt laufen wir gegen die Zeit und die einsetzende Dunkelheit. Der Weg windet sich dicht an den Klippen durch den Noosa Nationalpark mit dichtem Regenwald. An der Alexandria Bay steigen wir die Stufen zum Strand hinab und sind am Wasser allein. Die menschenleere Bucht schimmert im letzten verbleibenden Tageslicht und weiße Krabben rasen im Eiltempo über den Strand. Immer noch liegen ca. 1,5 Kilometer vor uns und wir spurten, so schnell es unsere FlipFlops zulassen über die Stufen am Ende der Bucht hinauf über den letzten Pass. Von oben sehen wir schon die Lichter von Noosa Sunshine und den im Mondlicht leuchtenden Sunshine-Beach ehe uns das dichte Unterholz in absolute Dunkelheit hüllt. Kein Licht, keine Laterne beleuchtet unseren Weg. André läuft zügig voran, immer die Hände vor sich ausgestreckt, um nicht in ein Spinnennetz zu laufen. Bei den riesigen Viechern hier, dürfte das kein Vergnügen sein. Ich keuche hinterher, immer darauf bedacht, fest aufzutreten, um etwaige Schlangen auf dem Weg zu vertreiben. Immer wieder zucken wir zusammen, wenn es unmittelbar neben uns im Gebüsch raschelt. Endlich sind wir über den Berg und steigen die Stufen zur Stadt hinunter. Puhhh. Am Carpark haben wir Glück und sehen ein letztes Auto stehen. Ich nutze die Gunst der Stunde, um den Mann nach dem Weg zurück zum Hostel zu fragen, und ehe wir uns versehen, hat er uns auf den Rücksitz seines Autos verfrachtet, und fährt uns zurück zu unserer Unterkunft! Sein Sohn und er kommen vom Fischen und er entschuldigt sich tausendmal für den strengen Geruch im Auto. Wir können es kaum fassen, die Leute hier sind so … so unglaublich nett und hilfsbereit. Das würde uns zu Hause nicht passieren! Wir bedanken uns überschwänglich bei ihm, als wir wenig später am Hostel ankommen und er verabschiedet uns herzlich. Müde und happy kehren wir in der Küche ein und machen uns erst einmal eine ordentliche Portion China-Essen. Alex hat sein leckeres Thai-Curry und frische Shrimps gemacht, wir packen alles Essen gemeinsam auf den Tisch, so dass Jeder von allem kosten kann, und langen ordentlich zu. Mmmhhhhh….

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Mi

26

Jan

2011

Funny, isn`t it?

Heute mal was besonders Lustiges, was wir in unserem Hostel entdeckt haben. Im Englischen ist es lustiger, daher haben wir es im Original übernommen. Aber für die, die kein oder nicht so gut Englisch sprechen, haben wir das Ganze mal frei von der Leber weg übersetzt ;-) Da fällt mir spontan der Dialog zwischen Quantas Piloten und Mechanikern ein *lol*


Und damit ihr wisst, wie gefährlich Australien ist, hier eine Karte:

These questions about Australia were posted on an Australian Tourism website. Obviously the answers came from fellow Aussies

....just trying to help:


Diese Fragen über Australien sind an die australische Tourismuswebsite gestellt worden und wurden von Australiern beantwortet.


E: Does it ever get windy in Australia? I have never seen it rain on TV, so how do the plants grow? (UK)
    A: We import all plants fully grown and then just sit around

    watching them die.

D: Ist es jemals windig in Australien? Ich habe es im Fernsehen noch nie regnen sehen, wie also wachsen eure Pflanzen? (UK)
    A: Wir importieren alle Pflanzen voll ausgewachsen, pflanzen sie

    ein und sehen zu, wie sie vertrocknen.

E: Will I be able to see kangaroos in the street? (USA)
    A: Depends how much you've been drinking.

D: Werde ich in den Straßen Kängeruhs sehen? (USA)
    A: Das hängt davon ab, wie viel du getrunken hast.

E: I want to walk from Perth to Sydney - can I follow the railroad tracks? (Sweden)
    A: Sure, it's only three thousand miles, take lots of water...

D: Ich möchte von Perth nach Sydney laufen, kann ich den Bahn-Schienen folgen? (Schweden)
    A: Sicher, es sind nur 3000 Meilen (4800 Kilometer), nimm eine

    Menge Wasser mit ...

E: Are there any ATMs (cash machines) in Australia? Can you send me a list of them in Brisbane, Cairns, Townsville and Hervey Bay? (UK)
    A: What did your last slave die of?

D: Gibt es Geldautomaten in Australien? Wenn ja könnt ihr mir eine Liste mit den Standorten in den Städten Brisbane, Cairns, Townsville und Hervey Bay schicken? (UK)
    A: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

E: Can you give me some information about hippo racing in Australia? (USA)
    A: A-fri-ca is the big triangle shaped continent south of Europe.

    Aus-tra-lia is that big island in the middle of the Pacific which

    does not... oh forget it. Sure, the hippo racing is every Tuesday

    night in Kings Cross. Come naked.

D: Könnt ihr mir Informationen über Nilpferdrennen in Australien geben? (USA)
    A: A-fri-ka ist der große dreieckförmige Kontinent im Süden von

    Europa. Aus-tra-lien ist die große Insel in der Mitte vom Pazifik,

    welche keine ...ach vergiss es. Sicher, die Nilpferdrennen sind

    jeden Dienstag Nacht in Kings Cross. Komm nackig.

E: Which direction is north in Australia? (USA)
    A: Face south and then turn 90 degrees. Contact us when you

    get here and we'll send the rest of the directions.

D: Welche Richtung ist Norden in Australien? (USA)
    A: Schau in Richtung Süden und dreh dich um 90 Grad. Meld dich

    bei uns, wenn du da bist und wir schicken dir die restliche

    Wegbeschreibung.

E: Can I bring cutlery into Australia? (UK)
    A: Why? Just use your fingers like we do.

D: Kann ich Besteck mit nach Australien bringen? (UK)
    A: Warum? Nimm einfach die Finger wie wir auch.

E: Do you have perfume in Australia? (France)
    A: No, WE don't stink.

D: Habt ihr Parfüm in Australien? (Frankreich)
    A: Nein, WIR stinken nicht.

E: Can you tell me the regions in Tasmania where the female population is smaller than the male population? (Italy)
    A: Yes, gay nightclubs.

D: Könnt ihr mir sagen, in welcher Region in Tasmanien mehr Männer als Frauen leben? (Italien)
    A: Ja, in Schwulen-Nachtclubs.

E: Do you celebrate Christmas in Australia? (France)
    A: Only at Christmas.

D: Feiert ihr Weihnachten in Australien? (Frankreich)
    A: Nur an Weihnachten.

E: Are there killer bees in Australia? (Germany)
    A: Not yet, but for you, we'll import them.

D: Habt ihr Killer-Bienen in Australien? (Deutschland)
    A: Noch nicht, aber für dich importieren wir welche.

E: Are there supermarkets in Sydney and is milk available all year round? (Germany)
    A: No, we are a peaceful civilisation of vegan hunter gatherers.

    Milk is illegal.

D: Gibt es in Sydney Supermärkte und ist Milch das ganze Jahr verfügbar? (Deutschland)
    A: Nein, wir sind eine friedliche Gesellschaft von Veganern. Milch

    ist illegal.

E: Please send a list of all doctors in Australia who can dispense rattlesnake serum. (USA)
    A: Rattlesnakes live in A-meri-ca which is where YOU come from.

    All Australian snakes are perfectly harmless, can be safely

    handled and make good pets.

D: Bitte schickt uns eine Liste mit allen Ärzten in Australien, die Klapperschlangenserum vorrätig haben. (USA)
    A: Klapperschlangen gibt es nur in A-mer-ika, der Kontinent aus

    dem DU kommst. Alle australischen Schlangen sind absolut

    harmlos und können sicher als tolle Haustiere gehalten werden.

E: I have a question about a famous animal in Australia, but I forget its name. It's a kind of bear and lives in trees.(USA)
    A: It's called a Drop Bear. They are so called because they drop

    out of gum trees and eat the brains of anyone walking

    underneath them. You can scare them off by spraying yourself

    with human urine before you go out walking.

D: Ich habe eine Frage über ein berühmtes Tier in Australien, habe aber den Namen vergessen. Es ist eine Art Bär, der in den Bäumen lebt. (USA)
    A: Es heißt Fallbär. Sie heißen so, weil sie sich aus Gummibäumen

    auf jeden darunter Laufenden fallen lassen, um dessen Gehirn zu

    fressen. Du kannst sie abschrecken, indem du dich selbst mit

    menschlischem Urin einsprühst, bevor du spazieren gehst.

E: Will I be able to speek English most places I go? (USA)
    A: Yes, but you'll have to learn it first.

D: Kann ich an den meisten Orten in Australien Englisch sprechen? (USA)
    A: Ja aber du musst es erst lernen.

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Di

25

Jan

2011

Whitsundays – “Your safety is our priority”

Ach ja, seufz, ich schreibe Euch mal kurz auf, wie so ein Tagesprogramm zweier Weltreisenden aussieht, so anstelle vom normalen zu Hause, mit Aufstehen, Frühstück, Arbeit, Arbeit, Arbeit, Abendbrot, Bett, also:  

 

1.) Long Sleeping, after that a small breakfast

2.) Boat Cruise to Whitehaven Beach which is 6,5 km long of pure white Silica Sand, soft white and fluffy great to get between your toes

3.) A short walk to the top of Hill Inlet, where we can watch the ever changing swirllie sands of Whitehaven Beach

4.) Diving and snorkeling with over 1.500 different fish and 500 different types of corals

5.) Afternoon tea and fresh fruits on the boot, cruise back to town

6.) Dinner and open air cinema

 

So erst geschehen vorgestern, auf unserer Traumtour zu den Whitsundays. Auf dem Boot hat uns jemand gefragt, ob wir bei 6 Monaten Reisen nicht langsam Heimweh bekommen. Klar! Es gibt viele Momente, in denen ihr uns fehlt, und in denen wir uns wünschen, einfach gemeinsam mit Euch um einen großen Tisch zu sitzen und zu essen, zu quatschen und zu lachen. Dennoch ist diese Reise wahrscheinlich eine „once in a lifetime experience“, und das heißt für uns, erleben und genießen (ihr merkt schon, nach über 2 Monaten Englisch sprechen, verfallen wir schon selbst vom deutschen immer wieder in ein bisschen Ozzie-Slang ;-)).

 

Nach dem wir am vergangenen Freitag, den 21.01.11 per Greyhound-Bus in einer 11-stündigen Fahrt von Cairns aus zu unserem ersten Stopp an der Ostküste, Airlie Beach, gefahren sind, haben wir uns 3 Tage gegönnt, um den hübschen kleinen Ort zu genießen, direkt auf ein paar Hügeln am Meer gelegen, das Gateway zu den Whitsundays, den 74 berühmten tropischen Inseln mit den schneeweißen Stränden vor der Küste Australiens. Der Ort noch ein geruhsames Backpacker-Paradies, wer weiß wie lange noch, zu schnell schießen Hotelriesen und Luxusresorts aus dem Boden wie Pilze. Unser Hostel: Endlich mal wieder eine positive Überraschung (nach der katastrophalen Erfahrung in Sydney über Silvester): Ein 4-Bett-Dorm für uns allein und saubere Küchen sowie sanitäre Einrichtungen. Nach dem ersten anfänglichen Überfordert-Sein aufgrund der unzähligen Tourveranstalter vor Ort, stellte sich relativ schnell heraus, dass die meisten Ausflüge zu den Inseln mehrtägig sind und unser Budget regelrecht sprengen. Wir hatten die Qual der Wahl aus 1-6 Tagestouren, Segelboot oder Katamaran, Inner oder Outer Reef. Dabei lagen die Preise zwischen 150 und über 600$, was uns angesichts der noch kommenden 3 Wochen in Australien den Schweiß auf die Stirn trieb. Da wir die Segeltour bereits auf den Fiji-Inseln gemacht hatten und sich unsere Wünsche somit auf den Whitehaven Beach, den weißesten Strand der Welt sowie eine Schnorchelrunde im Great Barrier Reef beschränkten, kristallisierten sich schließlich nur noch die beiden Veranstalter „Reefjet“ und „Mantaray“ heraus, die jeweils mit einer Tagestour „All-in-One“ warben. Nach einem kurzen Anruf im Office, stellte sich dann noch heraus, dass beide Boote demselben Veranstalter gehören und die Mantaray derzeit aufgrund von Motorschaden im Hafen liegen bleiben muss. Damit blieb also nur die „Reefjet“ übrig, eine 1-Tagestour zum Whitehaven Beach inklusive Lookout sowie einem Schnorchelstopp vor einer der benachbarten Inseln. Der Preis: 140$ pro Person. Aber Augen zu und durch, die Whitsundays sind einfach ein Muss auf jeder Ostküstentour. Vorgestern war nun also der große Tag:

Wieder mal auf dem Wasser
Wieder mal auf dem Wasser

Wir werden super pünktlich um 07:35 Uhr direkt von unserem Hostel abgeholt. Mit dem Shuttle geht es direkt zur Marina, wo wir freudig von der Crew begrüßt werden und das Boot besteigen. Nach ein paar kurzen Sicherheitsinstruktionen („Your safety is our priority“ – der Standard-Spruch in Down Under, nicht nur von Quantas), verlassen wir den Hafen und fahren hinaus auf`s Meer. Man hatte uns gewarnt, dass die See heute etwas „rough“ sein könnte, angesichts unseres Hammer-Transfers nach Waya auf Fiji sind die Wellen jedoch ein Witz. Einziger Haken der Tour ist, dass zur Zeit Quallen-Saison ist, und wir daher zum Schwimmen und Schnorcheln einen „Stinger-Suit“ tragen müssen, welcher uns vor einer unliebsamen Begegnung der schmerzhaften Art schützen soll. Aber zunächst geht die Fahrt direkt zum Whitehaven Beach, dem spektakulären 6 km langen weißen Traumstrand, der unzählige Postkarten als Motiv ziert. Gegen 11 Uhr erreichen wir unser Ziel und sind begeistert. Dieses Mal sieht es vor Ort tatsächlich aus, wie auf den Prospekt-Fotos, der Sand ist wirklich blendend weiß. Wir haben hier eine Stunde Zeit und dank der Nebensaison und der Flut-Nachrichten, sind wir fast alleine. Wir nutzen unsere freie Zeit, um witzige Fotos zu machen und den feinen Sand zu bestaunen, ich habe noch nie so feinkörnigen, weißen Sand gesehen. Der Strand ist bretthart und mit 99,7 % Quarzgehalt weiß wie Schnee, wenn man barfuß darüber läuft, sinkt man nicht einmal ein! Schwarze Wolken rasen über den Himmel, sekundenlang nieselt es, bis gleich darauf wieder die Sonne scheint. Das ist ja wie im April hier! Das Wetter ändert sich beinahe minütlich. Als es dann richtig zu schütten beginnt, besteigen wir lieber schnell wieder unser Boot und machen uns über das bereitstehende Mittagsbuffet her!

Whitehaven Beach
Whitehaven Beach

Unser nächstes Ausflugsziel für heute ist der Hill Inlet, ein kleiner Hügel gegenüber des Endes des Whitehaven Beaches, von dem man den berühmten Blick über die Inseln hat und die Sandbänke bei Ebbe bestaunen kann. Wir gehen an Land und starten unseren 15-minütigen Bushwalk zur Aussichtsplattform. Die Crew macht uns auf allerhand Getier im Unterholz aufmerksam, mehr als einigen von uns lieb ist, bevölkern doch wieder zahlreiche fette Spinnen den Weg, und mit fett meine ich handtellergroße Exemplare. Da waren die paar Tierchen im Daintree nix. Hier läuft es einem kalt den Rücken runter. Zwar ist der Golden silk orb-weaver relativ harmlos, seine Körpergröße (ohne Beine an die 10 Zentimeter) ist jedoch furchteinflößend. Nur immer schön aufpassen, wohin wir mit unseren Flip Flops treten ;-) Am Lookout angekommen haben wir einen tollen Blick über die unter uns liegende Bucht und den irre langen Whitehaven Beach mit seinem Farbenspiel zwischen weißem Sand und blauem Meer. Zuverlässig lässt sich auch die Sonne gerade wieder blicken und wir können so ein paar schöne Fotos von der Bucht machen.

Blick vom Hill Inlet
Blick vom Hill Inlet

Letzte Station für heute ist das Schnorcheln vor Border Island. Wir werfen uns in unsere sexy Suits und stürzen uns vom Boot aus in die Fluten. Der Großteil der Gruppe auf dem Boot hat einen Dive gebucht und die Taucher setzen sich per Motorboot ab. Es ist unglaublich, hier kann man ohne Tauchschein einen 12-Meter-Introductory Dive machen. Das Ganze ist uns aber nicht ganz geheuer. Ohne Erfahrung in 12 Metern Tiefe tauchen, da bleiben wir lieber an der Oberfläche. Leider kommt das Riff hier nicht annähernd an unsere traumhaften Schnorchel-Erfahrungen auf Fiji heran. Man hatte uns zwar gesagt, dass es zum Schnorcheln egal ist, ob man ans Inner oder Outer Reef fährt, Hauptsache Great Barrier Reef, unserer Meinung nach ist es dennoch ein gewaltiger Unterschied. Hier an den Inseln ist das Wasser extrem trübe und zu tief, um die Fische und Korallen erkennen zu können. Am Outer Reef gibt es dagegen Korallenbänke im Wasser, um die man draußen, im Ozean, herumschnorcheln kann. Dazu gibt es direkte feste Dive-Stationen der einzelnen Veranstalter, eine Art kleines Boot-Hotel mitten im Meer. Aber hinterher ist man halt immer schlauer. Und die Tour zum Outer Reef hätte nochmal einen extra Tagesausflug für um die 150$ bedeutet. Naja.

Fertig machen zum Schnorcheln!
Fertig machen zum Schnorcheln!

Auch die erhofften Schildkröten lassen sich heute leider nicht blicken, unser großer Traum, einmal mit einer Schildkröte zu schwimmen, sollte also nicht in Erfüllung gehen. Obwohl gerade Eier-Zeit ist, das heißt, viele Tiere halten sich in Küstennähe auf, um ihre Eier zu bewachen, haben wir kein Glück. Zurück an Bord schälen wir uns aus den Suits, immerhin sind wir damit von Quallenangriffen verschont geblieben. Nach dem obligatorischen Afternoon-Tea mit frischer Melone und anderem Obst, geht es zurück in Richtung Airlie Beach. Müde und happy sitzen wir an Deck und genießen die letzten Sonnenstrahlen für heute. Auch wenn das Schnorcheln eher enttäuschend war, so hatten wir doch einen tollen Tag. Und, vor allem, tolles Wetter! Nach den regenreichen vergangenen Wochen eine echte Wohltat!

 

Den gestrigen Tag haben wir dann einfach mal gepflegt mit Nichtstun verbracht und uns an der herrlichen künstlichen Lagune am Meer geaalt. Airlie Beach hat sich noch einmal von seiner besten Seite mit strahlend blauem, wolkenlosen Himmel und 30° gezeigt und am liebsten hätten wir hier noch ein paar Tage mehr dran gehangen. Stattdessen ging es dann gestern Abend per Bus weiter bis Noosa an die Sunshine Coast, 17 Stunden südlich von Airlie Beach. Und wir können Entwarnung geben, die Flutschäden in Brisbane sind beseitigt und die Straßen wieder frei, d.h. unserer Tour steht nichts mehr im Wege. Adam, Christie und ihre Familien sind glücklicherweise vom Hochwasser verschont geblieben, hoffen wir, dass die nun nach Süden ziehende Zyklon-Front in Melbourne nicht ähnliche verheerende Schäden anrichtet!

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Mo

24

Jan

2011

Daintree / Cape Tribulation – where the rainforest meets the ocean

Wir sind in Australien!
Wir sind in Australien!

Nach unserem gestrigen Ausflug in die Welt der Schmetterlinge und der längsten Gondelbahn der Welt, haben wir uns für heute einen Tagesausflug in den fast unberührten Daintree Nationalpark sowie zum Cape Tribulation vorgenommen. Nach langen Recherchen und Vergleichen der Tourveranstalter blieb die günstigste Alternative der Mietwagen, was uns nur recht war, angesichts der üblichen Massen-Touri-Abfertigung auf solchen geführten Tagesfahrten. Gesagt, getan, um 08:15 Uhr holen wir unseren winzigen Huyndai Getz ab und begeben uns zum ersten Mal mit dem Auto auf Australiens Straßen. Wir verlassen Cairns in nördliche Richtung auf dem Captain Cook Highway, vorbei an zahlreichen Kreisverkehren und Zuckerrohrfeldern, soweit das Auge reicht. Ab Palm Cove windet sich die Straße in engen Kurven spektakulär am Meer entlang, einzelne Scenic Lookouts öffnen den Blick auf traumhafte menschenleere palmengesäumte Südseestrände. Wir fühlen uns beinahe wie auf dem Pacific Coast Highway in Kalifornien, nur halt auf der anderen Seite des Pazifiks. Erster Stopp für heute ist Port Douglas, ein laut Reiseführer „mondäner“ Badeort mit zahlreichen Resorts und Spas der gehobenen Preiskategorie. Außer einer kleinen Einkaufspassage und einer Einkaufsstraße kann man Port Douglas wohl eher als Örtchen bezeichnen, wir sehen kaum Touristen auf den Straßen, und vom Postkarten-Strand „4-Mile-Beach“ sind wir einfach nur enttäuscht. Der weiße Strand ist eher dunkelgelb und übersäht von Algen und alten Kokosnüssen. Hier wird uns auch erst so richtig bewusst, warum die ganzen herrlichen Strände auf dem Weg hierher so verlassen waren. Aufgrund der Salzwasserkrokodile und der Stinger-Quallen darf nirgendwo gebadet werden! Das ist ja der Horror! Da wohnt man direkt an einem paradiesischen Traumstrand mit herrlich seichtem tiefblauen Badewasser und darf hier nicht schwimmen. Und das ganze Problem zieht sich über die gesamte Küste! Statt dessen gibt es an jedem Strand ein ca. 20x20 Meter großes, mit Netzen abgesperrtes Becken, in dem sich dann alle Badenden tummeln. Na wenn das kein Urlaubstraum ist!

Von Port Douglas sind es nur wenige Kilometer bis Mossman, dessen Mossman Gorge Nationalpark die Südgrenze des Daintree Nationalparks markiert und Heimat der Kuku-Yalanji-Aborigines ist. Wir stellen das Auto am Carpark, im Eingang der Schlucht ab, und laufen auf den markierten Wanderwegen durch dichtes Urwald-Gehölz entlang am Mossman River. Nach 500 Metern gelangen wir an ein natürliches Badebecken, flankiert von riesigen granit-grauen Steinen. Ein paar andere Besucher haben die Gunst der Stunde bereits genutzt und schwimmen im herrlich klaren, kühlen Wasser. Leider haben wir die Badesachen nicht dabei und waten so nur bis zu den Knien im Wasser. Bei all der schwülen Hitze ist das kühle Nass herrlich angenehm und André ärgert sich wie verrückt, dass er nicht Baden kann. Zu schön ist dieses Fleckchen Erde.

Am Mossman Gorge
Am Mossman Gorge

Umzingelt von Schmetterlingen laufen wir weiter bis zur Rex Creek Swingbridge, einer hübschen Hängebrücke über den Fluss. Hier sind wir ganz alleine und die Urwald-Geräusche schwellen zu einem rauschenden Summen an, das uns durch und durch geht. Immer wieder fallen einzelne Sonnenstrahlen durch das dichte Blätterdach und Pollen und winzige Insekten tanzen wie Lichtfunken zwischen den Bäumen.

 

Wir verlassen Mossman und lassen den Ort Daintree Village links liegen, wollen wir doch keine der geführten Bootstouren inkl. Krokodilsichtung machen. Stattdessen nehmen wir direkt die Cable-Ferry, die uns für 21 $ Retourn ans andere Ufer des Daintree Rivers bringt. Auch hier ist aufgrund der anhaltenden Regengüsse das Wasser weit über die Ufer getreten und wälzt sich schlammbraun in Richtung Ozean. Mittlerweile hat sich der Himmel wieder zugezogen und wir geben Gas, wollen wir doch das Kap noch bei Sonne sehen. 

Golden Silk Orb-Weaver
Golden Silk Orb-Weaver

Unterwegs legen wir noch einen kurzen Zwischenstopp am Alexandra Range Lookout ein, von dem wir einen atemberaubenden Ausblick über Baumfarne, Gräser und Lianen hinab auf die Mündung des Daintree Rivers haben, ehe wir im Discovery Center, mitten im Nationalpark ankommen. Hier haben Besucher die Möglichkeit, den über 200 Millionen Jahre alten Regenwald, mit seiner Flora und Fauna Schicht für Schicht zu erkunden, auf unterschiedlich hohen Boardwalks kann so vom Boden bis zu den Wipfeln jeder Baumriese bestaunt werden. Seit 1988 gehört der Daintree Nationalpark als ältester Regenwald der Welt zum UNESCO Weltnaturerbe. Seine biologische Vielfalt ist weltweit einmalig, ca. 70 Tier- und 700 Pflanzenarten hier sind endemisch, kommen also nur hier vor. Als wir in den dichten Dschungel eintauchen und über die umrankten Holzplanken stiefeln, in unseren Flip Flops wohlgemerkt ;-), entdecken wir nicht nur die Faszination von Blüten und Gewächsen sondern bemerken auch die allgegenwärtigen riesigen Spinnennetze, die praktisch zwischen jedem Baumstamm hängen. Auf dem Aussichtsturm, der sich direkt zwischen den Baumwipfeln befindet, finden wir auch zahlreiche Exemplare der grünen Ameise, deren Biss besonders schmerzhaft sein soll. Als dann auch noch unmittelbar eine fette, ca. 7 Zentimeter große Golden Silk Orb-Weaver in ihrem Netz hängt, wird mir ganz schlecht. Ab jetzt schaue ich auf jeden Schritt den ich mache und auf jedes Blatt, dass mir im Weg hängt. Ich sage nur so viel, je genauer man hinschaut, desto mehr sieht man – nichts für schwache Gemüter und Spinnen-Phobiker. Obwohl ich selbst durchaus in der Lage bin, zu Hause beim Anblick eines Weberknechtes in schrilles Kreischen und Panikzustände zu verfallen, muss ich zugeben, dass diese Wesen faszinierend und abschreckend zu gleich sind. Und so lange sie nicht in irgendeinem Hotelzimmer auf mich lauern, sondern einfach nur friedlich und ruhig im Wald rumhängen, bitteschön.

Als wir endlich im Ort Cape Tribulation ankommen, fängt es natürlich wie auf Kommando wieder an zu regnen. Wir warten den Guss ab und laufen dann das Stück zum Strand. Hier lief Captain Cook 1770 mit seinem Schiff auf Grund, der Abschnitt ist so bedeutend, wegen seiner beinahe unberührten Natur und seinen einsamen Stränden, hier trifft sprichwörtlich der Regenwald auf den Ozean. Nur wenige Touristen kommen bis hierauf, der ganze Ort hat nur 150 Einwohner. Wir erhaschen immerhin 2 Minuten Sonne, ehe es sich endgültig für heute eintrübt und wir beim Besuch des vielfotografierten Myall Beachs bis auf die Haut vom Regen durchnässt werden. Pitschnass sprinten wir zurück zum Auto und sitzen dann triefend vor der Heizung, um uns trocken pusten zu lassen. Innerhalb von wenigen Minuten verwandeln sich die Flüsschen am Straßenrand zu reißenden Fluten und die Straße wird regelrecht überflutet. Wir halten jedes Mal die Luft an, wenn wir einen Strom mit dem Wagen queren, in der Hoffnung, dass das Wasser noch nicht allzu tief ist, denn, je länger wir warten würden, desto wahrscheinlicher wäre es, dass wir heute nicht mehr nach Cairns zurückkommen. Und schließlich müssen wir morgen früh unseren Bus bekommen. André steuert unser Auto geschickt über die Straßen, der Scheibenwischer läuft volle Kanne und wir sind uns einig: So einen Regenguss haben wir noch nie, wirklich noch nie in unserem Leben gesehen. Es regnet fast 2 Stunden auf unserer Rückfahrt, die schönen angepriesenen Boardwalks am Straßenrand im Nationalpark müssen wir sausen lassen, Hauptsache wir kommen so schnell wie möglich zurück ins Hotel.

Am Cape Tribulation
Am Cape Tribulation

Erst kurz vor Palm Cove hört es endlich auf zu schütten und wir machen einen letzten kurzen Stopp für heute in dem hübschen idyllischen Ort am Meer. Der Strand hier wurde 2003 zum saubersten ganz Australien gekürt und wäre es nicht schon so spät und wir so nass, und hätten wir nicht schon unser Busticket für morgen und die heutige Übernachtung, könnte man hier durchaus eine Nacht verbringen. Gegen 20 Uhr sind wir zurück in Cairns, froh, dass wir dem Regen getrotzt haben und unser Auto so schön mitgespielt hat. André hat die Gangschaltung und den Linksverkehr wieder mit Bravour gemeistert, die Erfahrungen aus Neuseeland sind noch gut gegenwärtig. Morgen geht es nun um 07:45 Uhr mit dem Greyhound Bus gen Süden!

 

Noch viele weitere Regenwald-Fotos gibt`s hier:

http://wirsinddannmalunterwegs.jimdo.com/fotogalerie/australien/

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Mi

19

Jan

2011

Über den Dächern des Regenwaldes

Autsch! Australien ist teuer. Von Sydney wussten wir das ja bereits, aber im Stillen hatten wir gehofft, dass sich das in den anderen Teilen von Down Under nicht ganz so extrem fortsetzen würde, aber Fehlanzeige. Wir können jetzt schon vorhersagen, dass Australien ein tiefes Loch in unsere Reisekasse reißen wird. Und das, selbst wenn wir die billigsten Hostels im Dorm buchen und den Supermarkt rege frequentieren. Nur zum Verständnis ein paar Preise für Euch: 1,5 Liter Wasser = 3 €, 1 Kugel Eis = 2,80 €, 2 Liter Coca Cola = 4,42 €, 1 Stück Butter = 1,80 € (der Billig-Hausmarke), 1 Stück Käse 500 g = 3,90 €, 1 Flasche Shampoo = 5,90 € usw. - 1 ganze Pizza kostet im Gegensatz dazu 8,86 €. Wir haben für einen winzigen Supermarkteinkauf so gleich am ersten Abend 48 € bezahlt. Da kommt doch Freude bei unserem Reise-Finanzminister André auf. Ein Tagesausflug kostet übrigens im Schnitt sage und schreibe 120 € pro Person. Was alleine schon unser gesamtes Tagesbudget für 2 Personen übersteigt!!! Da weiß man Deutschland und seine Konkurrenz-Marktsituation erst richtig zu schätzen. Aber da müssen wir jetzt halt durch. Nun aber zu den erfreulicheren Dingen des Lebens: Sightseeing!

 

Nach dem wir gestern Cairns unsicher gemacht haben, das Städtchen ist weitaus kleiner und provinzieller als gedacht, außer einer „großen“ Mall (von den Staaten sind wir ja ganz andere Dimensionen gewöhnt), einem winzigen Ortskern mit ein paar Geschäften, Reiseagenturen und einer künstlich angelegten Salzwasserlagune am Hafen (im Meer kann aufgrund der Salzwasserkrokodile nicht gebadet werden), gibt es größtenteils nur Wohnhäuser (Cairns Haupteinkommensquellen sind der Tourismus und Zucker) ; hieß es heute: Ab in den Dschungel. Aber nicht nach dem Motto „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“, sondern: mit „one of the world most scenic railways“. Das kleine Bergstädtchen Kuranda, nordwestlich von Cairns, ist ein beliebtes Ausflugsziel für Tagestouristen, das Besondere ist jedoch nicht der Ort an sich, sondern die Transportmittel, mit denen man hin und zurück kommt. Die Kuranda Scenic Railway startet vom Bahnhof in Cairns und windet sich dann 2 Stunden und 34 Kilometer lang durch 15 Tunnel und über 40 Brücken inmitten tropischen Regenwaldes. Und die Skyrail, mit 7,5 Kilometern die längste Gondelbahn der Welt, schwebt dann zurück über die Gipfel des Regenwaldes. Für schlappe 97 $ hatten wir den Ausflug in unserem Hotel gebucht und immerhin 5 % Rabatt ergattert. Also hieß es heute Morgen: Früh Aufstehen, denn um 08:30 Uhr sollte bereits Abfahrt sein. Beim Anblick des hübschen nostalgischen Bähnchens musste ich unweigerlich sofort an unseren Lößnitz Dackel zu Hause denken. Genau wie zwischen Radebeul und Moritzburg und im Rabenauer Grund, reihen sich hölzerne Waggons aneinander. Ab geht die Fahrt hinauf und bald sind wir von dichtem Blätterwerk umgeben. Die Fenster sind weit offen und ein angenehmer kühler Luftzug vertreibt die allgegenwertige Feuchtigkeit. Immer wieder bieten sich spektakuläre Ausblicke über das Tal und in die Tiefen des Dschungels. Highlight der Strecke ist ein kurzer Fotostopp an den Barron Falls, einem 329 m hohen Wasserfall, der sich aufgrund der aktuell anhaltenden Regenzeit ohrenbetäubend und tosend in die Barron Schlucht stürzt.

Auf geht`s in Richtung Kuranda!
Auf geht`s in Richtung Kuranda!

Kuranda selbst entpuppt sich als kleines verschlafenes Nest, jedoch mit eindeutig zu viel Kommerz. An jeder Ecke gibt es Didgeridoos, Boomerangs, Opal-Schmuck und andere typisch australische Souvenirs zu kaufen. Wir haben 4 Stunden Aufenthalt und nach einem Käffchen mit einem „Spanish Donut“ (= deutsche Zuckerbrezel, aber okay) zieht es mich zielstrebig in Richtung Butterfly Sanctuary, der angeblich größten „butterfly flight aviary and exhibit in Australia“. Da André sich nicht besonders für Schmetterlinge interessiert und der Eintritt mit 17$ mehr als happig ist, möchte er lieber auf einer Bank im Park ein Mittags-Nickerchen machen, ich stürze mich also alleine ins Getümmel. Sobald ich den Eintritt bezahlt habe und durch die gummiartigen Lamellen an der Eingangstür gegangen bin, empfängt mich ein tropisches Klima und ein Meer aus farbenfrohen Schmetterlingen, die mich sofort umschwirren. Bewaffnet mit der Kamera inkl. Teleobjektiv im Makro-Modus tauche ich also ein, in die Welt dieser grazilen Wesen, und vergesse für die nächsten 1 ½ Stunden alles um mich herum. Auf gut 3.600 Kubikmetern ist hier der natürliche Lebensraum als winziger Regelwald dargestellt, eine Art riesige Foliere mit über 1.500 Schmetterlingen, darunter auch der fluoriszierend blau leuchtende Ulyssus sowie der größte in Australien vorkommende, der Australien Birdwing. Sie umkreisen mich, setzen sich auf das Objektiv, auf mein Kleid, meine Hände und Schultern. Es ist unbeschreiblich. Ich fotografiere und fotografiere, ein Motiv schöner als das andere. Immer wieder bestaune ich eines der prachtvoll geflügelten Wesen, wie sie sich direkt vor meinen Augen auf den dichten Blättern niederlassen um sich nur wenige Sekunden später wieder flatternd auf und davon zu machen. Wusstet ihr, dass Schmetterlinge bis zu 19,3 Kilometer pro Stunde zurücklegen können, einige sogar bis zu 40,23? Manche sind bis zu 10 Zentimeter groß und so bunt, schillernd grün, gelb, rot oder orange, als hätte der liebe Gott seinen gesamten Farbtopf darüber ausgeschüttet. Ihr müsst es mir also nachsehen, wenn in der heutigen Bildergalerie vorrangig Schmetterlinge zu finden sind.

Nur einer von vielen wunderschönen Schmetterlingen
Nur einer von vielen wunderschönen Schmetterlingen

André erwartet mich draußen schon wieder und wir laufen zurück zur Skyrail Station, die uns zurück in Richtung Cairns bringen wird. An einem Eisstand unterwegs lachen uns Sorten wie „Chocolate Obsession“ und „White Choc Raspberry“ an, beim Preis von 3,80$ pro Kugel bleibt uns der Appetit jedoch im Halse stecken. Wir besteigen die Gondel und schweben wenige Sekunden später über das Blattwerk, sehen die reißenden Barron Falls noch einmal von oben und staunen atemlos über die schwindelerregende Höhe, in der wir lautlos über den Regenwald gleiten. An zwei Stationen kann man aussteigen und den Rainforest selbst erkunden, ein Boardwalk schlängelt sich durch das dichte Unterholz, Hinweistafeln erläutern die hiesige Fauna. Der Urwald ist so dicht und ursprünglich, dass wir jeden Moment das Gefühl haben, Tarzan würde an einer Liane hängend um die Ecke kommen oder Indiana Jones auf der Suche nach einer weiteren versunkenen Stadt.

Gondelbahn über dem reißenden Barron River
Gondelbahn über dem reißenden Barron River

Gegen 16 Uhr sind wir zurück an der Talstation und ein Shuttle-Bus bringt uns zurück ins Hotel. Wie auf Kommando fängt es in Strömen an zu regnen, das haben wir ja gut abgepasst heute. Der Zyklon bringt rasend schnell schwarze Gewitterwolken und wo eben noch blauer Himmel und Sonnenschein war, ist plötzlich alles schwarz. Der Scheibenwischer am Bus kommt kaum noch hinterher, die Regenmassen zu vertreiben und der Fahrer scherzt mit uns, dass wir Glück haben, bei dem Wetter, wird die Skyrail nämlich unterbrochen, was mitunter für die Touristen eine unfreiwillige Pause von bis zu 2 Stunden bedeuten kann. Schwein gehabt ;-) Wir lehnen uns zurück und schauen aus dem Fenster in den strömenden Regen. Irgendwie kommt uns das von Fiji bekannt vor ;-)


PS: Mehr Fotos, heute besonders viele mit Schmetterlingen, gibt`s unter:

http://wirsinddannmalunterwegs.jimdo.com/fotogalerie/australien/

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Mo

17

Jan

2011

G'day Cairns

Hallo ihr Lieben,

 

Australien hat uns wieder, sind heute Morgen Ortszeit um 8:00 Uhr in Cairns gelandet und haben bei schwülen 30° und 90% Luftfeuchte unser hübsches Hotelzimmer bezogen. Nach einer Woche Gemeinschaftsbad und -Toiletten mit fremden Bartstoppeln im Waschbecken und jede Menge Haaren auf dem Fußboden auf Waya, freuen wir uns nun wie die Schneekönige über unser eigenes Klo im Zimmer! Nicht mehr nachts im strömenden Regen barfuß zum Bad laufen zu müssen hat schon was.

 

Aufgrund der Beschwerden unserer raren Beiträge der vergangenen Woche (;-)), muss ich zu unserer Verteidigung sagen, dass eine Insel ohne Fernseher und mit einer derartig grottigen Internetanbindung einfach für keinen Blogartikel taugte. Und mal so ganz abgeschieden von der Zivilisation zu sein, ist ja auch nicht schlecht. So haben wir auch erst gestern von den verheerenden Überflutungen in Australien in den Nachrichten erfahren und waren geschockt! Da Brisbane auch auf unserer Route liegt, gilt es jetzt, die Daumen zu drücken, dass wir durchkommen. Aber nun der Reihe nach:

 

Nach dem wir mit dem Katamaran Yasawa Flyer die 3 Stunden zurück nach Denarau überstanden hatten (dieses Mal ohne seekrank zu werden), haben wir eine Nacht in Nadi geschlafen, ehe es früh 9 Uhr mit Air Pacific zurück nach Sydney ging. Erste Anlaufstelle im Flughafen dort war der Vodafone-Stand, wo wir erst einmal einen Prepaid-Surfstick erstanden haben. Nach dem wir uns in Süd- und Nordamerika so schön an das kostenlose Wifi gewöhnt hatten, muss man in Australien nämlich überall dafür bezahlen. Und da eine halbe Stunde locker 5$ kostet, rechnet sich so ein Stick doch ein ganzes Stück mehr. Schließlich wollen wir Euch von Australien nach über einer Woche Abstinenz nun wieder regelmäßig mit spannenden Berichten und tollen Fotos versorgen! Jeder bewaffnet mit einem Big Angus Meal von Mc Donalds ging es dann ins Hotel, wir hatten uns für die eine Nacht extra ein Zimmer nahe der Airports gesucht, um nicht noch einmal für viel Taxi-Geld ins Zentrum kutschen zu müssen. Also Zimmer bezogen, Burger verschlungen und erst einmal die Nachrichten-Defizite der vergangenen Woche aufgearbeitet. So ist der gestrige Tag ratzefatz vorüber gewesen und heute Morgen ging es dann um 6:00 Uhr ab nach Cairns. Mit nur 3 Stunden Flugzeit die bisher kürzeste Flugroute unserer Strecke. Trotz diverser Zyklone, die angeblich momentan über Australien kreisen, haben wir in der Luft davon glücklicherweise nichts mitbekommen und sind ruhig gelandet.

 

Von hier werden wir nun die kommenden 4 Wochen in Richtung Süden fahren, dazu haben wir ein Busticket für Greyhound gekauft, den größten Busanbieter an der Ostküste, ein Hop-on/Hop-Off-Bus, bei dem man überall aussteigen und so lange bleiben kann, wie man will. Das Ticket gilt für ein Jahr und war die preiswerteste Alternative, die Küste zu bereisen. Dank unseren australischen Freunden, die wir auf Fiji kennengelernt haben, steht nun auch schon die ungefähre Reiseroute und wir haben auch schon Einladungen nach Brisbane und Melbourne. Hoffen wir, wie gesagt, dass die Flut nicht weiter steigt, sonst könnte es mit dem Durchkommen schwierig werden. Unsere Gedanken sind bei den Flutopfern. Hier wird gerade überall im Fernsehen und Radio zu Spenden aufgerufen, es ist die schlimmste Flutkatastrophe seit Beginn der Aufzeichnungen und es hat bereits mehrere Tote gegeben. Nun ziehen die Fluten auch noch weiter in Richtung Melbourne, dort fiel bereits nach heftigem Regen und starkem Wind in 8000 Haushalten der Strom aus. Die Ausmaße sind unvorstellbar. Da ein Großteil der Früchte und des Gemüses aus der Region um Brisbane kommen, werden nun zum Teil die Lebensmittel knapp. Nun könnte auch das Great Barrier Reef gefährdet sein, da das Wasser der übergetretenen Flüsse auch giftige, düngermittelbelastete Substanzen ins Meer spült und dadurch Fische, Schildkröten und andere Meeresbewohner bedroht sind. Das alles überschattet unsere Ankunft und wir können nun also nur sehen, was passiert und ob wir vielleicht unterwegs sogar helfen und beim Aufräumen mit Anpacken können. Erinnerungen an 2002 werden wach - auch bei Euch zu Hause, sieht es im Moment ja schon wieder nach Hochwasser aus. Was für ein krasser Winter. Was für verrückte Naturkatastrophen. Wir drücken Euch die Daumen, dass sich die Lage in Dresden bald wieder stabilisiert und die Wetter-Kapriolen der vergangenen Wochen endlich ein Ende haben. Genug Schnee für diesen Winter habt ihr ja gehabt. Jetzt kann der Frühling kommen!

 

Für uns ist mittlerweile auch schon ein Drittel der Reise vorüber. Wahnsinn! 7 von 12 der großen Flugetappen sind geschafft, 5 von 13 Ländern bereits bereist. Die Erdkugel ist über die Hälfte umrundet, ab jetzt geht es praktisch zurück in Richtung Heimat. Wenn wir zurückblicken, können wir es kaum fassen, wenn wir an unsere ersten Tage in Südamerika zurückdenken. Vorgestern vor 9 Wochen sind wir in Dresden gestartet, mit dem Rucksack voller Klamotten und dem Kopf voller Träume. Viele haben sich schon erfüllt, ein paar mussten wir aus Kostengründen leider begraben (Tauchen lernen). Aber immer haben sich dafür neue, unerwartete Höhepunkte aufgetan. Habe erst wieder einen wunderschönen Spruch gelesen: "Live is a journey, don`t miss the train." In unserem Fall dürfte das dann der Bus für die nächsten 4 Wochen sein!

 

Seid lieb gegrüßt und fest umarmt von den beiden Weltenbummlern

André und Jana

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Sa

01

Jan

2011

Ein Haarschnitt, Wayne Carpendale und eine Beinahe-Verhaftung…

Happy New Year, ihr Lieben! Inzwischen dürftet auch ihr ins neue Jahr geschlittert sein und wir wünschen Euch alles alles Gute, Gesundheit, Glück und Erfolg für 2011. Mögen all Eure Wünsche in Erfüllung gehen und ihr stets zufrieden und ausgeglichen sein. Wir sind ja nun ein wenig eher reingerutscht, hier in Sydney, und der gestrige Tag hielt so einiges an Überraschungen für uns bereit. Aber lest selbst:

Sydney Feuerwerk (Quelle: Vivacity Sydney)
Sydney Feuerwerk (Quelle: Vivacity Sydney)

Nach dem wir nach einem 14 Stunden (!) Flug von Los Angeles gegen 08:00 Uhr Ortszeit und bei 27° Außentemperatur in Sydney ankommen, sind wir wie gerädert. Der Sommer hat uns wieder! Wir haben den 30.12. direkt übersprungen, da wir die Datumsgrenze überquert haben und sind nun 10 Stunden vor deutscher Zeit (anstelle 9 Stunden nach in L.A.). Nach dem wir in der ersten Endlos-Schlange die Passkontrolle absolviert haben, geht es in der nächsten Schlange darum, dass Gepäck noch einmal nach Lebensmittel und tierischen Produkten durchsuchen zu lassen und da aller „guten“ Dinge nunmal 3 sind, dürfen wir uns zur Feier des Tages auch noch in einer extra langen Taxi-Schlange anstellen. Als wir gegen 10:00 Uhr endlich im Hostel ankommen, dürfen wir zwar sofort ins Zimmer, werden aber getrennten Dorms zugeteilt, da das Hostel komplett ausgebucht ist. Die Hostelbewohner machen sich gerade für den Silvester-Abend fertig, in der Nähe vom Hafen soll es einen hübschen kleinen Park geben, von wo man angeblich einen guten Blick auf die Oper und die Harbour Bridge haben soll. Um 12 Uhr ist uns jedoch zu früh, lächzt unser Körper doch nach einer Dusche und einer Mütze voll Schlaf. Aus letzterem wird dann nicht wirklich viel, im 8 Bett-Dorm, naja. Statt dessen machen wir uns um 14 Uhr auf, zu Fuß, in Richtung Downtown, die Straßen sind noch relativ leer und man merkt noch nicht vom Silvester-Wahnsinn. Im Kings Cross kehren wir in unsere „Stamm“-Bar, das „Sugar Mills“ ein, in der wir auch schon im letzten Januar lecker gegessen haben und entdecken ein super Lunch-Angebot: Rumpfsteak mit wahlweise Fries/Mached Potatoes und Salad/Beans. Lecker! Und das für nur 10 $. Nix wie her mit dem Steak, wir haben Hunger.

 

Gegenüber der Bar wirbt ein winziger Friseursalon mit Männerhaarschnitten ab 12 $, na bitte. André hat dringend einen Besuch nötig, und ich schiebe ihn kurzerhand hinein. Eine Stunde und einige Haar-Zentimeter später ist auch das erledigt, der Schnitt sieht super aus und wir stürzen uns direkt wieder ins Getümmel, um den besagten kleinen Park im Westen der Stadt ausfindig zu machen und unsere Hostel-Mitbewohner zu treffen. Mit dem Bus sind wir im handumdrehen vor Ort und entdecken sogar noch einen winzigen gemütlichen Strand, mit Blick auf die Brücke. Dafür ist von einem Park nichts zu sehen, es reihen sich nur zahlreiche Villen an den Hang. Wir laufen einmal ums Karree und endlich entdecken wir das winzige Hinweis-Schild mit dem Namen „Duff-Area“. Nur: Laut Schild ist das Gelände wegen Überfüllung geschlossen. Ich versuche es mit einem tiefen Augenaufschlag (;-))bei den Wachleuten und tatsächlich dürfen wir ausnahmsweise noch mit hinein. Ein paar Stufen geht es hinab, dann liegt der „Park“ vor uns, eine ca. 20x20 Meter große Wiese auf einer winzigen Mole, auf der sich schätzungsweise 200 angetrunkene feierwütige Teenies herumtreiben. Na da kommt doch Freude auf. Fluchtartig verlassen wir das Gelände wieder, und starten per Bus einen weiteren Versuch in Richtung Botanical Garden, von irgendwo muss es doch einen hübschen Blick auf das Feuerwerk geben.

 

Doch auch hier haben wir kein Glück, das Areal ist gesperrt und nur über eine endlose Warteschlange darf man hinein. Mittlerweile ist es fast 19 Uhr und anscheinend ist jetzt ganz Sydney auf den Beinen. Familien mit riesigen Kühlboxen, Gaskochern und halbem Küchen-Equipment laufen uns über den Weg und auf jedem erdenklichen Fleckchen Grün im Zentrum hat es sich schon jemand mit einer Decke gemütlich gemacht. Oje. Eine Bucht weiter gibt es noch einen Pier in Richtung Botanischen Garten und wir versuchen, die Absperrung so zu umgehen. Geschwind krabbeln wir unter dem Zaun hindurch, rennen die wenigen Schritte bis um die nächste Ecke, die paar Stufen hinauf und… laufen dem nächsten Wachmann in die Arme. Mist. Inzwischen hat auch der andere Wachmann, unten, unseren Versuch bemerkt und wir werden unwirsch abgeführt. 500$ Arrest-Gebühr? Mit ein paar netten Worten und schuldbewussten, reumütigen Mienen werden wir dann doch umsonst laufen gelassen, schließlich ist „Happy New Year“. Die Aussies sind halt etwas lockerer als die Amis. In den Staaten säßen wir nun wahrscheinlich im Knast. ;-)

 

Zurück am Hafen beschließen wir, dann doch ein Taxi zurück in Richtung des Parks zu nehmen, von einer Seitenstraße des Hügels hatte man einen guten Blick und das Gelände war frei. Auf dem Weg zum Taxi laufen wir dann doch tatsächlich Wayne Carpendale und Annemarie Warnkross (die Red-Tante) in die Arme (kein Witz!). Ich wäre fast an den beiden vorbeigerannt, doch André stößt mir schnell in die Rippen. Die beiden laufen aufgemotzt direkt an uns vorbei zum Hafen – na wo die beiden wohl heute feiern? Der Taxifahrer aus Bangladesch bringt uns innerhalb von 10 Minuten zurück zur Wolesley Road und lässt sich unterwegs über die horrenten Hotelpreise zu Silvester in Sydney aus. Er kann es nicht fassen, wie einzelne Leute 1.500$ für eine Übernachtung zahlen. Aber zu Silvester will halt jeder nach Sydney.

 

An unserem entdeckten Aussichtsfleckchen haben sich inzwischen noch einige andere junge Leute angesammelt, und zwar alles Deutsche! Das gibt es doch nicht. Wir machen es uns ebenfalls auf den warmen Gehwegplatten mit Eistee und Pringles gemütlich, jetzt heißt es nur noch Warten. Und das 4 Stunden bis Mitternacht! Wir erfahren von Einheimischen, dass es bereits 21 Uhr ein kleines Feuerwerk für die Kinder gibt. Das ist ja schön! Gegen halb neun wird es dann auch merklich voller auf unserer Straße und zahlreiche Familien gesellen sich zu uns. Dann, 21 Uhr, erstrahlt die Harbour-Bridge und es geht los. 15 Minuten Feuerwerk vom Feinsten, mit allem Drum und Dran. Über 3 auseinandergelegene Spots im Wasserwird die Pyro-Technik in den Himmel geschossen, dass es nur so knallt und eine wahre Freude ist. Schööööön!

 

Danach, wieder Warten, noch 3 Stunden. Mittlerweile, nach über 40 Stunden Wachsein, nagt die Müdigkeit an uns, die Sonne ist untergegangen und es wird empfindlich kühl. Zum Glück haben die Gehwegplatten die Hitze gespeichert und wir machen uns lang, um die Wärme zu nutzen. André nickert ein paar Mal weg und auch ich bin irgendwann eingeschlafen. Das ist ja wie früher in unseren Kindertagen, als man schon mal vorschlafen musste und einen die Eltern dann um Mitternacht geweckt haben. Um 23:45 Uhr werden wir dann von den ersten Raketen wach und jetzt ist es um uns herum gerappelt voll. Die letzten 10 Sekunden zählt ein riesiger Laser-Countdown an der Harbour-Bridge herunter und dann geht das eigentliche Feuerwerk los. „Happy New Year“! Alle liegen sich in den Armen, jubeln und klatschen. Die Light-Show ist der Wahnsinn. Das Feuerwerk nimmt gar kein Ende, immer höher und höher öffnen sich die bunten Raketen zu riesigen Blumen am Himmel, überall „Ahhhs“ und „Ohhhs“ und wir halten uns einfach fest und genießen den Anblick. Wir sind tatsächlich zu Silvester in Sydney! Nach wir das letzte Silvester hier um genau 6 Stunden verpasst haben, damals saßen wir um Mitternacht genau im Flieger zwischen Singapore und Sydney, sind wir nun tatsächlich hier, mittendrin, und genießen das Spektakel. Frohes Neues Jahr!

Sydney Skyline
Sydney Skyline
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