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Mi

29

Feb

2012

Klappe zu, Affe tot!

Zurück in der Heimat
Zurück in der Heimat

Das ist er nun, unser wirklich und wahrhaftiger letzter Blogeintrag. Ziemlich genau 10 Monate habe ich ihn vor mir her geschoben, mich innerlich regelrecht dagegen gesträubt, ihn zu schreiben. Als wäre damit unser größter Traum allen Ernstes endgültig gelebt. Alles aus und vorbei und was bleibt nun? Wie passen 180 Tage pralles Leben in ein paar Zeilen Text? Was ist die Quintessenz unserer Reise? Eins sei Euch gleich zu Beginn gesagt: Wer einmal eine solche Reise tut, der wird`s immer wieder wollen! Verabschiedet Euch von dem Gedanken, dass eine große Reise all Eure Träume, Sehnsüchte und Wunschreiseziele erfüllt. Alles Quark mit Soße! Im Gegenteil. Alles wird dadurch nur noch ganz viel schlimmer.

 

Beim Lesen anderer Weltreise-Blogs ist mir eigentlich immer das Gleiche aufgefallen: A) Es gibt in der Regel keinen Schlussartikel. Woran das liegt? Na klar, sobald man zurück in Good Old Germany ist, sind sie vorbei die guten Vorsätze, sich nicht mehr so zu stressen, alles viiiel relaxter anzugehen. Und B), was typischerweise auch oft festzustellen ist, die meisten haben es nicht lange in Deutschland ausgehalten und sind bei der nächsten Gelegenheit gleich wieder auf und davon. Tja, aber was macht man, wenn man die Altlasten der Reise noch mindestens zwei Jahre mit sich herumschleppen muss und jede weitere Reise ein fernes, winziges Licht am Ende des Tunnels ist? Hier kommt Mythos Nummer 2 ins Spiel: Hier mal ein paar Tage an die Ostsee? Dort für eine Woche Skifahren? Quatsch. Wer einmal Blut geleckt an fernen Ländern und fremden Kontinenten hat, der fliegt doch nicht mehr nach Griechenland! Alles unter 8 Stunden Flugzeit ringt uns lediglich ein müdes Lächeln ab. Wir lechzen nach der Aufbruchstimmung an internationalen Flughäfen, wir vermissen es, mindestens 3 Sprachen um uns zu haben, und vor allem, uns fehlt das Leben aus dem Rucksack. Was ist schon ein prall gefüllter Kühlschrank gegen eine romantische kleine Garküche in Thailand?

 

Annette Bokpe hat einmal gesagt: „Eine fremde Kultur ergründen zu wollen, ist wie der Versuch, den Horizont zu erreichen... Irgendwann steht man wieder an dem Punkt, an dem man begonnen hat - doch der Blick zum Horizont ist ein anderer."

 

Da sind wir nun, zurück im Alltag, zurückgekehrt vom Abenteuer unseres Lebens. Und doch fällt es uns bis heute (knapp ein Jahr später!!!) schwer, wieder Fuß zu fassen. Erst wenn man es einmal wirklich geschafft hat, sich aus dem Hamsterrad der alltäglichen Anforderungen (inkl. derer an sich selbst) auszuklinken, wird einem bewusst, welchem Druck und welchem Stresslevel man hier tagtäglich ausgesetzt ist. Lange haben wir gekämpft, gegen mangelnde Motivation, Fernweh und gegen den Wunsch, sofort wieder aufzubrechen – wie lebt man sein Leben weiter, wenn man weiß, dass der größte Traum bereits gelebt ist? Da hilft es nur, sich neue Ziele zu stecken und sich weitere Highlights zu schaffen. Ein solches Highlight war unsere Hochzeit im vergangenen September! Ja, wir haben wirklich geheiratet, die 6 Monate Weltreise waren noch einmal die beste Bewährungsprobe für eine Ehe. Und da wir uns in all der Zeit keine Minute auf die Nerven gegangen sind, geschweige denn, uns gestritten haben, bestand nicht der geringste Zweifel am Altar.

 

Durch die Zeit der Vor- und Nachbereitungen und die schnelle Rückkehr ins Arbeitsleben, hatten wir bis jetzt kaum die Gelegenheit, alle Reiseeindrücke zu verdauen und sämtliche Etappen unserer Weltumrundung noch einmal Revue passieren zu lassen. Im Nachhinein kommt es uns regelrecht utopisch vor, dass wir wirklich ganze 6 Monate weg waren, hier zu Hause ist ein halbes Jahr wie im Flug vergangen, aber unterwegs schien uns die Zeit endlos.

 

Erst neulich haben wir einen Diavortrag über 2 Weltreisende gesehen, die ganze 4 Jahre unterwegs waren. Ich habe sie im Anschluss an den Vortrag gefragt, wie es erst nach so einer langen Zeit ist, sich zu Hause wieder einzuleben. Das große Privileg der beiden war, dass sie selbst bestimmen konnten, wie lange sie unterwegs sein wollten und wann die Reise zu Ende war. Dennoch waren die Eindrücke und Resumees die gleichen: Das Glück, entschleunigen zu können, selbstbestimmt zu leben, die Faszination fremder Kulturen, und vor allem das ganz große Fazit: Die Feststellung wie wenig es doch bedarf, um wirklich glücklich zu sein. Vor allem: wie wenig Geld! Freiheit, 1 Bett, etwas zu essen und eine warme Dusche. Mehr brauchten auch wir nicht, als wir am Ende der 6 Monate feststellen, wie viel unnützes Gepäck wir die ganze Zeit doch mit uns herumgetragen hatten.

 

Und so war eine unserer ersten Amtshandlungen zu Hause, unsere Wohnung auszumisten und alles Überflüssige zu entsorgen bzw. zu verschenken. Es ist unglaublich, was man heutzutage so alles an Besitztümern anhäuft. Und so entrümpelten wir nicht nur unsere 4 Wände sondern irgendwie auch ein bisschen unser Leben, das dank unserer Reise so irgendwie völlig aus den Fugen geraten und auf den Kopf gestellt war.

 

Und nun sitze ich hier, inmitten von 25.000 Fotos, den Kopf immer noch voll von hunderten Reiseimpressionen, und bin Euch treuen Bloglesern immer noch den großen Abschlussbericht schuldig. Wie oft ertappen wir uns dabei, zu überlegen, wo wir heute vor einem Jahr genau waren. Nun, ich kann es Euch sagen: Wir waren damals gerade in Hongkong und saßen glaube ich, genau zu diesem Zeitpunkt auf dem Peak und genossen bei herrlichstem Sonnenschein den Blick auf Kowloon. Würde ich die Zeit noch mal zurückdrehen wollen? Aber klar doch. Sofort! Aber dann nicht nur um ein Jahr, sondern exakt zurück zum 14. November 2010, dem Tag, bevor alles begann. Aber eigentlich genügt auch das nicht. Alles begann nämlich schon am 22.09.2009, als wir beschlossen, meinen langgehegten Traum einer Weltreise in die Tat umzusetzen. Der eigentliche Dank an dieser Stelle gebührt, und das möchte ich nicht verschweigen, Sandy und Klaas von „Into the world“, deren eigene Weltreise ich dank des Internets Wort für Wort förmlich verschlungen hatte, und dank deren blumiger, in den buntesten Farben geschilderter Berichterstattung endlich auch André geneigt war, sich näher mit dem Thema auseinanderzusetzen. Und nicht zu vergessen ist da auch Steini, der ebenfalls den Sprung ins kalte Wasser gewagt hatte und uns so viel Lust auf`s Nachmachen beschert hat. Irgendwie ist es immer tröstlich, Erfahrungen anderer Reisender mitzuerleben und dadurch nicht zuletzt viele Tipps für den eigenen Trip zu bekommen.

 

Und so machte uns das eine Jahr der Vorbereitungen ganz schwindelig vor Aufregung, Bürokratie, Verwaltungsaufwand und nicht zuletzt Vorfreude. Über Impfungen, Visa-Beantragungen, Equipment-Kauf bis hin zur Packliste und Reiseorganisation, verging die Zeit wie im Flug und schließlich rückte er immer näher, unser Abreisetag, und wir wurden nur noch ganz sentimental. Der Abschied von Familie und Freunden viel schwerer aus, als erwartet und zugegeben, zu Beginn war da schon eine Menge Unsicherheit und sogar Angst im Spiel. Aber dann war er da, der 15.11.2010 und wir tauschten unsere 2-Zimmer-Wohnung gegen zwei 70-Liter-Rucksäcke und stiegen in den ICE nach Frankfurt, den Kopf voller wirrer Gedanken, atemlos vom Stress bis zur letzten Minute und mit ein paar kleinen Tränchen im Augenwinkel, als wir unseren Eltern zuwinkend, aus dem Bahnhof fuhren.

 

Die Ankunft in Frankfurt: holprig. 20 Kilogramm die ganze Zeit auf dem Rücken schleppen, was hatten wir uns nur dabei gedacht? Schon jetzt ging uns auf, dass wir wahrscheinlich viel zu viel Krams eingepackt hatten. Und, Du lieber Himmel, wir hatten den Reisefön vergessen! Wir konnten doch nicht ohne Fön starten! 5 Läden, ein paar Hamburger und eine Bombendrohung später saßen wir in der LAN-Maschine, hoben ab in Richtung Lima mit Zwischenstopp in Madrid.

 

Schätzungsweise 18 Stunden später landeten wir zum ersten Mal auf südamerikanischem Boden, und nach weiteren 6 Stunden erreichten wir endlich unsere erste Station, La Paz in Bolivien. Ihr werdet Euch vielleicht nicht mehr erinnern, aber Bolivien war für uns vor allem durch eines geprägt: Kopfschmerzen. Die befürchtete Höhenkrankheit erwischte uns volle Kanne und zwang uns, nach den Strapazen der letzten Vor-Abreise-Tage, in die Knie. An dieser Stelle der Tipp, für all die, die selbst eine ähnliche Reise planen: Macht zu Beginn Eurer Reise einen Ruhe-Stopp irgendwo auf einer Insel. Kommt mindestens zwei Wochen komplett zur Ruhe, bevor ihr Euch ins Weltreisegetümmel stürzt. Und da wir dies natürlich nicht berücksichtigt hatten, bedeutete La Paz für uns schlafen, schlafen und nochmals schlafen. Nach 3 Tagen komatösem Dösen auf 3.700 Höhenmetern schleppten wir uns schwerfällig zum Busterminal und buchten unsere Tickets nach Cusco.

 

Peru begrüßte uns mit andinem Kolonialflair, spanischen Restaurants und bunten Straßenzügen. Wir starteten auf den Inkatrail und mussten uns auch hier geschlagen geben: Uns fehlte schlicht und ergreifend die Zeit zur Akklimatisierung. Der Zug tat es auch und so standen wir trotz aller Strapazen am Morgen des 24.11.2010 am Sonnengate: Zu unseren Füßen, Machu Picchu, die verlorene Stadt der Inkas. Carlos, unser Guide, weihte uns schließlich noch in die nationale Speise Cuy (Meerschein) ein, ehe unsere Rundreise uns weiter in Richtung Nordchile führte.

 

Die erste Nachtbusfahrt war Luxus pur und nach einem kurzen Zwischenstopp in Arequipa, einer Taxifahrt über die chilenische Grenze und einer Odysee der Übernachtungssuche landeten wir in Arica, der mit Sicherheit hässlichsten Stadt Chiles. Auch den hier geplanten Ausflug in den Nationalpark Lauca mussten wir aufgrund der Höhe streichen, nutzen die Zeit jedoch wieder einmal zum Runterkommen, ehe es 3 Tage später wiederum per Nachtbus über Calama mitten hinein in die Atacama-Wüste ging. Von San Pedro starteten wir auf eine der mit Abstand schönsten Touren unserer gesamten Reise, die 3-tägige Tour nach Uyuni, quer über die Anden, vorbei an bunten Lagunen und dem Highlight, dem Salar. Eines der, wenn nicht sogar das Highlight der gesamten 6 Monate.

 

Am 8. Dezember hieß es für uns: Auf nach Amerika! Miami empfing uns mit strahlendem Sonnenschein, Palmen, Meer und sommerlichen Temperaturen. Alle Anstrengungen der vergangenen 3 Wochen fielen von uns ab und da waren nur noch Glücksgefühle pur, die sich in Tonnen von frischem Sushi, Orgien mit chinesischem Essen und jede Menge Starbucks Frappuccino entluden. Nach einer gechillten Woche erkundeten wir auch per Mietwagen den schönen Bundesstaat Florida und verloren zum ersten Mal auf der Reise unser Herz in Key West, in der kleinen Pension Angelinas mit viel Wassail und Zimtschnecken.

 

Das Weihnachtsfest in San Francisco war schwer verregnet und so gar nicht weihnachtlich und so schnappten wir uns direkt am 25.12. den nächsten Wagen und düsten ab nach Süden, auf den Spuren unserer grandiosen 2007er-Westküstentour. Der Highway N°1 weckte alte Sehnsüchte und Erinnerungen: Nach barbecuesoße-getränkten Spareribs spazierten wir erneute bei traumhaftem Kaiserwetter in Carmel über den Strand und verliebten uns erneut in dieses kleine urige Küstenstädtchen mit seine windschiefen Häuschen.

 

Ganz im Zeichen eines spektakulären Jahreswechsels mit Ausblick auf ein noch aufregenderes 2011 begrüßten wir das neue Jahr in der dafür wohl geilsten Stadt der Welt: Sydney! 2 Feuerwerke und 30° Celsius später ging es dann für uns schon weiter nach Fiji. Bula! Bei einer unvergesslichen Segeltour durch die Inselgruppe der Yasawas entdeckten wir nicht nur Bounty und Cast Away Island, sondern verloren uns in den traumhaften Tiefen der bunten Korallenriffe, tanzten uns die Seele zu Gitarrenmusik aus dem Leib und lernten auf Barefoot Island, das Schuhe völlig überbewertet sind.

 

Zurück in Australien stand Down Under ganz unter dem Greyhound-Motto. Mit dem roten Bus ging es entlang der Ostküste von Cairns nach Melbourne und die Leichtigkeit der Aussies hatten wir flugs inne. Bei Beer, Beach und Barbecue verbrachten wir unvergessliche Tage mit Surfen, Koalas knuddeln und Kängurus streicheln. Fraser Island, die Whitesundays und Byron Bay brannten uns ein Dauergrinsen ins Gesicht und unsere Hautfarbe nahm langsam aber sicher die der Einheimischen an. Und da wir auch in Melbourne noch nicht genug hatten, unser Busticket jedoch abgegolten war, haderten wir nur kurz mit uns, ehe wir uns auf DIE Tour der Reise machten, und mal eben in 5 Tagen 5.000 Kilometer zum Ayers Rock fuhren. Ein krönender Abschluss für einen irren Kontinent!

 

Nach 7 Wochen Shorts und Shirt hieß es in Tokyo erst einmal Wintertime. Die größte Stadt der Welt beeindruckte uns vor allem durch eines: Sauberkeit. Dank unserer Freundin Silvia besuchten wir Tempel und Shrine und tauchten ein, in die faszinierende Mischung aus Kultur und Moderne. Den heiß ersehnten Besuch aus der Heimat, gab`s schließlich in Hong Kong. Bei ausgedehnten Shoppingtouren, dem Besuch von Vergnügungsparks und dem Las Vegas Chinas, vergaßen wir fast, dass nun bereits die Hälfte unserer Reisezeit vorüber war.

 

Good Morging Vietnam bedeutete für uns vor allem eines: Den Geldbeutel festhalten. Vietnam war uns, um ehrlich zu sein, zu anstrengend. Es mag sich jeder sein eigenes Urteil bilden, aber wir waren nach 3 Wochen mit dem Wiedervereinigungsexpress von Hanoi nach Saigon nur noch froh, dieses Land endlich hinter uns lassen zu können. Zuwider waren uns die Geschäftspraktiken und Abzockermentalitäten der Einheimischen, der ganze Müll auf den Straßen und das ständige Nerven „Rikscha, Motobike, Taxi???????“. Einzig und allein das grandiose Essen mit Cao Lau Noodle, White Rose und und und machte das Ganze gerade noch erträglich. 

Kambodscha versöhnte uns mit Südostasien und zeigte sich von seiner besten Seite. Die Tempel von Angkor zu entdecken entschädigte uns für alles in Vietnam Erlebte und erinnerte uns an vergangene Thailand- Tage, als wir Asien kennen- und lieben gelernt hatten. Wir genossen Frühlingsrollen und ließen uns in die Künste der Khmer-Küche einweisen.

 

Angekommen in Nepal verlor ich hier zum zweiten Mal mein Herz, dieses Mal aus fotografischer Sicht. Kein Land bot uns eine solche Fülle an Farben und Motiven wie dieser kleine Staat zu Fuße des Himalayas. Das Kennenlernen der tibetischen und hinduistischen Religion war für mich mit purer Spiritualität verbunden und nirgends habe ich mich so gläubig gefühlt wie hier. Mag es die Nähe zum höchsten Berg der Erde und damit zum Himmel gewesen sein oder einfach der nicht wegzudenkende Duft nach Räucherstäbchen und das uns stets begleitende Mantra „Om mane padme hum“, ich meditierte und betete und fühlte mich auf eine Weise mit den Menschen in Verbindung wie nirgendwo sonst. Es war, als würden wir eintauchen in die Welt der Nepalesen und die unglaubliche Herzlichkeit und Freundlichkeit dieser so armen Menschen machte uns oft einfach sprachlos.

 

Über das Dach der Welt ging es per Minivan und wir hatten zum ersten Mal auf unserer Reise ein mulmiges Gefühl, als wir die Grenze zu China passierten. Vom alten Tibet ist nicht mehr viel übrig und es zerriss uns beinahe das Herz, zu sehen, was die Chinesen den Tibetern angetan haben und immer noch jeden Tag tun. Da konnte auch die beeindruckende Kulisse des Mount Everest und der vielen anderen schneebedeckten 8- und 7-Tausender nicht darüber hinweghelfen. Die Beklemmung los wurden wir nur in den atemberaubenden Klöstern. Shigatse und Gyantse und nicht zuletzte Lhasa, der Potala-Palast, führten uns eine Welt vor Augen, die mehr als vieles Andere bedroht ist. Wie lange wird das alte Tibet in dieser Form noch bestehen? Der Kampf der Chinesen, die Tibeter zu unterdrücken und nach und nach sämtliche Kulturgüter auszulöschen machte uns wütend und traurig zu gleich und ließ unsere Sorgen dagegen ganz winzig erscheinen.

 

Und dann kam tatsächlich auch schon das letzte Land auf unserer Weltumrundung: Indien. Wir machten uns auf alles gefasst und bekamen doch noch so viel mehr. Bei einer Tour auf den Spuren der Maharajas entdeckten wir Paläste und Märchenschlösser, campten in der Wüste unter freiem Himmel, ritten auf Kamelen, fütterten heilige Ratten und ernährten uns beinahe vegetarisch. Wer hätte gedacht, dass die Fülle an indischer Küche so schmackhaft sein könnte. Ajay, unser Fahrer führte uns nicht nur zu den Standard-Sehenswürdigkeiten, sondern zeigte uns das wahre Indien und ich weinte nicht nur eine Träne angesichts der Armut und Unterversorgung der Menschen und damit der schreienden Ungerechtigkeit unserer Welt.

 

Unser Abschied in Delhi am 9. Mai 2011 stellte uns noch einmal auf eine harte Geduldsprobe, als man uns 5 Stunden vor Abflug, mitten in der Nacht, nicht in das Abflugterminal lassen wollte. Laut indischer Gepflogenheiten darf man erst 2 Stunden vor Abflug unter Nachweis seines Flugtickets den Flughafen betreten. Also mussten wir in einem extra abgesperrten Wartebereich darauf warten, ins Terminal gelassen zu werden.

 

Gegen 2 Uhr nachts hoben wir dann pünktlich in Richtung London ab und waren 9 Stunden später wieder auf europäischem Boden. Die 4 Stunden Wartezeit, bis es dann von London endlich nach Frankfurt ging, waren eine Qual, zu Mal wir bereits von Delhi kommend, Dresden überflogen hatten. So dauerte es dann aber doch noch einmal mehrere Stunden, bis wir am Abend des 09.05.2011 per ICE den Bahnhof Dresden-Neustadt erreichten.

 

Unsere Vorfreude auf unsere Familien und Freunde sollte noch einmal ins Unermessliche steigen, als wir bereits bei der Einfahrt des Zuges alle unsere Lieben mit Transparenten auf dem Bahnsteig versammelt vorfanden. Und so gab es kein Halten mehr und viele Tränen, als wir uns endlich wieder alle in den Armen liegen konnten. Zur Begrüßung gab es dann direkt kleine Schwarzbrot-Häppchen mit Käse und Knacker, die wir gierig herunterschlangen, ehe wir noch auf dem Bahnhof allen feierlich ihre Mitbringsel überreichten.  

 

Die uns verbleibende Woche zu Hause, ehe es back to work ging, genossen wir dann mit herrlichen Unternehmungen bei frühsommerlichen Temperaturen. Der Luxus, wieder 24 Stunden heißes Wasser und Strom zu haben, erschien uns wie ein Wunder und das Schlafen im eigenen Bett war paradiesisch. Wir besuchten unsere Familien, Freunde und natürlich gab es auch allerhand zu organisieren – angefangen von der Autoanmeldung bis hin zu einer obligatorischen Vorstellung im Tropeninstitut.

 

Komischerweise waren, und damit kommen wir nun nach meinem Rückblick zu den einzelnen Stationen unserer Reise zum endgültigen Fazit, die meisten Fragen mit denen wir, seit unserer Rückkehr nach Deutschland oft konfrontiert wurden, nicht in erster Linie: „Wo war es am schönsten?“ sondern eher „Ist Euch einmal etwas Gefährliches passiert?“, „Habt ihr Euch bedroht gefühlt?“ und „Seid ihr einmal krank gewesen?“ Wir können Entwarnung geben: Die Welt ist nicht so schlecht, wie ihr denkt und, vor allem, wie die Medien sie so oft machen. Wir sind unterwegs stets warmherzig und mit offenen Armen empfangen worden. Die Menschen haben uns eingeladen, mit ihnen zu essen, obwohl sie uns nicht kannten, sie haben uns oftmals Einblicke in ihr Leben ermöglicht, obwohl wir Fremde waren und wenn wir eines unterwegs gelernt haben, dann das: Glaubt nicht an all die Mythen und Schreckensmeldungen, die so oft verbreitet werden. Weder sind wir in Südamerika bestohlen, noch in Australien von giftigen Tieren gebissen worden. Und ungemütlich war uns eigentlich nur in Lhasa, als all die chinesischen Patroullien um uns herum marschiert sind. Klar haben wir uns mal den Magen verdorben und klar waren wir mal erkältet – aber das gehört schließlich dazu, wenn man all die lokalen Leckereien ausprobiert und das ist schließlich auch im wahrsten Sinne des Wortes „das Salz in der Suppe“.

 

Wo es uns am besten gefallen hat, ist dennoch die schwierigste Frage von allen. Was haben wir nicht alles gesehen: Mächtige Weltwunder, wie das Taj Mahal, Angkor Wat oder den Ayers Rock; einige der wichtigsten Metropolen der Welt Sydney, Tokyo, Hongkong, Miami; wir haben im Auto geschlafen in Australiens Outback, unter freiem Himmel in der Wüste Thar in Indien, auf einer chinesischen Dschunke in der Halong Bucht in Vietnam, auf dem Altiplano im Salzhotel in Bolivien, in einer alten Opalmine unter der Erde und im Zelt auf dem Inkatrail in Peru. Dabei haben wir viel Neues entdeckt, vor allem viele Tiere: Alpacas, Lamas, Emus, Kängurus, Koalas, Nashörner, Krokodile, Schlangen, Yaks und eines kann ich Euch verraten: Wer einmal in Australien war, hat danach keine Angst mehr vor hiesigen Spinnen ;-)

 

Wir sind geflogen (23x, in Summe ca. 70.400 km), mit dem Bus gefahren (19x, davon 6x über Nacht, in Summe ca. 7.000 km), gelaufen (viele viele Schritte, zum Beispiel auf dem Inkatrail), haben den Zug benutzt (11x, davon 5x über Nacht, in Summe ca. 2.700 Kilometer) und das Schiff (Macau, Fiji, Vietnam), haben Autos gemietet (Selbstfahrer: ca. 7.850 Kilometer; mit Fahrer: ca. 4.500 Kilometer), sind auf Elefanten, Kamelen geritten und auf Surfbrettern – immer auf der Suche nach der perfekten Welle – alles in allem haben wir so beinahe 100.000 Kilometer zurückgelegt und bis auf Afrika und die Antarktis alle Kontinente besucht.

 

Ziel war eigentlich dabei immer nur: So viel wie möglich Neues erleben, die ausgetretenen Pfade verlassen, Neuland entdecken, die fremden Länder mit allen Sinnen fühlen, schmecken, riechen – auch wenn es dabei manchmal nicht ganz so hygienisch zuging ;-) Wenn man bedenkt, wie vorsichtig und unsicher wir (also vor allem ich) gestartet sind und wie lässig wir zurückgekehrt sind – am Anfang haben wir noch alles im Voraus gebucht, zum Schluss uns nur noch treiben lassen. Klar mussten wir unseren Zeit- und Budgetrahmen einhalten (112,- € pro Tag für uns beide zusammen für Unterkunft, Verpflegung, Transport und Eintritte), aber letzten Endes haben wir vor allem erfahren, dass es unterwegs immer und für alles eine Lösung gibt. Wir sind mit den öffentlichen Verkehrsmitteln durch Südamerika gereist! Hätte uns das Jemand vor 5 Jahren gesagt, hätte ich ihm sicher einen Vogel gezeigt. Aber ich kann sagen: Es ist so einfach! Und, ganz nebenbei haben wir auch noch um die 10 Kg abgenommen ;-) Ein schöner Nebeneffekt, der sich dank der vielen Bewegung und der völlig anderen Ernährung ganz von selbst eingestellt hat.

 

Was bleibt also nun am Ende übrig? Das wichtigste eigentlich überhaupt: Es braucht wirklich und wahrhaftig nicht viel um glücklich zu sein! Lernt das zu schätzen, was ihr habt und beklagt Euch nicht über das, was fehlt. Es gibt so verdammt viele Menschen auf unserer Erde, denen es so viel schlechter geht als uns hier in Deutschland. Den Luxus, 24 Stunden am Tag eine heiße Dusche und Strom aus der Steckdose zu haben, hatten wir bis vor unserer Abreise für selbstverständlich gehalten und mussten erst ganz neu lernen, dass diese Dinge für viele Menschen eben nicht alltäglich sind. Am Ende waren wir immer dann am glücklichsten, wenn wir in der freien Natur waren. Am friedlichsten war es in unserer kleinen Strandbure auf Fiji, ohne Strom, ohne Fernsehen, ohne Telefon, ohne Internet, ohne Schuhe an den Füßen. Frische Papayas von den Bäumen pflücken und im Einklang mit der Natur leben.

 

Natürlich ist uns auch bewusst geworden, was es bedeutet, völlig frei von Zwängen und vollkommen selbstbestimmt zu leben. Das Glück, einfach in den Flieger steigen zu können und dorthin zu fliegen, wohin man will, ist unbezahlbar und hat für uns, im Rückblick auf vergangenen DDR-Zeiten eine ganz andere Bedeutung bekommen.

 

Wir sind gewachsen, zusammen, aneinander. Wenn man 180 Tage lang ununterbrochen zusammen ist, gibt es keinen Platz für Geheimnisse, man erlebt sich und den anderen echt, hautnah, mit allen Höhen und Tiefen. Das mag dem Einen oder Anderen vielleicht Angst machen, aber es gibt keine bessere Chance, sich richtig und 100%ig kennenzulernen. Man erlebt auch völlig neue Seiten an sich selbst: Ich hätte nicht gedacht, meine Ansprüche an Hygiene ;-) mal so drastisch herunterzuschrauben und selbst die Übernachtung im 20-Bett-Zimmer in Adelaide hat uns am Ende nichts mehr ausgemacht. Wir waren stets einfach nur glücklich, zusammen unterwegs zu sein.

 

Während ich meistens die Sehenswürdigkeiten vor Ort recherchiert habe, hat André stets unseren Finanzrahmen geprüft und passende Unterkünfte und Verkehrsmittel gecheckt. Dabei war das Blog-Schreiben wie eine Berufung, beim Schreiben konnte ich los- und meinen Gedanken freien Lauf lassen. Es war so schön, dass dann auch immer noch so positives Feedback von Euch zurückkam. Ich bin stolz und froh, sämtliche Erlebnisse von der ersten bis zur letzten Minute aufgeschrieben zu haben und hoffe, irgendwann noch unseren Enkeln davon erzählen zu können.

 

Würden wir es wieder machen? Ja! Genau so! Wir haben unsere Entscheidung keine Minute bereut. Klar war man irgendwann mal am verzweifeln, wie in Bhikaner, Indien, als wir unbedingt Geld bei der Unterkunft sparen und für 2 € in einem völlig heruntergekommen Loch ohne Fenster mit uralten Stinke-Matratzen und alten Kamel-Decken schlafen wollten. Dann hat man halt ein paar Tränchen vergossen und sich danach wieder aufgerappelt. Oder in Vietnam, das völlig versiffte Zugabteil in dem seit gefühlten 10 Tagen und 5 Reisegästen keine Bettwäsche gewechselt worden war und die Zugtoiletten knöchelhoch in Urin versanken. Tja, das alles hat unsere Reise zu dem gemacht, was sie ist: der Reise unseres Lebens!

 

Ganz zum Schluss noch ein Dank an unsere Mütter: Wir wissen, es ist Euch unendlich schwer gefallen, uns losziehen zu lassen. Danke, dass ihr uns unterstützt habt, dass ihr stets die ersten Leser unserer Blogeinträge wart, dass ihr immer so fleißig geschrieben und kommentiert habt, uns unterwegs mit Kinderschokolade und (mich mit) Mascara versorgt habt, dass ihr Vertrauen hattet und Eure eigenen Ängste einfach heruntergeschluckt habt. Wir sind stolz auf Euch!

 

Das war`s nun also: Wirsinddannmalunterwegs, Jana und André, sagen Tschüss. Erhaltet Euch Euer Fernweh, Eure Entdecker- und Abenteuerlust. Denn vergesst nicht: „Die Welt ist ein Buch und wer nie reist, sieht nur eine Seite davon.“

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Mo

13

Jun

2011

Danke!

Ihr Lieben, jetzt sind wir tatsächlich am Ende unserer 6-monatigen Weltreise angelangt. Die vergangenen Tage haben wir versucht, das Erlebte noch einmal Revue passieren zu lassen, doch das ist im Moment einfach noch nicht möglich. Wir haben so dermaßen viel erlebt, so viele verschiedene Länder und Kulturen kennen gelernt, dass unsere Köpfe brummen und unsere Gehirne übervoll mit Informationen sind. Selbst mit einem Fazit tuen wir uns bisher sehr schwer, wo fängt man an und wo hört man auf? Wir können weder die Frage beantworten, wo es am schönsten war, noch was das Highlight oder der glücklichste Moment war. An diese Reise werden wir uns für den Rest unseres Lebens erinnern und davon noch unseren Enkelkindern erzählen. Es wird nicht leicht sein, nun zurück in den Alltag zu kehren und unser altes Leben wieder aufzunehmen. Für Euch zu Hause ist die vergangenen 180 Tage alles seinen gewohnten Gang gegangen, für uns war diese Zeit die aufregendste unseres Lebens. Wir möchten Euch noch einmal von ganzem Herzen danken, dafür, dass ihr uns auf unserer Reise begleitet habt, für all Eure lieben Kommentare und Einträge auf der Website, für Eure E-Mails und das viele viele positive Feedback. Egal wo wir auch waren, ihr habt immer an uns gedacht und uns so oft Grüße von zu Hause gesandt, dass wir immer das Gefühl hatten, trotz der Entfernung ganz nah bei Euch zu sein. Der größte Dank von meiner Seite aus geht jedoch an meinen Schatz André. So viel sei an dieser Stelle verraten, wir sind uns in keiner Minute auf die Nerven gegangen ;-). Wenn es irgendwie geht, dann sind wir uns in dieser Zeit noch näher gekommen als wir uns ohnehin schon waren. André hat stets die Nerven bewahrt, auch wenn die Lage buchstäblich zum Haare raufen und ich den Tränen nahe war. Er war der tollste Begleiter, den man sich für eine solche Reise wünschen konnte. Ohne ihn wäre diese ganze Reise nicht möglich gewesen. Ohne ihn wäre ich wahrscheinlich schon nach der ersten Woche mit wehenden Fahnen zurück nach Hause gefahren. Aber so haben wir zusammen alle Herausforderungen gemeistert und die Zeit unseres Lebens verbracht!

Die letzten Stunden in Delhi...
Die letzten Stunden in Delhi...
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Mo

13

Jun

2011

Zimmer F32 bitte!

Nach dem André aufgrund seines Affenbisses vor mittlerweile 3 Tagen nun heute seine zweite und letzte Booster-Impfung gegen Tollwut erhalten musste, hieß das für uns, inzwischen zurück in Delhi, erneut auf die Suche nach einem guten Krankenhaus zu gehen. Der Stadtteil, in dem unser Hotel liegt, quillt glücklicherweise über vor privaten Kliniken, so dass wir die ziemlich freie Auswahl hatten. Im ersten sagte man uns gestern noch, dass das benötigte Medikament nicht vorrätig sei, so testeten wir heute Morgen die Servicefreundlichkeit des Hotelpersonals, in dem wir sie baten, ein gutes Krankenhaus in der Nähe ausfindig zu machen, welches den Impfstoff vorrätig hat. Dank der lieben Unterstützung von Heike, Andrés Mom, hatten wir die Rückversicherung eines Tropenarztes aus Dresden eingeholt, was auch mir endlich ein etwas beruhigendes Gefühl gab. Gesagt, getan, ab ging es mit dem Tuktuk in die vom Hotel empfohlene Klinik. Dort angekommen passierten wir erst einmal Flughafen-ähnliche Sicherheitskontrollen, ehe wir in der Notaufnahme nach dem zuständigen Arzt fragten. Der nette junge Mann vom Infoschalter schickte uns daraufhin in den ersten Stock zum Zimmer F32. Dort wartete eine ältere Krankenschwester mit einem immensen Damenbart, nur um uns zu erklären, dass wir die Medikation selbst in der krankenhauseigenen Apotheke kaufen, anschließend zum Kassenschalter F18 gehen sollten, um dort die Kosten für die Injektion zu begleichen und dann zu ihr zurückkommen müssten. Okay, also auf zur Apotheke. Der dort tätige Angestellte kannte jedoch weder das Medikament, noch konnte er uns sagen, wo dieses erhältlich sei. Also wieder ab zu Zimmer F32. Ein mittlerweile neu eingetroffener Arzt erklärte uns nun in gebrochenem Englisch, dass der Impfstoff nur in der französischen Apotheke erhältlich sei, die auf der anderen Straßenseite des Krankenhaus wäre. Als wir erneut aus dem tiefkühltruhen-klimatisierten Krankenhaus ins Freie traten, konnte uns natürlich niemand der anwesenden Sicherheitsbeamten sagen, wo sich denn die besagte Apotheke befände. Das haben wir auch noch nicht erlebt, dass der Patient sich seine Medikation selbst kauft und damit zurück ins Krankenhaus geht, um sich damit behandeln zu lassen. Okay, also klapperten wir sämtliche Apotheken auf der nächsten Straße ab und wurden dann auch endlich fündig. Mit der Packung ging es schließlich zurück in die Klinik, zunächst zum Kassenschalter und dann, zum mittlerweile dritten Mal, ins Zimmer F32, wo André endlich die dringend benötigte zweite Injektion erhielt. Erleichtert verließen wir verrichteter Dinge nach gut 1 ½ Stunden das Krankenhaus und fühlten uns wie Asterix und Obelix in Rom, erinnert ihr Euch, als diese in der Anstalt von Schalter zu Schalter geschickt wurden, um permanent neue Formulare für einen wiederum neuen Schalter auszufüllen???

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Mo

13

Jun

2011

Angetajt

Ja, wir haben das Taj Mahal natürlich auch angetatscht. Wenn man einmal vor so einem beeindruckenden Weltwunder steht, muss man es einfach auch mal anfassen. Sozusagen um zu prüfen, ob es auch wirklich echt ist und nicht nur ein Traum. Mit dem Taj Mahal ist nun auch die letzte große Sehenswürdigkeit unserer Reise erkundet, die letzte Etappe abgehakt. Als wir am vergangenen Donnerstag im Licht der aufgehenden Sonne dann wirklich und wahrhaftig vor ihm stehen, können wir es selbst kaum glauben. Sind wir nun wirklich am Ende unserer 6-monatigen Weltumrundung angekommen? Ajay hat uns eingebläut, wir sollen früh da sein und das für uns völlig unnatürliche, an Quälerei grenzende, noch vor dem ersten Hahnenkrähen aus dem Bett Schälen, hat sich tatsächlich gelohnt. Pünktlich um kurz vor 6 Uhr stehen wir am Ticketschalter und gelangen als eine der ersten Besucher des heutigen Tages auf die Anlage. Noch herrscht Ruhe vor dem großen Sturm, ehe tausende Touristen und noch mehr Souvenirverkäufer einfallen und das angenehme Ambiente in einen surrenden Bienenkorb verwandeln. Das Taj Mahal ist eines der bedeutendsten Bauwerke der Welt und seine Geschichte ist so tragisch, dass jeder Schmachtroman-Autor seine Freude daran hätte. Als Andenken an seine, bei der Geburt seines 14. Kindes, verstorbene geliebte Frau, begann Großmogul Shah Jahan 1631 das Mausoleum zu errichten. Die Kosten des Bauwerks verschlangen alles Geld der Herrscherfamilie und aus Angst vor dem Ruin, entmachtete sein eigener Sohn den Mogul und steckte ihn für den Rest seines Lebens ins Gefängnis, ehe er ihn nach seinem Tod neben dem Grab seiner Frau beerdigte. Diese Form der Totenverehrung war den Hindus bis dahin völlig fremd, da einer ihrer Glaubensgrundsätze die Wiedergeburt ist und sie so ihren Toten keine Denkmäler errichten.

Eines der 3 Eingangstore zum Taj
Eines der 3 Eingangstore zum Taj

Wir gelangen durch eines der 3 symmetrisch angeordneten, jedoch im Gegensatz zum Taj unterschiedlich gestalteten, riesigen Eingangstore und da liegt es vor uns. Wie auf den unzähligen Fotos, die wir bereits gesehen haben, führt ein langer Wassergraben auf das komplett rechteckige, aus weißem Marmor geschaffene Gebäude zu. Der Anblick ist so harmonisch, dass wir erst einmal verharren und staunen. Oftmals ist es ja so, dass man bei solchen berühmten Bauwerken mit entsprechenden Erwartungen an die Sache herangeht, weil man es schon auf so vielen Plakaten, Postkarten, in Filmen und im Fernsehen gesehen hat. Wenn man dann aber irgendwann leibhaftig davor steht, ist man meist eher enttäuscht, weil es doch nicht so aussieht und man erkennen muss, dass oftmals Photoshop seine Hände im Spiel hatte. Nicht so beim Taj Mahal. Sein Anblick ist einfach unbeschreiblich. Dieses riesige, in blendendem Weiß gehaltene Grabmal erinnert eher an einen Palast denn an eine letzte Ruhestätte. Langsam laufen wir die Allee entlang und immer größer hebt sich das Gebäude gegen den leicht violett farbenen Himmel ab. Noch ist die Sonne nicht ganz aufgegangen, lange Schatten liegen auf den Grünflächen zu unserer Rechten.

Das letzte Highlight einer langen Reise: Das Taj Mahal
Das letzte Highlight einer langen Reise: Das Taj Mahal

Bevor wir die Stufen zum Eingang hinaufgehen, müssen wir uns „Schuhkondome“ ausleihen, eine Art Stofftüten für die Schuhe, damit das kostbare Marmor nicht beschädigt wird. Natürlich sollen wir auch hier wieder ein paar Rupies abdrücken (hatte Ajay nicht gesagt, das sei umsonst?). Fairerweise muss man ja aber sagen, dass der Eintritt ins Taj für weltliche Verhältnisse relativ billig ist. 750 Rupies, also um die 12,50 € kostet er, für westliche Touristen ein Witz, doch für Inder unbezahlbar. Darum gibt es für die Einheimischen auch einen viel günstigeren Preis, was wiederum die vielen Preller und Schlepper bedeutet. Aber noch ist es still, als wir in die heiligen Hallen eintreten. Innen ist es stockfinster und es dauert eine Weile, bis sich unsere Augen an das Dunkel gewöhnt haben. Erst dann erkennen wir den Sarkopharg exakt in der Mitte unter der Kuppel. Im Gegensatz zur üppigen Fassade ist das Innere des Taj Mahals eher nüchtern, seine Form mutet ein wenig an die der Frauenkirche an. Andächtig laufen wir einmal um die Gräber herum, 20 Jahre hat es gedauert, dieses Bauwerk zu erschaffen.

Sieht im Sonnenlicht noch schöner aus...
Sieht im Sonnenlicht noch schöner aus...

Als wir wenig später wieder hinaus ins Freie treten, zeigen sich gerade die ersten Sonnenstrahlen. So früh am Morgen ist der für Indien typische Smog und Dunst noch kaum spürbar und wir haben sogar richtig blauen Himmel. Sofort wirkt das Marmor noch blendend weißer und erst jetzt wird einem die ganze Magie dieses Ortes bewusst. Wir müssen uns eine Weile setzen, um diesen Anblick ganz zu verinnerlichen. Mit etwas Wehmut beobachte ich das immer stärker werdende Treiben um uns herum. Noch heute geht es für uns zurück nach Delhi und in wenigen Tagen zurück nach Deutschland. Waren wir jetzt wirklich ganze 6 Monate unterwegs? Wir machen noch dutzende Fotos ehe uns die zunehmende Hitze zurück in Richtung Hotel treibt. Wir blicken nicht zurück, und laufen zügig an den dutzenden Ständen vorbei, deren Besitzer gerade ihr Hab und Gut für die kommenden Touristen ausbreiten. Die ersten obligatorischen Möchtegern-Guides und Rikscha-Fahrer belagern uns, doch wir winken nur müde ab und gehen weiter. Ajay empfängt uns noch ganz verschlafen, offensichtlich hatte er sich noch einmal auf`s Ohr gelegt und nicht so schnell mit unserer Rückkehr gerechnet. Dabei ist es inzwischen fast 8 Uhr und wir waren 2 Stunden unterwegs.

Erst aus dieser Perspektive werden einem die gewaltigen Dimensionen dieses Bauwerks bewusst
Erst aus dieser Perspektive werden einem die gewaltigen Dimensionen dieses Bauwerks bewusst

Direkt nach dem Frühstück brechen wir auf in Richtung Delhi. Noch einmal 4 Stunden Fahrtzeit, mindestens, liegen vor uns. Ganz Agra scheint gerade zum Leben zu erwachen und auf den Straßen herrscht dichtes Gedränge. Am Flussufer sehen wir die Inder ihr Morgengeschäft verrichten, da hocken sie, im Abstand von 10 Metern, die Gesichter einander zugewandt, mit heruntergelassenen Hosen. An diesen Anblick werden wir uns wohl nicht mehr gewöhnen. Wie auf Kommando rülpst Ajay lautstark, wir lachen und ich muss an einen Artikel aus einem anderen Weltreise-Blog denken. Der Autor schrieb, dass die Inder jeglichen Körperphänomenen ungehindert und ungeniert nachgeben. Sei es pinkeln, rülpsen, schniefen, pupsen oder naja, ihr wisst schon, schlimmeres. Naja. Wenigstens haben wir es dank extremer Vor- und Umsicht geschafft, nicht in eine der tausenden herumliegenden Tretminen zu tapsen.

Abschied von Ajay
Abschied von Ajay

Am frühen Nachmittag setzt uns Ajay direkt vor unserem Hotel ab. Gute zwei Stunden Fahrtzeit haben wir alleine durch die Stadt gebraucht. Delhi ist riesig. Und laut. Das Gehupe nervt mittlerweile nur noch. Wir machen noch einen kurzen Stopp bei Mc Donalds und freuen und über den zweiten Chicken-Burger innerhalb von 3 Tagen. Als die Schilder für Karol Bagh auftauchen, ist es dann nicht mehr weit und uns die Straße schon bekannt. Von hier sind wir vor exakt 3 Wochen gestartet. Im Hotel werden wir direkt herzlich vom Eigentümer wiedererkannt. Ein bisschen ist es komisch, zum letzten Mal das ganze Auto leerzuräumen und Ajay Lebewohl zu sagen. Die Verabschiedung zu ihm ist dann kühler als erwartet. Haben wir ihm etwa nicht genug Trinkgeld gegeben? Er gibt uns kurz die Hand und braust dann davon. Okay, nach 3 Wochen hat er vielleicht einfach Sehnsucht nach seiner Familie. Im Zimmer mache ich erst einmal einen Freudentanz und werfe mich auf`s Bett. Endlich wieder ein uneingeschränkt sauberes Zimmer mit weißen, fleckenfreien Laken.

 

Alle weiteren Fotos von Agra gibt`s hier.

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Mo

13

Jun

2011

Technische Schwierigkeiten

Sicherlich wird sich der eine oder andere von Euch fleißigen Bloglesern gewundert haben, dass sich so lange nichts mehr tut. Nein, wir sind nicht in Agra versackt und ja, wer unseren Flugplan verfolgt hat, weiß, dass wir seit mittlerweile einem guten Monat wieder zurück in Deutschland sind. Nun muss man aber leider sagen, dass wir selbst in besuchten Entwicklungsländern wie Bolivien und Kambodscha fortschrittlich auch im hinterletzten Dorf im Nirwana freies Wifi hatten. Was man leider leider von good old germany und unserer Heimatstadt, oder soll ich eher Heimatviertel sagen (?), nicht gerade behaupten kann. So haben wir uns gut und gerne die vergangenen 4 Wochen damit herumgeschlagen, mit dem großen monopolistischen Marktführer T... eine halbwegs vernünftige und schnelle Netzlösung zu finden. Ich kann nur sagen: Hier ist es uns nicht viel besser als in Indien ergangen. Aber lange Rede kurzer Sinn, nach einem Monat ohne Web sind wir nun seit 3 Tagen stolze Besitzer eines DSL-Anschlusses, was für Euch heißt: Endlich wird der Blog zu Ende geführt. Es wurde ja auch mal langsam Zeit. Aber lest selbst, was uns in unseren letzten Reisetagen in Indien noch so beschäftigt hat und wie wir wieder zurück nach Hause gekommen sind...

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So

08

Mai

2011

Voll aggro in Agra

Die indische Bürokratie ist doch wirklich zum Haare raufen. Nach dem wir ja bereits in Deutschland mit dem Beantragen des Visas beinahe an die Grenzen unserer Geduld gelangt sind, setzt sich diese ganze Sesselpupserei und Prinzipienreiterei hier unverändert fort. Da kommt mir direkt ein alter Beamten-Kalauer in den Sinn (mögen es mir die Beamten unter unseren Lesern nachsehen): Warum benutzen Beamte grundsätzlich 3-lagiges Toilettenpapier? Weil sie für jeden Sch… zwei Durchschläge brauchen. Ha ha. Heute jedenfalls waren wir auf dem Postamt, um unsere gesammelten Postkartenwerke aufzugeben (man darf die nämlich nicht in den Briefkasten werfen, weil sonst die Postboten angeblich die Marken ausschneiden und weiterverkaufen und die Karten so in der Versenkung verschwinden. Riet man uns.) Also steuerten wir direkt das zentrale Postamt in Agra an. Ich sage nur eins: Ein Hühnerstall ist nichts dagegen. Dass die Inder nicht gerade systematisch arbeiten, war uns ja schon bekannt. Aber so etwas habe ich noch nie erlebt. Da standen dutzende Schreibtische wahllos durcheinander in einem riesigen Raum. Offensichtlich herrschte Selbstbedienung, denn wir traten direkt an einen Mitarbeiter heran, der uns die Marken aus einem alten Schieberchen seines noch älteren Sektretärs kramte. Uns gegenüber, auf der anderen Seite der Tische war eine lange Theke, hinter der sich hunderte Inder drängten, die alle mehrere Geldscheine in den Händen hielten. Und was sollte das bedeuten? Nach dem wir die Marken auf die Karten geklebt hatten, ging es zum nächsten Sachbearbeiter. Der wiederum quälte sich aus seinem Stuhl, durchsuchte seinen vermüllten Spind und förderte einen antiken Stempel zu Tage, mit dem er die Marken entwertete. Leider hatten wir auf einer Karte die genaue Adresse noch nicht vermerkt, dies wollte ich später im Hotel nachholen. Nun war aber schon die Marke entwertet und das bedeutete, ich durfte die Karte nicht mehr in die Hände bekommen, geschweige denn mit dieser gefährlichen Karte das Postamt verlassen. Au weia. Was könnte man denn damit bloß Schlimmes anstellen? Das einzige, wahrhaftige Siegel fälschen? Ich merkte schon, wie mein Blut anfing in Wallung zu geraten. Was angesichts der Situation Touristin versus indischem Beamten wohl eher keine gute Idee war. Also versuchen, ruhig durchzuatmen und die fehlende Adresse zu Hause telefonisch zu erfragen. Gesagt getan und nach einigem Hin und Her konnte ich die fehlende Straße auf der besagten Karte nachtragen und sie nun endgültig aufgeben. Sehnsüchtig sah ich ihr nach, wie sie in einem der tausend verschiedenen Fächer verschwand, in einem urigen Holzregal, versehen mit Nummern. Ihr Lieben, falls sich der Beamte jedoch durch meine unwirsche Art etwas auf den Schlips getreten gefühlt hat, kann es nun durchaus sein, dass er sämtliche Karten vor lauter Wut im nächsten Mülleimer versenkt hat. Ajay hat zwar geschworen, dass das nicht passieren würde und man denjenigen Mitarbeiter dann dafür haftbar machen würde, aber wie bitte soll das im Nachhinein geschehen? Wir werden bestimmt nicht nach 6 Monaten, wenn unsere Karten immernoch nicht angekommen sind, zurück nach Indien fliegen, nach Agra fahren und uns den Kollegen zur Brust nehmen. Wir werden es also sehen. Drückt die Daumen!

 

Das nächste Malheur passierte uns im Restaurant des Hotels. Nach dem wir uns zwei ordentliche Portionen Pasta und diverse Getränke einverleibt hatten, orderten wir die Rechnung, welche uns zugegebenermaßen die Tränen in die Augen trieb. Zehn Euro für ein Mittagessen in Indien hatten wir bisher noch nicht ausgegeben. Aber gut, dafür liegt unser Hotel nun mal sehr zentral am Taj Mahal. Als der Kellner André dann jedoch auch noch freundlich aber bestimmt darauf hinwies, dass im Betrag noch keine Service-Charge enthalten sei, wurden unsere Gesichter immer länger. Okay, dann halt großzügig aufrunden, immerhin waren die Tischdecken in der Lokalität zur Abwechslung mal fleckenfrei. Die 15 Rupies schienen dem Kellner dann aber noch nicht einmal genug, er bemerkte unmissverständlich, die Gebühr betrage 10% der gesamten Rechnungssumme. Was denn, jetzt wird einem noch die Trinkgeldhöhe vorgeschrieben??? Jetzt wurde sogar André unwirsch. Stellt Euch einmal vor, in Deutschland würde ein Restaurantmitarbeiter eigenmächtig eine fixe Summe Trinkgeld von den Gästen einfordern? Um es einmal mehr mit Tommy Jauds Worten zu sagen:  Da wir den Wettbewerb „nettester Tourist“ eh längst verloren haben… Naja, in diesem Lokal werden wir uns wohl nicht wieder blicken lassen dürfen. Aber egal. Hoffen wir, dass der Anblick des Taj Mahals uns ein wenig mit dieser rüden Stadt Agra versöhnt.

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So

08

Mai

2011

Mister Brain und Schlingeline gefangen im goldenen Dreieck

Auf meinem Kopf kann man Spiegeleier braten. Es ist 12 Uhr mittags, die Sonne steht direkt über uns im Zenit und wir laufen vom Parkplatz zum Fort von Fatehpur Sikri. Der Touri-Bus, der uns eigentlich für 10 Rupies zum Eingang hätte bringen sollen, ist uns direkt vor der Nase weggefahren und angesichts der hunderten Souvenirkäufer, die uns umgeben wie lästige Fliegen, haben wir lieber gleich die Flucht ergriffen und laufen die knapp 500 Meter. Natürlich immer begleitet von ca. 10 nervtötenden jungen Männern, die uns pausenlos mit „Where are you from?“ bestürmen. Es ist immer dieselbe Leier. Erst fragen sie einen, woher man kommt und wenn man darauf antwortet, kramen sie stolz ihre 5 Brocken Deutsch hervor. Das mag bei einem noch ganz lustig sein, aber nicht bei Hunderten. Ja, ja, I come from the country behind the sieben Bergen with the sieben Zwergen. Wir haben wirklich alles versucht. Ignorieren, zurückfragen, schneller weitergehen, nichts hilft. Sie akzeptieren kein Nein. Je schroffer man antwortet, desto näher rücken sie einem auf die Pelle. „Hello, hello, hello, Madam. Hello Sir. Very cheap. Please.“ Das geht dann bis zum Angrabbeln, und da hört selbst bei mir die Geduld auf. In Pushkar gab es folgendes witziges T-Shirt:

Ein hilfreiches T-Shirt für Indien
Ein hilfreiches T-Shirt für Indien

Dieses hätten wir uns wohl zulegen sollen. Ich erinnere mich zurück an Hong Kong und im Nachgang kommen mir die Schneider und Uhrenverkäufer dort ausgesprochen rücksichtsvoll vor. Wir haben Ajay gefragt, warum das Dreieck Delhi, Jaipur, Agra als Golden bezeichnet wird. Er konnte es uns nicht sagen, aber jetzt wird uns klar, dass hier für Souvenirverkäufer goldene Zeiten herrschen. Bei der Anzahl an Pauschaltouristen, die hier durchwalzen??? Waren in Jaisalmer und Udaipur noch eher vereinzelt Touristen unterwegs, brummt hier die Branche. Reisende aus aller Welt werden in Scharen in riesigen klimatisierten Reisebussen von Delhi hierher gekarrt, na klar wittern da die Einheimischen ihr großes Geschäft. Ganz bizarr wird es dann, wenn ein besonders großer Bus anrollt und 15 Männer zum Rennen ansetzen, um sich den Insassen als Guide anzubieten. Ja ja, das ist dann direkt wieder wie in Sapa, Vietnam, mit den Black Hmongs.

Dieser alten Frau waren 7 Rupies für ein Foto tatsächlich zu wenig
Dieser alten Frau waren 7 Rupies für ein Foto tatsächlich zu wenig

Am schlimmsten sind die Kinder. Unablässig ziehen sie an den Sachen, als würde man ihnen dadurch plötzlich doch Aufmerksamkeit schenken, wenn man sie vorher 5 Minuten ignoriert hat. Ajay sagt folgendes: Auch wenn wir mit all unserer Reiseerfahrung 100% aller Tricks kennen, die Souvenirverkäufer kennen garantiert 101%. Und tatsächlich. In jeder neuen Stadt gibt es einen neuen Trick. Ein kleiner Junge zum Beispiel fragt uns schüchtern, ob wir ihm einen Euro in Rupies wechseln, er könne mit unserer Währung nichts anfangen. Klar sind wir so nett. Kein Problem. Nur wissen wir, dass er den nächsten Europäer erst anbettelt, ob dieser ihm einen Euro gibt, mit der Begründung, er würde ausländische Münzen sammeln. Das wiederum haben wir nämlich selbst schon auf früheren Reisestationen erlebt. Und nach dem hundertsten Ali Baba, den wir im Fort getroffen haben, wollen wir am liebsten auch nur noch die 40 Räubern um Hilfe rufen. Richtig schlimm wird es, wenn zwei verloddert aussehende Kleinkinder vor einem stehen und sich hungrig über ihre Mägen streichen und mit den Augen gierig nach unserer Cola-Flasche schielen. Dann geraten Herz und Verstand regelmäßig aneinander und dunkle Wolken werfen düstere Schatten auf die goldenen Zeiten.

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Sa

07

Mai

2011

Ein Affenbiss in der rosaroten Stadt

Mein Gehirn produziert auf Sparflamme. Seht mir die sparsamen Blogeinträge in der letzten Woche nach, bei der Hitze fällt jeder Gedanke schwer. Die Worte purzeln nicht wie gewohnt flüssig hervor, alles ist zäh wie Kaugummi. Mittags vegetieren wir in der Regel im klimatisierten Hotelzimmer vor uns hin, jeder Schritt vor die Tür wäre eine Qual. Schlaaaaafen. Die Wasserflasche ist unser stetiger Begleiter. Noch nie haben wir so viel Flüssigkeit in uns hineingeschüttet. Und die kommt postwendend wieder hervor. Aus jeder Pore. Der Schweiß rinnt uns in Strömen die Stirn und den Rücken hinunter. Wie machen das all die verhüllten Frauen in ihren 10-lagigen Saris? Ich sehne mich nach Shorts und Spaghetti-Trägern. Statt dessen müssen Knie und Schultern stets bedeckt sein. Ist das nicht der Fall, fühlt man sich wie der Rattenfänger in Hameln – die indischen Männer rennen einem in Scharen hinterher. Je unattraktiver, desto aufdringlicher. Indische Männer halten mit ihrer Meinung nicht hinter den Berg. Da wird geschnalzt, gegurrt, gegluckst, gepfiffen und geglotzt, was das Zeug hält. Einfach mal ein bisschen spazieren um den Block gehen? Unmöglich. Mittlerweile machen wir uns mit Ajay einen Witz daraus, zu behaupten, wir seien deutsche Prominente, Schauspieler, dann krame ich meine Sonnenbrille im Pilotenstil hervor und setze sie mir filmreif auf die Nase. Das klappt ganz prima, nur ein Autogramm wollte noch keiner.

Die Fassade des Palastes der Winde - eines der meistfotografierten Motive Indiens
Die Fassade des Palastes der Winde - eines der meistfotografierten Motive Indiens

Unser Aufenthalt in Jaipur, der Hauptstadt Rajasthans, verhieß etwas mehr Ruhe und Zeit für uns. 3 Nächte am selben Ort, Programm nur vormittags und in den Abendstunden. Wir haben die Zeit direkt genutzt, um ein paar Besorgungen und Erledigungen vorzunehmen. So war André nach mittlerweile 2 ½ Monaten endlich mal wieder beim Friseur. Der Schnitt hat direkt unser Reisebudget gesprengt und sage und schreibe 50 Rupies gekostet. Jetzt googelt mal schnell den aktuellen Wechselkurs ;-) und ihr werdet sehen, dass das nicht mal ein Euro ist. Anschließend gab es noch eine Kopfmassage, bei der ich eher Angst hatte, man würde André das Genick brechen. Der Friseur drehte und zerrte an Andrés Kopf herum, das mir ganz schlecht wurde. Ihm hat es jedenfalls gefallen. Ja und dann waren wir endlich beim Schneider und haben meinen in Nepal erworbenen Stoff zu einem stilechten indischen Salwar Kameez schneidern lassen. Damit ich die letzten Tage in Indien noch ganz landestypisch herumwandeln kann. Das Ergebnis sehr ihr hier:

Sehe ich nicht schon fast wie eine richtige Inderin aus?
Sehe ich nicht schon fast wie eine richtige Inderin aus?

Jaipur selbst jedenfalls hat uns auf den ersten Blick gefallen. All die Häuser aus rotem Sandstein, die der Stadt ihren Namen gaben, die engen Gassen, Märkte und natürlich das Wahrzeichen, der Palast der Winde, rechtfertigen einen Aufenthalt von mehr als einem Tag. Zu den absoluten Highlights gehörte natürlich auch das Fort in Amber, welches zu den schönsten in ganz Rajasthan gehört. Den Elefantenritt für 900 Rupies zum Eingangstor haben wir uns direkt geschenkt. Die armen Tiere, die in der prallen Sonne den steilen Auf- und Abstieg dutzend Mal bewältigen müssen. Und das unter der Last mehr oder weniger kräftiger Pauschaltouristen. In Jaipur, das erkennen wir schnell, trennt sich die Spreu vom Weizen. Zum ersten Mal sehen wir nicht nur Individualtouristen sondern reine pauschale Massenabfertigung. Der Innenhof das reinste Volksfest mit Gauklern, Schlangenbeschwörern und Souvenirverkäufern. Hunderte sonnenverbrannte Touris stürmen die Festung, auf den Köpfen billige Turbane – „fremdschämen“ bekommt hier eine ganz neue Bedeutung, wenn Ü-50 Frauen in schulterfreien Minikleidern herumstolzieren. In Malle am Strand mag das ja gehen, aber doch nicht im prüden Indien!

Das Fort in Amber
Das Fort in Amber

Als ganz besondere Sehenswürdigkeit Jaipurs hatte uns Ajay noch den Affentempel Galta empfohlen, der eigentlich als heilige Badestelle für Pilger gedacht war, nun aber den um die 5.000 dort lebenden Affen überlassen wurde. Besonders bei Sonnenuntergang sei der Anblick sensationell und die Affen ausgesprochen liebenswürdig. Die Taschen voll mit Erdnüssen war es nicht schwer, die hunderten Tierchen für uns einzunehmen und André, mit seiner ausgesprochenen Tierliebe, hatte seine helle Freude daran zuzusehen, wie die Tiere ihm sprichwörtlich aus der Hand fraßen. Natürlich hatten einige auch Jungtiere, welche nun mal eben besonders fotogen sind. Bei einem Versuch, André mit einem der kleinen Äffchen auf`s Bild zu bringen, geschah dann das Unglaubliche. Hatte zunächst nur die Mutter die Zähne gefletscht, sprangen plötzlich mehrere männliche Tiere auf André zu und einer verbiss sich direkt durch die Shorts in Andrés Oberschenkel. Na toll, musste das ausgerechnet noch in unserer letzten Woche passieren? Vom Tempel ging es dann auch gleich mal direkt ins Krankenhaus. Glücklicherweise hatten wir uns ja bereits vor Reiseantritt gegen Tollwut impfen lassen, so dass nun „nur“ noch eine Booster-Auffrischung notwendig war. Ob der indischen Hygiene war ich entsprechend nervös, der Arzt machte jedoch einen guten und kompetenten Eindruck, so dass sich André ohne Bedenken in seine Obhut gab. Nach einigen Verständigungsschwierigkeiten waren wir uns dann alle einig, dass Tollwut auf Englisch „Rabies“ heißt. Das muss man mal verstehen – alle Impfungen tragen internationale Namen, nur Tollwut nicht. Und was lernen wir daraus? Keine Tierkontakte mehr in Asien!!!

Ein putziger Anblick, so ein Affe beim füttern
Ein putziger Anblick, so ein Affe beim füttern

Die restlichen Impressionen findet ihr hier.

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Sa

07

Mai

2011

Pushkotz

Der allgemeinen Begeisterung über Pushkar können wir uns jedenfalls nicht anschließen. Okay, wer auf rastabehaarte, selbstgebatikte T-Shirts-tragende Mitfünfziger steht, mag hier am richtigen Ort sein, aber wer auf die wahnwitzige Idee kommt, in einem kleinen Wallfahrtsort Ruhe zu suchen, wird sich hier vollkommen fehl am Platz fühlen. Das kleine Örtchen, der Pilgerort Rajasthans schlechthin und bekannt durch das Pushkar Mela, eines der größten Feste Asiens, welches jedes Jahr im November stattfindet, liegt ebenfalls an einem kleinen See und sollte durch seine unzähligen Ghats, Tempel und weiß gekalkten Häuschen angeblich besonders sehenswert sein. Schon der erste Spaziergang von uns ins Stadt-Zentrum ließ jedoch eher Entsetzen und Aggression denn Spiritualität aufkommen. Mehrere äußerst aufdringliche Inder versuchten uns hartnäckig heilige Blüten zu verticken und uns den Zutritt zu den öffentlichen Ghats zu verweigern. Die angeblich so beschauliche Atmosphäre in der Fußgängerzone mutete eher wie ein riesiger Jahrmarkt (oder die Bunte Republik Neustadt) an: kopierte CDs, kunterbunt bedruckte Hosen und Shirts im 70-er Jahre Stil sowie allerlei Shishas, Wunderlampen und billiger Schmuck sollten wohl Hippies aus aller Welt anlocken. Die saßen dann auch langhaarig, unrasiert und mit Sicherheit Hanfkeks-essend in einem der dutzenden Straßencafés – laut Ajay überwiegend Israelis, die auf der Suche nach dem ultimativen Rausch sind.

Einer der Sadhus in Pushkar
Einer der Sadhus in Pushkar

Bei all der grässlichen Klamotterie fällt mir direkt noch ein witziger Satz aus dem Reiseführer ein: „Bevor man in Pushkar in einen Kaufrausch verfällt, sollte man sich überlegen, ob das, was in Indien modern ist, man auch zu Hause tragen würde.“ Und das der so heilige See aufgrund seiner zunehmenden Vermüllung seit 2008 ausgebaggert wird und damit nur klägliche stinkende Wasserreste beinhaltet (in denen die Inder dann tatsächlich trotzdem noch baden und ihre Wäsche waschen), war uns auch nicht klar. Der so typisch indischen Mentalität, allen anfallenden Müll einfach auf die Straße zu werfen, versucht man hier offensichtlich Einhalt zu gebieten. Das der See aufgrund der Bestattungsrituale auch von Knochenresten befreit werden musste, jagt uns dann direkt einen Schauer über den Rücken. Letzteres ist übrigens inzwischen verboten. Da war es beinahe eine Erleichterung in den angenehm kühlen Abendstunden die Stufen zum Saraswati-Tempel hinaufzusteigen und zum ersten Mal in diesen Tagen völlig unbehelligt von dreisten Verkäufern und Bettlern den Sonnenuntergang in aller Stille genießen zu können.

 

Bei all dem Rummel hatten wir nur wenig Lust, Fotos zu machen, daher nur einige wenige Pics.

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Sa

07

Mai

2011

Muggelalarm in Venedig

Millionen haben ihn gelesen: Harry Potter, das Kinderbuch schlechthin des vergangenen Jahrzehnts. Wer hat nicht mit ihnen gefiebert, mit Harry, Ron und Hermine, wie sie gegen Lord Voldemort angetreten sind? Und natürlich wissen wir auch alle, was Muggel sind, nämlich normale Menschen, ohne Zauberkraft. Umso verwunderter waren wir, dass Ajay während unserer Rajasthan-Rundreise immer häufiger das Wort „Muggel“ in den Mund nahm. Bis wir herausgefunden haben, dass damit jedoch die Mogul-Herrscher gemeint waren, hat es etwas gedauert. In Udaipur, dem Venedig des Ostens, angekommen, stand jedenfalls alles ganz im Zeichen der Romantik. „The romantic city“, wie Udaipur, ganz im Süden Rajasthans auch genannt wird, besticht vor allem durch seine Lage am Lake Pichola, an dessen Ufer sich 5-Sterne-Hotels aneinanderreihen, wie Perlen an einer Schnur. Durch die Wasserlage gibt es natürlich auch unzählige Ghats, die hier glücklicherweise nur für rituelle Bäder denn für Bestattungszeremonien genutzt werden. Die Geschichte Udaipurs steht ganz im Zeichen von wechselnden Herrschern, die sich alle mehr oder weniger selbst architektonisch verwirklicht haben, was einen überraschend harmonischen Gesamteindruck macht. Wahrzeichen ist, neben dem berühmten Lake Palace Hotel natürlich der City Palace, die größte Palastanlage ganz Rajasthans. Die gesamte Palastanlage nimmt beinahe eine komplette Seeseite ein und ist besonders bei Nacht im Schein der Lichter sehenswert. Beim Streifen durch die schmalen Altstadtgassen mit hunderten Schneidern, Händlern und Juwelieren entdeckten wir zu unserer großen Freude und Überraschung eine deutsche Bäckerei. Im Café Edelweiß (kein Witz!) gab es Apfelkuchen, Brötchen, Apfelschorle und Kaffeespezialitäten. Ich brauche jetzt wohl nicht extra zu erwähnen, dass wir nach mehreren Wochen indischem und vor allem überwiegend vegetarischen Essen die in Udaipur verbrachten Tage die neuen Stammgäste dieser Lokalität waren. Nicht, dass ich die indische Küche jetzt schlecht machen will, es ist durchaus beeindruckend, wie vielfältig die Rezepte sind. Hier ein paar Beispiele:


Aloo Chat: Mix of Potatoes, Onions, Tomatoes and Indian Spices and Herbs finished with Tamarind Chutney cold served


Tamota Dhania Ka Shorba: A classic spiced Indian Tomato soup flavored with fresh Coriander served hot


Chicken Seekh Kabab: Mince of chicken with fresh herbs, dry spices, ginger and garlic creamed butter and cheese, skewered cooked in Tandoor served with smoother onion & mint chutney


Paneer Tikka Masala: Tandoory cottage cheese simmered in a tangy onion-tomato Masala finished with Coriander, butter and Garam Masala


Aber nach dem Verkosten dieser lokalen Spezialitäten war der Anblick eines simplen Stück Apfelkuchens einfach überwältigend!

Als besondere Überraschung führte uns Ajay am zweiten Abend in ein kleines Museum, in dem eine ganz besondere Tanzaufführung vorgestellt werden sollte. Nur im Rhythmus der Trommeln und einem hiesigen Instrument, das verblüffende Ähnlichkeit mit unserem Akkordeon hatte, wiegten sich die indischen Frauen in ihren fantastischen Kostümen eine Stunde lang zu den Klängen der Musik und der melancholische leise Gesang einer alten Frau untermalte das Programm auf ganz wunderbare Weise. Als ehemalige Tänzerin bin ich ja sämtlichen Tanzvorführungen hoffnungslos zugetan, aber diesen Frauen zuzusehen, wie sie so stolz die Traditionen ihres Landes feierten, hatte etwas Wundervolles. Noch immer ergriffen wanderten wir hinterher durch die Dunkelheit und Ajay zeigte uns ein paar ganz spezielle Orte der Stadt, von wo aus man bei Nacht die schönsten Impressionen gewinnen konnte.

Udaipur am Lake Pichola
Udaipur am Lake Pichola
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Fr

06

Mai

2011

Real Life in India

Was das wahre Leben in Indien wirklich ausmacht, abseits der Touristenpfade, abseits von märchenhaften Palästen, prunkvollen Schlössern und 5 Sterne Hotels, ist für uns als Europäer schwer vorstellbar, geschweige denn zu verdauen. Das es in ländlichen Regionen an der Tagesordnung ist, dass es keine medizinische Versorgung gibt, nicht ausreichend zu essen, keine Chancen auf Schule oder Ausbildung. Dass 15-jährige Mädchen an den nächstbesten Trunkenbold verheiratet werden und so mit 16 Jahren ihr erstes Kind bekommen. Das Frauen sämtliche Arbeiten verrichten, inkl. Hausarbeit, Kindererziehung, Bauarbeiten/Reparaturen am Haus, Wasserbesorgung, Landwirtschaft, während viele indische Männer nur herumlungern und trinken. Das Mädchen generell nicht viel wert sind, es in besseren Kreisen immer noch üblich ist, vor der Geburt eine „natürliche Auslese“ vorzunehmen, das heißt, bereits während der Schwangerschaft zu ermitteln, ob es ein Mädchen oder Junge wird und in vielen Fällen Mädchen knallhart abgetrieben werden (jährlich ca. 900.000 weibliche Föten!). Weil die Eltern des Mädchens die komplette Aussteuer tragen müssen und das Mädchen nach der Hochzeit seine eigene Familie verlässt, um mit der ihres Mannes zu leben. Das alles sind Tatsachen, vor denen man als Indien-Reisender nur schwer die Augen verschließen kann und die einem stellenweise vor Wut Tränen in die Augen treiben. In keinem Land liegen Armut und Reichtum so eng beieinander und in keinem Land würde die Bevölkerung mit dieser Situation so friedlich umgehen wie hier. Dank des Hinduismus nimmt man seine Situation lieber an und macht das Beste daraus, als sich mit Gewalt mehr zu holen, als einem laut Kastenzugehörigkeit zusteht. Und so haben wir Frauen und Mädchen getroffen, die die Last ihres Lebens so tapfer tragen und uns dabei noch so freundlich, offenherzig und, vor allem, neidlos begegnet sind. Frauen, die mit 4, 5 oder mehr Kindern in Hütten aus Ästen leben, zusammen mit Schweinen und Ziegen, auf dem Lehmboden kochen und schlafen, während es im Winter bis zu 0° werden kann. Die Kindersterblichkeit beträgt in solchen Dörfern 50-60%! Es gibt keine Geburtenregister, und, wenn tatsächlich ein Kind stirbt, dürfen die Frauen nicht einmal bei der Beerdigung dabei sein. Da mag einem das Wort „Sklaverei“ in den Sinn kommen, wenn man ohnmächtig und fassungslos vor diesen starken Frauen steht, deren Hände gegerbt von der harten Arbeit sind und deren Gesichter und Augen einem unter die Haut gehen. Wir, die wir uns über solche Banalitäten wie schlechtes Wetter beklagen. Ja, die Deutschen sind gut im wehklagen und lamentieren und all diesen Menschen, die sich so gerne selbst bemitleiden (und davon möchte ich mich selbst nicht ausnehmen), möchte ich eines sagen: Bevor ihr weiter jammert, weil Euer Fernseher, Auto, Haus, Konto nicht groß genug ist, fahrt lieber nach Indien und tut etwas Gutes! Sammelt zum Beispiel Kleider, die bei Euch eh nur ungetragen im Schrank hängen. Oder kauft den armen Menschen etwas zu Essen. In Indien fehlt es an Allem! Und nichts ist schöner, als diesen Menschen ein Lächeln auf ihre Gesichter zu zaubern. Zum Beispiel auch, wenn man einfach mal aus dem Auto aussteigt und mit anpackt. Das haben wir getan, und wenn es auch nur für den Bruchteil von ein paar Minuten war, sich die Zeit zu nehmen, um Seite an Seite mit den Einheimischen deren tägliche Arbeit zu verrichten, hat uns mehr gegeben, als alle materiellen Souvenirs unserer Reise.

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Do

05

Mai

2011

Blau, blau, blau, blüht der Enzian…

…und sind die Fassaden von Jodhpur, nicht umsonst „Die blaue Stadt“ genannt. Was ursprünglich zum Schutz gegen Termiten gedacht war (die Beimischung von Indigo zur Kalktünche für die Fassaden), ist heute das Markenzeichen der Stadt. Jodhpur ist das krasse Gegenteil vom verträumten Jaisalmer. Typisch Indien: hupende Autos, klingelnde Rikschas, knatternde Motorroller und dazwischen, na klar, muhende Kühe. Unser Hotel, wieder ein alter Heritage-Palast wurde frisch renoviert und liegt mitten in der von einer riesigen Festungsmauer umgebenen Altstadt. Man kann noch die Farbe riechen, wenn man durch die säulenbestückten Gänge wandelt und die Zimmer sind, wie in den alten Palästen üblich, eher düster und mit Antiquitäten vollgestopft. Oberhaupt des Hotels ist der alte Abdul Shakoor, der jeden Tag, anscheinend 24 Stunden lang, direkt rechts neben dem Eingang auf einem thronähnlichen roten Samtsessel hockt und nur darauf lauert, sich auf ahnungslose nette Touristen zu stürzen, wie wir es sind, um denen dann in einem stundenlangen Monolog die Geschichte der Restaurierung des Hotels nahe zu bringen, inkl. mehreren umfangreichen Fotomappen, die man durchblättern muss. Ach ja, und da wir Deutsch sind, dürfen wir gleich noch sämtliche deutsche Einträge aus dem Gästebuch für ihn übersetzen, was so um die 20 sind.

Die "blaue" Stadt
Die "blaue" Stadt

Vor unserem Hotel spielen Straßenkinder Kricket und ein paar vereinzelte Herren der älteren Generation Carrom, das in diesen Breitengeraden sehr beliebte Brettspiel . Dazu sitzen 4 Personen um ein großes Spielbrett aus Holz und schnipsen runde Holzstücke mit den Fingern in kleine Löcher. Eigentlich wie Billard, nur als kleine Tischspielvariante. Vom Hotel sind es nur 10 Minuten bis zum örtlichen Basar am Uhrturm, einem der weiteren Wahrzeichen der Stadt. Wer jetzt romantische Vorstellungen ähnlich eines orientalischen Marktes vor Augen hat, den müssen wir eher enttäuschen. Hier hat die Moderne (oder soll ich eher sagen der Ramschkönig?) Einzug gehalten. Dutzende Stände mit Plasteschüsseln, billigem Schmuck, alten Socken und Schuhen sowie Kleiderhaufen, die eher der Kleiderspende entsprungen scheinen, bieten ihre Waren lautstark feil, und das via Megafon, plärrend und erbarmungslos. Zum Glück führt uns Ajay ein paar Straßen weiter, hier ist es ruhiger und wir können das alte Handwerk bestaunen: Korbflechter, Töpfer und… das besondere Jodhpurs, Gewürzhändler. Hier werde ich auch endlich fündig und erstehe die originale Gewürzmischung meines geliebten Masala Chais! Seit dem wir in Nepal eingetroffen sind, bin ich ihm hoffnungslos verfallen, dem süßen indischen mit Milch gekochten Gewürztee. Ich trinke ihn bei jeder Gelegenheit und, wer mich kennt, wird sich wundern: Ich trinke die Tassen immer aus! Sonst, ich weiß, es ist eine doofe Angewohnheit, meine Mutti wird jetzt schmunzeln, bleibt bei mir immer ein kleiner Rest im Glas, Becher, Pott – egal was ich auch trinke. Nicht so bei meinem Masala Chai. Da sind 4 Tassen binnen 5 Minuten leer getrunken. Der Geschmack aus schwarzem Tee mit Milch, versetzt mit Nelken, Koriander, Zimt und Inger ist einfach wunderbar. Und egal wie heiß es draußen auch ist, der Tee ist immer erfrischend. Und in Jodhpur ist es heiß! Die Stadt ist nur auf Steinen gebaut und diese heizen sich erbarmungslos im gleißenden Licht der Sonne auf und strahlen noch die ganze Nacht Hitze ab.

Markttreiben um den Clock Tower
Markttreiben um den Clock Tower

Und weil wir schließlich die All-Inclusive-Forts & Palaces Tour mit Ajay gebucht haben ;-) und weil uns noch nicht heiß genug in der Mittagssonne ist, steht natürlich auch das Meherangarh Fort auf unserem Programm, die Festungsanlage in Rajasthan schlechthin. Uneinnehmbar thront sie mit ihren mächtigen Befestigungsmauern über Jodhpur und der Aufstieg ist bei  45° mühsam und kräftezehrend. Im Gegensatz zu Jaisalmer ist das Meherangarh Fort unbewohnt und beinhaltet lediglich ein größeres Museum, welches mit der ersten Audioguidetour Rajasthans wunderbar besichtigt werden kann. Am massiven Eingangstor spielen Gaukler altertümliche Musik und die Handabdrücke der Witwen des Maharajas Man Singh zeugen vom rituellen Selbstmord 1843, als sie sich selbst lebendig mit auf dem Scheiterhaufen ihres verstorbenen Ehemannes verbrennen ließen – ein grausamer Brauch, der sogenannte Sati wird zum Teil sogar noch heute praktiziert. Im Fort selbst bekommen wir eine kurze Einweisung in die Technik des Turban-Bindens (wusstet ihr, dass man an der Art und Weise des gebundenen Turbans die Herkunft eines Mannes erkennen kann?). So gibt es für jede Stadt einen ganz eigenen Stil, in der das riesige Stoffband um den Kopf gewickelt wird. Besonders schön im Fort ist der Ausblick von einem der Balkone – von hier oben kann man die „blaue“ Stadt erst richtig erkennen – außerdem sind die Dachgärten herrlich, durch die Flachdächer überall bietet sich zusätzlicher Stauraum in den Häusern, der nicht nur zum Wäsche trocknen genutzt wird. Ansonsten gibt es das übliche zu sehen: Waffen, Sänften, spiegelverzierte Schlafgemächer und Audienzhallen. Dennoch kann das Fort im Inneren kaum an das wundervoll üppige in Bikaner heranreichen, welches wir bereits am 3. Tag unserer Rajasthan-Tour besichtigt haben.

Fassade des Meherangarh Forts
Fassade des Meherangarh Forts

Umso beeindruckender ist das dem Fort gegenüberliegende Grabmal Jaswant Thada, ein regelrechter Palast, in dem der Maharaja Jaswant Singh seine letzte Ruhe gefunden hat. Das Grab ist umgeben von einem fantastischen riesigen Garten, in dem Seerosenteiche angelegt sind und zahlreiche Sträucher blühen. Mit uns vor Ort ist eine ca. 20-köpfige indische Familie, die uns schon von Weitem neugierig betrachtet. Fünf Minuten später stehen wir von allen umringt und machen witzige Gruppenfotos auf den weißen Stufen, als wären wir die heimgekehrte Verwandtschaft aus dem fernen Westen. Das lieben wir so an Indien. Seine einzigartig freundlichen und herzlichen Menschen.

Indische Großfamilie ;-)
Indische Großfamilie ;-)

Eine kleine Auswahl weiterer Bilder aus Jodhpur findet ihr hier.

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So

24

Apr

2011

Märchen aus 1001 Nacht

Von unserer Terrasse aus kann man das Fort sehen. Goldbraun erhebt es sich majestätisch über der Stadt, seine dicken Mauern  trotzen der heißen Wüstensonne, die unerbittlich vom wolkenlosen Himmel brennt. Es müssen um die 45° sein, wir sind in Jaisalmer, mitten in der Wüste Thar, 120 Kilometer von Pakistan entfernt. Abundzu gleitet ein Düsenjet über uns hinweg, die Armee patrouilliert regelmäßig durch die nahen Unruhen im Kaschmir. Den Vormittag über sind wir durch die schmalen Altstadtgassen im Fort gewandert, haben uns von Schatten zu Schatten gerettet, immer begleitet von freundlichen Kommentaren „How are you?“,“What`s your name?“ und „Where are you from?“ – Das übliche. An den Wänden hingen überall die für diese Gegend typischen Stoff-Behänge mit eingearbeiteten Spiegelornamenten. Schillernd heben sie sich gegen die Mauern aus Sandstein ab. Jaisalmer ist ein einziges wahrgewordenes Wüstenmärchen. Traumhafte Maharaja-Paläste, prunkvolle Tempel, schnauzbärtige Alte mit imposanten Turbanen, wunderschön herausgeputzte prinzessinnenähnliche Frauen, mit noch farbenfroheren Bekleidungen und dicht behängt mit Schmuck. Meist reichen mehrere Ketten vom Ohr bis zur Nase, auf dem Kopf wird ein reich verzierter Schleier mit goldenen Stickereien getragen. Wir verlieren uns zwischen all der Pracht aus 1001 Nacht, klettern auf Mauern, steigen Treppen hinauf und hinunter – die Gassen im Fort sind verwinkelt und hinter jeder Ecke wartet eine neue Überraschung. Wir werden eingeladen, in Häuser zu schauen, Frauen waschen Wäsche, Männer tratschen, ein kleines Kind wird im Badezuber geschrubbt. Der Vater schüttet ihm dazu immer wieder aus einem kleinen Krug Wasser über den Kopf. Daneben steht eine riesige weiße Kuh – egal wie schmal die Gassen auch sind, eine Kuh passt immer durch.

Blick auf das Fort von Jaisalmer bei Sonnenuntergang
Blick auf das Fort von Jaisalmer bei Sonnenuntergang

Am Eingang des Forts steht Kali Charan Singh und verkauft riesige Pfauenfedern. Auch er fragt mich, woher wir kommen und als ich es ihm sage, holt er eine dicke Mappe, schlägt diese auf und präsentiert mir stolz eine Ausgabe der GEO Saison aus 2008, wo er schon als Titelmotiv fotografiert wurde. Er zeigt mir noch weitere Fotos von sich, von anderen Urlaubern, welche ihm einen Abzug entwickelt und zugeschickt haben. Er bittet auch mich freundlich um die Zusendung eines Abzugs und reicht mir prompt seine Adresse. Ich steige die Stufen auf den Maharaja-Palace hinauf, die Hitze ist der Wahnsinn, von oben soll man einen spektakulären Ausblick über das Fort und die Stadt haben. Und tatsächlich, die Aussicht über die Stadt mitten in der Wüste ist fantastisch. Hunderte kleine goldbraune Häuschen schmiegen sich an die Mauer zu meinen Füßen – es ist schwer vorstellbar, dass bis vor 15 Jahren ganz Jaisalmer nur aus dem Fort und den darin befindlichen Häusern bestand. Seit dem hat sich die Bevölkerungszahl drastisch gesteigert und hunderte Hotels, Guesthouses und Restaurants sprießen überall aus dem Boden. Die goldene Stadt ist der Besuchermagnet im Nordwesten Rajasthans, bei all den Kamelen und Palmen fühlt man sich eher wie im Orient, denn in Indien.

Mann mit Turban
Mann mit Turban

In einer Nebengasse spricht mich eine junge Inderin an und möchte mir ihr Geschäft zeigen. Ich erkenne den Namen wieder, er wurde im Lonely Planet empfohlen. Wir waren bereits im zweiten Laden, bei ihrem Vater. Belissima hat sich auf Handwerkswaren von Frauen aus den umliegenden Dörfern spezialisiert, diese sprechen weder Hindi noch Englisch und haben keine Chance auf eine Ausbildung. Belissima unterstützt diese Frauen wiederum mit dem Verkaufserlös von wunderschönen Decken, Kissen, Tischtüchern und Wandbehängen. Jedes Teil ist ein ganz eigenes Kunstwerk und in stundenlanger Handarbeit gefertigt. Wir unterhalten uns lange, die Inderin und ich, sie ist die Eigentümerin von Belissima und erzählt mir, dass sie selbst nicht im Laden am Forteingang verkaufen kann, weil sie dort andauernd von Männern belästigt wird. Frauen zählen in dieser Region nicht viel, erst recht nicht welche, die gebildet sind und ihren eigenen Kopf haben. Aufgrund dessen hat sie das Hauptgeschäft ihrem Vater überlassen und kümmert sich nun um den zweiten Laden in einer etwas ruhigeren, weniger besuchten Gasse. Tatsächlich, wenn ich mich umsehe, sind die Verkäufer der verschiedenen Geschäfte ausschließlich Männer, die Frauen kümmern sich eher um den Haushalt und die Kinder. Dabei hat Ajay, unser Fahrer, eigentlich erzählt, dass gerade die jungen Inder den alten Bräuchen und Traditionen abschwören und statt dessen lieber westlichen Gepflogenheiten folgen. Dies scheint hier, vielleicht auch durch den hohen Anteil an Muslimen von immerhin 60%, nicht der Fall zu sein. Nach 4 Stunden treibt uns die pralle Mittagshitze dann doch zurück ins Hotel. Auf der Dachterrasse liegen herrliche bequeme Matratzen und hunderten Kissen zum hinfläzen. Genau das Richtige für die Siesta-Time.

Für Rajasthan typischer Wandbehang
Für Rajasthan typischer Wandbehang

Am Nachmittag, als sich die Sonne etwas gelegt hat und die Temperaturen langsam aber sicher in einen erträglichen Bereich gerutscht sind, brechen wir erneut mit Ajay auf, dieses Mal zum 7 km von Jaisalmer entfernten Friedhof Bada Bagh. Als wir im Licht der untergehenden Sonne dort ankommen, kommen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die dutzenden aus Sandstein gezimmerten Gräber muten eher wie kleine Paläste an, wie sie an einem kleinen Hügel gelegen, golden leuchten. Wir kraxeln ein wenig darauf herum und fühlen uns wie Indiana Jones, der verlorene Gräber erforscht, weil er darin vergessen geglaubte Schätze vermutet. Wir lassen unserer Fantasie freien Lauf, wo, wenn nicht hier, könnten sich versteckte Grabkammern voll mit Gold, Juwelen und Diamanten der letzten Maharajas finden? Doch auch hier, an diesem stillen, heiligen Ort, sind wir nicht ganz allein. Ein paar Kinder betteln nach ein paar Rupies, die Mütter sind nicht weit entfernt auf dem Feld, die Ernte einbringen. Wir treffen eine der jungen Frauen auf dem Rückweg, sie hat ein winziges Baby auf dem Arm. Ajay dolmetscht, sie kommt aus einem der besagten Dörfer ohne Ausbildungschancen, daher hat sie vier Kinder, 2 Jungs und 2 Mädchen. Sie bedeutet mir, das kleine Mädchen zu nehmen, als ich es in meine Arme schließe, fühle ich kaum Gewicht. Sie ist winzig und schmiegt sich direkt ohne Scheu an mich. Ihr Kopf ist voller schwarzer Haare und ihre beinahe schwarzen Augen blicken mir vertrauensvoll entgegen. Ich könnte heulen über die Ungerechtigkeit dieser Welt, dieses kleine Mädchen wird niemals eine Chance auf eine Ausbildung haben, es wird wahrscheinlich niemals Lesen und Schreiben lernen und irgendwann in der Pubertät wird es an einen ekligen Typen verheiratet werden, der jeden Abend trinkt und sie dann nur benutzt. Sie wird all die schweren Arbeiten verrichten müssen, die zu Hause nur Männer tun und wird, wie ihre Mutter, ebenfalls dutzende Kinder zur Welt bringen. Ein Kreislauf, der sich seit Jahrzehnten fortsetzt und aus dem es kein Entkommen gibt. Ihre Mutter scheint es nicht besonders zu stören, als ich ihr die Kleine nur zögernd wieder in Arme gebe. Als wir zurück in Richtung Hotel fahren, lehne ich den Kopf gegen die Scheibe, die Stimmung ist gedrückt. Das Indiana-Feeling verflogen.

Friedhof Bada Bagh
Friedhof Bada Bagh

Für den nächsten Tag steht das Highlight unseres Jaisalmer-Aufenthaltes auf dem Programm: Die Kamelsafari. Doch zunächst besichtigen wir noch das Salam Singh Ki Haveli und erfahren allerhand über die alten Sitten und Gebräuche der Inder. Zum Beispiel, warum die Türen in den alten Gebäuden allesamt sehr niedrig gebaut werden. Dies hat 3 praktische Gründe: 1. Damit nicht zu viel Sonne hereinfällt und die Gebäude aufheizt; 2. Damit eindringende Feinde nur einzeln eintreten können und 3. Damit man sich direkt verbeugen muss, als Zeichen des Respekts und der Aufmerksamkeit. Oder, wir bemerken aufmerksam, dass sämtliche Treppenstufen unterschiedlich hoch gebaut sind. Das kommt daher, damit es der Feind schwer hat, zu entkommen, so kann er nur schlecht schnell laufen und kommt immer wieder aus dem Konzept. Überhaupt waren die alten Inder mehr als einfallsreich. Dutzende spannende Erfindungen mit kompliziertesten Techniken zeugen von Witz und Ideenreichtum. So gibt es zum Beispiel Schlösser in Form eines Skorpions, die sowohl als Kleiderhaken, Flaschenöffner, und Transportmittel dienten (wenn der Minister im oberen Stockwerk etwas brauchte, ließ er den Haken einfach an einem Seil aus dem Fenster hängen). Oder wunderschöne Dosen, die mit einem raffinierten Öffnungsmechanismus versehen sind und so vom Dekorationselement zur praktischen Aufbewahrung für Make Up, Puder, Opium oder Farben umfunktioniert werden können. Es gibt hohle Tierfiguren aus Bronze, die als Raumbelüfter verwendet wurden, in dem man parfümierte Watte hineinsteckte, und der Duft dann durch die filigranen Öffnungen entweichen konnte. Oder wunderschöne Räucherstäbchen-Halter, die sich, ebenfalls mit einem Mechanismus wie Blüttenblätter öffnen lassen um schließlich ein Kerzenhalter zu sein. Über eine halbe Stunde lassen wir uns vom Besitzer des Havelis die verschiedensten Sachen erklären. Ich entdecke auch eine hübsche Wunderlampe, doch leider erscheint mir, trotz Reibung, kein wundersamer Geist, der mir meine Wünsche erfüllt (na gut, das meiste hat sich ja auch so schon auf unserer Reise erfüllt ;-))

Salam Singh Ki Haveli
Salam Singh Ki Haveli

Nach dem Mittag brechen wir dann endlich in Richtung des kleinen Wüstendorfes Kuhri auf. Dort angekommen warten schon die gesattelten Kamele auf uns. Das Aufsteigen gestaltet sich mehr als witzig, zunächst kniet das Kamel ja, dann steht es zuerst mit den Vorder- und dann mit den Hinterbeinen auf. Ab geht es wiegenden Schrittes in die Wüste Thar, mitten durch Dornenbüsche und heißen Wüstensand. Unsere Kamele trotten friedlich hintereinander, es ist still, bis auf ein paar Vogelstimmen. Der Ritt ist weitaus bequemer als unsere zurückliegende Elefantensafari und im Gegensatz zum Chitwan Nationalpark haben wir jeder unser eigenes Tier. Mit uns laufen 2 Inder, wozu wüssten wir gerne – sollten die Kamele sonst etwa mit uns durchgehen? Bei diesen süßen, vor sich hinmalmenden treuen Wesen, ist das schwer vorstellbar. Nach knapp 1 ½ Stunden gelangen wir an ein weiteres kleines Dorf, das nur aus strohgedeckten Lehmhütten besteht. Sofort sind wieder die Kinder da, hier jedoch wesentlich aggressiver als wir es bisher in Indien kennengelernt haben: Sie wollen uns Stifte und Getränke stehlen und ich bin enttäuscht über die Art und Weise. Aber kann man es ihnen verdenken, wenn sie hungrig und durstig vor Touristen stehen, die offensichtlich alles Benötigte bei sich tragen? Naja, wenigsten fragen hätten sie können. Wir reiten weiter, unterwegs gibt es eine kleine Stärkung für unsere Kamele an einem riesigen Wasserbecken, dann geht es endlich in die Dünen. Die Sonne steht schon tief und lange Schatten brechen sich in den Dünenkämmen. Sofort wallt Namibia-Feeling auf – Erinnerungen an den Sonnenaufgang im Sossusvlei, als sich die Dünen glutrot gegen den Himmel abhoben. Wir setzen uns auf eine der höchsten in den Sand und genießen entzückt den traumhaften Sonnenuntergang.

Auf Kamelsafari
Auf Kamelsafari

Nach dem Rückritt nach Kuhri gibt es erst einmal ein deftiges Abendessen. Bei orientalischer Musik und Tanz werden Reis, Gemüse, Nan, Dal und andere indische Leckereien kredenzt. An das vegetarische Essen haben wir uns mittlerweile fast gewöhnt. Selbst André verspürt nur mäßigen Bedarf an Fleisch (abgesehen von unserem stetig anwesenden Döner-Traum). Wir sitzen im Kerzenschein an kleinen Tischen und freuen uns auf die kommende Nacht. Das wird ein Abenteuer. Endlich geht es gegen 22 Uhr los, mit Sack und Pack auf dem Kamelkarren. In der stockdunklen Nacht fahren wir lautlos wieder hinein in die Wüstendünen, wo wir die heutige Nacht nur auf Feldbetten unter freiem Himmel schlafen werden. Nach einer reichlichen halben Stunde stoppt der Karren und der alte Inder schlägt unser Nachtlager für uns auf. Mit uns sind noch zwei Engländer und ein österreichisches Pärchen vor Ort und wir alle sind ganz gespannt auf die kommenden Stunden. Nach dem die Betten stehen und wir alle noch eine ordentliche Portion Whiskey und Rum im Blut haben (von den netten UK`s), beziehen wir unter lautem Gekicher unsere Schlaflager. Ein bisschen ist es wie zu Ferienlagerzeiten in Kindertagen. Ein Haufen gackernder Pubertierender – wer braucht schon erwachsenes Getue, wenn man noch mal Kind sein kann? Einer der beiden UK`s erkundigt sich lautstark nach gefährlichen Tieren in der Wüste, wie zum Beispiel Krokodilen. Wir quittieren das mit noch mehr Gelächter. Tatsächlich hatte ich immer gedacht, in einer solchen Situation Angst vor Spinnen und Schlangen zu haben, aber heute sind wir einfach nur total überwältigt, angesichts des Sternenzeltes über unseren Köpfen. Wir liegen in den Betten und starren einfach in den Himmel, die erste Nacht unserer Lebens, ganz ohne Dach über dem Kopf. Plötzlich sind alle ganz still vor Ehrfurcht. Da liegen wir nun, mitten in der Wüste, direkt an der pakistanischen Grenze, im Nichts, nur wir, ganz allein. Mit uns der Inder und sein Kamel, das in der Dunkelheit vor sich hin kaut. Das malmende Geräusch klingt bis zu uns herüber. Wir sehen den Großen Wagen, den Kleinen Wagen und all die anderen Sternzeichen. Dies ist definitiv eine der spektakulärsten Nächte unsere Reise. Ach, was sage ich, unseres Lebens! Es dauert nicht lange, bis die anderen eingeschlafen sind. Von den Ösis klingt sanftes Schnarchen an meine Ohren und das Kamel patscht immer noch. Die Nacht ist heller als gedacht, wenn sich die Augen einmal an die Dunkelheit gewöhnt haben. Nach über einer Stunde, wundere ich mich über das helle Licht, hinter meinem Kopf. Ich setze mich vorsichtig auf, um André nicht zu wecken, und sehe den Mond blendend weiß über der Düne aufgehen. Als hätte jemand eine Nachttischlampe angezündet, ist es plötzlich beinahe taghell. Jeden Strauch, jeden Baum kann ich erkennen und das Kamel und ich beobachten uns gegenseitig. So liege ich noch lange wach, lausche den Geräuschen der Wüste, fühle den frischer werdenden Wind durch meine Haare wehen und suche den Himmel nach Sternschnuppen ab.

Unser Feldbett in den Dünen
Unser Feldbett in den Dünen

Noch vor Sonnenaufgang bin ich wieder hellwach. Das Kamel kaut immernoch. Leise setze ich mich auf und überblicke meine Umgebung. Mit der sich ankündigenden Dämmerung ist auch die Tierwelt erwacht, und es zirpt und zwitschert, dass einem beinahe die Ohren abfallen. Von André ist nur die Stirn zu sehen, seine Decke hat er sich bis über die Ohren gezogen. Er schläft noch tief und fest. Ich tappe in Richtung des nächsten Busches und entdecke schlängelnde Spuren im Sand. Sollte es hier etwa doch Schlangen geben? Egal. Uns hat jedenfalls keine gebissen. Nur ein wilder Hund ist die Nacht um unser Bett geschlichen. Als ich zum Bett zurückkomme, zeigen sich gerade die ersten Sonnenstrahlen. Wo heute Nacht noch der Mond stand, zeigt sich jetzt eine schmale Sichel. Vorsichtig wecke ich André auf, die anderen haben schon ihre Sachen zusammengeräumt, der Inder bereits das Kamel vor den Karren gespannt. Murrend schlägt André die Augen auf, mittlerweile ist die Sonne komplett zu sehen. Sofort wird es wieder warm, nach dem die Nacht angenehm kühle Temperaturen um die 20° waren. Wir warten noch ein paar Minuten, ehe auch wir die Decken zusammenschlagen und unser Bett abbauen. Was für eine Nacht. Müde aber glücklich werfen wir unsere Sachen auf den Karren und holpern zurück in Richtung Kuhri. Ajay erwartet uns schon. „How are you? How was the night?“ bestürmt er uns. Wir lächeln einfach nur. „Great!“ Bei einem gemeinsamen Frühstück lassen wir unser Wüstenabenteuer ausklingen, ehe es weiter zur nächsten Station, nach Jodphur, geht.

 

Alle weiteren Bilder findet ihr hier.

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Sa

23

Apr

2011

Smell a rat…

Was ist klein, süß, mit kuscheligem Fell, schwarzen Knopfaugen und hat einen langen Schwanz? Falsch, ich meine keine Maus. Nein, eine Ratte! Was die halbe Menschheit dazu bewegt, bei diesem Wort regelmäßig in Panik und Geschrei auszubrechen, ist uns schlicht und ergreifend ein Rätsel. Wie kann man sich vor diesen süßen kleinen possierlichen Tierchen nur fürchten, geschweige denn ekeln? Umso interessierter waren wir natürlich daran, den 30 Kilometer südlich von Bikaner gelegenen Rattentempel (Karni Mata) in Deshnok zu besuchen. Der Legende nach werden entschlafene Seelen vor dem Zorn des Totengottes Yama bewahrt, in dem sie als Ratten wiedergeboren werden - weshalb die Einheimischen die süßen Nager mit ganz besonderer Hingabe füttern. Natürlich müssen auch wir die Schuhe am Eingang des Tempels ausziehen, was die Sache nun, sagen wir es mal so, selbst für uns etwas interessant gestaltet. André traut sich tatsächlich barfuß hinein, ich greife dann doch lieber auf die Socken-Variante zurück. Das erste, was wir bemerken, als wir ins angenehm kühle Innere des Tempels treten, ist jedoch nicht, wie erwartet, der strenge Geruch, sondern vielmehr die vielen Augenpaare der Inder, die Mal wieder auf uns gerichtet sind. Besonders André ist der Magnet und sofort wollen ihm wieder alle die Hand schütteln. Ich blicke mich derweile um und entdecke nach und nach in den dunklen Ecken die vielen kleinen Tiere. Manche von ihnen sehen schon arg mitgenommen aus, aufgrund der Vielzahl scheint es nicht selten zu brutalen Revierkämpfen zu kommen.

Einige von ihnen hängen sogar auf Türgriffen, in Mauerlöchern, andere wiederum stärken sich an bereitgestellten Milchschälchen. Es sind weit weniger als ich dachte und auch der Geruch hält sich absolut in Grenzen. Jetzt muss uns nur noch eine über den Fuß laufen, das bringt nämlich Glück. Oder wir sehen eine der besonders seltenen weißen Exemplare. Wir laufen einmal um den Schrein herum, immer bedacht darauf, nicht auf eines der Tiere zu treten – das nämlich bedeutet, dass man den Zorn der Göttin Durga auf sich zieht. Und das wollen wir schließlich auf keinen Fall. André ist so verzückt, er würde sich am liebsten die Taschen mit den Nagern vollstopfen und einige mit nach Hause nehmen. Die süßen Viecher sind aber auch wirklich knuddelig, wie sie fiepend um jedes Getreidekorn zanken. Leider zeigt sich weder eine weiße Ratte, noch läuft mir eine über die Zehen, wahrscheinlich schreckt der Geruch unserer Füße eher ab – denn mehr als an der großen Zehe schnuppern passiert leider nicht. Wieder an der frischen Luft ist mal wieder Fototermin für uns, eine riesige Schar Inder möchte mit André ein Gruppenfoto machen. Ehe wir alles im Kasten haben, die Adressen ausgetauscht und sämtliche Hände geschüttelt haben, vergeht noch mal eine halbe Stunde. Daran müssen wir uns echt noch gewöhnen. Und das, obwohl sich André mit zunehmender Sonne nun wirklich dem Teint der Einheimischen annähert.    

Unsere soooooo suessen Fotos vom Rattentempel gibt es hier.

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Sa

23

Apr

2011

Zu Besuch beim Maharaja

„Indien hat einen ganz eigenen Geruch, ihr werdet sehen“- diese Worte habe ich noch von Angelika im Kopf, einer jungen Schweizerin, die wir zufällig in Kathmandu, Nepal, beim Kauf eines Schals, kennengelernt haben. Aus dem überraschenden Zusammentreffen wurde später ein herrlich unterhaltsamer Abend im nächsten Restaurant, bei dem wir uns über unsere verschiedenen Reiseerfahrungen ausgetauscht haben. Angelika selbst war schon 3x in Indien, laut ihren Aussagen wollte sie bei den ersten beiden Malen bloß schnell wieder weg, erst ihr dritter Besuch in Varanasi brachte die ersehnte Liebe für dieses spezielle Land, in dem ihre Eltern zusammen für Mutter Theresa gearbeitet haben. Was für eine Geschichte, oder??? Diese Worte jedenfalls kommen uns in den Sinn, als wir in Mandawa, unserem ersten Stopp unserer Rajasthan-Rundreise, aus dem Hotel treten, um die Altstadt zu erkunden. Sofort weht uns ein zarter Duft aus Urin, Kot und Schweiß um die Nase. Mmhh, das also meinte Angelika. Naja, Augen zu und durch.

 

Unser Start in Indien sonst jedenfalls ist mehr als gelungen. Der erste Eindruck super. Es ist längst nicht sooo schmutzig, wie wir es uns vorgestellt hätten, keinesfalls schlimmer als in Nepal. Auch der Verkehr ist im Gegensatz zu Kathmandu erträglich. Nach unserer Landung in Delhi haben wir uns mit dem Taxi direkt ins Hotel bringen lassen, ganz ohne lästige erwartete Schlepperbanden am Flughafen. Das Hotel sauber, neu, das Personal freundlich, unser Zimmer wunderbar. Gestern Morgen hat uns nun unser Fahrer, Ajay, pünktlich um 9 Uhr vom Hotel abgeholt. Nach unseren schlechten Erfahrungen mit Zugreisen in Vietnam haben wir uns nach unseren entspannten Wochen in Nepal nun auch in Indien für einen Privatwagen mit Fahrer entschieden. Die richtige Entscheidung, wie wir noch merken werden. Wenn man Ajay mit einem Wort beschreiben kann, dann lautet das wohl „serviceorientiert“. Wir haben noch nie jemand so Bemühtes gesehen. Von der ersten Minute erzählt er uns praktisch ununterbrochen, dass ihm ausschließlich unser Wohl am Herzen liegt und er alles dafür tut, dass es uns gut geht. Sein Mantra: „If I give something good, I get something good. “ So sind wir von Delhi aus in Richtung Westen gestartet, 7 Stunden durch Felder, Dörfer, vorbei an Ziegenherden und vollbesetzten Überlandbussen. Gegen Abend erreichten wir endlich Mandawa und Ajay verpasste uns prompt ein tolles Hotelzimmer in einem altem Haveli, einem der besonders schön bemalten Kaufmannshäuser, die so typisch für Rajasthan sind. Die Räume sind vollgestopft mit Antiquitäten, die Wände verziert mit außergewöhnlichen Gemälden. Nach dem wir am Abend stilvoll im Garten gespeist haben, gibt es in einem der Innenhöfe noch wundervolles Puppentheater. Mit Marionetten führt ein alter Mann nur im Rhythmus einer Trommel ein bezauberndes kleines Stück auf. 

Unser Heritage Mandawa Haveli
Unser Heritage Mandawa Haveli

Am nächsten Morgen laufen wir zum naheliegenden Fort. Die Straßen von Mandawa sind voll von Havelis, jedes ist auf seine Art mit völlig verschiedenen Malereien geschmückt. Es ist eher wie ein Spaziergang durch ein Museum, am Straßenrand sitzen die Einheimischen und gehen ihren verschiedenen Handwerken nach. Besonders schön sind die Jootis, von Hand aus Kamelleder gefertigte Schuhe. Von Hand!!! Fasziniert beobachte ich einen alten Inder, der die Sohlen zuschneidet und diese fein säuberlich vernäht. Sein ganzes Geschäft ist eine einzige Fundgrube an reich verzierten Pantoffeln, mit Perlen, Stickereien, in Silber, Gold oder bunten Farben. Ein Paradies für Frauen (oder den kleinen Muck ;-)). Direkt neben dem Geschäft ein wunderschöner Tempel. Ich bekomme eine private Rundführung, der Sohn des Predigers ist auf Studienurlaub zu Hause und freut sich, sein Englisch aufpolieren zu können. Sagt er zumindest. Bis er mir dann doch wieder nur etwas verkaufen will. Die typisch indische Masche. Zum Glück komme ich so davon. Das Fort schließlich ist seit ein paar Jahren das nobelste Hotel am Platz. Hier kann man direkt neben dem Maharaja wohnen, stilvoll, in riesigen Suiten. Für 250 Rupie darf man auch als Nicht-Hotelgast durch die heiligen Hallen schreiten und ein netter Page öffnet mir so manche Tür, die ein normaler Hausgast sicherlich nicht betreten hätte dürfen. So darf ich selbst die Maharaja-Suite besichtigen, inklusive der angrenzenden riesigen Bäder. Es ist ein einziger Traum. Die Zimmer mit feinsten Stein-Ornamenten, riesigen Betten, Liegen, Kissen, zum Teil auf mehreren Etagen. Ich fühle mich in einen alten Orient-Film versetzt. Wer hier nächtigen darf, für den spielt Geld keine Rolle. Der Maharaja von Mandawa selbst kommt öfters von Jaipur in seinen Palast. Dann gibt es prunkvolle Feste im separierten Garten, geschmückt mit Oleander-bewachsenen Pavillons. Der Page führt mich auch zu den besonders schönen Wandmalereien. Diese haben er und seine 3 Kollegen in 2 Jahren von Hand restauriert. Ein wahres Meisterwerk. Erst zwei Stunden später trete ich wieder hinaus in die flirrende Mittagshitze. Ajay wartet, es geht heute noch weiter bis Bikaner.

 

Alle weiteren Pics unseres ersten Rundreise-Tages gibt es hier.

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Sa

23

Apr

2011

Frohe Ostern!

Ihr Lieben, wir wuenschen Euch ein ganz tolles Osterfest, mit viel Sonnenschein, einem fleissigen Osterhasen und tollen erlebnisreichen Tagen mit Euren Lieben. Wie ihr Euch sicher denken koennt, wird Ostern hier in Indien, Rajasthan, mit ueberwiegend hinduistischen und muslimischen Einheimischen eher weniger begangen, dass heisst also, ihr muesst fuer uns bitte bitte ein paar Ostereier mitsuchen! So angestrengt, wie der Osterhase auf dem Bild aussiegt, haben wir uns die vergangenen Tage bemueht, einen Internetanschluss zu finden. Schliesslich wollten auch wir Euch mit ein paar Osterueberraschungen, aehhh, -artikeln begluecken.... Das Ergebnis folgt binnen der naechsten Stunden. Moeget ihr uns die raren Berichte in den vergangenen Wochen nachsehen, es liegt schlicht und ergreifend am technischen Equipment.

Ansonsten vermissen wir Euch sehr und starten mittlerweile in unsere vorletzte Weltreise-Woche..... Seid lieb oesterlich gegruesst,

 

Die Weltenbummler

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So

17

Apr

2011

Annapurna und Tigertatzen

Unsere zweite und letzte Woche in Nepal neigt sich dem Ende entgegen. Nach unserer Tibet-Woche haben wir endlich wieder vernünftiges Essen zwischen die Kiemen bekommen und fühlen uns nun gewappnet für unser Indien-Abenteuer. Die letzten Tage waren noch einmal spannend und erlebnisreich. Nach dem wir in unserer ersten Nepal-Woche vorwiegend die Gegend in und um Kathmandu erkundet haben, ging es die letzte Woche nun zu den etwas weiter entfernten Regionen Pokhara, Lumbini und in den Chitwan Nationalpark. Aufgrund der Straßenbedingungen bedeutete das viele Stunden Fahrtzeit, zum Glück war die Landschaft jedoch stets so abwechslungsreich, dass die Zeit im Nu verflogen ist.

Reisfelder am Wegesrand
Reisfelder am Wegesrand

Erste Station von Kathmandu aus kommend war noch am letzten Sonntag, Pokhara. Das malerische Örtchen zu Fuß des Annapurna-Massivs ist Ausgangsort für viele mehrtägige Trekkingtouren, gleichzeitig ist es jedoch auch durch sein mildes Klima und die Lage am Fewa-See ein beliebter Ferienort für Nepalesen. Für uns hieß das: Raus aus den Winterklamotten und rein in die Sandalen. Was für ein Temperaturunterschied binnen eines Tages. Waren in Lhasa noch um die 0° erwarteten uns bei unserer Ankunft Kathmandu bereits an die 30°, was sich dann die 7 Stunden Fahrzeit bis Pokhara durchzog. In Pokhara angekommen, war die Überraschung groß: Ein wunderschönes neues Hotel mit einem großen Zimmer (wenn man von der Ameisenstraße im Bad und der riesigen, 8 Zentimeter großen, Kakerlake auf dem Fußboden absieht). Was mich in Florida zu Beginn unserer Reise noch völlig aus der Fassung gebracht hätte (ihr erinnert Euch an das Kakerlaken-Intermezzo in Florida City im Motel Budget Inn?), ist für uns abgebrühte Traveller jetzt nicht mal mehr ein Achselzucken wert. Wir haben die Nacht geschlafen wie ein Stein. Am nächsten Morgen nach einem ausgiebigen Frühstück ging es dann auch direkt zum Fewa-See, wo eine wunderschöne Bootsfahrt auf uns wartete.

Unterwegs auf dem Fewa-See
Unterwegs auf dem Fewa-See

Im Licht der ersten Sonnenstrahlen des Tages gondelten wir eine halbe Stunde in Richtung Varahi Mandir-Tempel, welcher auf einer kleinen Insel mitten im See liegt. Dort erwartete uns schon ein buntes Hindu-Treiben, zahlreiche in bunte Saris gehüllte Frauen standen bereits Schlange, um Opfergaben zu bringen. Die Rückkehr aus Tibet dabei eine echte Wohltat. Überall lachte man uns freundlich an und jeder grüßte uns mit einem überschwänglichen „Namaste“. Dabei ging es weder gekünstelt zu, noch erwartete man Geld von uns, im Gegenteil, die Freude der Einheimischen, uns als Touristen zu sehen, war absolut echt und herzlich!

Varahi Mandir Tempel
Varahi Mandir Tempel

Von der anderen Seite des Sees begann unser Aufstieg zur Friedensstupa auf einer Höhe von 1.100 Metern über dem Meeresspiegel. Nach dem unser Blut noch genug rote Blutkörperchen als Überschuss der Höhenkrankheit in petto hatte, waren die Stufen für uns ja beinahe ein Kinderspiel. Sasi, unser Reiseleiter musste schon ganz schön hinter uns herschnaufen. Oben angekommen ein traumhafter Blick über den Fewa-See, nur leider ohne das vielgerühmte Panorama des Annapurna, die Berge hingen mal wieder in den Wolken. Dafür waren dutzende Paraglider unterwegs – der neue Trend in Nepal. Die Stupa (World Peace Pagoda) an sich nagelneu und blendend weiß, gebaut 1999 von buddhistischen Mönchen aus Japan.

Die World Peace Stupa
Die World Peace Stupa

Von hier stiegen wir wieder Richtung Pokhara ab, einen hübschen kleinen Hangweg mit bunten Häuschen und noch mehr freundlichen Menschen. Überall waren wir die Sensation und als wir ein kleines Bergfest anlässlich des anstehenden nepalesischen Neujahrs erreichten (2 Ziegen wurden extra geschlachtet), wurden wir spontan eingeladen, mitzufeiern. Wir wurden in die Mitte genommen und bekamen einen Teller, gemacht aus Blättern, gereicht. Darauf wurden uns süße Linsen und Reis serviert, der mit den Fingern gegessen wird. Wir waren gerührt und bedankten uns herzlich. Die Gastfreundschaft der Nepalesen ist wirklich etwas ganz Besonderes. Die Kinder umzingelten uns und ich durfte, und sollte sogar, alle fotografieren! Ein Mann bat mich regelrecht darum und setzte sich extra in Pose – als er das Ergebnis auf dem Display sah, freute er sich wie ein Kind zu Weihnachten. Wir waren einfach nur happy, wieder in Nepal zu sein und so schönes Wetter zu haben.

Essensausgabe :-)
Essensausgabe :-)

Am Ende des Abstiegs wartete noch ein kleiner Wasserfall auf uns (Devi`s Falls)– Highlight ist dabei ein Wunschbrunnen, in den man Münzen werfen muss. Wenn die Münzen dabei auf einer kleinen Statue im Wasser liegen bleiben, geht der Wunsch in Erfüllung. Das Ganze ist gar nicht so einfach und ich hing geschlagene 30 Minuten über dem Becken, um die Technik der Einheimischen zu studieren. Trotz dessen gelang es mir am Ende nicht, die Münzen richtig zu platzieren. Das Wasser machte den Tauchgang der Münze unvorhersehbar. Sie wirbelte immer wieder hin und her, um die Statue dann ganz knapp zu verfehlen. „Und was wird nun aus meinem Wunsch???“ fragte ich mich. Nach dem Mittagessen besichtigten wir noch den Bindya-Vasini-Tempel, den bekanntesten Hindu-Tempel der Stadt und bummelten über den örtlichen Bazar. Auch hier fanden überall Straßenfeste zum Neujahr statt, und wieder wurden wir herzlich eingeladen, mitzufeiern.

Ausgelassene Stimmung zum Neujahrsfest
Ausgelassene Stimmung zum Neujahrsfest

Den Abend in Pokhara verbrachten wir dann ganz standesgemäß beim Italiener. Pokhara hat nämlich dutzende Pizza-Restaurants. Wir stopften uns mit Hühnerbrust, Kartoffelbrei und Möhren voll – auf einheimische Essens-Experimente haben wir zur Zeit irgendwie keine richtige Lust mehr. Immer wieder erwischen wir uns in den vergangenen Tagen, wie wir von deutschen Fleischer-Theken voll von Hackepeter, Cabanossis, Fleischsalat und Aufschnitt träumen. Aber da müssen wir leider noch ein paar Wochen durchhalten und nicht mal die „German Bakery“ in Pokhara konnte uns das kulinarische Heimweh nehmen. Ich weiß jetzt schon, dass der erste Besuch beim Bäcker und Fleischer zu Hause eine einzige Völlerei werden wird! Schon komisch, dass die Dinge, die man mit am meisten auf Reisen vermisst (neben der Familie und den Freunden natürlich) ganz banale sind, wie eine stinknormale Käseschnitte von Oma!

Diese Trucks finden sich überall in Nepal
Diese Trucks finden sich überall in Nepal

Nach 2 Tagen Toskana-Feeling in Pokhara ging es für uns weiter nach Lumbini, dem Geburtsort Buddhas. Unser Hotel auch hier ein kleines Juwel: Eine winzige Lodge mitten in einem riesigen Garten. Dafür hatten wir uns die Stelle, an der Buddha geboren wird, weitaus aufregender vorgestellt. Den Bodhi-Baum, unter dem alles geschehen ist, gibt es längst nicht mehr, dafür hat man an der Stelle ein einfaches steinernes Gebäude errichtet, in dem alte Mauerreste von früheren Klöstern aufbewahrt werden. Dafür wird der am nächsten stehende Bodhi-Baum euphorisch gehuldigt. Dutzende Pilger liegen und sitzen drum herum, dazwischen Mönche, während einer von ihnen via Megafon Mantras in den Himmel betet. Na gut, das hatten wir uns jetzt wieder mal etwas spiritueller gedacht, ohne das Heiligtum des Buddhismus an dieser Stelle beleidigen zu wollen. Ich hätte dann doch lieber an der Originalstelle einen neuen Baum gepflanzt, irgendwie hätte ich das greifbarer und schöner gefunden. Buddha selbst übrigens, an dieser Stelle kurz zur Erläuterung aufgeführt, wurde als Bürgerlicher Siddharta Gautama, Sohn eines Königs geboren. Nach seiner Geburt unter besagtem Baum wandelte er sieben Schritte auf Lotusblüten. Im Alter von 29 Jahren entsagte er jeglichen materiellen Werte und lebte fortan mehrere Jahre in Askese und später in tiefer Meditation. Mit 35 gelang ihm schließlich, wieder unter dem Bodhi-Baum, die Erleuchtung, er wurde zum Buddha, dem „Erwachten“ und Begründer des Buddhismus.

Bodhi-Baum mit Gebetsfahnen
Bodhi-Baum mit Gebetsfahnen

Von Lumbini führte uns die Reise dann schlussendlich in den Chitwan-Nationalpark (Chitwan = Das Herz des Dschungels), das Natur-Wahrzeichen Nepals. 2 Tage ganz im Zeichen der Tierbeobachtung erwarteten uns: Vögel, Elefanten, Nashörner und vielleicht sogar Tiger hatte man uns prophezeit. Nach unseren ersten in Namibia gesammelten Safari-Erfahrungen sollten wir hier das komplette Gegenteil erleben: Dschungel pur anstelle von Wüste. Bereits am ersten Abend ging es auf zu einem Dschungel-Walk, mit uns eine super nette indische Familie mit kleiner Tochter, die wir sofort ins Herz geschlossen haben. Die Tour führte uns zwei Stunden durch dichtesten nepalesischen Urwald – außer ein paar riesigen Haufen gab es jedoch noch keine Tiere zu sehen. Pünktlich zum Sonnenuntergang erreichten wir den Fluss, an dem alles für den Sundowner eingedeckt war. Herrlich chillig standen Liegestühle herum, dazu Café del Mar Mucke und Cocktails – Puro Beach Feeling in Nepal. Das aktuelle nepalesische Neujahrsfest sollte heute seinen Höhepunkt erreichen und passenderweise hatten Sasis Freunde zu einer kleinen Party am Fluss geladen. Wir wurden natürlich prompt mit dazu gebeten und fanden uns wenig später inmitten von tanzenden Nepalesen die bei ausgelassener Stimmung einen Whiskey und Gin nach dem anderen becherten – da durften wir natürlich nicht ablehnen. Bei ein paar Chilischoten, Knabbereien und noch mehr Alkohol wurden wir einfach als Teil der Familie mitgefeiert. Ein toller Abend!

Der letzte nepalesische Sonnenuntergang im Jahr 2067
Der letzte nepalesische Sonnenuntergang im Jahr 2067

Am nächsten Morgen hieß es dann super zeitig aufstehen. Direkt nach dem Frühstück wartete eine ein-stündige Kanufahrt auf dem Fluss auf uns. Im Einbaum paddelte man uns durch den Nationalpark, um uns eine magische Morgenstimmung, nichts als Stille, gespickt mit ein paar Vogelstimmen und hin und wieder ein paar Krokodile am Ufer. Wieder an Land hatten wir das Glück, die Elefanten-Aufzuchtstation besuchen zu dürfen. Und das Besondere hier: Aktuell gibt es Elefantenzwillinge zu bestaunen. Man muss dazu sagen, Zwillingsgeburten sind bei Elefanten ausgesprochen selten! Eine kleine Sensation also! Die beiden Jungbullen sind inzwischen ca. 30 Monate alt und hielten ihre Mutter ganz schön auf Trab. Der nächste Dschungel-Walk führte uns dann zu diversen Wasserlöchern – leider auch hier ohne Erfolg. Bis auf etwas Wild und noch mehr Vögel, hielten sich die größeren Tiere weiterhin vor uns versteckt. Am Ende wartete dafür ein Besuch eines Tharu-Dorfes. Die Menschen leben hier noch dermaßen ursprünglich, nur in einfachsten Holzhütten, das man sich schon etwas daneben vorkommt, im Jeep durch`s Dorf chauffiert zu werden. Nach dem Mittag dann jedoch das Highlight unseres Aufenthaltes im Chitwan-Nationalpark: Die Elefantensafari. Auf dem Rücken der riesigen Tiere ging es ab in den Urwald, und zwar mitten in den Busch, nicht wie in Namibia auf der Straße. Durch die Elefanten konnten wir unmittelbar ins Dickicht eintauchen und hatten natürlich von deren Rücken eine viel bessere Sicht. Und ja, natürlich fühlt man sich nicht zuletzt auch ein ganzes Stück sicheres, falls vielleicht ja doch ein Tiger um die nächste Ecke kommt. Das Glück war uns am Ende zwar nicht vergönnt, dafür hatten wir das großartige Erlebnis, Panzernashörner bei Tag zu sehen. Mitten auf einer kleinen Lichtung graste eine Mutter mit ihrem Baby. Unser Elefant konnte ganz dicht heranlaufen, wir waren nur etwa 2 Meter von ihnen entfernt und beide ließen sich überhaupt nicht aus der Ruhe bringen. Der Wahnsinn! Diesen Moment werden wir wohl ewig in unserem Gedächtnis behalten.

In 5 Fahrtstunden ging es nun gestern zurück nach Kathmandu. Entlang des Trisuli-Flusses wieder Bergdörfer und Landschafspanoramen. Noch eine letzte Nacht in Thamel und wieder sind 3 Wochen weg, wieder 2 Länder abgehakt. Man merkt, dass sich unsere 6 Monate Reise dem Ende nähern. Immer schneller rennen die Tage dahin, gerade waren wir noch in Hanoi, jetzt fliegen wir schon wieder nach Delhi. Let`s go India!

 

Alle weiteren Pics gibt`s hier.

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Do

14

Apr

2011

Transhimalaya - Unterwegs auf dem Dach der Welt

Kapitel 1: Das große Warten

 

Wer von Nepal aus nach Tibet reisen will, hat es schwer. Individuelles Reisen ist grundsätzlich ausgeschlossen, da nur der ein Visa bekommt, der Teil einer geführten Gruppe ist. Dann ist Tibet auch gerne immer mal wieder einfach geschlossen, wir haben Australier kennengelernt, die bereits 3x da waren und jedes Mal nicht einreisen durften. Tja und dann ist da die Bürokratie. Ständig gibt es neue Einschränkungen der chinesischen Botschaft. Mal kostet das Visa 115 US$, dann wieder nur 60 $. Mal ist es abhängig davon, ob man Franzose ist oder einer anderen Nationalität angehört. Franzosen müssen nämlich vor ihrer Einreise nach Tibet mindestens eine Woche in Kathmandu verbracht haben. Was bleibt ist der „Good will“ der Chinesen – ich kann mich des Gedankens nicht erwehren, dass es hier schlicht und ergreifend auch gerne mal nach Willkür und persönlichem Empfinden geht. Kurz gesagt, ohne einen chinesisch aussehenden Nepalesen, der die Praktiken und Taktiken der chinesischen Botschaft genau kennt, ist man aufgeschmissen. Und wie durch ein Wunder, hatten wir den perfekten Mann in petto. Nach Abgabe unserer Reisepässe, dem Ausfüllen des Visa-Antrages (inkl. der kompletten Firmenanschrift – und BLOß KEINER ANGABE unserer wirklichen Berufstätigkeit – Mitarbeiter eines Presseunternehmens bekommen auf keinen Fall ein Visum!) hieß es also nur noch Warten und Bangen. Würden wir unser Visa bekommen? Oder sollten auch wir wieder unverrichteter Dinge abreisen müssen? Wir wussten, im März und Mai würde Tibet eh geschlossen sein, dafür im April aber offen. Also: Tibet, ja oder nein? 4 ganze Tage hat es gedauert, das Zittern. Dann war der Antrag für das Gruppenvisum genehmigt, allerdings mit falscher Faxbestätigung aus Lhasa. Wieder ein Tag mehr Warten in Kathmandu und dann endlich die Erlösung! Es geht wirklich nach Tibet! Wir haben es mit dem ersten Anlauf geschafft. Wir fahren auf`s Dach der Welt.

Unser Visum!
Unser Visum!

Kapitel 2: Der lange Weg der An- und Einreise

 

5 ½ Stunden sind es von Kathmandu bis zur chinesischen Grenze. 5 ½ Stunden schlechte Straßen im Minivan. Wir werden am vergangenen Sonntag um 05:30 Uhr am Hotel abgeholt und verlassen Kathmandu mit unseren 3 australischen Mitreisenden sowie zwei Dänen in Richtung Nordosten und Bhaktapur. Völlig übermüdet fallen uns immer wieder kurz die Augen zu, aber nur bis das nächste Schlagloch kommt und wir mit den Köpfen gegeneinander knallen. Nach 2 Stunden ist Frühstückspause. Mit Blick auf den Himalaya in der Morgensonne sitzen wir bei gefühlten Minusgraden bei Toast und Marmelade und bekommen die letzten Sicherheitshinweise. Hat auch ja jeder sämtliche Literatur über Tibet in Kathmandu zurückgelassen? Wehe an der Grenze taucht irgendwo ein Bild des Dalai Lama oder ein Lonely Planet China auf. Dann kann man die Einreise direkt vergessen und alle Visa-Mühe war umsonst. Die Chinesen dulden kein Buch, keinen Text, kein Foto, das Tibet irgendwie als unabhängiges Land betitelt. Dementsprechend wird die Grenzkontrolle ausfallen. Also lieber jetzt noch die Gelegenheit nutzen und einschlägige Literatur bei unserem nepalesischen Guide zurücklassen. Brav wie wir sind, haben wir unser GEO Special Himalaya gleich mal im Hotel zurückgelassen, man weiß ja nie. Und einen Reiseführer haben wir zum Glück gar nicht erst gekauft. Und hat auch ja keiner aus einer Laune heraus ein „Free Tibet“ T-Shirt in der Tasche? Wir sind jetzt schon genervt. Das kann ja heiter werden. Von der Frühstückspause sind es noch einmal 3 Stunden. Fruchtbare Täler, reißende Flüsse, Terrassenanbau und der höchste Bungee-Jump machen die Fahrt zum Glück kurzweilig. Gegen 11:30 Uhr sind wir endlich da. Raus aus dem Fahrzeug, über die Grenze müssen wir zu Fuß gehen. Bereits jetzt sind wir auf knapp 2.000 Höhenmetern und jeder Schritt mit unseren Kraxen wird zur Qual. Erste Station die Ausreise. Bereits hier vergehen rund 45 Minuten, ehe wir den Ausreisestempel im Pass haben. Uns entgegen kommt eine riesige chinesische Reisegruppe – Tommy Jaud würde sagen, die Goretex-Apachen – da soll noch mal Jemand sagen, die Deutschen seien überausgerüstet. Mit dem Ausreisestempel im Pass geht es weiter bergauf. Wie passieren ein Tor und dann eine Brücke über dem Abgrund. Die Brücke verbindet 2 Welten: Nepal und China. Darauf: Militär! Ja kein Foto machen, hat man uns eingebläut. Mitten auf der Brücke die nächste Passkontrolle. Wir müssen uns brav wie Erstklässler in einer Reihe aufstellen, als der Wachmann das Gruppenvisum mit unseren Pässen abgleicht. Nur nicht Lächeln. Mit ernster Miene studiert er jeden Pass geschlagene 5 Minuten, ehe er uns mürrisch weiterwinkt. Weitergehen, nicht stehenbleiben und auf den nächsten Warten. Auf der anderen Seite der Brücke: China. Unübersehbar. Plattenbauten, Fahnen und… noch mehr Militär. Wir stellen uns zur ersten Gepäckkontrolle an. Durchleuchtung. Danach: Filzen. Jeder Zentimeter unseres Rucksacks wird begutachtet, sämtliche Sachen werden durchgesehen, jedes Buch durchgeblättert, jede Postkarte angesehen. Ihr wisst, ich sammle Postkarten, die beiden Chinesen haben also jede Menge zu tun. Nach dem auch noch die letzte Unterhose gefilzt wurde, geht es an die Passkontrolle. Der Beamte mit verkniffenem Mund tippt irgendetwas in seinen Computer. Jetzt nichts Falsches sagen. Puhhh, geschafft. Noch ein letztes Mal Gepäck durchleuchten, dann sind wir drin. Tibet. Oder doch China?

In Nepal ist noch alles grün...
In Nepal ist noch alles grün...

Kapitel 3: Dünne Luft und viele Gebetsfahnen

 

Unser tibetischer Guide, Gyaltsen (gesprochen: Jentsen), nimmt uns in Empfang. Er macht einen netten Eindruck. Der Minibus hat schon bessere Tage gesehen, erfüllt aber seine Pflicht. Direkt im ersten Ort, Zhangmu, ist Mittagspause. Wir kriegen nicht viel runter. Ein paar gebratene Nudeln, dann geht es direkt weiter. Die Straße ist nagelneu, der Bus kämpft sich die Serpentinen hinauf. Mittlerweile hat es angefangen zu schneien, die Gipfel um uns herum liegen in einer dichten Wolkensuppe. Zum ersten Mal auf unserer Weltreise und vor allem, seit über einem Jahr sehen wir Schnee! Geplant war die erste Übernachtung heute eigentlich in Nyalam, auf 3.700 Höhenmetern. Unsere Gruppe hat jedoch direkt beschlossen, weiterzufahren. Bis Tingri. Von dort soll man mit etwas Glück im Licht der aufgehenden Sonne den Mount Everest sehen können. Wenn das kein Anreiz ist, sich noch weitere 180 Kilometer im Bus den Po plattzusitzen. Die Weiterfahrt heißt jedoch auch, dass wir direkt heute die ersten beiden hohen Pässe queren müssen, und die sind gleich Mal über schlappe 4.500 und 5.000 Meter hoch. Und das, wo wir frisch heute Morgen von 1.500 Höhenmetern kommen. Mit schwant jetzt schon Schlimmes. Als wir das öde Nyalam sehen, können wir uns zu unserer Entscheidung jedoch nur beglückwünschen. Einen tristeren Ort habe ich selten gesehen. Dazu Schneematsch und Schneeregen – bloß schnell weiterfahren. Je höher wir kommen, desto klarer wird die Sicht, desto blauer der Himmel und desto hinreißender die Landschaft. Erinnerungen an den Altiplano werden wach. Rote Berge, Kargheit und eisiger Wind – dass uns der Atem stockt. Bibbernd machen wir am Lalung La Pass schnell ein Foto, unsere erste 5.000er-Überquerung. Erst nach Sonnenuntergang erreichen wir Tingri, ein kleines mongolisch anmutendes Dorf, mitten auf dem Hochplateau. Unsere Zimmer, in einer kleinen Baracke, geschmückt mit Gebetsfahnen, ohne Strom, ohne Licht, ohne Heizung, ohne Bad. Wir kramen die dicksten Wintersachen aus dem Rucksack, wer hätte das gedacht, dass wir diese auf unserer Reise noch einmal brauchen würden, und machen uns auf den Weg zum Gemeinschaftsraum. Dort sitzen bereits alle um den warmen Ofen herum und nippen an dampfenden Tassen köstlichen Yasmin-Tees. Das belebt die kalten Glieder. Die gesamte tibetische Familie des Gasthauses, alle haben sich eingefunden. Die Frauen mit langen schwarzen geflochtenen Zöpfen, ihnen scheint die Kälte nichts mehr auszumachen. Ein unwirtliches Leben, hier auf 4.300 Höhenmetern. In dicke Decken gehüllt liegen die schlafenden Kinder neben uns, die Wangen rot von Erfrierungsspuren. Mit unter der Decke die Hauskatze. Wir müssen schmunzeln. Jentsen bestellt uns heiße Suppe und gebratenen Reis, dazu noch mehr Tee. Der Raum ist hübsch tibetisch dekoriert. Überall hängen Poster und Fotos von internationalen Besuchern, die hier bereits eine Nacht verbracht haben. Auch die Indonesier sind wieder da – diese sollten eigentlich mit in unserer Reisegruppe sein, hatten sich in letzter Minute dann aber doch für das Everest-Basecamp entschieden. Von hier aus werden sie also morgen früh in Richtung Everest Basislager aufbrechen. Wir gehen zeitig zu Bett, die Höhe macht sich schon jetzt bemerkbar. Im Zimmer zünden wir uns 2 Teelichter an und kuscheln uns unter 5 Decken. Mal sehen, wie so eine Nacht bei Minus 10° wird.

Der erste Fünftausender-Pass (5.050) Lalung La
Der erste Fünftausender-Pass (5.050) Lalung La

Kapitel 4: Altitude sickness auf 5.248 Metern

 

Der Morgen ist glasklar. Wir haben schlecht geschlafen. Die halbe Nacht habe ich über dem Loch im Outdoor-Klo gehangen. Sämtliche Erscheinungen der Höhenkrankheit, bereits bekannt aus Bolivien, haben uns wieder eingeholt. Das bedeutet: Höllische Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Dazu nehme man ein Außenklo mit nur zwei Löchern nebeneinander im Erdboden, über denen man bei Minus 10° mitten in der Nacht Stunden hängt. Das sind Erfahrungen, die die Welt braucht. Mühsam quälen wir uns im Morgengrauen unter den Decken hervor. Um einen klaren Kopf zu bekommen, laufe ich mit der Kamera ein Stück durch die Gegend. Die Morgenstimmung ist gigantisch! Die Luft zwar wie Eis, sofort tränen mir die Augen, dafür ist die Sicht gigantisch. Das kleine tibetische Dorf leuchtet mit seinen weiß-getünchten Häusern, dazu die bunt im Wind flatternden Gebetsfahnen und die umliegenden Berge. Ein Traum. Nur der Everest hängt als einziger Gipfel in einer dicken Wolkenwand. Wir versammeln uns zum Frühstück, doch so recht bekommt niemand etwas runter. Wir beratschlagen, wie es heute weitergehen soll, die kommende Nacht soll eigentlich in Lhatse, wieder auf über 4.000 Metern liegen. In einer kurzangelegten Gruppenabstimmung wird kurzerhand entschieden, um den Symptomen der Höhenkrankheit etwas entgegenzuwirken, direkt weiter bis Shigatse zu fahren, welches wiederum „nur“ auf 3.800 Metern liegt. Das sind nur 200 Kilometer mehr, und da wir bereits gestern weiter als gedacht gekommen sind, sparen wir so am Ende einen ganzen Tag, der uns in Lhasa zu Gute kommen wird. Flugs wird das Auto beladen und ab geht die Post. Nach einer geschlagenen Stunde Fahrt wirken auch endlich die Kopfschmerztabletten und endlich können wir die atemberaubende Landschaft um uns herum etwas genießen. Immer wieder queren wir weitere tibetische Ortschaften, der Himmel ist tiefblau und die winzigen Häuschen heben sich dagegen ab wie leuchtende Schneeflocken. In einem Dorf legen wir einen kurzen Stopp ein und sofort sind wir umzingelt von Tibetern. Offensichtlich bekommen diese nicht oft Touristen zu Gesicht, denn wir sind die Sensation im Ort. Fensterläden öffnen sich, Frauen und Kinder strömen auf die Straße, um uns nach ein paar Juan zu fragen. Nur schwer können wir uns wieder losreißen. Dann immer wieder Straßenpassagen, endlose Weite, Panoramen, wie gemalt, die uns in Staunen versetzen. Gegen Mittag erreichen wir den höchsten Pass unserer Himalaya-Querung: Gyatso La, auf geschlagenen 5.248 Höhenmetern. Dies ist definitiv der höchste Punkt, den wir in unserem bisherigen Leben besucht haben. Wie ein Faustschlag in die Magengrube meldet sich die Höhenkrankheit sofort wieder zurück. Matt und schwindelig steigen wir aus dem Auto, der eisige Wind brennt wie Nadelstiche auf der Haut. Der Pass ist mit tausenden Gebetsfahnen geschmückt, wir stellen uns nur schnell neben das Schild mit der Höhenangabe. Wenigstens ein Erinnerungsfoto. Und dann nur schnell weiterfahren. Runter von der Höhe. Damit es uns endlich wieder besser geht.

Ein Leben auf dem Dach der Welt ist schwer vorstellbar
Ein Leben auf dem Dach der Welt ist schwer vorstellbar

Kapitel 5: Klostermauern und Mittagessen mit ein paar Mönchen

 

Shigatse bringt Linderung. Es sind zwar nur ein paar Hundert Höhenmeter aber es geht uns schlagartig besser. Sollte es auch, denn am nächsten Tag steht ein umfangreiches Sightseeing-Programm auf der Tagesordnung. Vom Hotel aus laufen wir zunächst in Richtung Tashilunpo Monastery. Die Straßen sind… chinesisch. Anders kann man es nicht sagen. Shigatse ist fest in chinesischer Hand. Der Charme Tibets geht hier Stück für Stück verloren. Sarah, Trudy und Shayne, die Australier, erzählen uns von ihrem gestrigen Abendspaziergang durch die Stadt. Die Armut ist hier so groß, dass einem die Kinder das Essen aus den Händen reißen und sich an einen klammern. So etwas haben selbst wir noch nicht erlebt. Vor den Klostermauern spulen Einheimische ihr Gebetszeremoniell ab. Sie werfen sich immer wieder auf den Boden, stehen auf, Beten, das Ganze immer wieder in der gleichen Reihenfolge. Am Eingang wird Butter verkauft, als Ersatz für Kerzenwachs. Jentsen erzäht uns eine ganze Menge über das Kloster, welches im Jahre 1447 vom ersten Dalai Lama errichtet wurde und der Sitz des Panchen Lamas ist. Neben uns läuft eine Fehde zwischen Mönchen und Besuchern. Das passt so gar nicht zur Ruhe des Buddhismus. Zum Glück entschädigt das Kloster für die Architektursünden Shigatses. Mönche wandeln umher, alte Frauen umrunden mit ihren Gebetsmühlen die Stupas. Wir lernen, dass das eigentliche religiöse Oberhaupt des Buddhismus der Panchen Lama ist, nicht der Dalai Lama. Letzterer kümmert sich eigentlich in erster Linie um die Politik. Das wiederum erklärt, warum Bilder des Panchen Lama bei Chinesen durchaus erlaubt sind. Durch die verwinkelten Gassen gelangen wir zu immer neuen Kapellen mit wundervollen vergoldeten Buddha-Statuen. Einer ist so groß, dass er locker an die 15 Höhenmeter misst. Davor sitzen Mönche im Schneidersitz, murmeln Mantras, meditieren und beten. Ich setze mich zu ihnen, halte einen Moment inne, um die Energie dieses Ortes zu spüren. Das ist Tibet für mich. Jentsen erklärt uns auch die 3 Säulen des Buddhismus: Ethik, Meditation und Weisheit. In manchen Kapellen befindet sich Jahrhunderte alte Literatur zum Studieren – doch auch die Neuzeit macht hiervor nicht halt: Jeder Mönch hat ein Handy und einige beobachten wir schmunzelnd, wie sie während der Andacht gerne auch mal Autorennen darauf spielen. Nach einem kurzen Besuch des örtlichen Marktes, bitten wir Jentsen uns in ein typisch kleines tibetisches Lokal zum Mittagessen auszuführen. Wir werden nahe des Klosters fündig und speisen ganz gediegen inmitten von Mönchen. Leider darf ich von ihnen kein Foto machen dafür bedeuten wir für sie anscheinend genug Gesprächsstoff und so einiges Gelächter.

Tashilunpo Monastery
Tashilunpo Monastery

Kapitel 6: Das W… ist des Müllers Lust

 

Unser dritter Tag auf dem Dach der Welt hält noch mehr für uns als die Klostermauern von Shigatse bereit. Es geht noch nach dem Mittag weiter nach Gyantse, welches glücklicherweise nur 2 Stunden entfernt liegt, dafür jedoch, trotz gegensätzlicher Behauptung von Jentsen, wieder auf knapp 4.000 Metern. Unterwegs besuchen wir einen örtlichen Müller und bestaunen, mit welch tibetischer Einfachheit hier Mehl produziert wird. Obwohl Shigatse in unserer Rangliste der hässlichsten Städte der Welt schon sehr weit vorn rangiert, schafft es Gyantse dem ganzen noch die Krone aufzusetzen. Vor unserem Hotel eine breite chinesische Schundstraße mit noch mehr Müll und Ramschläden. Zum Glück geht unser Hotelfenster auf den Innenhof und in der Ferne können wir das Pelkhor Chode Kloster sehen. Hier führt uns dann auch noch eine nachmittägliche Stipvisite hin, zum Glück sind wir fast die einzigen Touristen. Das Kloster ist umgeben von einem großen Hang, auf dem eine Art kleiner chinesischer Mauer nachgebaut ist. Wieder ein Beinahe-Weltwunder abgehakt ;-), für die große hat es nämlich aus Zeitgründen nicht gereicht. Das Kloster selbst wird dominiert von 3 Räumen, in den verschiedene Buddha-Statuen aus Holz und Gold stehen, in der Mitte ein riesiger Gemeinschaftsraum zum Beten. Links neben dem Kloster steht die riesige weiße Khumbhum-Stupa, die ebenfalls weitere Statuen beherbergt. Sofort merkt man wieder die Höhe, 4.000 Meter sind für uns anscheinend die magische Grenze, welche über Wohl- und Unwohlsein entscheidet, denn jeder Schritt ist anstrengend. So spare ich mir dann doch glattweg den Aufstieg auf die Kuppel, darum kümmert sich André um die Panorama-Aussichts-Fotos. Auf den Eingangsstufen sitzend, lasse ich mir die letzten Sonnenstrahlen des Tages auf meine kalte Nase scheinen, eine echte Wohltat. Dazu leistet mir ein kleiner tibetischer Junge Gesellschaft, der erst um mich herumschleicht und dann mit mir spielen will. Ich schenke ihm einen Kugelschreiber, den er erst neugierig in seinen kleinen Händen hin- und herdreht. Offensichtlich weiß er zunächst nichts damit anzufangen. Erst als ich in meine Handfläche eine kleine Sonne male, versteht er mich und düst selig grinsend mit dem Stift davon. Als ich 5 Minuten später wieder die Augen öffne, nach ein klein wenig vor mich hin duseln, ertappe ich ihn gerade noch, wie er mir den Stift wieder vor die Füße legt und dann schnell wegrennt. „Hey, warte“ rufe ich ihm hinterher und versuche ihm zu erklären, dass er den Stift doch behalten kann, doch er winkt nur und ist dann verschwunden. So etwas!

Gyantse Dzong
Gyantse Dzong

Kapitel 7: Wünsch Dir was!

 

Wir nähern uns Lhasa. Nur noch ein Tag Fahrt liegt vor uns. Doch dieser Tag hat es in sich. Die Nacht in Gyantse wieder durchwacht, wieder mit Kopfschmerzen. Völlig gerädert schleppen wir uns zum Frühstück. Werden wir uns je an die Höhe gewöhnen? Immerhin ist es inzwischen der vierte Tag. Die Indonesier haben uns wieder eingeholt. Nix war mit Everest-Basecamp, kein Durchkommen, die Zufahrt wegen zu viel Schnee zu gefährlich und somit gesperrt. So ist er, der Berg aller Berge. Unberechenbar. Wir brechen direkt nach dem Frühstück auf, vor uns liegen mehrere Stunden Fahrt. Sarah, die jüngste der Australier, hat sich mittlerweile zu einer echten Plage entwickelt. Wir haben noch nie, nach all unseren Wochen in Down Under, eine derartig anstrengende Person kennengelernt. Die Aussies, die sonst der Inbegriff der Lässigkeit und Unkompliziertheit sind, irgendwie scheint Sarah von einem anderen Planeten. Wer permanent um jeden einzelnen Cent feilscht, andere rumkommandiert und nur über sich selbst reden will, hat in meinen Augen nichts in einer Reisegruppe zu suchen. Shayne und Trudy, die beiden anderen Australier sehen es offensichtlich ebenso, denn die Gruppe spaltet sich immer mehr. Zu schade finden wir, hatten wir bisher doch immer ein solches Glück mit unseren Mitreisenden. Unser erster Halt für heute ist ein riesiger Staudamm. Schon von Weitem sehen wir das türkisfarbene Wasser inmitten der rotbraunen Berge und sind begeistert. Als Jentsen uns dann auch noch zu einem kleinen Aussichtspunkt voller Gebetsfahnen über dem See bringt, ist es um mich geschehen. Am Horizont die schneebedeckten Gipfel des Himalaya, über uns der stahlblaue Himmel und unter uns der türkise See – ein Motiv zu schön um wahr zu sein, wie aus dem Bilderbuch. Wir kraxeln, soweit es unsere Kondition bei der Höhe zulässt, auf den Felsen herum und sind einfach nur happy, hier zu sein. Bevor wir weiterfahren, schreibe ich dann noch einen Wunsch auf ein paar Gebetsfahnen und lasse diese direkt auf dem Pass aufhängen. Die Gebetsfahnen sind dafür da, die Wünsche in den Himmel zu tragen, sie werden der Witterung bis zu ihrem vollständigen Verfall ausgesetzt. Ein wunderschöner Brauch, der mich tief berührt.

Auf jedem Pass hängen Gebetsfahnen, die die Wünsche und Gebete in den Himmel tragen
Auf jedem Pass hängen Gebetsfahnen, die die Wünsche und Gebete in den Himmel tragen

Kapitel 8: Durch Eis und Schnee

 

Der heutige Tag geht definitiv als einer der schönsten Landschafts-Panorama-Tage unserer gesamten Reise in die Geschichte ein. Ein Traummotiv jagt das nächste. Nach dem Staudamm reihen sich endlos hohe schneebedeckte Siebentausender aneinander, schnurgerade menschenleere Straßen, eisige bis zu 5 ½ Tausend Meter hohe Gletscher, ein weiterer Pass über 5.000 Höhenmeter und schließlich, das absolute Highlight, der Yamdrok-Lake auf 4.440 Metern. Der riesige, im Umfang mehr als 250 Kilometer große See ist für uns mit Sicherheit eines der schönsten Gewässer der Erde. Ich kann mich nicht sattsehen, an seiner intensiven Farbe, geschlagene 3 Stunden fahren wir um seine riesigen Ausläufer und hinter jeder Kurve wartet ein neues Fotomotiv. Wahrscheinlich strapaziere ich die Nerven der Gruppe gehörig, als ich Jentsen zum an die 100sten Mal bitte, kurz für einen Fotostopp anzuhalten. Als dann auch noch tatsächlich die heiß ersehnten bunt geschmückten Yaks am Straßenrand auftauchen, ist es endgültig vorbei mit der Beherrschung der Gruppe. Im Freudentaumel quellen wir aus dem Minivan und nehmen die zotteligen Tiere in Beschlag. Für 5 Juan darf man Probe sitzen, das lassen wir uns natürlich nicht zwei Mal sagen. Vergessen sind all die Strapazen und Wehleiden der vergangenen Tage und wir sind uns alle einig: Dieser See ist einer der schönsten Orte auf unserem Planeten. Andächtig flüstert Trudy immer wieder: „This is the most beautiful place, I`ve ever been!”

Yak am Yamdrok Lake
Yak am Yamdrok Lake

Kapitel 9: Der Weg war das Ziel

 

Am späten Nachmittag erreichen wir Lhasa, das Zentrum des Buddhismus, der Grund für unsere Reise, und sind einfach nur schwer ernüchtert. 60% chinesische Bevölkerung haben es geschafft, dieser Stadt jeglichen Flair, jede Spiritualität auszusaugen. Da liegt sie nun vor uns, diese Stadt, wie eine verschrumpelte Rosine, breite chinesische Alleen, noch mehr Plattenbauten, lineare Militärparadenplätze, Fahnen und Soldaten so weit das Auge reicht. Bereits auf unserer Fahrt waren uns die vielen Check-Points an der Straße mit den schwer bewaffneten Militärs unangenehm aufgefallen. Doch erst hier wird uns das ganze Ausmaß der Unterdrückung der tibetischen Bevölkerung klar. Kein Wunder, dass die Tibeter die Chinesen aus tiefstem Herzen hassen. Was hier vor sich geht, grenzt an totale Überwachung und Kontrolle. Unser Hotel, im tibetischen Viertel gelegen, steht hinter einer dicken Schranke. Links und rechts davon in Glaskabinen, bewaffnete Soldaten. Minütlich marschieren an uns Patrouillen vorbei. Im Gleichschritt, bewaffnet mit Maschinengewehren und Pumpguns. Das müssen wir erst einmal verdauen und erkennen, der Weg war das Ziel. Haben wir unterwegs noch einen Hauch des ursprünglichen Tibets entdecken können, ist hier längst alles zu spät. Da hilft auch kein Potala-Palast, den wir uns zwei Tage später anschauen. Hatte ich mir hiervon die Krönung der Spiritualität erhofft, muss ich enttäuscht feststellen, dass alles nur ein riesiges Museum ist. Sicher ist es faszinierend, das Studier- oder Schlafzimmer des Dalai Lhamas zu besichtigen, dennoch ist die Geschichte, die dahinter steht, zu grausam, um dem Ganzen etwas Positives abgewinnen zu können. Ein Mann, der seit 1959 im Exil lebt, da chinesische Offiziere drohten, ihn umzubringen, weil die Tibeter um die Unabhängigkeit ihres Landes und damit die Befreiung von der chinesischen Herrschaft kämpften. Neben uns marschieren chinesische Reisegruppen im Laufschritt an uns vorbei, ganz selbstverständlich spuckend und laut schnatternd, dass einem am liebsten die Hand ausrutschen würde. Die chinesische Mentalität macht aggressiv. Und das geht nicht nur uns so. Wer nach Lhasa reisen will, sollte es also möglichst bald tun. In 10 Jahren wird diese Stadt sicher alles verloren haben, was einmal tibetisch war. Hier entstehen Shopping Malls, dort blinken Leuchtreklamen. Ein kleiner Rückzugsort ist dann vielleicht noch das Jokhang-Kloster, das religiöse Zentrum Tibets und das höchste Pilgerziel für lamaistische Buddhisten. Es beinhaltet die heiligste Statue der Provinz, den Jobo Shakayamuni. Tausende Pilger, hunderte Marktstände mit Opfergaben und Souvenirs, mitten im tibetischen Viertel. Wenn man ganz fest die Augen zusammenkneift, kann man glatt versuchen, das Militär und die Scharfschützen auf den Dächern wegzudenken.

Der Potala Palast
Der Potala Palast

Kapitel 10: Ein versöhnlicher Abschluss

 

3 Tage Lhasa liegen hinter uns. Wir haben nicht viel unternommen, die stetige Präsenz des Militärs schafft eine beklemmende Atmosphäre. Von freiem religiösen Geist kann keine Rede sein. Die Verständigung ist schwer, damit auch die Nahrungssuche. Jede Mahlzeit wird zur Herausforderung, niemand spricht Englisch, es gibt keine englischen Speisekarten und oftmals hilft nur noch der Gang in die Küche und darauf zu zeigen, was man essen möchte (wenn man angesichts der überall vorherrschenden mangelnden Hygiene nicht schon längst wieder aus der Lokalität geflohen ist). Wir haben uns im Zimmer verschanzt und darüber nachsinniert, was uns nun eigentlich schlussendlich nach Lhasa geführt hat. Eine Woche mit Unterernährung macht Sinnsuchend. Wir finden keinen triftigen Grund mehr, Lhasa laugt nur aus. Am Ende sind wir froh, als es zurück zum Flughafen geht und wir Lhasa endlich hinter uns lassen können. Die Ausreise noch einmal ein echtes Abenteuer. Bis wir im Flieger sitzen vergehen beinahe 1 ½ Stunden. Mit China Air geht es zurück in Richtung Kathmandu und nach guten 45 Minuten Flugzeit zeigt er sich dann doch noch, umrahmt von weißen Wattewolken, der Everest. Ein versöhnlicher Abschluss!

Zeigt sich zu guter Letzt doch noch: Der Mt. Everest
Zeigt sich zu guter Letzt doch noch: Der Mt. Everest

Alle restlichen Pics unserer Himalaya-Querung gibt`s hier.

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Do

07

Apr

2011

Namaste – Ich grüße das Göttliche in Dir!

Nein, wir sind noch nicht in Indien. Dafür aber in dem kleinen unscheinbaren Land oben drüber, Nepal.

Das meist so völlig untergeht und maximal bezüglich schwieriger Trekkingtouren im Fokus von Reisenden steht. Sehr zu Unrecht, finden wir. Denn Nepal hat viel mehr zu bieten, als die Annapurna-Umrundung und das Everest-Basecamp. Nepal ist einfach unglaublich. Die perfekte Mischung aus Kultur, Religion, Natur und faszinierenden Menschen. Noch nie haben wir so einen spirituellen Ort besucht, noch nie so viele mit Hingabe gläubige Menschen gesehen.

Om...
Om...

Nach dem wir uns nach ausgiebiger Recherche dafür entschieden haben, Nepal mit eigenem Fahrer auf einer geführten Privatrundreise zu erleben, können wir uns nur immer wieder zu unserer Entscheidung beglückwünschen. Alleine die örtlichen Gegebenheiten (Verkehr, Straßenzustand, Beschilderung, öffentliche Verkehrsmittel) hätten uns sicher viel Zeit und Nerven geraubt. Aber so können wir dieses beeindruckende Land ganz entspannt erkunden. Dank der hervorragenden Organisation unseres kleinen Veranstalters, werden wir jeden Morgen pünktlich am Hotel abgeholt und abends wieder abgesetzt. Dazwischen ein Highlight am anderen. Tempel, Stupas, Pagoden, Paläste – Orte, wie Patan, Bhaktapur und die Altstadt von Kathmandu mit ihren Durbar Squares geben einem das Gefühl, in die Geschichte einzutauchen. Die üppigen Gebäude in den 3 für Nepal typischen Bauarten wurden hauptsächlich zwischen dem 14. und 18 Jahrhundert errichtet und zählen heute zu den UNESCO Weltkulturerbestätten. Dazu die farbenfrohe Mischung der vielen in bunte Saris gehüllten indischen Frauen, den Wanderheiligen (Sadhus) und der fröhlichen Kinder, machen Nepal zu einem ganz besonderen Ort.

Durbar Square in Patan
Durbar Square in Patan

Sofort haben wir uns wohl gefühlt, auch wenn es im Hotel 12 Stunden am Tag keinen Strom und meistens auch kein warmes Wasser gibt. Für dieses Land nimmt man das gerne in Kauf. Nepal ist nach Brasilien das wasserreichste Land der Welt – trotzdem gelingt es aufgrund der andauernden schwierigen politischen Lage und der ständig wechselnden Regierung nicht, Investoren für Stromerzeugung anzuziehen. Nepal ist auch ein Ort der Widersprüche. Die Menschen auf dem Land sind reicher als in der Stadt, das Kathmandu-Tal ist so fruchtbar, das ganze Familien ausschließlich von eigenen Produkten aus der Landwirtschaft leben können. Und der Überschuss wird auf den Märkten verkauft. Dagegen wird die Stadt überschwemmt von Müll, die Flüsse sind voll von Abwässern und Unrat, Menschen sitzen am Straßenrand und sortieren Abfall, um sich Brauchbares herauszufischen, daneben werden neue Gebäude errichtet, die Eigentumswohnungen für schlappe 120.000 € beherbergen werden. Es gibt zwar eine städtische Müllabfuhr, jedoch noch kein Recycling-System. Vieles steckt noch in den Kinderschuhen. Und trotzdem wächst die Bevölkerung unaufhörlich. Viele Inder kommen nach Nepal, versprechen sich hier ein besseres Leben als Schuhmacher, Schmied oder Friseur. Alleine das Kathmandu-Tal fasst jetzt bereits 1,5 Millionen Einwohner. Die Städte Kathmandu, Patan und Bakthapur verschmilzen miteinander, Bauen boomt.

Alleine Kathmandu hat bereits 700.000 Einwohner
Alleine Kathmandu hat bereits 700.000 Einwohner

Daneben diese unglaublich gläubigen Menschen, die vielen Klöster. In Nepal ist es Pflicht, dass Familien mit 3 Söhnen den mittleren in ein Kloster schicken müssen. Dort wird er zum Mönch ausgebildet, bis zur Pubertät, dann kann er entscheiden, ob er gehen und eine Familie haben oder bleiben möchte. Die Kinder beginnen so bereits mit 4 Jahren den Unterricht. Diese Mischung aus Buddhismus und Hinduismus ist so besonders. In Nepal gibt es 33 Millionen verschiedene Gottheiten, dazu weitere Halbgötter. Manche Gläubige kennen jede einzelne mit Namen. Überall hängen Bilder von Reinkarnationen in verschiedenen Gestalten. Die alten Häuser und Pagoden sind geschmückt mit aufwendigsten Holzschnitzereien der Gottheiten. Der Glaube ist allgegenwärtig. Alleine die Stupas, das Sinnbild für Nepal mit ihren weißen Kuppen und den allsehenden Augen Buddhas (linkes Auge: Mitleid, rechtes Auge: glücklich, drittes Auge: Weisheit und die Nase ist dem Alphabet der Newaris entnommen und bedeutet "eins"), umweht von tausenden Gebetsfahnen (blau für den Himmel, weiß für die Wolken und die Reinheit, rot für das Feuerelement, grün für das Wasserelement und gelb für das Erdelement), dem Gesang der Mantras (OM Mani Padme Hum – das wohl bekannteste und am häufigsten rezitierte Mantra des Avalokiteshvara, des Buddhas des Mitgefühls. Übersetzt lautet es etwa: "Kleinod in der Lotosblüte") und dem Duft der Räucherstäbchen. Im Uhrzeigersinn muss man die Stupas umrunden, an den Gebetsmühlen drehen. Dabei immer eine unrunde Anzahl berücksichtigen.

Boudhanath - die zweitgrößte Stupa der Welt
Boudhanath - die zweitgrößte Stupa der Welt

Es gibt so viel zu lernen. Jedes Lebewesen ist heilig. Tauben werden gefüttert, Affen sind Stammgäste in den Tempeln und nicht zu vergessen die Kühe, die überall frei herumlaufen (gerne auch während der Rush-Hour auf der Hauptverkehrsstraße). Denn jedes Tier, egal ob Regenwurm, Ratte oder Hausschwein könnte die Reinkarnation eines verstorbenen Verwandten sein. Buddhisten und Hindus leben so in der Regel streng vegetarisch. So ist auch das Sterben in Nepal keine traurige Sache, da fest davon ausgegangen wird, dass man sowieso wiedergeboren wird. 7 Stufen gibt es bis zur Erleuchtung (Achtsamkeit, Weisheit, Tatkraft, Freude, Beweglichkeit, Konzentration und Gleichmut), während der jeweiligen Lebenszeit sammelt man Karma-Punkte, je nach dem was für ein guter Mensch man war, darf man sich darauf freuen, in einer höheren Stufe wiedergeboren zu werden. Die Bestattungen sind so eine feierliche Zeremonie, bei der nicht nur Familienangehörige anwesend sind. Im Pashupatinath, dem größten hinduistischen Heiligtums Nepals (hier wird der Gott Shiva als Herr alles Lebendigen verehrt), finden die Bestattungen am Bagmati Fluss statt. Die, die es sich leisten können, treten hier ihre letzte Reise an. Man sagt, wer hier bestattet wird, gelangt auf direktem Weg zur Erleuchtung, ins Nirvana, da das Wasser des Flusses heilig ist. Auf einzelnen Steinaltären werden Scheiterhaufen errichtet. Bevor der Leichnam auf den Scheiterhaufen gelegt wird, wird er zuerst noch in den Fluss getaucht, bzw. mit dem Wasser bespritzt. Nachdem der Leichnam auf den Scheiterhaufen gelegt wurde, wird er vom Brahmanen noch einmal mit Holz und Stroh bedeckt. Danach umschreiten die Verwandten den Leichnam fünfmal im Uhrzeigersinn als Zeichen für die fünf Elemente Wasser, Erde, Licht, Luft und Äther. Dem ältesten Sohn fällt anschließend die Aufgabe zu, den Scheiterhaufen anzuzünden. Er legt dazu in einem feierlichen Akt eine brennende Fackel auf den Mund des Toten. Nach dem der Leichnam vollständig verbrannt ist, wird die Asche dem Fluss übergeben. Als wir nach Pashupatinath kommen, haben sich bereits hunderte Schaulustige um den Fluss herum eingefunden und auch wir werden Zeugen unserer ersten Leichen-Verbrennung. Der Rauch weht bis zu uns herüber und ich muss mich abwenden, als der Tote Feuer fängt. Noch lange habe ich sein Gesicht vor Augen.

Totenverbrennung am Bagmati (Quelle: Internet)
Totenverbrennung am Bagmati (Quelle: Internet)

Zurück zu den heiligen Tieren, die dagegen durchaus geopfert werden. In einem Tempel, eine Autostunde von Kathmandu entfernt, findet jeden Dienstag und Samstag ein großes Opferfest zu Ehren der Göttin Kali statt. Dakshin Kali gehört zu den bedeutendsten hinduistischen Opferstätten des Kathmandutales. An den Hauptopferungstagen pilgern so Scharen von Hindus in ihren festlichsten Gewändern dahin um Kali durch ein Blutopfer milde zu stimmen. Sie lassen sich segnen, waschen sich mit heiligem Wasser und bringen Opfergaben, von Obst über Blumen bis hin zu Hähnen und ganzen Ziegen. Das Bild ist gewöhnungsbedürftig, Menschen die Schlange stehen, um ein Tier sterben zu sehen. Der Schlachter macht es kurz und schmerzlos: Wie am Fließband nimmt er den Kopf des Tieres zurück und schneidet ihm binnen wenigen Sekunden den Hals durch, bis das Blut auf das Kultbild Kalis spritzt. Den Körper bekommt die Familie gereinigt wieder mit, als Festessen. Der Kopf verbleibt als Opfergabe im Tempel. Geschockt muss ich mich abwenden, das Frühstück macht sich bemerkbar. Doch das gehört ebenfalls zur Religion. Tiere symbolisieren auch die menschlichen Eigenschaften und Schwächen. Eine Ente zum Beispiel Faulheit, eine Ziege sexuelle Begierde. Opfert man ein Tier, soll die Schwäche so von einem genommen werden.

Segnung im Dakshin Kali
Segnung im Dakshin Kali

Dann lassen wir uns doch lieber wieder durch die Altstadtgassen in Kathmandu treiben. Überall bunte Teppiche und Gebetsketten. Eine Hommage an zerfurchte, verlebte Gesichter, die Geschichten erzählen. Geschminkte Kinder als Schutz vor bösen Geistern und Hexen. Mitunter sind wir hier die Besonderheit, man bittet uns freundlich um ein Foto. Das geschieht dann ganz feierlich, wie bei einer Art Staatsbesuch eines Politikers. Mit Händeschütteln und formellem Blick. Überall ein freundliches Namastee. In einem ganz besonderen kleinen Lokal um die Ecke unseres Hotels können wir all die kulinarischen Köstlichkeiten, die Nepal zu bieten hat, verkosten. Angefangen von Momos (Teigtaschen gefüllt mit Yak-, Hühnchenfleisch oder Gemüse), ganz klassisch Dal (Linseneintopf) oder Paneer (frittierter Hüttenkäse). Dazu gibt es Reiswein in Mengen, der es so in sich hat, dass schon ein winziger Schluck einem einen wohligen Drehwurm im Kopf verursacht. Dazu einheimische Tänze, wir sollen mittanzen und finden uns inmitten bunter Kostüme und freudigen Nepalesinnen, springen beschwipst von einem Bein auf`s andere und staunen über die Geschwindigkeit der wechselnden Choreografien.

Alte Frau in Kathmandu
Alte Frau in Kathmandu

Und last but not least sind da natürlich die Berge. Schon die Fahrt raus aus der staubigen Stadt ein Erlebnis: Die Straßen auf dem Land voller Kühe und bunter Trachten. Menschen sitzen vor ihren Häusern, Frauen stricken, Busse, vollbesetzt bis zum Dach kommen uns entgegen. Die winzige Stadt Nagarkot, im Nordosten von Kathmandu, eingebettet in terrassenförmige grüne Hügel, im Rücken den Himalaya. Wer wird nicht schwach, wenn er im Licht der aufgehenden Sonne die Gipfel sieht, unseren ersten Achttausender, der daliegt, wie hingegossen, getaucht in goldgelbe Farbe mit einer weißen Kuppe. Da wird man plötzlich ganz klein, findet sich wieder der gnadenlosen gigantischen Wucht der Natur ausgesetzt. 1,60 gegenüber 8.000 Metern???

Sonnenaufgang über Nagarkot - über den Wolken der Himalaya
Sonnenaufgang über Nagarkot - über den Wolken der Himalaya

Nepal ist viel mehr als Worte, und da Bilder dieses Land am besten beschreiben können, heute eine besonders große Bildergalerie unserer ersten Woche. Seht es mir nach, aber Nepal ist eine einzige Fundgrube an traumhaften Fotomotiven. Ich liebe jedes einzelne Foto.

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Sa

02

Apr

2011

Das perfekte Dinner

Jana beim Kochen.
Jana beim Kochen.

Dumsan, nicht zu verwechseln mit Dim Sum ;-), ist ca. 1.45 m groß, hat die schwarzen langen Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden und trägt eine quietsch-orangene Schürze inkl. Häubchen, als sie uns mit den Worten „Hey, how are you?“ begrüßt und sich tausend Mal bei uns für die 30 Minuten Verspätung entschuldigt. Wieso eigentlich entschuldigen? Wir müssen uns bei ihr bedanken, denn dank ihr findet heute extra für uns der kambodschanische Kochkurs im Hotel statt, der eigentlich abgesagt war. Nach dem ich jedoch ein soooo trauriges Gesicht an der Rezeption gemacht habe, hat unser super Hotelpersonal vom Golden Temple es tatsächlich hinbekommen und so stehen auch wir nun mit Schürzchen und Mützchen vor Dumsan, die die Zutaten wir uns schon vorbereitet hat. Nach einer kleinen Vorstellungsrunde müssen wir uns aus den jeweils 3 Vor-, Hauptgerichten und Desserts eines auswählen – wir nehmen jeweils verschiedene Sachen, um vom anderen kosten zu können. Und ehe wir es uns versehen, halten wir schon den Schäler in der Hand und schnippeln Möhren, Rüben, Zwiebeln, Knoblauch, Zitronengras, Eggplant, Ananas und Tomaten. Zum ersten Mal in unserem Leben hören wir von Zutaten wie Taro, Palmsugar oder Sago – wir verkosten, testen, schnuppern – ein Fest für die Sinne. Dumsan wacht energisch über die Töpfe, damit auch ja nicht verkehrt herum umgerührt wird. „Mister, come here, add some sugar.“, „Misses, please, taste it.“ scheucht sie uns durch die kleine Open Air Küche im Hotelrestaurant. Zuerst bereiten wir alles für`s Dessert vor, dann für den Salat, die Suppe, das Curry und zum Schluss die Frühlingsrollen.

Die Zutaten!
Die Zutaten!

Unser fertiges Menü soll am Ende so aussehen:

 

Starter:

Fresh Spring Rolls with Chicken

Mango Salad


Main Course:

Khmer Curry

Cambodia Soup

 

Dessert:

Banana Dessert

Green Bean Dessert

Unser "Kochgrüppchen"
Unser "Kochgrüppchen"

Klingt das nicht gut? Bis zum fertigen Gericht sind es jedoch noch 2 Stunden, die verfliegen wie im Flug. Es duftet verführerisch, als wir die Chilipaste für das Curry aus Zutaten wie Anis, Ingwer, Zimt und Korriander zubereiten. Wow. Diese Paste, auf deren Basis alle Currys funktionieren, kaufe ich zu Hause normalerweise fertig im Supermarkt! Ich gebe zu, ich bin keine gute Köchin. Okay, ein bisschen nach Rezepten kochen, das passt schon. Aber der eigentliche Küchenchef zu Hause ist André. Irgendwie wurde ihm anscheinend die Begabung in die Wiege gelegt, instinktiv zu wissen, wie viel Würze ein Essen verträgt und auf solche Ideen zu kommen, da Mal noch ein bisschen Frischkäse und dort mal noch ein wenig Paprika zuzutun, um das eh schon perfekte Gericht noch weiter zu optimieren. Wenn André zu Hause kocht, dann ergänzen sich nahezu sämtliche Kühlschrankreste (die ich zu einer Mixed-Spaghetti-Sauce zusammengerührt hätte) zu einem 5-Sterne-Menü. Ich dagegen halte mich eher an Maggi Fix und Knorr. Dementsprechend lässig schwingt André nun auch das Küchenmesser, als er mal eben ganz selbstverständlich die Kräuter zerheckselt bzw. den Knoblauch zu winzigen Würfeln hackt. Dumsan scheint beeindruckt, während ich schon mit dem Mörser überfordert bin – der Zimt ist Dumsan immernoch nicht fein genug.

André unter Anweisung
André unter Anweisung

Wie von Zauberhand, und dank Dumsan, fügt sich dann doch alles nahtlos ineinander und nach 2 Stunden stehen sämtliche Gerichte dampfend auf dem Tisch. Schwitzend und hungrig reißen wir uns Schürze und Mütze vom Kopf und sinken auf die Stühle. Der Anblick ist einfach gigantisch. Das alles sollen wir gekocht haben? Und wer soll diese Massen überhaupt essen??? Dumsan verabschiedet sich nach einem letzten Erinnerungsfoto herzlich von uns – wir danken ihr überschwänglich für den schönen Nachmittag – und lässt uns dann mit unseren kulinarischen Ergüssen allein. Es ist…einfach genial! Zu gut. Zu lecker. Wir schlemmen bis zum Umfallen und immer noch sind die Schüsseln rappelvoll. Am Ende verschenken wir die beinahe unangetastete Suppe und das Curry (das einem, trotz meiner Bitte um etwas weniger Schärfe, den Atem raubt) an das Gastro-Team. Zu schade wäre es, die Gerichte einfach wegzuwerfen. Den Mango-Salat und die Frühlingsrollen packen wir zum Mitnehmen ein. Die gibt es heute Abend, zurück in Vietnam, als Abendessen. Das war definitiv das perfekte Dinner. Nur blöd, dass wir die meisten der außergewöhnlichen asiatischen Zutaten zu Hause wahrscheinlich nicht auffinden werden können. Mal sehen, ob wir dieses Menü zu Hause noch einmal ebenso lecker kredenzen können. Und damit neigt sich nun auch schon wieder unser Kambodscha-Aufenthalt seinem Ende entgegen. Vor uns liegen nun 3 Tage Reisen und 5 verschiedene Länder. Von Siem Reap werden wir zunächst zurück nach Ho Chi Minh City fliegen, dort eine Nacht verbringen, am darauffolgenden Morgen zunächst nach Hongkong, mit 8 Stunden Aufenthalt, weiter nach Delhi und von dort schließlich am Morgen des wiederum nächsten Tages bis Kathmandu fliegen. Da kommt ein wenig Reiseproviant gerade recht. Kambodscha jedenfalls war ein Traum, was nicht zuletzt an unserem genialen Hotel lag. Das gesamte Personal hat sich so rührend um uns gekümmert, Frühstück im Bett, der Kochkurs und nicht zuletzt gab es für jeden für uns kostenlos eine 1-stündige Massage! Von diesem Luxus werden wir noch lange schwelgen.

Das fertige perfekte Dinner - Bon Appetit!
Das fertige perfekte Dinner - Bon Appetit!
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Mi

30

Mär

2011

Ein bisschen Tomb-Raider, ein paar Mönche und viel viel Geschichte

Kambodscha reißt es raus. Echt. Nach dem wir froh waren, Vietnam endlich verlassen zu können, hatte ich ein wenig gemischte Gefühle, Kambodscha gegenüber. Hatten wir vielleicht wieder zu hohe Erwartungen und würden am Ende enttäuscht werden? Hatte sich unsere Asien-Euphorie nach unserem Thailand-Urlaub 2009 völlig verabschiedet? Vietnam hat uns einfach nicht gut getan. Am Ende waren wir beide einfach nur depri, hingen in den Seilen und zählten die Tage, bis zur Abreise. Im Nachhinein kann ich sagen: Vietnam ist irgendwie kein richtiges Asien. Zumindest nicht das, was wir kennen und lieben gelernt haben. Und das hat uns nun endlich wieder in Kambodscha gefangen genommen.

 

Nach 45 Minuten Flugzeit von Hoh Chi Minh City, landeten wir am vergangenen Mittwoch in Siam Reap, der „Hauptstadt Angkors“. Schon der Flughafen erinnerte uns an 2009, Trat, als wir eine traumhafte Woche auf der kleinen Insel Koh Chang verbracht haben. Alles aus Holz, klein, im Tempelstil mit Seerosenteichen drum herum. Dazu angenehme 30° und es wehte ein frisches Lüftchen, als wir vom Flieger über die Landebahn liefen. Selten haben wir so eine problemlose Einreise gehabt (dank unserer Visas!) – die anderen Touris durften sich erst einmal fett am Antragsschalter anstellen. Wir waren ja besonders schlau, und haben gleich alles im Voraus in Berlin erledigt, was sich nun bezahlt gemacht hat. Also ab durch die Passkontrolle, Gepäck geschnappt und raus, um unseren Fahrer zum Hotel zu suchen. Der wartete auch schon gespannt mit großem Namensschild am Ausgang – endlich mal wieder am Flughafen in Empfang genommen zu werden war toll ;-) – und führte uns gleich Mal stilecht zu einem Tuk Tuk! Yippieh!!! Endlich wieder Tuk Tuk fahren!!! In Vietnam gab`s ja leider keine… Die Fahrt in Richtung Hotel dauerte 30 Minuten, bereits am Straßenrand sahen wir unzählige Kinder spielen, die uns freudig zuwinkten.

Gimsu mit unserem TukTuk
Gimsu mit unserem TukTuk

Die Ankunft im Hotel uferte dann gleich Mal in zahlreiche „Aaahs“ und „Oooohs“ aus – schon der Eingangsbereich war ein Traum. André hatte nicht gespart und uns ein richtig schickes Hotel gebucht, Luxus pur! Zur Rezeption lief man erst einmal über einen kleinen Teich mit bunten Fischen, dann unter einer offenen Veranda bequeme Holzmöbel und trendiger Asia-Style: Buddha-Figuren, Bambusstäbe und bunt bestickte Kissen. Wir werden erst einmal mit einem erfrischenden kalten Tee und leckeren Nüssen begrüßt, während man uns die Annehmlichkeiten des Golden Temple Hotels schildert. Wir fühlen uns wie die Könige! Dann wird unser Gepäck auf`s Zimmer gebracht, in unseren „Double with Pool View“ Room, bei dessen Anblick wir gleich noch viel mehr in Freudentaumel ausbrechen (die Jana führt jedenfalls erstmal ein kleines Freudentänzchen auf) und uns auf das riesige Bett schmeißen. Den Abend verbringen wir dann bei einem geschmackvollen kambodschanischen Dinner und André weiht den fantastischen Pool ein. So ein bisschen Luxus nach Monaten der Entbehrung (was Hotelzimmer angeht) tut der Seele wirklich gut.

Die Lobby des Golden Temple Hotels
Die Lobby des Golden Temple Hotels

Der nächste Morgen dann voller Vorfreude: Da das Hotel tolle Tagestouren zu den schönsten und bekanntesten Tempeln rund um Siem Reap anbietet und diese per Tuk Tuk für nur 9 US$ den ganzen Tag auch mehr als erschwinglich sind, haben wir „unseren“ Fahrer, Gimsu, gleich Mal für 8 Uhr zum Hotel bestellen lassen. Das Frühstück kann man nur mit zwei Worten beschreiben: Ein Traum! Es gab 3 verschiedene Wahlmenüs, wir entschieden uns beide für das „Golden Temple 2“, welches folgende leckere Schmeckerchen für uns bereithielt: Bratei mit Schinken und Würstchen, Tomatensalat, Kartoffelrösti, gekochten Tomaten, einer Auswahl an Obst plus 2 Baguettes mit Butter und Marmelade. Ist das der Hammer???? Wir schlemmten also schon beim Frühstück, ehe wir zu Gimsu ins Tuk Tuk stiegen. Der fackelte angesichts unseres straffen Tagesprogramms nicht lange und düste direkt mit uns los. Ein Tag voller Abenteuer, Welterbestätten und vielen vielen Fotos:

 

Die erste Anlaufstelle für uns ist das Ticketcenter für Angkor. Dieses liegt ca. 2 Kilometer außerhalb von Siem Reap und man muss sich zwischen einem Tages-, bzw. Mehrtagesticket entscheiden. Da der Eintritt mit 20 US$ pro Person für kambodschanische Verhältnisse ganz schön happig ist und 2 Tage genau das Doppelte kosten und somit keine Ersparnis bringen, entscheiden wir uns zunächst also nur für das 1-Tages-Ticket. Fairerweise muss man sagen, dass jedoch im Eintrittspreis sämtliche Tempelanlagen Angkors enthalten sind, und das sind über Hundert an der Zahl. Soviele, wie man sowieso niemals auf einmal anschauen kann ohne einen Tempelkoller zu bekommen. Die Tickets sind sogar mit Foto, damit man seines auch garantiert nicht weiterverschenken, äh –kaufen kann. Unsere erste Station für heute ist der Banteay Srei Tempel, 30 Kilometer nördlich von Siem Reap. Schon die Fahrt dahin ist herrlich: Wir sitzen in unserem Tuktuk, lassen uns den Fahrtwind um die Nase wehen und genießen den Anblick der Felder, Palmen und Dörfer. Hier sieht es endlich wieder wie im richtigen Asien aus! Ein paar Affen sitzen auf der Straße und in den hübschen Dörfern, deren Häuser allesamt auf Holzstelzen gebaut sind, toben Kinder auf der Straße, Frauen kochen in Lehmöfen oder hängen ihr Wäsche auf und der Rest lümmelt im Schatten in riesigen Hängematten. Immer wieder bitte im Gimsu anzuhalten, damit ich aussteigen und ein Foto machen kann. Die Einheimischen sind im Gegensatz zu Vietnam super aufgeschlossen und herzlich. Sie winken und ich darf Fotos machen, ohne dass sie Geld dafür verlangen. Statt dessen freuen sie sich wie verrückt, wenn ich ihnen hinterher das Ergebnis auf dem Display zeige. Besonders die Kids sind so süß! Dabei leben die Familien in einfachsten Verhältnissen! Doch hier dürfen die meisten Kinder wenigstens noch Kinder sein und ausgelassen spielen und herumtollen!

Diese beiden Jungs hatten viel Spaß am Brunnen
Diese beiden Jungs hatten viel Spaß am Brunnen

In Banteay Srei stehen wir dann vor der ersten Tempelanlage für heute. Die lange Anfahrt von über einer Stunde hat sich gelohnt. Die Anlage, zwar kleiner als die meisten in Angkor, wird nicht umsonst als eine der schönsten und kunstvollsten bezeichnet. Der ursprüngliche Name des Tempels lautete Tribhuvanamahesvara („Großer Gott der dreifaltigen Welt“) und bezog sich auf eine Manifestation Shivas in der hinduistischen Überlieferung. Die „Zitadelle der Frauen“, wie Banteay Srei heute genannt wird, ist ein hinduistischer Tempel, erbaut 944–968, der der Gottheit Shiva gewidmet ist und ein paar der schönsten Steinschnitzereien der Welt beherbergt. Die in den Sandstein gemeiselten Gravuren sind dabei so filigran, dass man vermutete, dass sie nur von Frauenhand stammen konnten. Jeder Bildhauer hätte hier sicher seine wahre Freude daran. Mit seinen 3 Türmen mutet Banteay Srei ein wenig wie ein Mini-Angkor-Wat an, vor den Türen kauern mythische Wächter mit Menschleibern und Affenköpfen. Einziger Haken ist das wirklich sehr kleine Areal und die damit sich zu stark konzentrierenden Besuchermassen (da muss man schon mal 5 geschlagene Minuten für ein Foto warten, bis sämtliche Personen aus dem Bildausschnitt verschwunden sind).

Das Eingangstor von Banteay Srei
Das Eingangstor von Banteay Srei

Am Ausgang wartet Gimsu schon wieder auf uns und weiter geht die Fahrt, zurück in Richtung Siem Reap. Nächster Halt ist der „Pre Rup“, ein alter Krematorien-Tempel (benannt nach einem alten Beerdigungsritual „Turning the body“), der sich in seiner Bauweise komplett von seinem Vorgänger unterscheidet. Hier wurden grobe Ziegelsteine auf einer 12 Meter hohen Pyramide zu 5 Türmen aufgeschichtet, jede Himmelrichtung hat einen Eingang und in der Mitte führt jeweils eine steile Treppe zum höchsten Aussichtspunkt, zu Fuße des fünften und höchsten Turmes. Diese Architektur symbolisiert in ihrer Ausrichtung Harmonie mit Erde und Himmel, in ihrem Aufbau den ins Zentrum und nach oben führenden Weg zu den Göttern, die auf dem Berg Meru wohnen. Neben den Türmen befinden sich auf den unterschiedlichen Ebenen auch diverse Darstellungen von Narasimha, eine Inkarnation von Vishnu in Gestalt von halb Mensch, halb Löwe (Quelle: wikivoyage). Die Treppenstufen sind derartig steil, dass wir mächtig aus der Puste kommen, bis wir endlich oben angelangt sind. Dafür werden wir mit einem tollen Blick auf die umliegenden Wälder belohnt.

Die Türme von Pre Rup
Die Türme von Pre Rup

Inzwischen ist es Mittag und die Sonne brennt vom Himmel, aber dank des Fahrtwindes sind wir immernoch mächtig in Tempellaune. Zu Mal jetzt der, für uns, spannendste kommt, der Ta Prohm, der Dschungel-Tempel. Gimsu setzt uns am östlichen Eingang ab und wir flüchten zum ersten Mal in Kambodscha vor den bettelnden Kindern, die uns hartnäckig bis auf die Toilette folgen. Ich verteile ein paar Kugelschreiber und dann laufen wir zügig in Richtung Tempelgelände. Schon der Eingang wird von einer riesigen Tetramelaceae dominiert, einem Baum, der beinahe einen gesamten Gebäude-Komplex überwuchert. Sofort werden Erinnerungen an „Lara Croft: Tomb Raider“ wach. Nicht umsonst, denn Sequenzen des Filmes wurden tatsächlich hier gedreht. Das besondere von Ta Prohm ist, dass Wissenschaftler nach seiner Wiederentdeckung beschlossen haben, den Tempel in seinem Originalzustand zu belassen. Somit wurden nur einzelne der Steine ähnlich der Rekonstruktion der Frauenkirche Stück für Stück abgetragen und nummeriert. Der Großteil der Gebäude ist noch halb verfallen und unter Ästen von Würgefeigen und Tetramelaceae begraben. Wir klettern über Steinbrocken, pirschen durch dunkle niedrige Gänge – wer hier keine Abenteuerlust verspürt, ist selbst schuld. Da es keinerlei Einschränkung für die Begehung gibt, kann man in die noch so dunkelste Ecke krabbeln und dort, völlig überraschend, einen menschenleeren wunderschönen gemauerten Innenhof mit Felsreliefs entdecken. Man wäre das toll, wenn es hier einen verborgenen Schatz zu entdecken gäbe! Wir würden uns glatt weg auf die Suche danach machen. Alleine hier könnte ich Tage verbringen, so verwinkelt und geheimnisvoll ist das Gelände. Der Anblick, wie sich die Natur die Gebäude Stück für Stück zurückerobert hat, ist phänomenal.

2 thailändische Mönche auf Sightseeing-Urlaub im Ta Prohm
2 thailändische Mönche auf Sightseeing-Urlaub im Ta Prohm

Zurück am Tuktuk stärken wir uns mit ein paar Keksen und fahren weiter in die alte Hauptstadt Angkor Thom. Durch das Victory Gate, eines der 5 22 m hohen Zugangstore, die jeweils über einen 15 breiten Damm, flankiert von 54 steinernen Figuren, links Gottheiten, rechts Dämonen, zu erreichen sind, gelangen wir auf das Gelände. Jeder Torturm trägt nebeneinander drei Turmaufbauten mit großen Gesichtern („Das Lächeln von Angkor): Vom hohen mittleren Aufbau schaut ein Gesicht stadtauswärts, eines stadteinwärts; von den niedrigeren rahmenden Aufbauten schaut je ein Gesicht seitwärts. Die Toröffnungen selbst sind nur 7 m hoch und so schmal, dass gerade Mal ein Auto durchpasst. Vorbei an der Terrasse der Elefanten, fahren wir direkt bis zum Bayon, neben Angkor Wat die bekannteste und eindrucksvollste Tempelanlage. Markenzeichen dieser Tempelanlage sind die rund 200 bis zu 7 Meter hohen in Stein gehauenen Gesichter. Im Gegensatz zu vielen anderen Tempeln wurde der Bayon nicht wie manch andere zerstört, um an seiner Stelle einen neuen zu errichten oder die Steine für ein anderes Bauwerk zu benutzen, sondern immer wieder um Zubauten ergänzt. Am Ende der Bautätigkeiten ergab sich dadurch ein hochkomplexes Gesamtbild mit einer Vielzahl von Treppen, kleineren Tempeln, Säulengängen und oft sehr engen Wegen. Auch hier heißt es also Kraxeln und Klettern, bis sich immer wieder überraschende Buddha-Figuren und Altäre in Maueröffnungen finden. Besonders faszinierend sind auch die filigranen Steinreliefs mit historischen Erzählungen der Khmer.

Eines der Gesichter des Königs
Eines der Gesichter des Königs

Als wir nach über einer Stunde zurück zu Gimsu kommen, steht die Sonne schon tief und wir machen uns auf, zur letzten Station und dem Highlight der heutigen Tour: Angkor Wat, der größten und bekanntesten Tempelanlage in Angkor. Hier wollen wir später den Sonnenuntergang genießen, aber bis dahin ist noch eine Stunde Zeit. Zu unserer Freude entdecken wir vor dem Haupteingang ein hübsches neues Café. Das kommt gerade richtig, nach dem wir noch kein richtiges Mittagessen hatten. Wir ordern Frühlingsrollen und chinesische Teigtaschen, dazu eine kühle Coke und beobachten das bunte Treiben vor der Tür. Es tut gut zu sitzen, nach 4 Tempeln und knapp 6 Stunden auf den Beinen. Ausgeruht und frisch gestärkt können wir dann auch das Wahrzeichen Kambodschas bewundern. Just in dem Moment, als wir auf die Hauptanlage zugehen, kommt auch direkt die Sonne wieder zum Vorschein, die sich die letzte Stunde hinter dicken grauen Wolken versteckt hatte. Und da liegt nun also Angkor Wat direkt zu unseren Füßen, wie gemalt im Licht der Sonne, mit seinen lotusblüten-förmigen Türmen. Irgendwie kann man es gar nicht so richtig begreifen, wenn man plötzlich vor einem derartigen Wunder der Geschichte steht. Es geht uns so wie in Machu Picchu. Immer wieder müssen wir uns die Augen reiben oder uns kneifen. Ist das alles nur ein Traum oder sind wir wirklich da? Leider wird ein Teil der Front gerade renoviert, so dass ein ganzes Stück hinter grünem Bauzaun verschwunden ist, trotz dessen schmälert es unseren Eindruck nicht! Wir stehen hier vor einer der größten Tempelanlagen in Südostasien, das gesamte Areal misst 1,5 x 1,3 Kilometer (inkl. der umliegenden Wassergräben). Für den Bau wurden die Blöcke mit besonderen Schleifanlagen so bearbeitet, dass sie ohne erkennbare Zwischenräume aufeinandergesetzt werden konnten. Im Inneren geht es dafür vergleichsweise schlicht zu, einzig die an den Außenseiten liegenden Arkaden sind mit kunstvollen Steinreliefs geschmückt. Bis heute gibt es übrigens auch keine eindeutige Klarheit über den eigentlichen Zweck des Bauwerks, da es keinerlei schriftliche Aufzeichnungen aus dem historischen Angkor gibt. Geschrieben wurde damals auf Palmblättern, und diese sind, wie die Holzbauten der Menschen, dem tropischen Klima zum Opfer gefallen.

Angkor Wat in der Abendsonne
Angkor Wat in der Abendsonne

Pünktlich kurz vor 18 Uhr machen wir uns dann für den Höhepunkt des Tages bereit: Den Sonnenuntergang. In der inneren Anlage, direkt vor den 3 vorderen Türmen, befindet sich ein kleiner See und die bekanntesten Postkartenmotive zeigen stets, wie sich Angkor Wat im Licht der untergehenden Sonne in diesem See spiegelt. Natürlich haben sich auch schon dutzende andere Touristen kamerabewaffnet bereit gemacht, doch wir finden noch ein hübsches Plätzchen. Der Anblick ist einfach überwältigend und als wöllte uns die Wettervorhersage für heute Lügen strafen, erleben wir einen makellosen Sonnenuntergang. Die Türme von Angkor Wat verfärben sich nach und nach tiefrot und das stille Wasser des Sees liefert ein perfektes Spiegelbild. Da sitzen wir, mit offenem Mund, und können es nach dem hundertsten Foto immernoch nicht fassen. Wir waren tatsächlich da! Was für ein grandioser Tag!

 

Mehr schöne Fotos gibt´s in Kürze in der Fotogalerie - zur Zeit ist die Netzabdeckung zu schwach!

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Mo

28

Mär

2011

Ein paar Cocktails mit Onkel Ho – Fazit Vietnam

Es ist geschafft! Klingt das grausam, wenn ich sage: Endlich können wir Vietnam verlassen? Das ich drei große Kreuze im Kalender mache, weil es nun weiter nach Kambodscha geht? Und es geht nicht nur mir so! André sieht es ebenso. Vietnam hat uns, wie soll ich sagen, depri gemacht? Seit Tagen hängen wir müde in den Seilen, meist nur noch im Hotelzimmer, weil wir zu erschlagen von diesem Land sind. Nicht, weil uns die vielen schönen Eindrücke so überwältigt haben, sondern weil wir es leid sind, permanent und überall „angezapft“ zu werden. Die Sache mit der Bettelei und den Betrügereien hat man ja anfangs noch bewegt und ein wenig ängstlich zur Kenntnis genommen. Mittlerweile sind wir nur noch fassungslos, wie dreist die Einheimischen vorgehen. Das ganze Gesülze, von wegen „My friend, only for you, I have a good price, very cheap…“ Was für ein verlogener Schwachsinn. Ein paar Beispiele:

  1. Halbtagestour Hoi An: Hätten wir die Tour über unser Hotel gebucht, hätten wir pro Person 45 US$ berappen müssen, im kleineren Nachbarhotel haben wir nur 6$ bezahlt!
  2. Postkartenpreise: Die Standardkarte kostet 5.000 Dong, und wir kommen tatsächlich auf einen Markt, wo eine Frau 20.000 für das Stück haben will???
  3. Kinderbettelei in Hoi An: Da kommt tatsächlich ein ca. 10-Jähriges Mädchen auf uns zu mit den Worten: „You wanna buy something from me? Please, it`s Happy Hour, 2 for 1“ – da müssen selbst wir lachen, Happy Hour beim Souvenirkauf?
  4. Cyclo-Fahrer (Rikscha), eine wahre Begebenheit: Ein älteres Paar lässt sich zu einem örtlichen Markt bringen und handelt vorher einen festen Preis aus. Am Markt angekommen, bietet der Fahrer an, zu warten und sie anschließend wieder zurück zum Hotel zu bringen. Das Paar willigt ein, mit der Zusage, dass sich der Preis (logischerweise) verdoppelt. Als es zurück am Hotel ist, und der Mann sein Portmonee zückt, reißt der Fahrer das ganze Bargeld an sich und fährt davon!
  5. Taxifahrer (die meisten): Geben einfach kein Wechselgeld heraus – wir haben eine Strecke für 28.000 Dong (lt. Taxameter) zurückgelegt, haben aber nur einen 50.000 Dong-Schein. Was macht der Fahrer, er schnappt sich den Schein und fährt davon.
  6. Massagepreise: Wenn eine Stunde 12 $ kostet, warum kosten 30 Minuten dann 7 statt 6$ - oder noch abgebrühter: Wir hatten einen Gutschein für jeweils 5 Minuten Fußmassage. André wollte seine nicht einlösen und gab mir seinen Gutschein, damit ich 10 Minuten hätte. Daraufhin die Frau im Spa: Dann massieren 2 Frauen je einen Fuß für 5 Minuten???

So, diese Liste könnte man jetzt noch endlos fortführen. Was wir von anderen Reisenden gehört haben, hat uns zum Teil die Haare zu Berge stehen lassen. Folgendes Fazit bzw. folgende Hinweise haben wir also für zukünftige Vietnam-Reisende (wenn Euch unsere Berichte nicht zu sehr abgeschreckt haben):

  1. Nur die grün-weißen Taxen der Mailinh-Group nehmen! Also nicht mit dem erstbesten Fahrer, der Euch am Bahnhof, Flughafen etc. überrennt mitgehen und einsteigen, immer selbst einen Fahrer im wartenden Wagen ansprechen und darauf achten, dass er einen funktionierenden Taxameter hat – außerdem immer mehrere Scheine dabei haben, damit man passend zahlen kann, die Fahrer haben angeblich nie Wechselgeld dabei
  2. Handeln! Der von Einheimischen angebotene Preis für Waren liegt meist über 300% über dem, was es eigentlich kostet. Also handelt! Bis auf um die 40% des Ausgangsangebotes. Und wenn gar nichts mehr hilft, dann a) steckt die Geldbörse weg und geht, oder b) sagt, ihr habt das gleiche für folgenden günstigeren Preis von xy wo anders gesehen. Das gleiche gilt auch bei Hotelzimmern. Hartnäckig sein!
  3. Vorsicht vor allzu günstigen Ausflugsangeboten oder mysteriösen Reisebüros. Traut Eurem Instinkt und zahlt im Zweifel lieber ein klein wenig mehr, als dass am Ende der ganze gebuchte Ausflug ins Wasser fällt, weil a) entweder der Fahrer nicht kommt oder b) plötzlich ein ganz anderes Boot als gebucht angesteuert wird (passiert bei anderen in der Halong-Bucht) – vor allem Vorsicht vor Travelagenturen in Hotels!
  4. Stets folgendes mitnehmen: 1 Rolle Toilettenpapier, 1 kleine Flasche Handsanitizer und vielleicht ein paar Stifte für die Kinder
  5. Bettelnden Kindern nie Geld geben
  6. Temperaturen nicht unterschätzen! Gerade im Norden kann es bis auf 0 Grad abkühlen.
  7. Must-See: Hanoi, Sapa und Halong!
  8. Das Essen genießen! Es ist super lecker und sehr günstig – wenn nicht sogar das Beste am ganzen Land!
  9. Falls ihr tatsächlich vorhabt, mit dem Zug zu fahren, nehmt einen Schlafsack oder ein einfaches Baumwoll-Inlet mit (die Laken haben schon bessere Zeiten gesehen und die Wäsche ist meist nicht gerade frisch gewaschen, man weiß nie, wie viele Personen bereits vorher in diesem Bett geschlafen haben)
  10. Notiert Euch irgendwo auf einem Zettel das Wort "Toilette" auf vietnamesisch. Dieses Wort kennt nämlich niemand hier und da die meisten auch kein Englisch können, kann es gut vorkommen, dass man dringend muss und zunächst weder der Busfahrer anhält (mangels Verständnis) und wenn dann doch, man von einem Bein auf`s andere dämmernd der nächsten Restaurant-Besitzerin versucht zu verklickern, dass man jetzt sofort mal dringendst muss, sie jedoch weder "WC", noch "Klo" oder "Toilet", "Bano","Restroom" versteht, sondern nur ahnungslos lächelt und nickt, jedoch nichts passiert.

Unsere letzten Tage in Saigon haben wir demzufolge ruhig angehen lassen. Onkel Ho ist in Saigon, also in Ho Chi Minh City allgegenwärtig. Überall Hammer und Sicheln. Mit dem richtigen Vietnam hat Saigon jedoch nicht viel gemein. Die Stadt ist im Gegensatz zu Hanoi wesentlich moderner und fortschrittlicher (Kapitalismus vs. Kommunismus, das geht nur in Vietnam). Dafür fehlt dann aber auch der Flair der Gassen voll Garküchen, Verkaufsständen und fliegenden Händlern. Unser Hotel war zwar direkt in der Partymeile, dem Backpacker-Viertel gelegen, aber selbst zum Feiern waren wir zu müde. Statt dessen haben wir uns lieber ein paar leckere Cocktails ganz dekadent auf der Dachterrasse des Sheraton-Hotels gegönnt (man gönnt sich ja sonst nichts;-). Da saßen wir nun im 23. Stock, schlürften an unseren Drinks und blickten über das nächtliche Saigon. So richtige Abschieds-Wehmut, wie wir es sonst kennen, wenn wir wieder einem Land Lebewohl sagen müssen, wollte nicht aufkommen. Statt dessen nur ein schwaches Gefühl der Zuversicht, weil es nun endlich weiter geht. Zum Schluss noch eine typische Pho, eine vietnamesische klare Suppe mit Nudeln und Hühnchen, die Nationalspeise des Landes – Bye bye Vietnam, wir werden Dich (nicht) vermissen!

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Mo

28

Mär

2011

Nachtzug nach Saigon – eine Abrechnung

Das Reisen nicht immer das reinste Zuckerschlecken ist, haben wir ja schon ein paar Mal festgestellt. Dass es einen auch mitunter an seine Grenzen bringt, und man sich fragt: „Wozu das alles?“ – diese Situationen kennen wir jedoch erst so richtig seit Vietnam. Okay, liebe Leser, ihr werdet jetzt sagen, dass haben die sich ja schön selbst eingebrockt, die Suppe, und die müssen sie nun auch selbst auslöffeln, und damit habt ihr auch durchaus recht. Immerhin ist dies die Reise unseres Lebens und es war uns durchaus vorher klar, dass in diesen 6 Monaten nicht nur rosarote Wattewölkchen am Himmel schweben - nur warum man für viel Geld auf sich nimmt, in einem fernen Land am Existenz- und Standardminimum zu leben, dass wissen wir gerade selbst nicht mehr so richtig. Ja, okay, eine fremde Kultur zu bereisen, hat immer etwas Aufregendes. Wenn sich dabei aber gelegentlich Abgründe auftun, die einen die positiven Seiten beinahe vergessen lassen, dann sollte man eigentlich ganz laut und schnell „Stopp“ rufen. Doch was ist, wenn es kein Stopp gibt? Was, wenn man da durch muss, weil es keinen anderen Weg gibt? Ich habe lange überlegt, ob ich den folgenden Artikel einstelle. Ich habe ihn unmittelbar, ehrlich, aus der Situation heraus geschrieben. Er ist hart und sehr emotional und wer nur die Zuckerstückchen Vietnams kennenlernen möchte, sollte jetzt schnell weiter, zum nächsten Artikel, scrollen, aber für all die, die auch die ehrliche, unbeschönigte Seite dieses Landes sehen wollen, hier ist sie. Irgendwann, wenn wir wieder zu Hause sind, werden André und ich wahrscheinlich darüber lachen, aber in diesem Moment war mir nur zum Heulen zumute (Und entschuldigt bitte meinen Kesselflicker-Jargon, wenn ich in Rage bin, neige ich gern mal zu Übertreibungen):

 

Ich sitze im Zug von Nha Trang nach Saigon, es ist 22 Uhr und die wahrscheinlich schlimmste Nacht meines Lebens. Dies ist das Protokoll einer Nacht, wie sie kaum schlimmer hätte sein können, zumindest für mich. Es mag sein, dass Andere dies nicht so empfinden mögen, wenn sie diesen Artikel lesen, und sagen: Da gibt es doch noch viel Schlimmeres. Aber wer zu Hause auf dem gemütlichen Sofa sitzt hat gut lachen. Wer nicht schon einmal in einer solchen Situation war, der kann kaum nachvollziehen, was so in einem vorgeht. Wir haben uns wieder einmal den Nachtzug auserkoren, weil wir uns einmal Übernachtungskosten sparen wollten. Schlimmer als die vergangenen beiden Nächte im Zug und die Tagfahrt konnte es uns kaum treffen, dachten wir zumindest. Und wieder lehrte uns Vietnam, das es eben doch noch eine Steigerung nach unten geben kann. Zwar hatten wir uns bereits auf das Schlimmste gefasst gemacht, aber dass das dann auch eintreten würde, war uns nicht klar. Unser Zug sollte planmäßig um 20:33 Uhr abfahren und tatsächlich, pünktlich war er. Wir stiegen in unseren Waggon und suchten nach der Kabine – immerhin lagen dieses Mal nicht schon andere Leute in unseren Betten. Statt dessen bereits 3 Vietnamesen in den zwei unteren. Die oberen Betten waren natürlich weder unbenutzt noch frisch bezogen – immerhin gab es von der Schaffnerin ein „frisches“ Laken. Auf meine Frage nach neuem Bettzeug schüttelte sie nur unwirsch den Kopf. Wir „bezogen“ unsere Betten, dabei wurde uns natürlich das ganze Ausmaß der versifften um die 100 Jahre alten Matratze bewusst und versuchten uns, so gut es eben ging, für die Nacht einzurichten. Hinter André krabbelten ein paar Käfer an der Wand entlang, die er tapfer mit dem Klopapier vernichtete. Gerade als ich das Licht ausmachen wollte, fing die alte Frau unter uns plötzlich an zu husten. Es wurde schlimmer und schlimmer, sie röchelte und jammerte die ganze Zeit und wir beide waren felsenfest der Überzeugung, dass sie uns jeden Moment im Abteil abkratzen würde. Das würde morgen früh in Saigon ein Durcheinander mit der Polizei geben. Dann zog sie immer wieder die gesamte Spucke hoch und entleerte sich würgend in einen kleinen Eimer auf dem Tisch neben ihrem Bett. Wir reden hier von einer 4-Bett-Kabine im Nachtzug, das heißt von 4 m² mit 5 Menschen auf engstem Raum!!! Ich bin eh schon erkältet und es ist nicht gerade angenehm, der Alten die ganze Zeit zuzuhören. Selbst Ohropax und Augenklappe versagten uns hier ihren Dienst. Ihre Tochter, die mit ihr auf der 90 cm Pritsche schläft, rieb ihr irgendwann den nackten Rücken mit Eukalyptus ein, doch es half alles nichts. Sie röchelte weiter. Lautstark. Ich saß auf dem oberen Bett und versuchte mich zusammenzureißen. Das alles konnte doch nur ein schlechter Traum sein. Doch der sollte noch 6 Stunden anhalten. Immerhin funktioniert heute die Klima – man muss ja versuchen, überall das Positive zu suchen. Dafür bläst sie dermaßen, dass ich im Rollkragen-Pulli dasitze. Irgendwann reichte mir das Ganze und ich zog samt meiner benutzten, schmutzigen, uralten Bettdecke auf den Gang um. Nun sitze ich hier auf dem dreckigen Fußboden, mein ganzer Körper juckt, wahrscheinlich habe ich mir schon Flöhe von den widerlichen Betten eingefangen. Ich beginne Vietnam abgrundtief zu hassen. Dieses Land ist der allerletzte Scheiß, mit seinem ganzen Müll, den Menschen, die spucken und kotzen und auf die Straße urinieren. Die zwischen ihrer Pisse sitzen und essen und sämtliche Überreste wieder auf die Straße werfen. Die nicht in der Lage sind, in ihre besch… Klos zu pinkeln, so dass ringsherum eine riesige Pfütze schwimmt, in die man unweigerlich treten muss, wenn man selbst in die Öffnung treffen will. Ich hasse es, mir ständig und überall die Hände desinfizieren zu müssen, bevor ich etwas anfasse, weil einfach alles so verdammt mistig ist, in diesem Land. Ich habe keinen Bock mehr, mit Einheimischen Kranken auf engstem Raum zusammengepfercht die Nacht zu verbringen. Reisen soll den Horizont erweitern und toleranter machen – im Moment bin ich nur voll von Abscheu und Ekel! Wer Vietnam als schön empfunden hat, der ist ganz offensichtlich nie mit dem Nachtzug gefahren. Klar, im klimatisierten Reisebus von A nach B chauffiert zu werden und nur die schönen Seiten des Landes gezeigt bekommen, das hat schon was. Aber ich habe genug von negativen Grenzerfahrungen. Ich habe genug von heruntergekommenen Hotelzimmern mit Schimmel an den Wänden und verdreckten Handtüchern. Ich habe es satt, überall der dumme Tourist zu sein, den man ständig und überall versucht, über`s Ohr zu hauen. Den man permanent für blöd zu verkaufen versucht und der, wenn man sich wehrt, dann auch noch bedroht wird (dem Omaner hat man tatsächlich mit seinem Tod gedroht, als er einen Ausflug bei einer Reiseagentur stornieren wollte)! Es mag Traveller geben, die auf solche Erfahrungen stehen. Die dann hinterher zu Hause stolz davon berichten, in der hinterletzten Absteige für einen Dollar gepennt zu haben. Ich gehöre jedenfalls nicht dazu. Ich mag ein sauberes Zimmer, mit einem sauberen Bett und einem sauberen Klo. Ich weiß, wir haben uns das Alles selbst ausgesucht – aber von diesen Bedingungen war nicht die Rede. Wie kann ein Land, das offensichtlich vom Tourismus lebt, Touristen so behandeln? Wie können Menschen selbst permanent dazu beitragen, ihre eigenen Straßen zu verdrecken? Ich habe keine Antworten darauf und weiß nur eines: Mir reicht es. Ich habe versucht, diesem Land eine Chance zu geben, ihm etwas Positives abzugewinnen, es schönzureden. Wir haben uns alle erdenkliche Mühe gegeben, auf die Menschen zuzugehen. Jetzt ist es genug. Ich will nach Hause!

 

Das Gute zum Schluss als Nachtrag: Ja, wir haben die Nacht alle überlebt. Auch die alte Frau. Wir haben die Zähne zusammengebissen und irgendwann erlöst einen die Müdigkeit von all dem Elend. Als wir am Morgen wach wurden, war Saigon und ein sauberes Hotel schon greifbar. Ich sage nur so viel – sämtliche Sachen wanderten erst einmal in die Reinigung und der Körper unter die Dusche. Nach einer ganzen Flasche Duschbad und einer halben Flasche Shampoo sah die Welt schon wieder ein klitzekleines bisschen besser aus.

Eine fertige Jana nach einer desaströsen Zug-Nacht (der Platz zwischen Kraxe und Kissen ist übrigens mein Schlafraum)
Eine fertige Jana nach einer desaströsen Zug-Nacht (der Platz zwischen Kraxe und Kissen ist übrigens mein Schlafraum)
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Mo

28

Mär

2011

Nicht wirklich nah dran in Nha Trang…

…sondern weit gefehlt vom Badeparadies, ist der Ballermann Vietnams. Eine weitere „berauschende“ Nachtzugfahrt von Da Nang aus (dieses Mal mit Einheimischen im Abteil und bereits benutzten Betten – als wir ins Abteil kamen, lagen tatsächlich schon Leute in unseren Kojen, die dann zwar umgehend vor uns und der Rache des Schaffners flüchteten, jedoch benutzte Wäsche hinterließen) brachte uns in das vielgepriesene Küstenstädten. Sonne satt, Palmen, Cocktails und ein bisschen gediegen am Strand chillen, so hatten wir uns Nha Trang ausgemalt. Statt dessen nieselt es bei der Ankunft, der Himmel ist, wie beinahe immer in Vietnam, wolkenverhangen – einzig die Außen-Temperaturen sind zum ersten Mal halbwegs annehmbar. Unser Hotel, diesmal fest in russischer Hand, liegt nur einen Steinwurf vom „Traumstrand“ entfernt – okay, wenn man Albena (Bulgarien) oder Playa del Ingles (Gran Canaria) mag. Der Strand ist ganz Schwarzmeer-mäßig mit Plattenbauten im tiefsten DDR-Retro-Style zugebaut.

Der Strand von Nha Trang (die Plattenbauten links vom Bildausschnitt habe ich aus ästhetischen Gründen außen vor gelassen)
Der Strand von Nha Trang (die Plattenbauten links vom Bildausschnitt habe ich aus ästhetischen Gründen außen vor gelassen)

Okay, ein paar Palmen gibt es und auch ein paar Beachclubs, die sich wohl aber auf älteres männliches europäisches Klientel mit junger Einheimischer begnügen zu scheinen. Warum hier alles bis heute sowohl in vietnamesisch als auch in russisch ausgeschrieben ist, ist uns bis heute ein Rätsel. Laut Reiseführer war Vietnam wohl lange sehr eng mit der Sowjetunion verbunden??? Außerdem gab es wohl in der Nähe einen russischen Marinestützpunkt. Wir haben keine Ahnung. Somit begnügen wir uns damit, dass durchaus komfortable Hotelzimmer zu nutzen und zwei Mal die Strandpromenade hinauf- und hinunterzuschlendern, um schon nach kurzer Zeit im ersten annehmlich aussehenden Straßencafé mit Wifi-Anschluss zu versacken und bei ein paar Cafe Latte und diversen Frühlingsrollen, Suppen und Chickengerichten die Zeit bis zur Weiterreise totzuschlagen. Außer Spesen nix gewesen in Nha Trang – wer wie wir von Traumstränden aus Fiji und Australien kommt, und gleichzeitig die herrlichen Strände Thailands kennt, wird hier einfach nur herb enttäuscht sein!

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Mo

28

Mär

2011

Schlemmertage in Hoi An

Wenn man Vietnam eines lassen kann: Dann ist es das in der Tat famose Essen. Da wir bereits vor der Reise gehört hatten, dass sich die Speisen sehr stark von denen Thailands unterscheiden (und wir die Thai-Küche lieben), waren wir anfangs etwas skeptisch, was sich allerdings schnell zerstreut hat. Mittlerweile ordern wir immer und überall sämtliche Spezialitäten der Karte, auch wenn wir weder lesen können, worum es sich handelt, noch wissen, was da gerade drin verarbeitet wird. Und man muss sagen: Wir wurden nie enttäuscht! Da es sich meistens um kleinere Portionen handelt, kann man viele verschiedene Gerichte probieren – vieles wird mit Schwein und Hühnchen zubereitet, als eine Art Geschnetzeltes, dazu Zitronengras, Pilze, Sojasprossen, Paprika, Nüsse und Zwiebeln. Dazu wird Reis serviert und es geht überraschend mild zu. Egal wo wir gespeist haben und wie heruntergekommen die Lokalität auch immer war, es hat immer hervorragend geschmeckt – nur an Tofu kommen wir immer noch nicht so richtig heran. Dafür habe ich meine Leidenschaft für Frühlingsrollen entdeckt, die es hier sowohl frisch (meist mit Shrimps) oder frittiert (entweder vegetarisch oder mit Hühnchen) gibt. 

Besonders auf den Märkten gibt es viel frisches Obst
Besonders auf den Märkten gibt es viel frisches Obst

Den Höhepunkt unserer Asia-Schlemmertour bildete nun überraschenderweise Hoi An. Das herzige kleine Städtchen, von der UNESCO als Weltkulturerbe geschützt, hat uns vor allem durch eines begeistert – es war so gar nicht vietnamesisch. Statt dessen französisch-europäischer Charme, mehrCôte d'Azur als Kommunismus. Alte, romantische Villen, malerische kleine Hotels und dazu venezianische Kanäle mit farbenfrohen kleinen Booten. Noch fast verschont vom touristischen Bauboom, sollte man Hoi An noch jetzt besuchen – ich mag mir nicht ausmalen, wie es in 10 Jahren aussieht, nachdem sämtliche internationalen Investoren darüber gewalzt sind und diese liebliche kleine Stadt dem Erdboden gleich gemacht haben. Die ersten Anzeichen dafür sieht man schon in Da Nang, hier reiht sich an der Strandstraße ein 5 Sterne Resort ans andere, lieblos, ohne Charme, da könnte man genauso gut nach Tunesien oder in die Türkei fahren. In Da Nang ist der lokale Flughafen sowie der einzige Bahnhof in der Nähe, eine nichtssagende Stadt, die lediglich dazu dient, anzukommen und sofort per Minibus oder Taxi weiter bis Hoi An zu fahren. Im Gegensatz zu Hue hat Hoi An bereits jetzt eine überraschend hohe Zahl an Besuchern – jedoch meist welche der älteren Generation, die per Luxus-Bus in der 2-wöchigen Standard-Vietnam-Rundreise hergekarrt werden. Auch fühlen sich hier offensichtlich Auswanderer ganz wohl. In den vielen Galerien und Restaurants haben wir manchen Aussie entdecken können. Gleichzeitig gibt es wohl keine vietnamesische Stadt, die so viele Schneidereien hat. Vom Maßanzug bis zum Hochzeitskleid kann man sich hier alles auf den Leib schneidern lassen.

Das hübsche Örtchen Hoi An
Das hübsche Örtchen Hoi An

Wir haben uns bei unserem knapp 3-tägigen Aufenthalt jedenfalls fast ausschließlich damit begnügt, uns durch die lokalen Köstlichkeiten zu futtern, und die beinhalten noch wesentlich mehr Spezialitäten, als es der Rest des Landes aufwarten kann. Die wohl bekanntesten dabei sind wohl „White Rose“ (kleine mit Schweinefleisch oder Shrimps gefüllte Reistaschen in Form einer Rose), „Cao Lao Noodle“ (eine Art Suppe mit dicken Nudeln, Schweinefleischscheiben, Sojasprossen und Salat mit Gewürzen) und „Wan Tans“ (Taschen aus Weizennudelteig mit diversen Füllung). Gleich in der Nähe vom Ortszentrum haben wir direkt am ersten Abend ein fantastisches kleines Restaurant entdeckt, der Besitzer ebenfalls ein Australier, und haben direkt zum Probieren die halbe Karte bestellt. Einen derartigen Gaumenschmauß haben wir selten erlebt. Wir haben ungelogen über 2 Stunden nur gegessen, angefangen von Knoblauchbrot und Cao Lau Noodle, über Fried Chicken with Chili and Lemongrass, Deep Fried Spring Rolls, White Rose und Kürbissuppe bis hin zu gebackener Banane mit Schokoladensauce als Dessert. Und das alles für zusammengerechnet 10 €!!! Hinterher sind wir dann schwerfällig zurück in Richtung Hotel gerollt (das Restaurant „White Lotus“ haben wir dann prompt noch gleich ein weiteres Mal besucht).

Bei den vielen Restaurants fällt die Auswahl schwer
Bei den vielen Restaurants fällt die Auswahl schwer

Am schönsten ist Hoi An jedoch bei Nacht. Wenn in der Dämmerung hunderte Lampions anfangen zu leuchten, sich die alten Häuser im Wasser des Kanals spiegeln und alle Stühle draußen vor den Restaurants belegt sind, weil der Anblick einfach zu schön ist. Die japanische Brücke, die schmalen Gassen, der wilde Wein, der jedes Mäuerchen überwuchert – bei Nacht durch die Straßen zu schlendern und dem bunten Treiben auf den Märkten zuzusehen, hat etwas.

Hoi An bei Nacht
Hoi An bei Nacht

Ja, und wer trotz oder gerade wegen dem vielen Essen etwas Bewegung braucht, der kann einen Halbtagesausflug zu den Ruinen von My Son machen. Das „Angkor Wat“ Vietnams besticht durch alte, geheimnisvolle, meist verfallene und wild bewachsene Cham-Ruinen, allerdings stapeln sich hier die Touristen, da muss man sich eine Ruine schon mal gut und gerne mit 50 anderen Besuchern teilen. Sehenswert ist es trotzdem und für den Preis von 6$ pro Person ist die Halbtagestour durchaus lohnenswert (wenn man nicht unmittelbar vorher im richtigen Angkor Wat war, dann dürfte My Son einen eher nicht mehr vom Hocker reißen).

Die Ruinen von My Son
Die Ruinen von My Son

Mehr Pics gibt´s wie immer hier.

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Sa

26

Mär

2011

Eine Zugfahrt, die ist lustig, eine Zugfahrt, die ist ….

Okay, nach dem wir nun bereits 3 Nachtfahrten im Zug in Vietnam hinter uns gebracht haben und alle mehr oder weniger erträglich waren, dachten wir: Boah, was sind schon läppische 2 Stunden von Hue nach Da Nang bei Tag? Ein bisschen lesen, aus dem Fenster schauen, sich der Landschaft erfreuen… Aber weit gefehlt! Immer dann, wenn man denkt, es kann eigentlich nicht mehr schlimmer gehen, dann schafft es Vietnam doch, dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen. Vielleicht sollte das Ganze auch schon mal eine Hardcore-Probe für Indien werden. Ich weiß es nicht. Fakt ist, wir haben noch nie in unserem Leben zwei derartige Stunden in einem Zug verbracht. Aber fangen wir am besten von vorne an. Bereits bei unserer Ankunft in Hue hatten wir gleich in vermeintlich weißer Voraussicht, die Zugtickets nach Da Nang gebucht. Bei der Auslastung und dem letzten Nachtzug von Hanoi, erschien uns das nur sinnvoll und so trafen wir also am heutigen Morgen pünktlich zur Abfahrt am Bahnhof in Hue ein. Die Wartehalle wie immer proppenvoll mit vietnamesisch-bunt-gewürfelten Einheimischen, dazwischen ein paar wenige Backpacker wie Rosinen im Rohkostsalat. Planmäßig hätte um 10:50 Abfahrt sein sollen, irgendwann war es 11:30, jedoch immernoch kein Zug weit und breit zu sehen. Wobei ich fairerweise sagen muss, dass in Vietnam eigentlich alle pünktlich sind, daher waren wir hier schon etwas verwundert. Als der Zug dann tatsächlich einfuhr, begann die übliche Rennerei. Viets mit riesigen Kisten stürmten die Eingänge der einzelnen Waggons. Das Motto „Erst raus, dann rein“ kennt hier keiner, Aussteigende werden einfach beiseite gedrängelt oder kurzerhand mit dem eigenen Gepäck wieder ins Abteil hineingedrückt. Zu unserem Glück war an unserem Waggon eine zweite Tür aufgeschlossen und ehe wir uns versahen, wollte man auch uns abdrängen. Offensichtlich halten die Züge hier nur eine bestimmte kurze Zeit, egal ob es alle hinein oder hinaus schaffen. Aber nicht mit uns! Wir haben gleich mal zurückgedrängelt. In Vietnam muss man sich wehren, wenn man sich alles gefallen lässt, steht man als Touri echt dumm da! Da hilft nur eines: Die gute Erziehung über Bord werfen und zum Tier mutieren. Gesagt, getan und so standen wir zumindest kurze Zeit später im Abteil. Immerhin hatten wir Platzkarten, der gesamte Zug war nämlich proppenvoll. Mit uns im Abteil ca. 6 weitere Traveller plus weitere 50 Einheimische, inklusive plärrende Kinder. Auf dem Boden der Müll der vergangenen Nacht, inkl. Hühnchenknochen, Altflaschen, Spuckefäden. Auf den Sitzen zugekleckerte Bezüge und alte Decken. Bloß nicht mit der Haut in Berührung kommen, war mein erster Gedanke. Und ja nichts mit den Fingern anfassen. Um uns herum, Alte, barfuß, die schmatzend ihre Instant-Nudelsuppe in sich hineinschlürften. Eine Mutter mit 3 Kindern, die schon als Babys offensichtlich entweder an Reizblasen- oder Reizdarmsyndrom litten – sie mussten nämlich permanent auf`s Klo. 

Wat mut, dat mut - da wird das Zugabteil schon mal mit Töpfchen zum Klo umfunktioniert
Wat mut, dat mut - da wird das Zugabteil schon mal mit Töpfchen zum Klo umfunktioniert

Und wie macht man das als Mutter, wenn man 3 Kinder hat, eines mal muss und man die anderen jedoch nicht aus den Augen lassen will? Genau, man bringt ein Töpfchen mit und lässt die Kinder ihr Geschäft einfach im Abteil verrichten! Ich war kurz davor, das leckere Frühstück in den Gang zu kotzen – doch das hätte den Geruch auch nur noch schlimmer gemacht. Nicht genug, dass im Abteil geraucht wurde und irgendwer neben der Klima mit Gas hantierte – es stank mächtig gewaltig. Fassungslos saß ich also auf meinem Sitz, auf der äußersten Kante wohlgemerkt und versuchte Andrés Worte zu verinnerlichen: „Lerne das zu akzeptieren, was Du nicht ändern kannst.“ Also tief durchatmen und, wie Tommy Jaud immer so schön sagt, auf Gemüsemodus schalten, sprich, alles andere ausblenden. Nur 2 Stunden, nur 2 Stunden, unser Mantra. Wenn das noch der teure Zug für immerhin 56.000 Dong die Strecke war, wie sollte es dann in den noch günstigeren Zügen geschweige denn in den öffentlichen Bussen zugehen? „Gesellschaftsstudie“ nennt es der Lonely Planet. Und tatsächlich, die Einheimischen zu beobachten, war ein Kapitel für sich. Da wird in der Nase gebohrt, mit dem Zahnstocher die Reste der vergangenen Woche aus den fast-schwarzen Zähnen gepult (warum sich jetzt noch die Mühe machen, frage ich mich), da wird gerotzt und gehustet, geschnarcht und geglotzt. Und wir mittendrin. „Na, vielleicht doch einen Kaffee, Tee oder ein Hühnerbein“ kommt der Bordservice durch den Waggon. Irgendwann mussten wir dann beide nur noch lachen. Mit Humor erträgt sich alles gleich viel leichter. 2 Stunden später waren wir endlich da. Ich war noch nie so erleichtert, aus dem Zug auszusteigen. Was für eine Fahrt! Es fehlten wirklich nur noch die gackernden Hühner im Gang…

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Sa

26

Mär

2011

Hue, Hue, wir fahren nach Hue (und in die verbotene Stadt)

Ich gebe es zu: Die vergangenen Tage in Sapa haben mich rückwirkend ganz schön fertig gemacht. Ich, mit meinem stark ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit, tue mich immer verdammt schwer damit, das Unglück anderer Leute zu verdauen. Das spukt mir dann gut und gerne für eine halbe Ewigkeit durch den Kopf und lässt mir keine richtige Ruhe. Aber was kann man tun? Immerhin kann ich nicht alle armen Kinder dieser Welt retten. Aber vielleicht eines oder zwei? Vielleicht doch zu Hause mal eine Patenschaft abschließen? Ich gebe auch zu: Ich mag Angelina Jolie nicht besonders. Seit dem sie Brad Pitt Jennifer Aniston ausgespannt hat, ist sie bei mir unten durch. Man mischt sich nicht in bestehende Beziehungen ein! Dennoch, immerhin hat sie mit ihren Adoptionen Kindern eine Chance auf ein gutes Leben gegeben, was sie vielleicht sonst nicht gehabt hätten. Das kann man jetzt sehen wie man will, von wegen: Lieber spenden als adoptieren. Lieber die Kinder in ihren Familien vor Ort lassen. Aber was ist, wenn da keine Familie ist? Oder, wie wir es leider zum Teil in Vietnam erlebt haben, die Eltern ihre eigenen Kinder oftmals nur als Mittel zum Zweck des Geldverdienens verwenden? Dann doch lieber adoptieren? Das schlimmste ist – Touristen werden sich nie ändern. Erst neulich habe ich ein paar Rentner gesehen, die Kindern gegen Geld Postkarten abgekauft haben. Es mag der gute Wille sein, der dahinter steht, aber genau das ist falsch! Wie soll es jemals besser werden, wenn es bereits an der nötigen Aufklärung mangelt? Okay, jetzt habe ich mich etwas in Rage geredet – wir haben uns jetzt jedenfalls angewöhnt, den Kindern wenigstens eine Banane zuzustecken, wenn man schon den traurigen Augen nicht nachgeben darf.

 

Von Hanoi ging es also per Nachtzug weiter in Richtung Hue. Weit aus weniger luxeriös als nach Sapa, aber immerhin annehmbar. Nach einem relativ entspannten Tag in der Hauptstadt mit etwas Sightseeing (One Pillar Pagoda, Literaturtempel) – meine zweiLieblingsfotos dieses Tages möchte ich gleich Mal hier präsentieren: -

Mein #1 Shot in Vietnam - Straßenfriseur in Hanoi
Mein #1 Shot in Vietnam - Straßenfriseur in Hanoi
Mittagspause
Mittagspause

fielen wir relativ schnell in unsere Zug-Kojen und auch schnell in einen tiefen und festen Schlaf. Der Morgen dann eine wundervolle Überraschung: Sonne und blauer Himmel. Zum ersten Mal in Vietnam! Gespannt harrten alle Zuggäste an den Fenstern der Dinge, vorbei ging die Fahrt an Reisfeldern, hübschen Häuschen, Palmen und roter Erde. Auch die Ankunft in Hue, der alten Hauptstadt, eine kleine Atempause: Endlich mal keine Horden von Taxi-, Rikscha- und Motobike-Fahrern, die sich auf einen stürzen, sobald man das Bahnhofsgebäude verlässt. Und schlau wie wir sind, fahren wir ja jetzt nur noch mit den weiß-grünen Taxen – die haben nämlich einen fairen Taxameter und bescheißen zu 90 % nicht. Die Fahrt durch die Stadt ging entlang des Parfüm-Flusses (der Name sollte nicht allzu wörtlich genommen werden, geschweige denn dazu verleiten, ein kleines Bad zu nehmen) direkt zum Hotel. Mit dem Namen „Romance“ wollten wir nach 4 Nächten bibbern, frieren und Zugabteilen endlich mal wieder einen Hauch von Hygiene, Warmwasser und einem richtigen Bett spüren. Der Check In erfreulich – angenehme Zurückhaltung des Personals, was Verkaufsgespräche angeht, statt dessen ein kühler Begrüßungstee und der direkte Gang in unser Zimmer. Für 30 € (für uns zusammen wohlgemerkt) ein Traum. 2 Tage nun also, um die Highlights der Stadt zu erkunden. Den ersten Tag haben wir glatt weg mal damit verbracht, das Badezimmer zu blockieren und im riesigen Bett mit sauberen (!) Bezügen eine ordentliche Mütze voll Schlaf nachzuholen.

Blick über Hue von der Aussichtsterrasse im 11. Stock unseres Hotels
Blick über Hue von der Aussichtsterrasse im 11. Stock unseres Hotels

Dafür stand der zweite Tag ganz im Zeichen vom Sightseeing, zu Fuß ging es vom Hotel aus über den Fluss zunächst zur Dieu-De-Nationalpagode. Okay, Hue macht es einem nicht gerade leicht, seine Sehenswürdigkeiten ausfindig zu machen, es gibt wirklich kaum Beschilderungen und die kostenlosen Stadtpläne von den Hotels sind ein Witz, dafür gibt es aber auch kaum Touristen! Die erste Pagode hatten wir daher gleich mal ganz für uns allein. Wir streiften durch den Garten und bestaunten das farbenfrohe Gebäude mit den tief rosa blühenden Azaleen – nebenan streiften Mönche umher. Überall auch hier präsent das Symbol der Swastika – im Buddhismus und Hinduismus ein Jahrtausende altes Zeichen für Gesundheit und Glück – auf den ersten Anblick zwar etwas gewöhnungsbedürftig, weil man es leider auch mit dem Hakenkreuz-Symbol assoziiert – aber dieses Zeichen kennen wir schon aus den Tempeln in Japan und Hongkong.

Ich mag Räucherstäbchen - hier in der Nationalpagode
Ich mag Räucherstäbchen - hier in der Nationalpagode

Von der Dieu-De-Pagode führte unser Weg dann weiter in Richtung Zitadelle – auf der ruhigeren Nordseite des Flusses gelegen. Die Zitadelle – umgeben von einer 10 km langen und 2 m dicken Mauer, beherbergt innerhalb einer weiteren, inneren, Zitadelle (ebenfalls umgeben von einer Mauer) das Herzstück von Hues Geschichte, die alte Kaiserstadt. Ihr müsst Euch vorstellen: In die Zitadelle führen 10 Tore, jedes an einer Brücke, die so schmal ist, dass alle nur als Einbahnstraße genutzt werden, weil gerade Mal ein Auto hindurchfahren kann. Wenn nun aber über 100 Motorroller auf einmal durch dieses winzige Tor fahren wollen, dann passiert Folgendes: Sie bleiben stecken. Genau. Und das für ein paar Minuten, bis sich der ganze Knäuel dann Zentimeter für Zentimeter mit Gehupe und Getöse langsam weiterbewegt. In jeder deutschen Stadt wäre hier längst eine Massenpanik ausgebrochen, nicht aber unter Vietnamesen. Da ist immer noch Zeit für eine Zigarette oder ein Plausch am Handy – während man den Nebenmann versucht abzudrängen, versteht sich. Und wir mussten da zu Fuß durch!!!

Nur keine Panik!
Nur keine Panik!

Endlich in der inneren Zitadelle angelangt, war ich einfach nur überwältigt. André hat ein neues Wort dafür kreiert – er bezeichnet mich als „tempelgeil“. Okay, ich konnte noch nie an einem Tempel einfach vorübergehen, ohne hineinzusehen, und hier war ich nun in meinem Element. Daher kann ich gut damit leben. In der inneren Zitadelle, der Kaiserstadt, befinden sich nochmals über 100 Gebäude in immer weiteren ummauerten Komplexen. Leider sind aufgrund des Vietnam-Krieges nur noch ca. 20 vorhanden, ein Teil wird restauriert, von den meisten sind nur noch Steinreste sichtbar. Das Ganze in einer einmaligen Mischung aus Alt und Neu, wunderschöne Tore, Malereien, gemauerte Erker und Fenster – alleine jeder Mauerdurchbruch weist ein anderes Muster auf. Dazwischen Seen, Pagoden, Pavillons, Tempel, Arkaden – ein Traum für jeden Archäologen. Es ist wie ein einziges Märchen. Jedes Mal, wenn ich durch eines der riesigen Tore schritt, öffnete sich das nächste geheimnisvolle Areal, mal mit Lianen überwachsen und Unkraut überwuchert, dann mit farbenfrohen wundervollen Blumenornamenten und Drachenmotiven. Hunderte Parks im Park, ein einziges Labyrinth, das mich gefangen genommen hat und nicht mehr losließ.

Hinter diesen Türen werden Märchen war
Hinter diesen Türen werden Märchen war

André hat sich dann irgendwann im Schatten niedergelassen, während ich, mit der Kamera bewaffnet, umherstreifte um immer neue Wege zu erforschen, noch mehr kleine Tempel zu entdecken und mich völlig in der Zeit verlor. Was hätte ich dafür gegeben, in der Zeit zurückreisen zu können und das Treiben im 18. Jahrhundert zu erleben. Meine Fantasie ging mit mir durch und malte sich Kaisergeschichten aus. Märchen von einsamen, hübschen Prinzessinnen, die sich in riesigen Gärten verliefen, ehe sie von tapferen Prinzen gerettet wurden.

Zu welcher Prinzessin führt dieser Gang?
Zu welcher Prinzessin führt dieser Gang?

Von der verbotenen Purpurstadt ist dafür leider nicht viel übrig. Zu massiv waren die Zerstörungen im Krieg. „Verboten“ deshalb, weil sie als Residenz des Herrschers nur von Eunuchen betreten werden durfte. Dafür gibt es immer noch genug weitere, alle völlig verschiedene Anlagen, die jede für sich sehenswert sind und Beschäftigung für viele Stunden geben. André jedenfalls hatte nach 2 Stunden genug von meinen permanent entzückt, entrückten Ausrufen „Oh“ und „Ah“ und „Ist das schön hier“ und „Hast Du das gesehen?“ – der Hunger trieb uns ins nächste Taxi und zur letzten Station, der Thien-Mu-Pagode. Der 21 Meter hohe, achteckige und siebenstöckige Turm ist das Wahrzeichen Hues und steht auf einer kleinen Anhöhe über dem Parfüm-Fluss. Da es bereits später Nachmittag war, waren wir auch hier fast allein (wenn man von den kitschigen Souvenir-Buden und ein paar ziemlich penetranten Bootsanbietern absieht). Selten habe ich so viele Mönche und Nonnen gesehen, viele hatten verschieden farbige Kutten an – von hellblau, über orange, rot bis hin zu braun. Es herrschte ein geschäftiges Treiben im Tempel und immer wieder hallte der Klang der Glocke über das Gelände.

Junger Mönch in der Thien-Mu-Pagode
Junger Mönch in der Thien-Mu-Pagode

Bis zum Hotel nahmen wir uns dann wieder ein Taxi – ein ganzer Tag Fußmarsch reichte – und da hatten wir noch nicht einmal die ganzen spannenden Kaisergräber in der weiteren Umgebung von Hue besichtigt. Aber diese mussten wir aufgrund der Entfernungen leider außen vor lassen (wer mag, sollte sich hier ein Taxi nehmen, die Beschilderung ist zu schlecht, um sich selbst auf den Weg zu machen! Besonders sehenswert muss das Grab von Khai Dinh sein!). Noch ein nettes Abendessen in unserem neuen Stammcafé „Hot Tuna“ um die Ecke –dabei mal wieder ein paar Bevölkerungsstudien über Menschen und Motorroller in Vietnam und schon neigte sich auch unser Hue-Aufenthalt wieder seinem Ende entgegen und wir mussten schweren Herzens unser „Deluxe“-Hotelzimmer wieder hergeben.

3 sind (lt. vietnamesischen Ansichten) nicht genug auf einem Motorroller
3 sind (lt. vietnamesischen Ansichten) nicht genug auf einem Motorroller

Die restlichen Pics gibt`s hier.

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Di

22

Mär

2011

Black Hmong, Red Dzao und Tay

“You wanna buy something from me?” Diesen Satz werden André und ich garantiert nie mehr vergessen. 2 Tage in Sapa, im Reich der Bergvölker Vietnams, lassen einen wieder einmal an der Gerechtigkeit der Welt zweifeln und bringen einen garantiert schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Menschen zu begegnen, die nichts besitzen, als die Kleider, die sie am Leib tragen und dennoch so unverwechselbar freundlich und, ganz offensichtlich, glücklich sind, ist hart, und man sollte sich darauf einstellen, wenn man in den Norden Vietnams, an die Grenze Chinas, fährt. Großartig sollte Sapa sein, der Ausgangspunkt für Trekkingtouren in eine sagenhafte Landschaft. Hohe Berge, malerische Reisterrassen und dazu die farbenfrohe Kleidung der Bergvölker. Ein bunter Topf voll Highlights für Touristen. Vom schalen Beigeschmack, den das Ganze hat, wenn man am 5 Sterne Hotel vorbeiläuft und daneben Frauen im Dreck sitzen und ihre Waren feil bieten, hat keiner was gesagt. Auch hat uns keiner gesagt, dass kleine Kinder, mit noch kleineren auf dem Rücken, mit verrotzten Nasen, schmutzigen Gesichtern und tränenden Augen flehend vor einem stehen, und einen anbetteln, etwas zu kaufen oder Geld zu geben. Davon, dass ihre Eltern sie jeden Tag losschicken, in zerlumpten Sachen, während sie selbst handgearbeitete farbenfrohe Waren zum Verkauf bieten. Wie viel ist davon echt, haben wir uns gefragt, und wie viel Show? Dennoch trifft es einen bis ins Mark, in traurige braune große Kinderaugen zu schauen und dennoch hart bleiben zu müssen – Geld geben macht es nur noch schlimmer! Wenn man am liebsten eines der Kinder mit nach Hause nehmen, es in die Badewanne stecken, ihm anschließend die Haare kämmen und frische Sachen anziehen möchte. Trockene. Neue. Und es anschließend in den Arm nehmen, ihm über den Kopf streicheln und sagen möchte: „Alles ist gut!“ Davon redet keiner, wenn er aus Sapa kommt. Dabei ist Wegschauen unmöglich. Die Frauen und Kinder begleiten einen ununterbrochen, jeden Schritt. Dabei die immer gleiche monotone Bitte „You wanna buy something from me?“ Sapa sind Gegensätze. Auf der einen Seite weit entwickelter Tourismus, auf der anderen Seite die ärmsten Menschen des Landes. Wer Sapa bereist, sollte sich im Klaren darüber sein, Grenzerfahrungen zu sammeln. Und, dieses Mal flehe ich Euch an: Wenn ihr einmal da seid, kauft nichts von den Kindern und gebt ihnen auch kein Geld! Je mehr Geld die Kinder verdienen, desto eher werden sie weiterhin von den Eltern losgeschickt. Es scheint grausam, ist aber die einzige Möglichkeit. Wenn, dann kauft ihnen etwas zu essen, oder zu trinken. Aber bitte bitte: gebt ihnen kein Geld!

Zu Besuch bei den Bergvölkern Vietnams
Zu Besuch bei den Bergvölkern Vietnams

Vom ET Pumpkin-Büro ging es also noch am gleichen Tag unserer Rückkehr von Ha-Long zunächst zum Bahnhof von Hanoi. Mit uns in der Gruppe zwei supernette Amerikanerinnen, Kathy und Jeanne, mit denen wir uns auf Anhieb blendend verstanden. Das Taxi schaffte es tatsächlich mal ganz direkt und ohne Umwege uns zur richtigen Adresse zu bringen, aber, der Haken kam noch, der Fahrer wollte uns natürlich den kompletten Fahrtpreis berechnen. Sofort wurden wir wieder hellhörig – die Fahrt sollte laut Agentur im Reisepreis enthalten sein, d.h. der Fahrer hätte bei Abfahrt vom Büro eigentlich direkt bezahlt werden müssen. Wahrscheinlich will er einfach nur doppelt abkassieren und wir lassen uns auf keine Diskussionen ein und ich erkläre ihm freundlich aber bestimmt, dass er sich bitte an das Büro von ET Pumpkin wenden soll. Dann lassen wir ihn einfach stehen und laufen in Richtung der Abfahrtshalle. Per Zug geht es nun hinauf ins vietnamesische Bergland nach Lao Cai. Die ganze Nacht. Unsere erste in einem Schlafwagen. Und, im sogenannten „Softsleeper“ erstaunlich bequem und luxeriös.

Unser Schlafwagen
Unser Schlafwagen

Und Von Lao Cai (Endstation) dann noch einmal eine Stunde per Bus bis nach Sapa – von den Reisterrassen war angesichts der tiefhängenden Regenwolken und der Sichtweite unter 5 Metern nichts zu sehen. Zum Glück war ich zu müde, um die gefährlichen Überholmanöver auf der schmalen Bergstraße zu bemerken. Als ich dann irgendwann endlich verschlafen aus dem Fenster blicke, sind es nur noch 4 Kilometer und ich versuche in all den Nebelschwaden etwas von der Umgebung zu erkennen. Bereits als wir das erste Hotel ansteuern wollen, ist der Bus plötzlich umringt von Frauen in bunten Trachten. Das letzte Stück rennen sie laut schreiend neben dem Bus her und als sich die Türen öffnen, umringen sie sofort jeden Aussteigenden. Auch als wir dann irgendwann als letzte vor unserem Hotel ausgeschüttet werden, ergeht es uns nicht anders. Schnell rein ins Hotel, scheucht uns der Portier vor sich her. Ignorieren lautet das Zauberwort. Das erste, was uns auffällt, als wir den ersten Schock überwunden haben, ist die unglaubliche Kälte hier. Das Sapa der kälteste Ort in ganz Vietnam ist, wusste ich, aber so? Bibbernd und zitternd beziehen wir unsere Zimmer (ohne Heizung! In Sapa gibt es beinahe nirgendwo Heizungen). Schnell unter die warme Dusche – der Manager hat kurz das heiße Wasser angedreht. Die Zimmer sind spartanisch, aber sauber und zweckmäßig. Nach dem Frischmachen gibt es erst einmal ein deftiges Frühstück in der Lobby. Kathy und Jeanne sitzen schon in ihre dicksten Jacken gemummelt (man sieht beim Reden die Atemwolken!) vor einer dampfenden Tasse Tee und wir bestellen Pfannkuchen und Omelett. Der Tagesplan für heute sieht noch eine kurze Tour ins nächste Bergdorf vor, wir sind froh, dass es heute noch nicht in die Vollen geht. Das Wetter ist dermaßen ungemütlich, so dass wir lange vor noch mehr Tee (unser Hauptnahrungsmittel in Sapa) zusammenhocken und Reiseerfahrungen austauschen.

Gedränge am Auto
Gedränge am Auto

Nach dem Frühstück ist etwas Zeit zur freien Verfügung, ehe es auch schon wieder Lunch gibt und anschließend auf die Tour geht. Sämtliche warmen Sachen übereinander gezogen starten wir wie die Michelin-Männchen zur 3-Stunden-Wanderung. Draußen ist von der Umgebung immer noch nichts zu sehen. Wir laufen mit unserem Guide, einer jungen Einheimischen, zunächst über den lokalen Markt, zu unserem Schrecken gibt es hier tatsächlich Hund zu kaufen (ja, zum Essen!)! Das frische Obst und Gemüse sieht aber ganz okay aus. Bis zum Cat Cat Village, einem der Bergdörfer, welches für den Tourismus zugänglich gemacht wurde, sind es ca. 45 Minuten zu Fuß bergab, eine steile schlammige Straße, auf der uns immer wieder Motorbikes begegnen. Mit uns läuft jetzt noch eine ältere Franko-Kanadierin, die ebenfalls sehr sympathisch ist. Bereits seit dem wir das Hotel verlassen haben, sind wir sofort wieder umringt von ein paar Frauen der Black Hmong, die uns direkt versuchen, in ein Gespräch zu verwickeln und uns die ganze Zeit begleiten. Am Eingang zum Village zahlt man dann einen kleinen Eintrittsbetrag, der hoffentlich den Bewohnern zu Gute kommt. Das ganze Dorf ist an einen steilen Hang gebaut und bei gutem Wetter sollte man einen fantastischen Ausblick auf die umliegenden Reisterrassen haben. Wir sehen jedoch…Nichts! Gerade einmal die Umrisse der direkt am Weg stehenden Häuser sind zu erkennen. Holzhäuschen trifft es wohl eher. Auf dem gepflasterten Weg kommen uns sofort Kinder entgegen, manchen singen, andere strecken uns die Zunge raus.

Kinder in Cat Cat
Kinder in Cat Cat

Ich frage unseren Guide, was der Singsang der Kinder bedeutet. Sie erklärt mir lachend, es bedeute auf vietnamesisch „Gib mir tausend Dollar!“ Was es da zu lachen gibt, ist mir ein Rätsel. Generell scheint sie das Ganze ziemlich locker zu sehen. Auf unsere Frage, wie es so für sie ist, als Einheimische das Leid ihrer eigenen Mitbewohner zu sehen, antwortet sie nur ausweichend und zuckt die Schultern. Das sei eben so. Ein paar Stände am Wegesrand verkaufen Schals, Tücher, Armreife und selbstgenähte Taschen. Die Farben sind freundlich und leuchten im dichten Nebel. Überall müssen die Kinder mit ran. Die gesamte Landarbeit, der Reisanbau wird hier noch von Hand gemacht. Die Menschen nutzen lediglich Wasserbüffel. Während die Jungs bei der Landarbeit mit anpacken müssen, werden die Mädchen losgeschickt, um zu betteln oder einfache gebastelte Puppen und Schmetterlinge zu verkaufen. Eines der Mädchen ist so unfassbar schmutzig und regelrecht hartnäckig, dass sie uns den Weg versperrt, ehe wir nicht etwas von ihr kaufen. Offensichtlich hat sie noch ihre kleine Schwester dabei, die Kleine ist dermaßen verdreckt, sie zieht die Nase hoch und versteckt sich hinter ihrer älteren Schwester. Jeder von uns wird plötzlich ganz still, wir schauen uns betroffen an, die Franko-Kanadierin versucht dem Mädchen über den Kopf zu streicheln und ihr die Nase abzuwischen. Plötzlich hockt sie sich auf den Weg und pullert uns direkt vor die Füße. Unfassbar. Irgendwann frage ich die junge Frau, die uns begleitet, nach einer Toilette. Und bin entsetzt. Das folgende Foto, als Dokument der örtlichen Zustände, möchte ich Euch daher nicht vorhalten. Kein Wunder, dass hier alle Kinder krank sind!

Das stille Örtchen
Das stille Örtchen

Irgendwann erreichen wir auf unserem Abstieg die Talsohle und dort befindet sich das zweite Dorf. Neben einem Wasserfall befinden sich hier noch mehr Verkaufsstände – und auch wesentlich mehr Touristen, was noch mehr Kinder auf den Plan ruft. Wir können keine Minute stehen bleiben, sind permanent umringt von den Kleinen. Viele von ihnen sind maximal 5 oder 6 Jahre alt und tragen die ganze Zeit auch noch kleine Babys auf dem Rücken. Es sind so viele und wir sind fassungslos, wie selbstverständlich das Ganze für sie ist. Viele von ihnen haben sich entsprechende Taktiken zurecht gelegt, wenn andere Touristen ein Foto machen wollen, drehen sie die Köpfe weg. Erst wenn man bezahlt, stellen sie sich in Pose. Es ist erschreckend, wie abgebrüht bereits kleinste Kinder sind. Immer wieder muss ich mir den dicken Kloß im Hals wegdrücken und wenn ich mir die anderen anschaue, kämpfen so einige mit ihrer Fassung und den Tränen. Und daneben zücken reiche Touristen ihre teuren Spiegelreflexkameras. Im Dorf ist auch ein französisches Ehepaar mit zwei kleinen Kindern. Ich frage mich, wie diese den haarsträubenden Unterschied zwischen arm und reich wahrnehmen. Kann man schon als Kind begreifen, wie gut man es eigentlich hat?

Jeanne schwer in Bedrängnis
Jeanne schwer in Bedrängnis

Den Weg zurück kann, wer will und zu müde ist, sich per Motorbike fahren lassen. Wir beschließen zu laufen und alle reden wild durcheinander, um das gerade Erlebte zu verdauen. Wasserbüffel kommen uns auf der Straße entgegen und die erste Begegnung mit diesen riesigen Wesen auf der schmalen Straße ist ein wenig beängstigend. Doch die Tiere laufen langsam einfach an uns vorüber. Ich frage mich, was nun morgen auf uns zukommen wird, wenn wir noch mehr Bergdörfer besichtigen werden. Rings um Sapa leben hauptsächlich 3 der Bergstämme: Black Hmong, Red Dzao und Tay. Alle haben ihre verschiedenen typischen Trachten und leben hauptsächlich vom Reisanbau. Die Tour morgen soll 12 Kilometer lang sein und durch 3 der bekanntesten Dörfer gehen. Hoffentlich wird das Wetter besser. Unsere kompletten Sachen sind klatschnass und die Haare kleben uns an den Köpfen. Unser Guide grinst mich nur an: „Your hair is so wet!“ Ich weiß. Zurück im Hotel springen wir erstmal wieder unter die Dusche und versuchen anschließend unsere Sachen mit dem Fön zu trocknen. Alles ist klamm und riecht modrig. Kein Wunder bei all der Feuchtigkeit und den kalten Temperaturen. Zum Abendessen ziehen wir wieder alle unsere dicksten Jacken an – selbst in der Lobby, welche gleichzeitig das Restaurant des Hotels ist, gibt es keine Heizung und immerhin stellt man uns einen kleinen elektrischen Heizstrahler neben den Tisch. Da hilft nur wieder ein heißer Tee. Das Essen im Hotel ist überraschend gut, es gibt unglaublich gute Frühlingsrollen und die Kürbissuppe ist einfach fantastisch. Lange sitzen wir mit Kathy und Jeanne zusammen und schwatzen, die Beiden sind super zu verstehen und dank der letzten 4 Monate können wir uns beinahe fließend Englisch mit ihnen unterhalten. Jeanne ist ebenfalls schon weit gereist und kann uns viel über Indien und Nepal erzählen. Beide haben schon erwachsene Kinder und leben in Dallas. Einer von Jeannes 3 Söhnen arbeitet zur Zeit in Uganda für ein Hilfsprojekt. Sie selbst ist Lehrerin für immigrierte Kinder, Kathy ist Leiterin einer Bibliothek. Beide schauen auch unheimlich gerne Filme und wir diskutieren sämtliche Filme des vergangenen Jahres, bis wir gegen 21 Uhr müde und halb erfroren zurück in unser, noch kälteres, unbeheiztes Zimmer kehren und unter die dicke Bettdecke krabbeln (Jeanne und Kathy haben sich für 7$ einen kleinen Heizstrahler mit auf`s Zimmer genommen).

Achtung Wasserbüffel
Achtung Wasserbüffel

Der nächste Morgen hält eine Überraschung für uns bereit. Zum dichten Nebel hat sich nun auch noch strömender Regen hinzugesellt. Toll oder? Wir packen unsere Sachen, vor dem Start der heutigen Tour müssen wir noch auschecken. Wir treffen Kathy und Jeanne zum Frühstück und überlegen, was wir bei dem Wetter anstellen können. Auf die 12 Kilometer Tour hat im Regen keiner Lust und die Beiden haben netterweise schon mit dem Hotelmanager gesprochen, ob wir die ganze Tour nicht einfach im Jeep machen können. Natürlich ist das möglich – in Vietnam ist alles (gegen einen entsprechenden Aufpreis) möglich. Zum Glück soll uns das Ganze nur 2,- € mehr pro Person kosten, was uns akzeptabel erscheint. Erst später bemerken wir, dass nicht die komplette Tour per Jeep stattfinden wird, sondern wir nur zu einem späteren Startpunkt gebracht werden. Naja. Dann mal los. Kathy und Jeanne haben noch Regencapes für alle im Ort erstanden („very cheap“) und so geht es um 10 Uhr auf Tour. Schließlich gibt es bekanntlich kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung. Aus dem Jeep ist mittlerweile ein Kleinbus geworden und mit uns ist heute, neben der Kanadierin, noch ein Malaysier mit seiner Tochter unterwegs.

Black Hmong - unsere stetigen Begleiter
Black Hmong - unsere stetigen Begleiter

Wir verlassen Sapa auf einer schmalen Straße und jeder größere Gegenverkehr stellt einen Kraftakt dar. Da wird gehupt was das Zeug hält, ausgestiegen, und die Fahrzeuge schließlich in Maßarbeit aneinander vorbeimanövriert. Nach einer guten halben Stunde hört endlich der Regen auf und unter uns sind endlich die ersten Reisterrassen zu erkennen. Begeistert bitten wir den Fahrer, für einen kurzen Fotostopp anzuhalten und springen aus dem Bus. Endlich kann man die ganze landschaftliche Schönheit Sapas erkennen. Die Terrassen reichen bis ins Tal hinunter, dazwischen kleine Holzhäuschen und ein paar Menschen, die emsig hin und her wuseln. Kurz darauf ist Stopp für den Bus und es heißt Aussteigen und Losmarschieren. Sofort sind wir wieder von einer Traube Black Mhong umgeben, die sich um uns scharen und uns begleiten wollen. „How old are you?“, „Where are you from“ und „What`s your name“ wollen sie wissen, die einzigen Sachen, die sie in Englisch kennen (neben „You wanna buy something from me“, versteht sich). Mit uns laufen so noch um die 10 Frauen, alle mit bunten Tüchern um den Kopf und einem großen Korb auf dem Rücken. Kathy und ich kommen wieder ins Gespräch, André ist mit Jeanne schon ein Stück vorgelaufen. Auf dem Weg hinunter ins Tal kommen uns immer mehr Einheimische entgegen, unter anderem auch eine hübsche Frau der Red Dzao. Sie ist gerade frisch verheiratet und hat sich zur Feier des Anlasses den Schädel rasiert. Auf dem Kopf trägt sie statt dessen ein hübsches rotes Tuch mit Kordeln und Fransen.

Reisterrassen
Reisterrassen

Der Weg führt uns in der Talsohle vorbei an kleinen Holzhäuschen, umgeben von noch mehr Reisfeldern. Die Berge rings herum hängen immer noch in einer dichten Wolkenwand, aber es regnet nicht mehr! Als wir in das erste Dorf kommen, sind sie auch schon wieder da, die Kinder. Es gibt wieder das übliche Prozedere: Foto nur gegen „money“, na gut, dann lassen wir es eben bleiben. Einige kleinere tragen wieder bei der Kälte von um die 0° nur ein dreckiges T-Shirt und laufen barfuß!!! Sie spielen mit Steinen und Hölzern vom Wegesrand. Der Weg ist schlammig vom Regen der vergangenen Tage und immer wieder müssen wir über kleine Bäche und große Pfützen springen. Die einheimischen Frauen reichen uns hilfsbereit ihre Hände. Sie tragen in weiser Voraussicht Gummistiefel – wir haben unsere Hosen gleich mal direkt in die Socken gesteckt. Abundzu kommen uns ein paar andere Wandergruppen entgegen und alle haben wieder eine Traube der Hmong um sich. Offensichtlich ergeht es nicht nur uns so. Fasziniert schaue ich immer wieder auf die Reisfelder, der ganze Anbau ist eine wahre Wissenschaft für sich, denn der Reis muss im fließenden Wasser stehen und die Geschwindigkeit des Wassers muss exakt stimmen. Andernfalls würden sich (bei zu langsamem Fließen) Algen bilden bzw. (bei zu schnellem) die Reispflanzen fortgeschwemmt werden. Wenn die Landschaft jetzt schon so toll ist, kann ich mir gut vorstellen, wie fantastisch sie bei Sonne sein mag.

Kathy muss ein Flüsschen überqueren
Kathy muss ein Flüsschen überqueren

Nach gut 2 Wanderstunden kommen wir in das zweite Dorf, dort geht es schon wesentlich touristischer zu. Die Einheimischen betreiben neben dem Reisanbau auch noch weitere Landwirtschaft und so gibt es an kleinen Verkaufsständen am Wegrand auch Chilichoten und verschiedene Salate. Bei einer jungen Frau will ich einen bunten Schal als Andenken mitnehmen und wir liefern uns einen erbitterten Kampf um den Preis. Sie will umgerechnet zuerst 9,- € dafür haben, was ich mit einem ungläubigen Lachen quittiere. Dann beginnt das übliche Tamtam: „It`s very cheap, a good price, only for you” will sie mir den Kauf schmackhaft machen. Ich dagegen lamentiere: „Too much, too much“ und setzte die Hälfte des Preises an. Daraufhin guckt sie nun ganz entsetzt aus der Wäsche und jammert, wie „cheap“ ihr Preis doch schon sei. Der Schal jedenfalls stammt nicht mal von ihrer eigenen Handarbeit sondern kommt garantiert aus der nächsten Fabrik und schließlich ziehe ich den schlussendlich immer wirksamen letzten Trumpf aus dem Ärmel: Geldbörse wegstecken, gehen und sagen „Then I buy it somewhere else“. Und siehe da, ganz geschäftig holt sie plötzlich einen Beutel, packt mir den Schal ein und ich gebe ihr die 100.000 Dong. Es ist überall dasselbe.

Ein bisschen Würze für die Suppe des Lebens
Ein bisschen Würze für die Suppe des Lebens

Gegen 14 Uhr kehren wir zur Mittagsrast in einem kleinen Gasthaus ein. Es ist gleichzeitig eine Manufaktur und hinter unserem Tisch stellen Männer von Hand wunderschöne Holzmöbel her. Auf den Tisch kommen frische Tomaten und Gurken, Bananen und Orangen, Hühnerbeine, Brot und Käse. Das tut gut. Dazu der mittlerweile schon obligatorische heiße Lipton-Tea mit Zitrone. Die Black Hmong, die uns tatsächlich den gesamten Weg bis hierher begleitet haben, warten derweile weiter vor dem Restaurant. Unser Guide für heute, selbst eine Black Hmong, sitzt draußen bei ihren Stammesgenossinnen. Wir spekulieren, wie es nach dem Essen auf dem Rückweg zum Auto weitergehen wird, schließlich können wir nicht von jedem der Mädchen etwas kaufen. Der Malaysier jedenfalls langt ordentlich bei den Souvenirs zu. Für schlappe 240.000 Dong (8,- €) deckt er sich mit ein paar der traditionell karierten Tücher ein. Das Essen jedenfalls ist wunderbar und wir sind super happy, dass das Wetter heute so gut mitgespielt hat. Anscheinend haben einige der anderen Gruppen ihre Touren aufgrund des schlechten Wetters gecancelt, denn sonst wäre wahrscheinlich wesentlich mehr Betrieb gewesen. Ich bin jedenfalls heil froh, dass wir, trotz Kälte und anfänglichem Regen gestartet sind, obwohl wir am Morgen so überhaupt keine Lust dazu hatten. Dieser Tag ist wirklich einer der besten unseres bisherigen Vietnam-Aufenthaltes.

Viele der Hmong-Frauen tragen ihre kleinen Kinder auf dem Rücken
Viele der Hmong-Frauen tragen ihre kleinen Kinder auf dem Rücken

Die Strecke bis zum Auto ist dann nur noch ein Katzensprung. Mittlerweile hat sich der Himmel wieder etwas mehr zugezogen und es beginnt wieder zu nieseln. Unsere Hosen sehen übel mitgenommen aus und nur André hat seine beige Trekkinghose, dank seines ganz eigenen Laufstils, überraschend sauber gehalten. Die Hmong-Frauen haben ihre Taktik nun von freundlich und still in aggressiv und laut geändert und bombardieren uns fortwährend monoton mit „You wanna buy something from me?“ Als würde man nach dem 20sten Anlauf schwach werden. Dabei umzingeln sie uns regelrecht und ihre Gesichter sind längst nicht mehr so freundlich wie den ganzen bisherigen Weg. Irgendwann reicht es selbst dem geduldigen André und nach dem er sehr laut und deutlich gesagt hat, dass wir nichts kaufen, lassen sie uns plötzlich in Ruhe. Wir laufen vorbei an ein paar hübschen Homestays – einige der Reiseagenturen bieten mehrtägige Trekkingtouren mit Übernachtung in einem einheimischen Dorf an – was sicher, bei schönem Wetter und angenehmeren Temperaturen – eine einmalige Erfahrung sein muss. Wir freuen uns dann doch lieber wieder auf das Hotel und eine Dusche.

Tay-Frauen mit Neugeborenem
Tay-Frauen mit Neugeborenem

Am Parkplatz dann nochmal riesige Menschentrauben. Offensichtlich sind gerade ein paar andere Reisegruppen angekommen und sämtliche Dorfbewohner haben sich auf die Neuankömmlinge gestürzt. Gut für uns, sind die Frauen so abgelenkt in ihren Verkaufsgesprächen, dass wir beinahe unbehelligt schnell vorüber gehen können. Der Bus wartet ein paar hundert Meter weiter bergauf und wir plumpsen erleichtert und geschafft in die Sitze. Zurück im Hotel machen sich Kathy und Jeanne dann wieder auf die Suche nach einem der wenigen beheizten Kaffees und überlassen uns freundlicherweise ihr Zimmer für eine heiße Dusche. Angesichts der beiden kommenden Übernachtungen im Zug, die uns nun als nächstes bevorstehen, eine wirklich gute Idee. Frisch gewaschen und in trockene Sachen gepackt werden wir dann um 17 Uhr pünktlich am Hotel abgeholt und es geht zurück in Richtung Lao Cai. Dort hat uns die Agentur noch ein Abendessen im Restaurant versprochen. Die Lokalität, ein einfaches Bahnhofsrestaurant, sieht zwar nicht gerade vielversprechend aus, aber das Essen ist einfach super. Es gibt das vietnam-übliche Essen, Chicken bzw. Schwein mit Gemüse, Chili und etwas Zitronengras. Dazu Reis und ein warmer Tee – was will man mehr?

Unser nettes Grüppchen (2.v.l. die Kanadierin, rechts daneben erst Kathy und im Hintergrund links neben André Jeanne
Unser nettes Grüppchen (2.v.l. die Kanadierin, rechts daneben erst Kathy und im Hintergrund links neben André Jeanne

Der Zug fährt pünktlich um 20:00 Uhr ab und dieses Mal teilen wir uns sogar ein Abteil mit Kathy und Jeanne. Lange liegen wir noch wach und schnacken über die vergangenen beiden Tage. Jeanne kramt in ihren klammen Sachen – wir haben unsere Schlafsäcke gleich lieber in weißer Voraussicht in Plastiktüten verstaut. André ist längst eingeschlafen, als ich das Licht ausmache – morgen haben wir nun noch einmal einen ganzen Tag in Hanoi, ehe wir abends, wieder per Nachtzug, weiter gen Süden, nach Hue fahren werden. Der Ausflug nach Sapa jedenfalls war einfach toll! Auch wenn wir gefühlte Gefriertruhen-Temperaturen hatten (was wahrscheinlich auch daran liegt, dass wir nach 7 Wochen Fiji und Australien mit um die 30° einfach nichts mehr gewöhnt und richtige Weicheier geworden sind!), und auch wenn uns die Begegnung mit den ärmsten Völkern des Landes mehr als betroffen gemacht hat, waren die vergangenen 2 Tage, auch dank der Gesellschaft von Kathy und Jeanne, ein unvergessliches Reiseerlebnis für uns.

Definitiv der mit Abstand Beste aller Nachtzüge
Definitiv der mit Abstand Beste aller Nachtzüge

Dafür sollte sich der Morgen in Hanoi dann noch zu einer echten Herausforderung entpuppen. Nach einer erholsamen Nacht in unserem mehr als komfortablen Softsleeper-Waggon, kommen wir gegen 5 Uhr morgens am Bahnhof in Hanoi an. Weise wie wir als geübte Traveller inzwischen sind, steigen wir natürlich nicht in eines der direkt an den Gleisen stehenden Taxis und geben auch keinem der herumstehenden und sehr bemüht wirkenden jungen Männer unser Gepäck in die Hand – sondern steuern zielstrebig auf den Ausgang und den Bahnhofsvorplatz zu. Und natürlich haben wir inzwischen gelernt, dass man immer selbst einen im Wagen wartenden Taxi-Fahrer anspricht und nicht einfach mit dem Erstbesten mitgeht. Kathy und Jeanne sind, glaube ich, ganz dankbar, dass wir mit von der Partie sind, und die Sache in die Hand nehmen. Der erste Fahrer will dann tatsächlich 10 US$ von uns haben, woraufhin André und ich erst einmal in beherztes Gelächter ausbrechen. Bei einem Normalpreis von maximal 2 € soll das wohl ein Witz sein???? Als ich ihm sehr deutlich zu verstehen gebe, dass wir keine Volldeppen sind und niemals 10$ zahlen werden, wird er richtig aggressiv. Erst geht er vermeintlich auf 60.000 Dong runter, was immernoch zu viel ist, dann will er uns ein kleineres Fahrzeug andrehen, in das wir Vier niemals unser gesamtes Gepäck hineinbekommen. Ich drehe mich von ihm weg und will ein anderes Fahrzeug anhalten, doch jedes Mal wenn eines stoppt, kommt er sofort angerannt und hämmert wütend solange gegen deren Fenster, bis sie ängstlich weiter fahren. Das darf doch wohl nicht wahr sein! Offensichtlich haben wir es hier richtig mit der Taxi-Mafia zu tun. Kathy und Jeanne stehen etwas unschlüssig und verängstigt da, offensichtlich wollen sie aus Unbehagen lieber doch das teure Taxi nehmen, doch ich gebe noch nicht auf. „Don`t trust him“ rufe ich und nach dem der Typ sage und schreibe 5 weitere Taxen vertrieben hat, laufe ich einfach ein Stück weiter die Straße hinunter. Plötzlich hält er wieder mit seinem Auto neben mir, öffnet den Kofferraum und will mir das Gepäck aus der Hand reißen. 80.000 Dong, sagt er und jetzt reicht es mir. Ich schreie ihn an, dass er auf der Stelle verschwinden soll und wir garantiert in keinen seiner Wagen einsteigen werden. Als ein weiterer Wagen kommt, folge ich ihm einfach, so lange bis wir aus der Sichtweite des Mafiosos sind und das Taxi endlich anhält. Eilig winke ich André und die beiden Frauen zu mir und endlich können wir unbehelligt in den Wagen steigen, der uns zügig durch die leeren Straßen Hanois zum Hotel fährt. Kathy und Jeanne haben uns netterweise noch angeboten, in ihrer Hotellobby zu warten, bis die ersten Geschäfte und Coffeeshops öffnen und so sitzen wir die letzten Stunden unserer Tour noch zusammen, tauschen Mailadressen und die Reisepläne der kommenden Tage aus und sind traurig, uns schon wieder voneinander verabschieden zu müssen. Gefühlt kamen uns die beiden Tage wie Wochen vor und nach all den intensiven und langen Gesprächen ist es, als würden wir die Beiden schon eine Ewigkeit kennen. Nach einer herzlichen gegenseitigen Einladung nach Dallas bzw. Dresden trennen sich dann leider unsere Wege – zu gerne wären wir noch ein paar Tage mehr zusammen gereist. Aber so ist es nun mal auf einer Weltreise.

 

Noch mehr der schönsten Impressionen aus Sapa findet ihr hier.

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Di

22

Mär

2011

Yippieh - Wir feiern Jubiläum!

Und zwar den 5.000 Besucher auf unserer Weltreise-Page! Ihr lieben, treuen Leser unseres Blogs, wir danken Euch von ganzem Herzen, dass ihr uns so fleißig in den vergangenen 4 Monaten auf unserer Reise begleitet habt und ihr bei meinen, zugegebenermaßen, manchmal unendlichen Geschichten nicht irgendwann die Lust zum Lesen verloren habt. Wir hätten niemals gedacht, dass wir so viele Besucher haben würden und erfahren nur immer wieder vom Hören-Sagen bzw. von Google Analytics, wie weit unsere Leserschaft weltweit reicht. Danke! Natürlich werden wir Euch auch weiterhin mit spannenden Stories aus der großen, weiten Welt versorgen und hoffen, dass Euch das Lesen Spaß macht und wir Euch so die Highlights unserer Erde ein Stück näher bringen und Euch vielleicht auch das ein oder andere Schmunzeln beim Lesen auf`s Gesicht zaubern können. Auf jeden Fall freuen wir uns weiterhin immer riesig über Feedback zu Artikeln und Fotos und natürlich über Einträge ins Gästebuch. Jeder Gruß von zu Hause ist etwas ganz Besonderes für uns. Wir denken an Euch und vermissen unsere Heimat! Und jetzt werden wir erstmal ordentlich auf die 5.000 anstoßen!

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So

20

Mär

2011

Im Land des Drachen

Mystisch. Geheimnisvoll. Wer schon einmal Bilder der Ha-Long-Bucht gesehen hat, hat meist nebelverhangene Meerarme, geheimnisumwobene Karstfelsen und alte chinesische Dschunken vor Augen. Die Ha-Long-Bucht, 150 Kilometer östlich von Hanoi, ist mit Sicherheit der am meist besuchte Ort in Vietnam und seit 1994 UNESCO Weltnaturerbe. Die über 2.000 Inseln im südchinesischen Meer durften also natürlich auch in unserem Programm nicht fehlen. Bei gefühlten 50 verschiedenen Anbietern mit nochmals diversen verschiedenen Booten fiel uns die Wahl nicht gerade leicht, kann man doch für einen 2-tägigen Ausflug mit Übernachtung von 29,- bis um die 300,- € alles bezahlen. Da leider auch hier viel Negatives über betrügerische Agenturen die Runde macht, sollte man nicht an der falschen Stelle sparen und so haben wir uns für Indochina Junk und die „Lagoon Deluxe Cruiser Explorer II“ entschieden. Mit 150 US$ pro Person zwar ein Stück über unserem Budget, dafür gefiel uns aber die Vorstellung, dass das Boot nur 5 Passagierkabinen hat und keine Massenabfertigung. Also ging es am Mittwoch früh um 8 Uhr ab dem Büro des Reisebüros los. Das befürchtete Auschecken aus dem Hotel ging plötzlich ganz problemlos. Anscheinend hatte der Manager gemerkt, dass er mit seinen Verkaufsmethoden bei uns an der falschen Adresse war. Per Sammeltaxi ging es also gen Osten, schleppend, 4 ½ Stunden lang. Am Straßenrand wieder das bekannte Bild: Reisfelder, Reisfelder, Reisfelder. Irgendwann, nach endlosen 2 Stunden Fahrtzeit wenigstens eine kurze Pause: In einem XXL-Touristenshop. Wir schauen uns sprachlos an: An eine gebuchte Kaffeefahrt können wir uns aber nicht erinnern. 30 Minuten Pflicht-Aufenthalt zum Souvenirshopping. Na gut, ein paar Postkarten sind drin. 

Die Ha-Long-Bay
Die Ha-Long-Bay

Gegen 12:30 Uhr kommen wir endlich in Ha-Long-Stadt an, alle Boote legen vom Bai Chay Pier ab. Es herrscht hektisches Treiben und schnell wird unser Gepäck sortiert und den verschiedenen Booten zugeteilt. Wir werden bereits am Tisch den diversen Gruppen vorgestellt, mit uns werden je ein australisches und ein französisches älteres Paar und ein junger Mann aus dem Oman auf dem Boot sein. Die Gruppe ist mir auf den ersten Blick sympathisch und wir freuen uns riesig auf die kommenden 24 Stunden. Nach weiteren 10 Minuten ist unser Boot anscheinend bezugsfertig und „Ha“, unser Guide für die nächsten 2 Tage, nimmt uns in Empfang und geleitet uns zu dem kleinen Zubringerboot. Es wurde sogar ein kleiner Teppich für uns ausgerollt ;-) Die kleine Nussschale bringt uns und unser Gepäck zielstrebig in Richtung Boot. Nur welches von den hunderten, die im Wasser dümpeln, ist nun unseres? Wir steuern schließlich eine hübsche kleine Dschunke in rot-braunem Holz mit 2 Decks an. Der Kapitän winkt schon von Weitem und wir werden freudig von der Crew an Bord begrüßt. Ha geleitet uns erst einmal auf das Oberdeck, wo wir als Willkommens-Drink einen frisch-gepressten Orangensaft bekommen. Dann erklärt er uns das Programm für die Fahrt, ehe er uns die Kabinen zuteilt. Wir bekommen die Kabine 02 und beziehen kurz darauf unsere Kajüte. Die erste Nacht unseres Lebens, die wir auf einem Schiff verbringen werden. *grins*

Übersetzen zur Lagoon Explorer II
Übersetzen zur Lagoon Explorer II

Direkt im Anschluss ist auch schon Lunch-Time. Leider ist das Wetter zu kühl, um an Deck zu essen, daher ist der Tisch unter Deck liebevoll gedeckt. Wir werden platziert und schon steht auch schon der erste Gang auf dem Tisch, eine heiße Gemüsesuppe mit Hühnchen. Danach gibt es Reis, Gemüse, Hähnchenschenkel, Rind, Schweinegeschnetzeltes, Schrimps, Muscheln, und Tintenfisch. Auf unseren Wunsch hin, bekommen wir statt Seafood als Extrawurst Fleisch, bestaunen jedoch auch das Essen der anderen. Die Gruppe ist wirklich toll, alle verstehen sich gut und wir kommen schnell ins Gespräch. Obwohl die Franzosen kaum ein Wort Englisch sprechen, klappt die Verständigung ganz gut. Ich krame meine alten Brocken Schul-Französisch heraus und der Mann hatte ebenfalls in der Schule für 1 Jahr Deutsch gehabt. Den Rest versuchen wir mit Händen und Füßen. Das Essen ist exzellent und besonders die Unterhaltung mit dem Omaner ist interessant, weil er uns eine völlig fremde Kultur näher bringt. Der komplette Lunch dauert um die 1 ½ Stunden, bis wir satt und zufrieden die letzten Obststücke vom Dessertteller naschen.

Unser Esstisch unter Deck
Unser Esstisch unter Deck

Vorbei geht die Fahrt an den grauen, steilabfallenden Felsinseln, manche haben lustige Namen wie „Teapot-Island“ und „Goat Head Island“. Inzwischen hat es auch noch angefangen zu regnen, und tiefhängende Wolken wabern am Schiff vorbei und hängen über den meisten Gipfeln. Unser Stopp für heute ist die Thien Canh Cave, eine mysteriöse Höhle, in der zeitweise Fischer mit ihren Familien gelebt haben. Wir gehen mit dem kleinen Beiboot an einem winzigen Strand an Land und haben hier zunächst die Möglichkeit, eine Dreiviertelstunde zu kayaken. Das lassen André und ich uns natürlich nicht zwei Mal sagen und bewaffnet mit Regencape und Schutzhülle für die Kamera geht es flott in die Boote. Mit uns paddeln nur noch der Guide und der Omaner, die Franzosen und Australier bleiben lieber an Land. Es dauert ein Weilchen, bis wir nach der langen Pause wieder in unserem Paddel-Rhythmus sind, aber dann gleiten wir durch das ruhige Wasser und genießen die Stille um uns herum. Es ist fantastisch wieder auf dem Wasser zu sein. Kayaking hat etwas unheimlich Friedliches. Nur Du und das Wasser und die Stille um Dich herum, die lediglich rhythmisch durch das plätschernde Eintauchen des Paddels unterbrochen wird. Das Meer ist spiegelglatt und die Felsen spiegeln sich darin. Ha macht uns auf einen riesigen Jelly-Fisch im Wasser aufmerksam, und tatsächlich, so eine riesige Qualle haben wir noch nie gesehen. Das ganze Tier misst annähernd einen Meter im Durchmesser und taucht immer wieder auf und ab, auf und ab. Ha ärgert es ein wenig mit dem Paddel, ehe wir weiterfahren. In einer kleinen Seitenbucht, umgeben von Felsen, schwimmen zwei Häuser im Wasser. Morgen werden wir auch noch mal ein richtiges schwimmendes Dorf besuchen. Darauf sind wir jetzt schon gespannt. Immer wieder halten wir an, um ein Foto zu machen, vorsichtig packe ich die Kamera auf dem Wasser aus – nur keinen Wasserschaden erleiden.

Paddeln, paddeln, paddeln
Paddeln, paddeln, paddeln

Die Luft ist angenehm kühl und wir paddeln mit den Booten nacheinander in eine kleine Höhle, ehe es leider auch schon zurück in Richtung Boot geht. Mit uns liegen noch etwa 5 weitere Dschunken vor Anker und wir gehen zurück an Land, wo uns der Rest der Gruppe wieder in Empfang nimmt. Ha zeigt uns schnell noch die Thien Canh Cave, wegen der wir hier sind. Die Höhle wurde über 6 Jahre von Fischerfamilien bewohnt, ehe sie für den Tourismus erschlossen wurde. Nun befinden sich überall Leuchten, die die Höhle aus Felsspalten heraus indirekt romantisch beleuchten. Wir laufen weit hinein in den Berg, kommen in immer weitere Höhlen, alle mit einzigartigen Gesteinsformationen, Stalaktiten und Stalagmiten. Irgendwann stehen wir dann auf der anderen Seite des Felsens wieder an der frischen Luft und haben einen herrlichen Blick über die Bucht und die darin vor sich hin dümpelnden Dschunken.

Die Stimmung ist einfach magisch!
Die Stimmung ist einfach magisch!

Zurück auf der Lagoon Explorer II haben wir dann ein bisschen Zeit zur freien Verfügung, ehe es auch schon wieder Abendessen gibt. Wieder ist der Tisch edel gedeckt und die Servietten hübsch gefaltet. Zur Feier des heutigen Abends hat die Crew ganz besondere Gerichte mit passender Dekoration gestaltet. So gibt es einen Teller mit aus Rettich geschnitzten weißen Tauben, einen mit einem riesigen Adler aus Möhren und einen mit einer aus Gurke originalgetreu nach-geschnitzten Version unseres Bootes. Damit wünscht die Crew uns und unseren Familien viel Glück und Gesundheit. Das Essen ist wieder gewaltig, hier ein paar Auszüge des mehrgängigen Menüs: Hot  &Sour Seafood Soup, Chicken Salad Flavoured with Seasonal Herbs, Hot Rock King Prawn Marinated Asien Spice und so weiter und so weiter. Mmhhhh…… Nach dem Essen sitzen wir noch lange zusammen und unser Guide nimmt ein paar Französisch –Stunden bei unseren Mitreisenden, die auch ich gleich nutze, um meine eingerosteten Kenntnisse etwas aufzupolieren. Erst als uns die Augen zufallen, löst sich die Gruppe langsam auf, draußen ist es stockdunkel und nur die Lichter der umliegenden Boote blitzen über das Wasser. Es ist ganz ruhig, wir sind in einer kleinen Bucht vor Anker gegangen, es ist jedoch aufgrund der Wolken kein Mond und auch kein Stern zu sehen. Wir machen es uns in unserer Kajüte gemütlich und schon kurze Zeit später sind André und ich tief und fest eingeschlafen.

Unser Boot - aus Gurke geschnitzt
Unser Boot - aus Gurke geschnitzt

Ha weckt uns am nächsten Morgen unbarmherzig früh: nämlich um 7 Uhr. Man haben wir gut geschlafen! Bevor wir überhaupt richtig wach werden, drängt Ha schon zum Frühstück, die anderen sind bereits auf und sitzen gemütlich bei einer Tasse Tee in der Couch-Ecke. Zum Frühstück gibt es Nudelsuppe mit Hühnchen (etwas gewöhnungsbedürftig für uns) und Toast mit Marmelade. Während wir essen hat das Boot den Anker schon wieder gelichtet und wir steuern unser heutiges Ziel an, das Vong Vieng fishing Village. Wieder gehen wir per Beiboot auf`s Wasser und steigen kurz darauf in kleinere private Ruderboote um. Die Einheimischen paddeln uns nun eine Stunde durch das Schwimmende Dorf.

Zu Besuch im Fishing Village
Zu Besuch im Fishing Village

Das Vong Vieng fishing Village ist eines der größten und schönsten schwimmenden Dörfer der Ha-Long-Bucht. Hier leben über 300 Menschen auf dem Wasser! Die Häuser sind auf Plastikfässern gebaut und mit Holzpflöcken gesichert. Jedes ist ein bisschen für sich, viele haben Hunde und gelegentlich schallt über das Wasser nur der Schrei eines Babys. Ansonsten ist es herrlich ruhig, hier lässt es sich bestimmt gut aushalten. Die Häuser sind durch die umliegenden Felsen gut vor Wettereskapaden geschützt und die Familien halten sich durch einen fairen Tauschhandel gut über Wasser: Sie geben den frisch gefangenen Fisch an kommende Touristenboote ab und erhalten dafür im Gegenzug andere wichtige Lebensmittel, wie Milch, Butter, Brot, Obst und Gemüse. Unter ihren Häusern züchten sie meist auch noch Muscheln und Fische, und betreiben so eine kleine Perlenfarm. An einer größeren Häuseransammlung legen wir einen kurzen Stopp ein – hier gibt es sogar eine richtige Schule für die Kids – durch die kleinen Fenster sehen wir sie über ihren Schulheften brüten. André entdeckt in einem der Fischbecken einen riesigen Kugelfisch. Einen solchen haben wir auch noch nicht in Natura gesehen. Ich frage Ha, wie es hier mit der Müllentsorgung und den sanitären Einrichtungen ist. Nach dem die Bucht seit 2007 zunehmend für den Tourismus genutzt wird, bemühen sich die Agenturen, den Fischern in einem Programm beizubringen, ihren Müll nicht mehr im Meer zu entsorgen. Es kommen regelmäßig Boote, die den Müll abholen und auch aus dem Meer abfischen. Leider sieht man trotzdem bei Ebbe noch den an den Stränden angespülten Unrat. Die Toiletten der Fischer sind auf Chemie-Basis, die Stromversorgung erfolgt über Generatoren, die sich die Familien teilen.

Das Leben hier ist bestimmt nicht einfach...
Das Leben hier ist bestimmt nicht einfach...

Zurück zum Boot ist es noch mal ein gutes Stück zu Paddeln und ich staune über die Technik der schmalen einheimischen Frauen. Schließlich bitte ich unsere Steuerfrau darum, mal das Paddeln übernehmen zu dürfen, was sich schwieriger gestaltet als erwartet. Alle haben eine ganz spezielle Rudertechnik im Stehen, mit der ich überhaupt nicht klarkomme. Nachdem wir eine ganze Weile mehr oder weniger im Kreis gerudert sind und uns der Rest der Gruppe weit voraus sind, versuche ich es im Sitzen und so paddeln die alte Frau und ich mit jeweils einem Paddel einträchtig nebeneinander. Offensichtlich freut sie sich über unser Engagement – denn zum ersten Mal seit einer Stunde zeigt sich ein Lächeln auf ihrem runzeligen Gesicht. Je länger wir gemeinsam rudern, desto mehr scheint sie aufzutauen und obwohl wir uns nicht verständigen können, verstehen wir uns doch per Blickkontakt. Es ist ein tolles Erlebnis, den Einheimischen so nah zu kommen und ich ziehe den Hut vor all den Frauen, die den ganzen Tag die Touristen in den schweren Holzbooten herumpaddeln müssen. Ein wirklich harter Job!

Das Rudern ist gar nicht so einfach!
Das Rudern ist gar nicht so einfach!

Zurück auf der Lagoon Explorer heißt es auch schon wieder Packen. Das Schiff steuert zielgerichtet auf den Hafen von Ha-Long-Stadt zu und wir sitzen noch lange an Deck und lassen die Felsen an uns vorüberziehen. Ha-Long bedeutet so viel wie „absteigender Drache”. Der Legende nach schickte der Himmel einen Drachen, als das Volk der Viet einst angegriffen wurde. Dieser zermalmte die Feinde mit seinem Schwanz und riss dabei tiefe Furchen ins Land. Als der Drache im Meer abtauchte, stieg das Wasser an und überflutete die Furchen. Zurück blieben die Spitzen der aufgewühlten Erde - die Ha-Long-Bucht. Ha kommt noch auf ein paar Worte vorbei um uns den Ablauf des Checkouts zu erläutern und sich persönlich zu verabschieden – natürlich mit dem Trinkgeld-Gedanken im Hinterkopf. Er verdient laut seinen Aussagen nur 100 US$ im Monat als Guide – ich würde zu gerne wissen, ob das stimmt. Dennoch hatten wir zwei wunderschöne Tage an Bord und die Crew hat sich unheimlich viel Mühe gegeben, den Ausflug zu einem unvergesslichen Erlebnis zu machen. Der Lunch ist dann auch noch mal ein wahrer Festschmauß, ehe die ganze Crew vor uns Stellung bezieht, um sich von uns zu verabschieden. Unsere Kabinen sind bereits leergeräumt und für die Ankunft der nächsten Gruppe vorbereitet. Um 11:45 Uhr gehen wir von Bord und sagen der Ha-Long-Bay „Auf Wiedersehen“. Zu gerne hätten wir noch einen Tag mehr auf dem Boot gehabt und die Franzosen buchen spontan noch eine Verlängerungsnacht. Doch auf uns wartet schon die nächste Tour in Hanoi und so starten wir per Shuttle-Bus gegen 12:30 Uhr mit dem Rest unserer Gruppe zurück in Richtung der Hauptstadt.

 

PS: Hier gibt es noch weitere Bilder (konnten uns diesmal nicht so richtig entscheiden, daher ein paar mehr als sonst).

Abschied von der Ha-Long-Bucht
Abschied von der Ha-Long-Bucht
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Sa

19

Mär

2011

The Parfume Pagoda

Ein lohnenswertes Tagesausflugsziel von Hanoi ist die berühmte Parfüm Pagode, 60 Kilometer süd-westlich der Stadt. Da die Anreise mehr als umständlich und beschwerlich ist, empfiehlt selbst der Reiseführer, den Trip mit einer Agentur zu machen und 25$ pro Person für einen Ausflug mit derart strammem Programm ist durchaus akzeptabel, finden wir. Als wir morgens zum vereinbarten Zeitpunkt am Büro der Agentur ankommen, werden wir auch direkt pünktlich abgeholt. Im Minibus geht die Fahrt dann stadtauswärts, im Bus mit uns, wie nicht anders erwartet, 5 Deutsche und, immerhin, 7 Vietnamesinnen.

 

Die Parfüm Pagode ist, wie uns der Reiseleiter erklärt, eine Art „Once in a lifetime experience“. Jeder Vietnamese sollte sie wohl einmal im Leben besucht haben. Wir sind gespannt, was heute auf uns zukommt, so sehr, dass André erst einmal ein Nickerchen im Bus macht ;-) Die Fahrt geht vorbei an tausenden Reisfeldern, in denen Frauen ihrer Arbeit nachgehen. Das Prinzip des Nassreisanbaus beruht darauf, dass zuerst die Aussaat in ein trockenes Feld erfolgt. Daraufhin wird das künftige Reisfeld präpariert bzw. durchgepflügt. Sobald die Samen zu wachsen beginnen, erfolgt die Umsetzung in das eigentliche Reisfeld und die Flutung (durch diese werden Unkraut und Schädlinge eliminiert). Nach 4-6 Monaten werden die Felder dann trockengelegt und beerntet. Somit sind pro Jahr nur 2-3 Ernten möglich.

Erstaunlich ist auch die Architektur der Häuser! Von Hand gemauert und hochwertig verputzt erstrahlen sie in einem kolonialen Glanz, wie man es in einem so armen Land nicht vermuten lässt. Dabei werden sie meist schmal, aber sehr hoch gebaut, mit zum Teil bis zu 5 Stockwerken übereinander. Riesige Holzflügeltüren, Säulen und Balkone mit reich verzierten Geländern, runden das Ganze ab. Mir fallen fast die Augen aus dem Kopf, so beeindruckt bin ich von dem handwerklichen Geschick der Vietnamesen. In den Reisfeldern finden sich immer wieder kleine Friedhöhe mit wunderschön gearbeiteten Grabsteinen, Statuen griechischer Göttinnen, kleinen Tempeln und zum Teil winzigen Häuschen. Offensichtlich schafft man hier den Seelen seiner Vorfahren auch nach ihrem Ableben ein hübsches Heim.

80 % der Weltreisernte werden im Nassreisanbau erzeugt
80 % der Weltreisernte werden im Nassreisanbau erzeugt

Die Fahrtkünste unseres Guides sind jedenfalls waghalsig, die Überholmanöver treiben den Blutdruck in die Höhe. Zum Glück sitzen wir auf der Rückbank, dafür werden wir bei jedem Schlagloch beinahe mit dem Kopf gegen das Busdach katapultiert. Endlich kommen wir nach 2 Stunden und einer gefühlten Ewigkeit am Busparkplatz an. Nach einer kurzen ToiToi-Pause (ein Déjà-vu für uns, nach unserem Thailand-Aufenthalt 2009: im Boden befindet sich ein Loch, daneben zwei Trittsteine aus Porzellan, neben dem Loch ein Eimer für das benutzte Toilettenpapier und ein Wasserbehälter mit einer Schöpfkelle, der als Spülung dient – den Geruch dazu kann sich sicher Jeder vorstellen) geht es zum Bootsanlegesteg. Von hier werden wir nämlich auf dem Yen Stream zur Pagode schippern bzw. geschippert werden.

Die Frauen warten schon auf Passagiere
Die Frauen warten schon auf Passagiere

Es hat etwas Skurriles, tausende verrostete Kähne dümpeln im grau-braunen Wasser vor sich hin und nach ordentlich Geschiebe und Gedränge hat unsere Steuerfrau das Boot auf den etwa 10 Meter breiten Kanal hinausmanövriert. Es wird übrigens ganz umweltfreundlich gerudert, es gibt keine Motorboote, und traditionell rudern auch nur die Frauen. Einige haben ihre kleinen Kinder dabei, die uns schüchtern anlächeln. Ab geht die Fahrt, eine Stunde inmitten grün bewachsener Karst-Hügel, um uns herum hunderte weitere Boote, eine wahre Völkerwanderung. Um die 40.000 Touristen kommen täglich zur Pagode, die meisten davon jedoch aus Vietnam, kaum westliche. Wir werden aus den entgegenkommenden Booten begafft, wie Tiere im Zoo, und wenn wir nicht gleich zurückwinken, fordert man uns mit einem lauten Rufen „Hey, how are you“ dazu auf. Wenn wir dann doch Winken, wird das mit lautem Gejohle honoriert. Anfänglich sind wir nicht sicher, ob sich die Einheimischen einfach über uns lustig machen wollen, aber unser Guide erklärt uns, dass sie sich einfach freuen, mal andere Gesichter zu sehen und ihre wenigen Englisch-Kenntnisse anwenden wollen. Dann glauben wir das einfach mal.

Hunderte Boote begleiten uns
Hunderte Boote begleiten uns

Am Eingang der Pagode, die eigentlich aus mehreren Gebäuden besteht, die ringsum in den Hügeln verteilt liegen, gehen wir an Land, mit schätzungsweise 5.000 anderen Leuten. Am Wegrand stehen Stände mit Wellblech-Dächern, die Essen für die Pilger anbieten. Dabei hängt das Fleisch im Ganzen direkt vor dem Restaurant zur Schau, und man kann sich dann wohl häppchenweise im wahrsten Sinne des Wortes eine Scheibe abschneiden. Aber was da hängt, z.B. ganze Rehe, Hirsche, Schweine, Kühe und…. Wir haben keine Ahnung, was das für Tiere sein sollen, eine Mischung aus Ratte, Hund und Katze. Der Anblick ist mehr als ekelerregend und wir laufen schnell weiter, zum Glück haben wir heute noch nichts gegessen. Unser Guide führt uns nach Passieren des Eingangstores noch einmal ca. einen Kilometer steil bergauf, bis wir vor dem Tor der Thien Tru Pagode stehen. Wir haben 30 Minuten Zeit, diese selbst zu erkunden und mischen uns unter das bunte Völkchen. Direkt hinter dem Haupttor finden sich links und rechts zwei hübsche 3-stöckige Pagoden, in der Mitte des buddhistischen Tempels steht eine überdachte Pagode, ausgelegt mit Teppichen, auf der die Pilgerer essen. Einige sind bereits gestern Abend hergekommen und haben hier übernachtet. Alle haben Opfergaben mitgebracht, Früchte, Blumen, Kekse, überall brennen Räucherstäbchen. Der eigentliche Tempel steht etwas zurückgesetzt und der Altar ist wieder reichlich mit Gold verziert. Die Opfergaben liegen ausgebreitet davor, es sind so viele, dass die Mönchen und Nonnen sie immer wieder beiseite räumen müssen, um Platz für Neues zu schaffen. Es gibt verschiedene Heiligenstatuen, die angebetet werden, die Einheimischen haben außerdem dutzende kleine Geldscheine bei sich, die sie überall ablegen. Fasziniert beobachten wir die Zeremonien, bis wir von hinten beiseite gedrückt werden – die Religion kann offensichtlich nicht warten. Im Garten um die Tempel finden sich unzählige Statuen, Drachen, aber auch Krieger und anderes. Es ist schwer zu sagen, was alt und was neu ist. Ein wunderbares Gemisch aus Heiligtum und Pilgerort.

Überall wehen Gebetsfahnen
Überall wehen Gebetsfahnen

Nach der ersten Pagode gibt es Mittagessen und beinahe hatten wir es schon befürchtet, wir essen in einer der größeren Garküchen am Wegesrand, vor denen wir uns schon auf dem Hinweg geekelt haben. Es ist die reinste Massenabfertigung. Riesig lange Tische mit jeweils Platz für an die 100 Touristen stehen in Reihen, wir sitzen nicht lange, als uns bereits das Essen serviert wird. Es gibt Reis, Tofu, warmen Krautsalat, Ei und gebratenen Fisch. Es schmeckt überraschend gut und da wir nicht gefrühstückt haben, versuchen wir gar nicht erst drüber nachzudenken sondern schaufeln munter drauf los. Schließlich müssen wir dann noch auf den Berg zur eigentlichen Hauptpagode. Die Sensation des Restaurants ist jedoch eine Hündin im Hinterhof, die gerade 10 Welpen geworfen hat, die sich winselnd und jaulend um ihre Mutter herumdrücken. Die kleinen sind so süß (Christin und Sylvia, ihr hättet auf der Stelle einen mitgenommen).

Wir haben kaum aufgegessen, als es weiter geht. Wir haben die Wahl, die steilen 4 Kilometer bergauf zu laufen oder die neue Seilbahn zu nehmen. Da wir eigentlich nicht genügend Bargeld bei uns haben, wollen wir laufen, als wir jedoch den vollurinierten und –gesch… Weg sehen, kehren wir um und der freundliche Engländer aus der Gruppe tauscht uns noch ein paar Euros in vietnamesische Dong. Wir besteigen die Gondeln (übrigens „made in Austria“)und schweben hinauf in die herrlichen, nebelverhangenen Karstberge. Ein guter Vorgeschmack auf die Halong-Bucht, die noch vor uns liegt. Mit uns im Abteil sitzen 4 weitere Vietnamesen, die ebenfalls ordentlich Essen und Trinken bei sich haben – ob als Opfergaben oder als Wegzehrung – wer weiß. Obwohl alle kein Wort Englisch sprechen, wird erstmal über Fußball geradebrecht. Das ist uns in schon so vielen Ländern aufgefallen, wenn Leute unterwegs über etwas in Deutschland Bescheid wissen, dann über Fußball bzw. die deutsche Bundesliga. Dann wird uns auch noch Wein und Wasser angeboten – gastfreundlich sind sie sehr, die Vietnamesen. Etwa eine Viertelstunde gleiten wir über die Gipfel, unter uns der Pilgerweg, gesäumt von Verkaufsständen mit roten und blauen Plastikdächern. Es herrscht regelrechte Volksfeststimmung hier.

Abstieg in die Huong Tich Cave
Abstieg in die Huong Tich Cave

Oben angekommen sind wir dann eher geschockt, tausende Menschen schieben und drängeln in Richtung Haupt-Pagode, eine riesige Höhle, genannt Huong Tich, zu der wir noch weitere Stufen zunächst hinauf und dann wieder hinab steigen müssen. Wir reihen uns in die unfassbare Schlange an, und noch lange bevor wir die Höhle erreichen, dringt der durchdringende Geruch von faulem Obst an unsere Nasen. Auch hier spucken die Menschen überall, und (im Gegensatz zu China) sogar die Frauen. In der Höhle dann der größte Altar, den ich seit langem gesehen habe mit noch mehr betenden Menschen davor. Auch hier stapeln sich die Opfergaben und wir sehen, woher der strenge Geruch kommt. In der feuchten Luft schimmelt das Obst rasend schnell vor sich hin. Überall liegt außerdem Müll in den Ecken – eine Schande für eine heilige Städte wie diese. In der Höhle gibt es außerdem viele Tropfsteinsäulen und das Besondere hier ist, dass die Menschen Geld daran reiben und es dann in irgendwelche Löcher im Gestein stopfen. Außerdem gibt es einen Stein, der offensichtlich von der Decke tropft. Ich weiß nicht, ob es heiliges Wasser ist, jedenfalls drängeln sich dutzende Gläubige mit nach oben ausgestreckten Händen darunter. Daneben steht ein Wachmann mit der Trillerpfeife, der immer mal wieder für Zucht und Ordnung sorgen muss, wenn es zu kunterbunt zugeht. Ein Mann ist so besessen, einen Tropfen des Wassers zu erhaschen, dass er ohne Rücksicht auf Verluste, sein kleines Kind hinter sich herzerrt, bis diesen auf die Knie fällt und zu weinen anfängt. Er schleift es einfach weiter. Ich brauche glücklicherweise nicht lange auf einen Tropfen zu warten, dann verlassen wir fluchtartig die Höhle.

Nur einer von vielen Opfertischen
Nur einer von vielen Opfertischen

Den Weg zurück zur Talstation jedenfalls wollen wir laufen und schließen uns den zumeist Einheimischen an. Der Weg ist jedenfalls nicht zu verfehlen, bei all den Kitsch- und Ramschbuden. Vom Plastesoldaten bis hin zum Wimpel gibt es allen erdenklichen Scheiß! Soviel Mist haben wir nicht mal in China gesehen. Welche Firma lebt davon, solchen Schwachsinn zu produzieren? Und die Leute kaufen es auch noch!!! Unfassbar. Dazwischen wieder Garküchen für die Pilger und das schlimmste daran, überall Müll. Die Menschen werfen ihren Abfall einfach in die Gegend. Unter den Küchen, die meist auf Stelzen gebaut sind, liegen Dosen gehortet. Wir beobachten Einheimische, die etwas essen und ihre leeren Plastetüten hinterher ungeniert einfach auf den Weg werfen. Darüber könnten wir uns so dermaßen aufregen. Das gleiche ist uns schon in Thailand aufgefallen. Die Menschen haben einfach keinen Respekt vor der Natur. Schade, schade; schade…. Nach 40 Minuten sind wir wieder unten am Ausgangspunkt und satt von der Beschallung, dem Lärm, der Hektik. Wir wollen nur noch unsere Ruhe, zurück ins Hotel und die Tür hinter uns zu machen.

Ein Foto mit dem obligatorischen Hut darf natürlich nicht fehlen
Ein Foto mit dem obligatorischen Hut darf natürlich nicht fehlen

Zum Glück lässt der Rest der Gruppe nicht lange auf sich warten und wir laufen zurück zum Bootsanleger und paddeln in Richtung Busparkplatz. Jetzt sind noch mehr Boote als heute Morgen unterwegs und sogar wieder viele in die Gegenrichtung, die dann wieder hier schlafen werden. Zum Teil sind die Boote so voll besetzt mit Menschen, dass sie jeden Moment unter ihrer Last zusammenzubrechen scheinen und die kleinen Asia-Frauen rudern tapfer bis zu 50 Personen auf einmal. Wieder wird gewunken, was das Zeug hält, doch dieses Mal haben wir keine Lust, zurückzuwinken. Zu müde sind wir von den vielen Eindrücken. Zurück bei den Bussen geht es zum Glück zügig ohne große weitere Pausen zurück in Richtung Hanoi, wo wir gegen 17:30 Uhr ankommen. Wir retten uns in ein Internetcafé und bestellen uns erstmal einen ordentlichen Café Latte, um den heutigen Tag sacken zu lassen. Wir brauchen eine kurze Auszeit von Vietnam und das kleine Café lässt einen fast vergessen, wo man ist. Wir schlürfen unseren Kaffee, knabbern an einem Mandel-Croissant und beratschlagen, wie es weiter gehen soll. Noch 9 Wochen Weltreise…

 

Und hier noch ein paar weitere Pics.

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Fr

18

Mär

2011

Nur Mut!

Hanois Straßen lebend zu überqueren, ist ein Wunder. Man nehme eine herkömmliche Straßenkreuzung, dazu hundert hupende Mopeds, mehrere Kleintransporter, PKWs und weitere hundert Fußgänger. Dazu, natürlich, keine Ampel, allenfalls ein paar Zebrastreifen (wozu die hier eingemalt sind, ist mir ein Rätsel). Dann heißt es loslaufen und auf keinen Fall stehen bleiben! Egal ob ein Moped mit halsbrecherischer Geschwindigkeit auf einen zugerast kommt, einfach ruhig weitergehen. Andernfalls wird man die andere Straßenseite niemals erreichen. Also, nur Mut, erstaunlicherweise gibt es bei all den Kamikaze-Fahrern kaum Unfälle. Das Prozedere kennen wir ja eigentlich schon von La Paz, allerdings kommen in Hanoi noch an die 5 Millionen Motorroller dazu. Und irgendwie schaffen es die Fahrer immer, sich problemlos durch fließenden Verkehr (in die entgegengesetzte Richtung!) zu bewegen. Als wir das erste Moped mit offensichtlichen Touristen drauf gesehen haben, mussten wir erstmal laut lachen. Wer das wagt, dem gehört unser Respekt! Wer hier auf einen Motorroller steigt, muss lebensmüde sein!

Straßenleben in Hanoi
Straßenleben in Hanoi

Nach dem wir die erste Nacht in Hanoi verdaut und am nächsten Morgen ein wunderschönes, neu renoviertes Zimmer bezogen haben, sieht die vietnamesische Welt gleich viel besser aus. Nach einem entspannten Vormittag trauen wir uns dann endlich auch erneut auf Hanois Straßen und sind erst einmal von einer Abgas-, Staub- und Lärmwolke umgeben. Die Luftverschmutzung ist immens! Und die Einheimischen sitzen mitten drin und brutzeln ihr Süppchen auf einem kleinen Gaskocher, während die Familie drum herum auf Plaste-Höckerchen lümmelt und quatscht oder Karten spielt. Nach dem ich an den ersten Straßen noch geschlagene 5 Minuten unschlüssig und ängstlich gewartet habe, zieht André mich nun schnell weiter – und siehe da, um uns herum teilt sich der Verkehrsstrom ganz automatisch. Als erstes suchen wir die vom Reiseführer empfohlene Agentur, dem Hotelmanager sind wir einfach aus dem Weg gegangen. Schnell werden wir in einer Seitenstraße fündig und sind positiv überrascht. Man will uns ausnahmsweise mal nicht über`s Ohr hauen! Alle Preise sind wie im Internet angegeben (wir haben dieses Mal gut vorher recherchiert) und der Mitarbeiter ist nicht übertrieben verkaufswütig. Er berät uns nur zu dem, was wir eh vorhatten, und eine halbe Stunde später verlassen wir glücklich, zufrieden und um die 600 $ leichter das Büro von ET Pumpkin. Die Ausflüge für die nächsten Tage sind gesichert und jetzt fühlen wir uns doch langsam auf sichererem Terrain. Ganz so kompliziert, wie wir es befürchtet hatten, ist es nun doch nicht.

Süppchen gefällig?
Süppchen gefällig?

Auf dem Weg zum Bahnhof lassen wir uns dann einfach durch die Straßen treiben. Überall sieht man Frauen mit den traditionell flachen, kegelförmigen Palmblatt-Hüten, viele tragen Körbe auf dem Kopf oder mit dem üblichen Holzstab als Hängekörbe an beiden Enden über der Schulter. Einer jungen hübschen Frau kaufen wir frittierte kleine süße Teilchen ab, lecker! Dazwischen Händler auf Rädern, die ihre Fahrräder voll beladen mit Blumen, Korbwaren, Reinigungsmittel und anderen Utensilien haben. Immer wieder werden wir eingeladen, in eine der vorbeifahrenden Rikschas zu steigen, doch wir lehnen lächelnd ab. Das Zugticket nach Hue am Bahnhof zu kaufen, müssen wir dann jedoch, aufgrund mangelnder Englisch-Kenntnisse der Bahnangestellten, verschieben. Wir kommen kaum ein Wort voran und können außerdem nur cash bezahlen. Also laufen wir zurück zum Hotel und suchen uns unterwegs noch ein nettes Restaurant, wo wir uns mit gebratenen Nudeln und Tee stärken. Obwohl es längst dunkel geworden ist, ebbt der Verkehrsstrom nicht ab, im Gegenteil, durch die Nachtmarkt-Stände werden die eh schon nicht gerade breiten Straßen noch schmaler und jetzt müssen sich die Fahrzeuge zum Teil durch Nadelör-große Straßenabschnitte zwängen. Auf dem Fußweg zu gehen ist unmöglich. Sämtliche Einwohner sitzen darauf und haben um sich herum Waren (Obst, Fisch, Fleisch, Gemüse, Blumen und Bücher) ausgebreitet. Es geht zu wie auf dem Basar und Handeln ist Pflicht! Mit Minimum einem Drittel sollte man in die Verhandlung gehen und am Ende nicht mehr als 50% des ursprünglich angegebenen Preises bezahlen, habe ich gelesen. Dabei sind 50% wahrscheinlich immer noch viel zu viel. Aber bei dem Preisniveau zahlt man doch wieder gerne. Es macht Spaß, den Einheimischen und anderen Touristen beim Kaufen und Verkaufen zuzuschauen und so langsam finden wir sogar Gefallen an dem bunten Treiben. Es ist gut, dass sich die meisten unseren Bedenken zerstreut haben und nun freuen wir uns richtig auf die kommenden Tage!

Handeln ist Pflicht!
Handeln ist Pflicht!

Mehr Fotos von unserem ersten Tag in Hanoi gibt`s hier.

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Do

17

Mär

2011

Ankunft in Hanoi – oder: vietnamesische Geschäftspraktiken

Unsere Ankunft in Hanoi – ein Schock. Zunächst freuen wir uns noch über die relativ zeitsparende problemlose Einreise, bis wir, samt Gepäck, in den strömenden Regen aus dem Flughafen treten. Sofort werden wir von vermeintlichen Taxifahrern umringt, die uns allesamt in die 35 Kilometer entfernte Stadt bringen wollen. Relativ blauäugig gehen wir mit dem ersten mit, immerhin sieht er mit seinem Ausweis um den Hals ziemlich professionell aus. Zum Glück frage ich ihn dann doch noch vor dem Einsteigen, wie viel die Fahrt denn kosten soll – er will uns schlappe 500.000 Dong berechnen, das ist mehr als das Doppelte, als die normale Fahrt eigentlich kostet (haben wir an der Info im Flughafen herausgefunden). Sofort blocken wir ab und schnappen uns unser Gepäck. Also weitersuchen und ich spreche einfach den nächsten Fahrer direkt an, dieser spricht kein Englisch und winkt auch nur eine Vermittlerin heran, mit der wir uns wenigstens auf 300.000 einigen können. Dass wir hier in Vietnam südamerikanische Verhältnisse mit regelrechten Schlepperbanden vorfinden würden, damit hatten wir nicht gerechnet. Wir dachten, hier sei alles noch etwas ursprünglicher und nicht so touristisch – wie wir später im Reiseführer lesen werden, waren das jedoch naive Wunschvorstellungen. Gerade in Vietnam haben die Verkäufer von Touren und Unterkünften derartig aggressive Verkaufstaktiken entwickelt, dass man sich regelrecht in Acht nehmen muss. So halt auch die Taxi-Mafia am Flughafen. Nun ja, so geht die Fahrt erst einmal in Richtung Stadt, über eine 3-spurige Autobahn, die unser Fahrer mit ordentlich Gehupe und regelmäßigem Spurwechsel befährt (mit an die 100 Motorrollern um uns herum). Zum Glück ist es bereits dunkel, sonst hätte ich wahrscheinlich hier schon meinen ersten Herzinfarkt erlitten. Nach 10 Minuten fährt er plötzlich rechts ran, offensichtlich hat er eine kleine Tankstelle entdeckt. Argwöhnisch beobachten wir das Treiben vom Rücksitz aus, es gibt nur eine Zapfsäule und keine wirkliche Tankstelle, wie wir es kennen. Dann ist der Fahrer auch noch verschwunden – muss sich wahrscheinlich um die nächste Ecke noch mal erleichtern. Nach geschlagenen 15 Minuten geht die Fahrt weiter, bis wir mit einem haarscharfen U-Turn vor dem Gegenverkehr in eine kleine dunkle Straße in einem Industriegebiet abbiegen. Plötzlich ist alles dunkel um uns herum und kaum noch Verkehr. Ich versuche durch die trüben Scheiben und den dichten Regen ein Straßenschild ausfindig zu machen und als ich den Fahrer frage, wo wir eigentlich gerade sind, lacht er mich nur aus und gibt mir keine Antwort. So langsam wird mir das Ganze dann doch ein wenig unheimlich – was wenn er uns gar nicht zum Hotel fährt sondern, wie wir es von Thailand kennen, in irgendeine Schmuckfabrik oder Schneiderei? Zum Glück gelangen wir wenig später wieder auf eine Hauptverkehrsstraße und befinden uns nun wieder in der richtigen Altstadt. Durch den Regen und die Feuchtigkeit beschlagen die Fenster so sehr von innen, dass der Fahrer einfach alle öffnet und wir nach draußen blicken und die ersten vietnamesischen Eindrücke gewinnen können. Überall stehen Garküchen am Straßenrand, fliegende Händler verkaufen Obst und Gemüse. Wieder werden wir von dutzenden Motorrollern begleitet, die von vorne, hinten, links und rechts heranschießen und sich nahtlos in den dichten Verkehr einfädeln. Der Geruch von Frittiertem liegt in der Luft, an den Häusern hängen bunte Lichterketten. Endlich erreichen wir einen Anhaltspunkt, den Hoan-Kiem-See, jetzt wissen wir, dass wir richtig sind und dass es nicht mehr weit bis zum Hotel ist. Leider hat der Fahrer trotz Karte keinerlei Orientierungssinn und so irren wir noch eine ganze Weile durch die Altstadt, er fragt mehrfach nach dem Weg, ehe wir schließlich aussteigen, den vereinbarten Preis zahlen (natürlich will er uns mehr abknöpfen, doch wir lassen ihn einfach stehen) und den Rest zu Fuß gehen.

 

Im Hotel werden wir dafür gleich überschwänglich begrüßt. Noch ehe wir das Gepäck absetzen können und eingecheckt haben, steht ein dampfender Tee vor unserer Nase und der Hotelmanager sitzt geldgierig mit einem falschen Lächeln vor uns und plant unseren kompletten Vietnam-Urlaub über unseren Kopf hinweg. Natürlich will er uns nur seine besten Empfehlungen geben, die hoteleigene Reiseagentur hat für alle Sehenswürdigkeiten in der Umgebung einen Ausflug parat. Wann wir wo wie viele Tage verbringen wollen, fragt er uns. Darüber haben wir uns noch gar keine Gedanken gemacht. Wir müssten uns mit dem Buchen beeilen, am besten würde er schon einmal alle Ausflüge rund um Hanoi für uns klar machen. Moment mal, das geht uns dann doch alles zu schnell. Wir wimmeln ihn ab, mit dem Hinweis, dass wir nach dem Flug doch müde sind und in unser Zimmer wollen, um uns erst einmal zu beratschlagen.

 

Das Zimmer entpuppt sich dann als Loch ohne Fenster mit Duschklo und schmutzigen Handtüchern, ich bin den Tränen nahe – so hatten wir uns unsere Ankunft in Vietnam nicht vorgestellt. Nach einem kurzen Durchatmen suchen wir die Buchungsbestätigung von HRS. Von wegen Upgrade in die nächst bessere Zimmerkategorie und Obstkorb bei Anreise. Haha! Wir gehen reklamieren und kurze Zeit später habe ich, nach einigem Lamentieren des Managers, ein neues Zimmer (obwohl angeblich ja alles ausgebucht ist). Hier gibt es zumindest ein Fenster und eine Badewanne. Erst später entdecken wir, dass die Toilettenspülung nicht funktioniert und im Bad der Schimmel schon mit uns reden kann. Wie pelzige graue Würmer hängen die Schimmelflecken an der Decke und ich mag gar nicht hinschauen, geschweige denn etwas anfassen. Wie konnte dieses Hotel nur so gute Bewertungen bekommen? Zumindest die beiden Niederländer in der Lobby, machten den Eindruck, als wären sie zufrieden mit ihrem Zimmer. Das bringt uns dann auch auf die Idee, nochmal im Internet nach dem Zimmerangebot zu recherchieren, und tatsächlich, das Hotel hat einen alten und neuen Teil, die Zimmer im neuen Anbau sind natürlich viel besser und moderner ausgestattet. Also reklamieren wir ein zweites Mal. Dieses Mal verspricht man uns ein neues Zimmer für den nächsten Morgen.

 

Noch bis spät in die Nacht recherchieren wir nach Ausflugs-Angeboten und im Reiseführer. So einfach wie gedacht, ist es in Vietnam nicht. Man muss gut recherchieren und knallhart verhandeln. Im Reiseführer stehen genug Schauermärchen, besonders über die hoteleigenen Reiseagenturen. Da steht tatsächlich, dass Urlauber, die sich weigerten einen Ausflug über das Hotel zu buchen, glatt weg auf die Straße gesetzt wurden. Wir sind skeptisch, hat uns die übertrieben geschäftstüchtige Art des Managers doch etwas eingeschüchtert. Noch haben wir ihn ja in seine Schranken gewiesen, aber wie wird es dann morgen aussehen? Stehen wir dann ohne Unterkunft da, wenn wir ihm sagen, dass wir doch den etwas teureren Ausflug bei einem renommierten Reisebüro buchen wollen? Unruhig wälzen wir uns im Bett umher, André hat das Fenster geöffnet, damit die Schimmelspuren nach draußen ziehen, und der typisch nächtliche Lärm asiatischer Straßen zieht zu uns herauf. Das kann ja heiter werden, die nächsten 3 Wochen!

 

PS: Natürlich lese ich später im Reiseführer, dass es vom Flughafen einen öffentlichen Bus gibt, der nur ein Zehntel der Taxigebühren kostet und viel sicherer ist.

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Do

17

Mär

2011

Abschied von Hongkong und letzte Pics

Selten ist uns der Abschied von einem Ort auf unserer Reise so schwer gefallen, wie in Hongkong. Nicht, weil uns Hongkong an sich so begeistert hat, da waren andere Orte hundertmal schöner und aufregender. Nein, dieses Mal fiel es uns aus einem ganz anderen Grund nicht leicht: Wir mussten uns von unseren Freunden Sylvia und Falk verabschieden. Nach dem wir beinahe 4 Monate alleine gereist sind und nun endlich, nach all der langen Zeit, wieder vertraute Gesichter um uns hatten, wurde uns die Entfernung zu unseren Familien und Freunden zu Hause nur noch deutlicher bewusst. Zu gerne hätten wir uns mit den Beiden gemeinsam noch auf nach Vietnam oder von mir aus Bali gemacht, statt dessen hieß es nun für die Beiden: Ab nach Bali und die Spuren von Julia Roberts suchen und für uns: Good Morning Vietnam!

 

Hier ein paar letzte Pics aus Hongkong, dem „duftenden Hafen“...

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Do

17

Mär

2011

Feiern mit Buddha

Andrés Geburtstag! Und wie feiert man den am besten in Hongkong? Genau! Mit dem Big Buddha. Also ging es ab mit der Metro in Richtung Lantau Island. Eine halbe Stunde später waren wir in Tung Chung und bestiegen die Gondelbahn Ngong Ping 360 die uns hinauf in die Berge bringen sollte. Lantau Island hat eine ganze Reihe hübscher unberührter Naturecken und hätte man mehr Zeit, könnte man hier locker mehrere Tage mit schönen Wanderungen verbringen. Wir waren aber faul und ließen uns die 5,7 km bequem mit der Seilbahn chauffieren. 25 Minuten dauerte die Fahrt und wir konnten tolle Ausblicke auf den Flughafen werfen und später war auch der Buddha schon von Weitem zu sehen. Direkt unter uns verlief der Wanderweg und ein paar Schulgruppen winkten uns zu. Highlight der 2006 eröffneten Seilbahn sind 36 Crystal Cabins, Kabinen deren Boden komplett aus Glas ist – hierfür darf man aber gleich mal das Doppelte des Fahrtpreises löhnen. In Ngong Ping angekommen, waren wir erst einmal überrascht. Rund um die Bergstation haben die Chinesen ein richtiges Bergdorf gezimmert. Hübsche kleine 1-2 stöckige Gebäude umrahmen eine Plaza, neben Souvenirgeschäften gibt es, neben Starbucks und Subway, noch ein paar kleinerer Restaurants.

Mit der Gondel hinauf zum Buddha
Mit der Gondel hinauf zum Buddha

Je näher wir dem Buddha kamen, desto schmutziger wurde es jedoch leider wieder. Hier gab es nur noch Buden aus Wellblech und Holz am Straßenrand, die billigen Ramsch, Anhänger und ein paar Opfergaben verkauften. Wahrscheinlich wird diese Baulücke dann in den kommenden Jahren geschlossen werden. Bis zum Buddha, der weit sichtbar über dem Plateau thront, waren es dann noch einmal 268 Stufen hinauf. Während wir zügig hinaufliefen, waren einige Chinesen offensichtlich her gepilgert, denn sie hielten auf jeder einzelnen Stufe inne und zelebrierten ein mehrminütiges Ritual mit Gebet. Der sogenannte Tian Tian Buddha ist die weltgrößte freistehende Buddhastatue in sitzender Haltung. Sie ist eine der fünf größten Buddha-Statuen in China und das größte buddhistische Monument in Hongkong. Es soll das harmonische Verhältnis zwischen Mensch, Natur und Religion symbolisieren. Die Figur selbst ist 34 Meter hoch und wiegt 250 Tonnen. Wie bei allen Buddhastatuen sind die Hände zu sogenannten Mudra geformt. Diese Gesten haben spezifische symbolische Bedeutungen: Die rechte Hand ist erhoben als Zeichen der Zurückweisung des Leidens, die linke Hand ruht im Schoß in einer Geste des Gebens. Auf der Brust trägt der Buddha das Swastika, ein heiliges Glücksymbol (Quelle: Wikipedia).

268 Stufen
268 Stufen

Oben auf der Altarplattform angekommen, konnten wir den Buddha einmal umrunden und die Aussicht auf das unter uns liegende Ngong Ping Village sowie auf der anderen Seite das Meer genießen. Auf der Plattform befinden sich noch 8 weitere Bronzestatuen, die allesamt Opfergaben in Richtung des Buddha halten. Etwas merkwürdig fanden wir die mehr oder weniger unter bzw. im Buddha befindliche Mischung aus Ausstellungsraum, Altar und Souvenirshop. Dort kann man sogar direkt ein Mittagessen einnehmen.

The Big Buddha
The Big Buddha

Direkt gegenüber des Big Buddhas befindet sich das PoLin-Kloster, eines der wichtigsten Klöster des Buddhismus. Wörtlich übersetzt heißt es wohl "kostbarer Lotus Meditationskloster" und wurde 1928 offiziell eröffnet. Das Kloster scheint das komplette Gegenteil vom Buddha zu sein, es ging ruhig und spirituell zu, immense Räucherstäbchen, wie riesige Joints, machten die Luft schwer und den Kopf benommen, während wir durch die verschiedenen Hallen liefen und die einzelnen Figuren anschauten. Auch hier befindet sich noch einiges im Bau, doch man konnte bereits jetzt angesichts der neuen Fassade, geschmückt mit aus Stein gehauenen Drachen, die ganze Schönheit des Klosters erahnen. Es ist die perfekte Mischung aus zurückhaltender Gestaltung des Buddhismus und farbenfroher chinesischer Kunst. Ein bisschen Gold, ein bisschen Rot, und viel viel Spirituelles.

Im PoLin Kloster
Im PoLin Kloster

Unsere Mägen knurrten derweile schon wieder und André hatte beschlossen, uns alle in unser neues Lieblingsrestaurant Xia Fei, nahe des Hostels einzuladen. Also fuhren wir mit der Gondelbahn zurück bis Tung Chung und von dort weiter mit der Metro, direkt bis East Tsim Sha Tsui. Das Restaurant hatten Sylvia und ich einen Tag früher beim Shoppen entdeckt und wir waren noch am selben Abend angesichts der sagenhaften Auswahl leckerer Speisen und den sensationell günstigen Preisen dort hin eingekehrt. Hinterher waren wir so begeistert, dass wir nun heute gleich nochmal da essen wollten. Gesagt, getan und dieses Mal war es ob der frühen Stunde noch angenehm leer, wir hatten schnell die dampfenden Teller vor uns stehen und langten ordentlich zu.

Lecker Essen im Xia Fei
Lecker Essen im Xia Fei

Für den Abend hatten wir lange überlegt, was wir Besonderes anstellen könnten, und was bot sich in Hongkong eher an, als der Besuch einer Rooftop-Bar für einen gepflegten Cocktail mit Aussicht auf die bei Nacht beleuchtete Skyline? Die Aqua Spirit Bar, eine der angesagtesten Locations in Hongkong im 30. Stock eines der neuen riesigen Wolkenkratzer in Tsim Sha Tsui schien der ideale Ort dafür zu sein. Nach dem wir uns also erst einmal angemessen für dieses Ereignis aufgebrezelt hatten, ging es direkt hinein, ins Hongkonger Nachtleben. Auf mehreren Etagen kann man im Aqua von feinster Cuisine bis hin zu edlen Drinks alles zu sich nehmen und dabei überwältigende Ausblicke auf die Silhouette von Hongkong Island werfen. Leider ist der Preis mit einem Minimum Drink-Umsatz von 25,- € pro Person ziemlich happig, was wir uns dennoch angesichts Andrés Geburtstag gönnen wollten. Leider war die Nachfrage jedoch so hoch, dass sämtliche Tische belegt waren, wir also „nur“ im Stehen die Lasershow über dem Hafen um 20 Uhr bestaunen konnten und uns dann lieber auf die Suche nach einer anderen Bar gemacht haben. Im „Busy Suzie“ gegenüber des Hongkong Peninsula wurden wir schließlich fündig. Chillige Rattanmöbel, Heizpilze und eine schön gestaltete Terrasse boten das beste Ambiente, um André Birthday gebührend ausklingen zu lassen. Wir bestellten Cuba Libre, Pina Colada und Caipirinha und haben es uns so richtig gut gehen lassen, während André seine Geschenke auspackte.

B-Day-Party im Busy Suzie
B-Day-Party im Busy Suzie

Statement des Geburtstagskindes:

Mal wieder ein klasse Geburtstag im Ausland inklusive unseren Freunden Sylvia und Falk.

Und noch ein paar Pics von Lantau findet ihr hier

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Di

15

Mär

2011

Pferde, Pandas, Delfine und jede Menge Jellyfish

Einmal im Leben ins Disneyland fahren – davon habe ich schon als Kind geträumt. Damals hatte eine Schulfreundin in der aktuellen Mickey Mouse eine Reise für sich und ihre Familie nach Paris gewonnen und ich war, zugegebenermaßen, grün vor Neid. Nun, in Hongkong, wollte ich mir diesen langgehegten Wunsch endlich erfüllen, der Eintritt schien mit 350 HK$ ganz passabel – doch unsere Stewardess auf dem Flug von Tokyo, eine Einheimische, riet mir dringend davon ab. Zu winzig sei der Park, nur eine Enttäuschung. Na gut, dachten wir uns also, dann belassen wir es halt irgendwann bei Paris. Dafür sollte der Ocean Park umso schöner sein, auf Hongkong Island in den Bergen gelegen, eine Mischung aus Freizeit-, Wasserpark, Zoo und Aquarium. Kurz: eine der größten Unterhaltungs- und Freizeitanlagen Asiens. Natürlich für Sylvia und Falk als absolute Tiernarren ein Pflichtprogramm. Also, ab auf die Fähre nach Hongkong Island und vom Hafen aus per Bus in Richtung Park. Bereits am Eingang schallte uns die Freizeitpark-übliche Adventure-Musik entgegen und da selbst 2 Achterbahnen sowie ein Freefall-Tower am Start waren, sollte sich zumindest auch André nicht langweilen. Der in Summe 800.000 m² große Park ist auf 2 Ebenen angelegt, dem Low- und Headland, beide Teile sind durch eine 1,5 Kilometer lange Seilbahn miteinander verbunden. Da sich die meisten der „erwachseneren“ Attraktionen im Headland-Teil befinden, fuhren wir also zuerst mit der Seilbahn hinauf auf`s Plateau.

Jede Menge Fun gab`s für uns im Ocean Park
Jede Menge Fun gab`s für uns im Ocean Park

Der Freefall-Tower „The Abyss“ löste bei André dann leider nur ein müdes Gähnen aus. Klar, wer schon 2x sämtliche Attraktionen im Six Flags Magic Mountain Park in L.A. gefahren ist und außerdem 6x hintereinander den höchsten Gyro-Drop-Tower der Welt in Soltau, den reißt ein einfacher 56 Meter hoher Freefall Tower nicht mehr vom Hocker. Okay, dann also auf zur Achterbahn „The Dragon“. Wenigstens mussten wir hier nicht anstehen. Noch ehe ich mich versah, saß ich mit in der Bahn, mein Herz in der Hose und mein Kopf schlug wie verrückt gegen die ledernen Kopfstützen. Hinterher hatte ich einen steifen Hals und Kopfschmerzen. Warum nochmal finden so viele Leute Achterbahn-Fahren toll? Dann doch lieber die etwas beschaulichere Delfin- und Seelöwenshow im Ocean Theatre. Die Plätze waren schon gut gefüllt, als wir 30 Minuten vor dem Start der Show eintrafen. Prinzipiell bin ich ja gegen solche Tier-Dressur-Veranstaltungen. Dennoch freue ich mich dann immer wieder wie ein kleines Kind, wenn die Delfine im Becken herumtollen, Luftsprünge machen und mit den Trainern schwimmen. Delfine sind die schönsten Tiere der Welt und seit ich 2007 auf Kuba das Glück hatte, mit ihnen zu schwimmen und sie zu berühren, bin ich noch mehr beeindruckt von der Intelligenz dieser faszinierenden Wesen. Am liebsten wäre ich auf der Stelle wieder mit ins Becken gesprungen, was mich wiederum an meine Kindheit erinnert, als ich mit meinen Eltern in Spanien zum ersten Mal einer solchen Show beiwohnte. Damals wurde ein glückliches Kind aus den Zuschauerreihen ausgewählt, welches sich dann in ein Boot setzen durfte, welches von Delfinen durch`s Wasser gezogen wurde. Außerdem durfte es die Tiere natürlich auch anfassen und bekam zum Abschied ein Küsschen. Naja, was soll ich sagen – ich war es nicht, die damals im Boot saß, ich war die, die nach Ende der Show sehnsüchtig am Beckenrand stand und meinen Eltern die Ohren vollheulte.

The two little Pandas ;-)
The two little Pandas ;-)

Die Chinesen waren jedenfalls schwer begeistert von der Show und haben fleißig gewunken und geklatscht – bis die Hälfte plötzlich bereits 5 Minuten vor Ende der Show aus dem Theater strömte. Was für eine Unart vor dem eigentlichen Veranstaltungsende zu gehen! Was für eine Gemeinheit gegenüber den Akteuren. Ich hab dann dafür doppelt so lange geklatscht, um den schlechten Eindruck der Besucher wieder etwas wett zu machen. Zum Glück fühlen sich Tiere durch solches Verhalten nicht persönlich verletzt. Letzte Station für uns im Headland-Bereich, nach dem Mine-Train, einer weiteren Achterbahn, jedoch aus Holz, die mich wesentlich mehr begeistert hat, war dann das riesige „Sea Jelly Spectacular“, ein Aquarium mit mehr als 1000 Quallen aller Größen und Farben aus aller Welt. Fasziniert standen wir vor den riesigen aquamarinen Becken und bestaunten diese durchsichtigen, fluoreszierenden Wesen. So durch die dicken Scheiben ein netter Anblick – sonst im Meer ganz sicher eine Zumutung.

So schön und so gefährlich
So schön und so gefährlich

Um den Rückweg antreten und das Highlights des Parks ansehen zu können, mussten wir dann eine ganze lange Weile an der Gondelbahn anstehen – hinter uns ein plärrendes, völlig unerzogenes Kind mit einer noch wesentlich genervteren und, viel schlimmer, überforderten Mutter. Na wenn das kein gelungener Familienausflug für die beiden war! Zurück im Lowland dann der besagte Höhepunkt, die „Amazing Asian Animals“ Ausstellung, mit den beiden Pandabären An An und Jia Jia. Die beiden waren 1997 ein Geschenk von China an Hongkong als Zeichen der Rückkehr zum chinesischen Hoheitsgebiet. Vor lauter Bambusblättern waren die beiden kaum zu erkennen, und irgendwie erinnerten sie mich eher an knuffelige Plüsch-Teddybären, wie sie so auf den Halmen rumkauten. Hinter dem „Giant Panda Habitat“ gab es dann noch eine Ausstellung mit skuril halbmutierten denn gezüchteten Goldfischen. Mit ihren riesigen Köpfen und hervortretenden Augen kein gesunder Anblick. Viel schöner war dann doch das „Grand Aquarium“, mit seinen über 5.000 Fischen eines der größten Aquarien der Welt. Auf verschiedenen Leveln konnte man hier die ganze Unterwasserwelt vom Strand bis zum Meeresboden erleben. Seesterne, Korallen, Fische, Seepferdchen und, schlussendlich, Haie und riesige Manta-Rochen. Vor einem 13 Meter großen Sichtfenster, standen wir da, gefühlt winzig klein, und beobachteten diese unglaubliche Artenvielfalt einträchtig nebeneinander.

Voll mit Fressen beschäftigt!
Voll mit Fressen beschäftigt!

Abschluss eines langen Tages im Ocean Park bildete dann die actionreiche Wassershow “Symbio, eine Art Mischung aus Wasserfontänenballet, Laser- und Feuershow, mit einer spannenden Story um 2 Drachen und die Lehre der Einheit zwischen Lebewesen, der Erde und wie wichtig es ist, unseren Planeten zu schützen. Ein packendes Finale, bei der uns die Feuerfronten förmlich den Atem raubten. Doch nicht lange, denn per Taxi ging es direkt zum nächsten Höhepunkt des Tages: Zur Pferderennbahn. Die Rennbahn in Happy Valley, ebenfalls auf Hongkong Island gelegen, ist eine der bekanntesten Schauplätze der Welt. Mit ihrer einzigartigen Lage inmitten der Hochhäuser und ihrer riesigen Tribüne ist sie der Publikumsmagnet für Einheimische und Touristen – jeden Mittwoch Nacht. Dann finden nämlich die Nachtrennen statt. Bereits vom Taxi war die taghelle Beleuchtung der Bahn nicht zu übersehen und nachdem wir uns an allerhand betrügerischen Anbietern vorbeigeschummelt hatten, standen wir also mittendrin: Tausende Menschen, vom einfachen Chinesen bis hin zum topgestylten britischen Geschäftsmann – das gesellschaftliche Großereignis Hongkongs. André hatte sofort das Wettfieber ereilt, doch es dauerte eine ganze Weile, bis er das hiesige Prozedere der Spielscheine intus hatte. Die Stimmung war atemberaubend, dutzende Monitore übertrugen Wiederholung für Wiederholung, davor die Wetteifernden mit der aktuellen Tageszeitung, um die aktuellen Quoten zu ermitteln. Das erste Rennen verfolgten wir noch von der Tribüne, bis es uns direkt ans Grün zog, neben uns der Parcour, wo die Pferde aufgewärmt wurden.

Live dabei!
Live dabei!

Brennend vor Aufregung fieberten wir dem nächsten Rennen entgegen, André den Wettschein fest in der Hand. Für einen sagenhaften Einsatz von 10 HK$ (1,-) sollte uns das Pferd Nummer 4 Glück bringen. Dann, endlich der Start, die Pferde rasten in gestrecktem Galopp an uns vorbei in die erste Kurve. Auf dem Videoscreen verfolgten wir die gegenüberliegende Grade und dann, die Zielgerade, plötzlich ein Tumult um uns herum, es wurde geschrien und gejubelt. Der Gewinner, ein Außenseiter, Nummer 8 mit einer Quote von 1:38. Knapp daneben. Dennoch, das Erlebnis war es wert. Noch ein Siegerfoto des Jockeys, direkt vor unserer Nase, das Pferd mit bebenden Nüstern, ehe es zurück zu den Stallungen ging. Auf dem Weg nach draußen, ein alter armer Mann, seine Sachen zerschlissen, sein Gesicht schmutzig, in der Hand einen Hotdog. Sieg und Niederlage liegen dicht beieinander. Wir jedenfalls hatten einen schönen Tag und viele neue Eindrücke gewonnen.

Auf der Zielgeraden
Auf der Zielgeraden
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Sa

12

Mär

2011

Seit wann liegt Las Vegas eigentlich in Portugal?

…haben wir uns gefragt, als wir am vergangenen Dienstag mit der Fähre von Kowloon nach Macau übergesetzt sind. Macau ist das Glücksspielzentrum Asiens, seit der Entmonopolisierung im Jahre 2002 boomt das Geschäft und ein Kasino nach dem anderen wird gebaut. Macau selbst ist ebenso wie Hongkong autonom und präsentiert sich bemüht westlich (was allerdings meist nicht gelingt). Vieles scheint nur eine billige Kopie der Originale aus Las Vegas zu sein, anstatt selbst neue Ideen zu entwickeln, hat man hier einfach nach Nevada geschielt und abgekupfert. Ein zweites Wynn, Venetian, MGM Grand… Die Liste könnte man noch eine Weile fortführen. Wer mit der Fähre nach einer Stunde Fahrt in Macau landet, muss zunächst die Passkontrolle passieren, danach wird man von Taxi- und Busfahrern förmlich überrannt. Da das Terminal etwas abseits liegt, nimmt man am besten zunächst einen der kostenlosen Shuttle-Busse zu einem der Kasinos. Das verpflichtet zu nichts, und man ist dem Zentrum gleich ein Stück näher. Die Kasinos selbst wirken etwas fehl am Platze angesichts der rumpligen alten Plattenbauten ringsherum. „Vorne hui, hinten pfui“ lautet das Motto, alte Fassaden werden einfach mit neuen Werbeplakaten behängt. Wer dann doch mal den Blick gen Himmel wagt, sieht abrissreife Wohnbauten, auf deren Balkone Wäsche baumelt. Häuser, die bei uns längst lehrgewohnt sein und abgerissen werden würden. Zum richtigen Strip in Las Vegas ist das hier garantiert kein Vergleich. Nach einer halben Stunde im ersten Kasino und 20 verzockten HK$ (2,- €) am einarmigen Banditen, laufen wir lieber ins Stadtzentrum und sind dort positiv überrascht. Viele der Altbauten aus der portugiesischen Kolonialzeit (bis 1999!) wurden hübsch restauriert und es ist eher ein Streifzug durch Lissabon anstatt durch China. Die Fußgängerzone ist schön gepflastert und zahlreiche Boutiquen und Cafés laden zum Schlendern ein. Mittlerweile ist auch der morgendliche Nebel verschwunden und die Sonne scheint wieder vom blauen Himmel. Hauptattraktion der Altstadt ist die Ruine Sao Paulo, die 1602 - 1640 erbaut jedoch leider mehrfach abgebrannt ist. Heute steht nur noch die vordere Fassade.

In der kolonial gestalteten Fußgängerzone Macaus
In der kolonial gestalteten Fußgängerzone Macaus

Vom eigentlichen Zentrum ist es ein gutes Stück zu Fuß bis zum Wahrzeichen Macaus, dem 338 Meter hohen Macau-Tower. Schon von Weitem kann man ihn sehen, wie er etwas abseits gelegen über die Inseln Macau, Taipa und Coloane wacht. Macau rühmt sich damit, von der Plattform den höchsten Bungee-Sprung der Welt anzubieten – keine Ahnung ob das stimmt. André und Falk wollen eigentlich den Skywalk machen, als wir jedoch hören, wie enorm die Preise seit Erscheinung unseres Reiseführers angezogen haben, fahren wir lieber einfach nur mit dem Fahrstuhl auf das Aussichtsdeck. Von oben kann man nicht nur über Macau, sondern auch weit bis China schauen und ringsherum sieht man die neuen künstlich aufgeschütteten Inseln. Die Landmasse hier hat sich in den vergangenen Jahren auf 28 km² vergrößert. Leider sind die Scheiben des Turmes völlig verdreckt, was es beinahe unmöglich macht, auch nur ein vernünftiges Foto von oben zu machen. Dann doch lieber schnell wieder mit dem Bus zurück zur Fähre und back to Hongkong. Irgendwie ist Macau nicht so ganz unser Ding.

 

Hier noch ein paar Pics:

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Sa

12

Mär

2011

Hinweis in eigener Sache

Ihr Lieben,

 

danke fuer Eure vielen Mails bezueglich des Erdbebens in Japan. Uns geht es gut! Haben Japan bereits am 27.2. gesund und munter verlassen, sind mittlerweile schon in Vietnam, ich hinke nur mit dem Blog etwas hinterher. Das Erdbeben ist einfach schrecklich! Wir hatten ja in unserer letzten Nacht in Tokyo bereits ein kleines Beben erlebt, ich mag mir gar nicht vorstellen, wie sich dagegen eines der Staerke 8,8 anfuehlt. Sylvia und Falk, falls ihr das lest, bitte meldet Euch, ob es Euch auf Bali gut geht! Haben gestern Abend die Bilder von Japan und heute morgen die Bilder von Kalifornien und Hawaii gesehen. Furchtbar. Erst die Flut und der Zyklon in Australien und nun das Erdbeben in Japan. Die Natur spielt echt voellig verrueckt. Bei uns ist ansonsten alles ruhig, sind gerade in der Bergen nahe der chinesisches Grenze, in Sa Pa, ausser das es ununterbrochen regnet und bitter bitter kalt ist, ist alles fein.

 

Seid lieb gegruesst von den Weltenbummlern! 

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Fr

11

Mär

2011

Pommes mit Speck und die schönste Aussicht der Stadt

Einer unserer ersten Wege in Hongkong führt uns natürlich … in das Esprit Outlet ;-). Die Worte "Esprit" und "Outlet" in einem Zusammenhang genannt, können bei uns Frauen nur eines hervorrufen: Kaufrausch. Nach dem dieser dann vorerst getilgt ist, geht es mit der Star Ferry nach Hongkong Island. Die Überfahrt von Kowloon dauert nur reichliche 5 Minuten und kostet schlappe 2 HK$, sprich 0,20 Euro. Wer unbedingt auf`s Oberdeck will, darf unfassbare 5 Cent mehr berappen, aber wir haben uns aus Budgetgründen natürlich eingeschränkt (;-))! Hongkong Island ist das Wirtschaftszentrum der Stadt und das eigentliche Stadtzentrum. Hier stehen die meisten Hochhäuser, es gibt die teuersten Boutiquen und die längste Rolltreppe der Welt. Die Insel misst 88,3 km², jedoch nur die Kowloon-zugewandte Seite ist so dicht bebaut. Im Hinterland finden sich noch urige Fischerdörfer und landschaftlich hübsche grüne Bergketten. Das Highlight jedoch ist der Peak, ein Aussichtspunkt 552 Meter über der Stadt, von dem man den allerbesten Blick über die sagenhafte Skyline Hongkongs genießen kann.

Übersetzen mit der Star Ferry
Übersetzen mit der Star Ferry

Unser erster Ankunftsblick fällt auf eine riesige Baustelle am Fährterminal. Als hätte Hongkong Island nicht schon genug Hochhäuser und Neubauten, sprießen hier noch mehr Gebäude wie Pilze aus dem Boden. Um den Strom der Besucher landeinwärts zu lenken, führen riesige Fußgängerbrücken wie Ameisentunnel über dichtbefahrene Straßen und durch Einkaufsmalls. Wir reihen uns in die Schlangen ein und stolpern kurze Zeit später beinahe über einen obdachlosen Krüppel, der quer mitten in der Mitte der Fußgängerbrücke liegt. Mitleiderregend rudert er mit seinem Bein-Stummel auf und ab, in der einen Hand hält er eine Blechdose. Ein Bild, das uns hier noch oft begegnen wird. Ich frage mich, ob das noch etwas mit menschlicher Würde zu tun hat?

Überall wird gebaut!
Überall wird gebaut!

Als wir irgendwann wieder auf Straßenhöhe sind, laufen wir in Richtung der Rolltreppe, die die steilen Steigungen hinaufführt. Unterwegs auf den schmalen Straßen Doppeldeckerbusse und –bahnen, die Sonne dringt kaum durch die langen Schatten der Hochhäuser. Die 800 Meter lange Rolltreppe führt uns dann mitten durch SoHo, das Kneipenviertel der Stadt. Links und rechts sehen wir hübsche Bars und Straßencafés, einige verlocken mit preiswerten Lunch-Angeboten. Wir halten uns links und gehen weiter in Richtung der Talstation der hübschen Standseilbahn, die hinauf zum Peak fährt. Leider ist diese für heute und die kommenden Tage „out of order“, so bleibt uns nichts anderes übrig, als die Buslinie 15 zu nutzen – ein Glück für uns, wie wir später merken, ist doch schon die Anfahrt zum Peak über der Stadt spektakulär. Mitten durch die Straßen von Hongkong Island schlängelt sich der Bus hinauf und man fragt sich, wie man bei der geringen Straßenbreite und den Ausmaßen des Busses, so geschickt navigieren kann, wie unser Fahrer. Mit jedem Höhenmeter bietet sich uns ein neuer fantastischer Blick über die Bucht. Unglaublich, dass die steilen Hänge noch immer mit neuen, noch höheren Wolkenkratzern zugepflastert werden. Es grenzt an ein Wunder, wie um die 200 Meter hohe Türme an beinahe 45° steile Hügel gezimmert werden. Und dabei sind sämtliche Baugerüste allein aus Bambus! Ganz hibbelig kleben wir am Fenster, begierig darauf auszusteigen, und den ganzen Blick über die Bucht zu genießen.

Anfahrt auf den Peak
Anfahrt auf den Peak

Nach einer guten Dreiviertelstunde sind wir oben und … sprachlos. Unter uns ein Meer aus Häusern, um die Bucht herumgestrickt und, ganz untypisch für Hongkong, mit klarer Sicht und strahlend blauem Himmel. Man muss dazu sagen, dass Hongkong an 150 Tagen im Jahr wolkenverhangen ist und dichte Nebelschwaden die Sicht auf die Stadt behindern. Wow! Ein kleiner Panorama-Rundweg führt um den Peak und wir laufen ein Stück, bis außer uns keine weiteren Touristen zu sehen sind. Der Ausblick ist einfach gigantisch. Eines muss man Hongkong lassen, es hat definitiv die tollste Skyline der Welt. Nirgendwo sonst gibt es so viele Hochhäuser! Obwohl flächenmäßig wesentlich kleiner als Tokyo, wirkt die Stadt durch das konzentrierte Zentrum viel großstädtischer. Tokyo selbst hatte jeweils in jedem Stadtteil ein Zentrum, in Hongkong verteilt sich alles nur auf die Insel und Kowloon. Auf dem Peak selbst geht es ziemlich touristisch zu. Sämtliche Fastfood-Ketten sind vertreten – die Preise sind hier einfach unfassbar billig. Ein komplettes Menü bei Mc Donalds (Pommes, Burger und Coke) kostet umgerechnet nur 2,- €!!! Trotzdem gibt es nicht so viele dicke Chinesen. Neben einem Einkaufszentrum gibt es auf dem Peak dann auch noch eine richtige Aussichtsplattform, auf die man für 25HK$ rauf darf. Oben wimmelt es dafür von Touris, professionelle Fotografen bieten gegen Geld einen Schnappschuss „Touris + Bucht“ an. Wir laufen ein wenig herum und versuchen ein paar Panorama-Aufnahmen zu machen, um die ganze Größe der Stadt auf ein Foto zu bannen. Wenn die Aussicht so schon so schön ist, wie sieht das Ganze dann bei Nacht aus? Wenn die ganze Stadt beleuchtet ist?

Die Skyline von Hongkong bei Tag...
Die Skyline von Hongkong bei Tag...

Wir beschließen kurzerhand, einfach bis zum Sonnenuntergang auf dem Peak zu bleiben, wenn wir schon mal da sind und so schönes Wetter haben. Wir vertreiben uns die Zeit in der Einkaufsgalerie mit leckeren Pommes mit Käse und Bacon, Crepes sowie einem Käffchen mit Blick über das Hinterland der Insel. Als dann irgendwann die Sonne tief orange untergeht, stehen sogar die Angestellten mit der Kamera bereit – offensichtlich gibt es solche Postkartenmotive nur selten zu sehen. Wir fahren mit der Rolltreppe wieder rauf auf die Aussichtsplattform und verfolgen, wie der Himmel dunkler und dunkler und die Stadt dafür immer heller wird. Der Wahnsinn! Jeder Wolkenkratzer ist anders beleuchtet, einige erstrahlen mehrfarbig und in verschiedenen Abstufungen, andere haben 3-D-Lichtformationen, die aussehen, als stünden in den Gebäuden noch weitere. Mittlerweile sind noch einige Besucher mehr gekommen und es entbrennt ein Kampf um einen Aussichtsplatz in der ersten Reihe. Mangels Stativ nutze ich ein Fernglas als Unterlage für die Kamera und so gelingen mir zum Glück ein paar gute Aufnahmen der Stadt bei Nacht.

...und bei Nacht
...und bei Nacht

Wir können uns kaum losreißen, aber mittlerweile ist es so dermaßen kalt geworden, dass uns in FlipFlops beinahe die Zehen abfrieren. Also nix wie zurück zum Bus und runter zum Hafen. Das letzte Stück zur Fähre legen wir zu Fuß zurück und wieder in Kowloon gelandet, bewundern wir die Kulisse noch einmal aus der Sealevel-Höhe. Dutzende Pärchen haben sich auf der Promenade am Hafen eingefunden, manche haben es sich mit einer Flasche Wein gemütlich gemacht. Uns knurrt eher der Magen, und so lassen wir den Tag im Spaghetti-House ausklingen (das chinesische Essen in den hotel-umliegenden Garküchen mit zum Teil katastrophalen hygienischen Bedingungen, sieht leider nicht gerade vertrauenserweckend aus).

 

Mehr Fotos vom Peak und von Hongkong findet ihr hier:

http://wirsinddannmalunterwegs.jimdo.com/fotogalerie/china/

 

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Do

10

Mär

2011

Spucke - ein Kulturgut?

Das erste, an das ich mich während unserer Hongkong-Tage erinnere, ist die Busfahrt vom Flughafen ins Zentrum. Sylvia und Falk, unsere Freunde, die uns diese Woche in Hongkong besuchen wollten, haben uns vom Airport abgeholt und wir haben uns riesig gefreut, endlich wieder einmal vertraute Gesichter zu sehen. Während der Busfahrt gab es also viel zu erzählen, draußen flogen Hochhäuser vorbei, wie sie Gorbitz oder Reick entsprungen sein könnten, uns gegenüber ein alter Chinese, der, den Kopf ans Fenster gelehnt, vor sich hindöste. Während wir also so redeten und lachten, blickte ich plötzlich auf den alten Mann, als sich ein riesiger Spucke-Tropfen aus seinem Mundwinkel löste und wie im Zeitlupentempo auf seine Hose tropfte. Lecker oder? Klar ist das sicherlich schon jedem einmal passiert, man döst irgendwie kurz weg, auf dem Sofa oder so, und wenn man irgendwann später wieder aufwacht, ist ein nasser Fleck auf dem Kissen. Dann wischt man sich beschämt einmal mit der Hand über den Mund und dreht das Kissen mit dem Fleck nach hinten. Aber man sabbert doch nicht im Bus vor fremden Leuten!!! In Tokyo ist das Keinem passiert, und die haben überall geschlafen. Besagter Spuckefaden zog sich also im wahrsten Sinne des Wortes durch unsere Hongkong-Woche. Die Chinesen sind ganz groß im Herumspucken. Dazu sammeln sie stundenlang ihren Nasenschleim, ziehen ihn so richtig von hinten hoch, formen im Mund einen Spuckeklumpen, auf dem sie dann gut und gerne ein paar Minuten herumkauen, ehe sie ihn dann, in einem vermeintlich unbeobachteten Moment loswerden. Oder auch nicht. Dann halt vor vielen Zuschauern. Das kann dann aus dem fahrenden Busfenster (Gnade dem, der gerade draußen auf dem Bürgersteig steht oder mit seinem Auto vorbeifährt) oder wahlweise in einen Papierkorb oder ins Klo sein (letzteres ist wohl eher die Ausnahme). Man könnte jetzt sagen, das sei Teil ihrer Kultur, aber ich weigere mich einfach, Spucke als Kulturgut zu bezeichnen. Was bleibt noch über die Chinesen zu sagen? Nun ja, wenn man unfreundlich, dreckig, laut wegnimmt, bleibt leider nicht mehr viel übrig. Nach einer Woche in Hongkong kann ich mich an kaum eine freundliche Bedienung erinnern und kann nur wenig positive Beispiele der Bevölkerung aufzählen. Okay, ein junger Mann hat uns freundlicherweise im Bus seinen Platz überlassen, damit André und ich zusammen sitzen konnten, und unsere Hostel-Mutter war super herzlich und hilfsbereit aber dabei hört es beinahe schon auf. Wir sind sogar auf so etwas wie Ausländerfeindlichkeit gestoßen, als man uns in einem einheimischen Restaurant keinen Platz geben wollte, statt dessen alle anderen Chinesen einen Tisch vor uns bekommen haben. Aber so weit will ich mal gar nicht gehen. Fakt ist, wer aus Tokyo kommt, wird von Hongkong schwer enttäuscht sein. Die Straßen sind laut und dreckig, ständig wird man immer und überall von der Seite angequatscht: „Madame, Handbags, Gucci, Prada?“, „Mister, Watches, Rolex, Tudor, Suits?“ Nein, verdammt, wir wollen weder gefakte Handtaschen noch Uhren kaufen und nein, wir wollen uns auch keinen Anzug schneidern lassen. Wir wollen einfach nur in Ruhe durch die Straßen gehen. Aber das ist in Hongkong einfach unmöglich. Und wenn es nicht gerade Taschen und Uhren sind, dann halt Massagen. Oder Kosmetik. Zum Teil werden die Leute dann auch noch handgreiflich und nicht selten mussten wir uns mit einem deutlichen „Don`t touch me!“ wehren.

Zu viert in Hongkong
Zu viert in Hongkong

Okay, vielleicht waren unsere Ansprüche nach Tokyo ein wenig hoch gesteckt, und okay, vielleicht mussten wir uns erst wieder auf normales asiatisches Niveau herunterwagen, es hat jedenfalls eine ganze Weile gedauert, ehe wir Hongkong etwas halbwegs Gutes abgewinnen konnten. Dass die ganze Woche dann trotzdem hammercool wurde, haben wir jedenfalls Sylvia und Falk zu verdanken, endlich wieder zu viert unterwegs zu sein, war herrlich. Nach 3 Monaten oberflächlicher Gespräche mit anderen Travellern und flüchtigen Begegnungen gefolgt von noch flüchtigeren Verabschiedungen, eine echte Wohltat! Danke Euch beiden noch einmal an dieser Stelle, dass ihr uns besucht habt, und wir diese Woche gerock(hong)t haben! Wir haben jedenfalls keine Minute verschwendet und die komplette Stadt auf den Kopf gestellt, uns sozusagen mitten ins pralle chinesische Leben gestürzt. Aber lest selbst in den nächsten Artikeln!

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Mo

07

Mär

2011

Kamakura – ein Besuch der alten Hauptstadt

Circa eine Stunde südwestlich mit der Bahn von Tokyo entfernt, liegt das etwas verschlafene Städtchen Kamakura. Wenn man mit dem Zug am Bahnhof ankommt und aus dem Gebäude auf den Vorplatz tritt, ist schwer vorstellbar, dass diese kleine Stadt einmal die Hauptstadt des Landes Japan gewesen ist (na gut, das ist auch schon eine Weile her, nämlich von 1185 bis 1333). Wenn uns jedenfalls nicht Silvia den Tipp gegeben hätte, wären wir ganz sicher nicht auf die Idee gekommen, hierher zu fahren. Kamakura ist eher ein Geheimtipp für Touristen, jedoch ein sehr beliebtes Ausflugsziel für die Tokyoter. Aufgrund seiner unzähligen gut erhaltenen Tempel (65!) und Schreine (19!) gibt es einen guten Einblick in das traditionelle Japan – wenn man einen Besuch Kyotos nicht unbedingt auf der Tagesordnung während seiner Japan-Reise hat. So erging es uns zumindest, war doch eine Zugfahrt mit dem Shinkansen nach Kyoto einfach unerschwinglich. Also hieß es am vorletzten Freitag bei frühlingshaften Temperaturen um die 20° und strahlendem Sonnenschein: Ab nach Kamakura!

André, Jana und der große Buddha
André, Jana und der große Buddha

Vom Tokyoter Hauptbahnhof fahren wir mit der JR Yokosuka Linie ins 50 Kilometer entfernte Kamakura. Als wir auf dem Bahnhof ankommen, müssen wir uns erst einmal orientieren – irgendwie hatten wir gedacht, dass die Sehenswürdigkeiten hier näher beieinander liegen würden. Zum Glück hilft uns eine freundliche Bahn-Angestellte mit einem Stadtplan aus und wir verschaffen uns einen ersten Überblick über Kamakuras Attraktionen. Auf dem Plan sind derartig viele Tempel und Schreine eingezeichnet, dass wir angesichts der Vielfalt total überfordert sind. Zum Glück gibt der Lonely Planet einen ersten Fingerzeig – nicht weit vom Bahnhof befindet sich der wichtigste Shinto-Schrein des Ortes, Tsurugaoka Hachiman-gu. Der Gottheit Hachiman - Schutzgottheit des Minamoto-Clans und Kriegsgott - geweiht, war dies seit 1063 der Schutzschrein des Minamoto-Clans. Seit 1191 befindet er sich an seinem jetzigen Ort; die meisten der heutigen Gebäude stammen aus dem frühen 19. Jahrhundert. Schon der Weg dorthin, über eine kleine belebte Einkaufsstraße ist ein Erlebnis. Nach dem wir durch das erste Torii getreten sind, sind wir sofort umgeben von hübschen kleinen Geschäften in denen es traditionelles Kunsthandwerk, Essstäbchen und andere japanische Andenken zu kaufen gibt. Dazwischen nette Restaurants, deren Fotos von den Gerichten bereits Lust auf ein späteres Mittagessen machen. Der Eingang zum Schrein ist schnell gefunden und nach der traditionellen Reinigung bestaunen wir begeistert das Gelände. Zu unserer Rechten führt eine kleine Brücke auf eine winzige Insel, auf der dutzende weiße Fahnen mit japanischen Schriftzeichen im Wind flattern. Zum Hauptgebäude des Schreins führt eine breite Treppe, der Schrein selbst ist eher untypisch bunt bemalt in rot und gold. Drinnen finden sich wieder unzählige omamori mit dem obligatorischen Hasen drauf, manche auch mit hübschen Pferden. Anscheinend scheinen heute viele das gute Wetter genutzt zu haben, mit uns sind noch dutzende Japaner auf den Beinen aber wir sind, wieder einmal, glücklicherweise fast die einzigen Touristen.

Tsurugaoka Hachiman-gu
Tsurugaoka Hachiman-gu

Vom Tsurugaoka Hachiman-gu Schrein sind es dann knappe 15 Minuten zu Fuß stadtauswärts zum ältesten Tempel der Stadt, dem Kencho-ji. 1253 gegründet, ist Kencho-ji der bedeutendste der fünf großen Zen-Tempel in Kamakura und der Hauptstandtort der Rinzai-Sekte. Einst bestand die Tempelanlage aus sieben Hauptgebäuden und 49 Nebentempeln, von denen die meisten allerdings bei Bränden im 14. und 15. Jahrhundert zerstört wurden. Die Restaurationsarbeiten des 17. und 18. Jahrhunderts vermitteln jedoch noch immer einen Eindruck von der einstigen Größe des Tempels. Hier kann man die japanische Geschichte förmlich riechen. Die alten Tempel bestechen durch ihre Schlichtheit aus dunkelbraunem Holz. Drinnen finden sich reich verzierte Altäre. Kencho-ji ist bis heute ein Kloster und die älteste Zen-Ausbildungsstätte Japans. Im Versammlungshaus müssen wir dann die Schuhe ausziehen und laufen auf der hölzernen Terrasse um die mit Reismatten (Tatamis) ausgelegten Räume herum. Auf der Rückseite des Gebäudes liegt ein hübscher kleiner Garten mit Teich, hölzerne Bänke laden zu einer kleinen Verschnaufspause ein. Wir genießen die Ruhe, ehe uns der Hunger zurück in die Stadt treibt.

Kencho-ji
Kencho-ji

Schnell finden wir das kleine Restaurant wieder, ein Okonomiyaki-Restaurant, welches uns schon auf dem Hinweg neugierig gemacht hat und kurze Zeit später treten wir in das dunkle Innere. Ganz traditionell müssen wir am Eingang unsere Schuhe ausziehen, es gibt kleine Spinde, in die man seine Straßenschuhe hineinstellt und dafür in die darin befindlichen Pantoffeln schlüpft. Dann werden wir am Tisch platziert, in dessen Mitte eine heiße Stahl-Platte („Teppan“) dampft. Diese Art des Restaurants ist typisch für Japan, okonomi bedeutet „Geschmack“, „Belieben“ im Sinne von „was du willst“; yaki bedeutet „gebraten“ oder „gegrillt“. Wir bestellen beide Schwein mit Sojasprossen und Nudeln und bekommen das Essen roh auf zwei Tellern serviert. Schnell erklärt uns der Koch, der wie einer der Lehrer aus einem uralten japanischen Karate-Film aussieht, dass Prozedere. Ähnlich wie zu Hause beim Essen vom heißen Stein, bereitet man hier seine Mahlzeit nach Wunsch selbst mit Öl, Sojasauce und Chili zu. Spezialität des Hauses sind daher auch Omeletts und Pfannkuchen, wir stürzen uns jedoch auf unsere Nudeln. Es dampft und brutzelt sofort, als wir die ersten Fleischstücke auf der Platte verteilen und durch den kleinen Restaurant-Raum, die einzelnen Tische sind noch einmal mit Holz voneinander unterteilt, und die enorme Hitze der Platte, kommen wir ganz schön ins Schwitzen. Das Essen schmeckt herrlich und wir langen ordentlich bei Salz, Pfeffer und Schärfe zu. Zum Glück gibt es wieder kostenlos Wasser, das neutralisiert die Schärfe ein bisschen. Wir sind beide voll in unserem Element und grillen, was das Zeug hält. Anderthalb Stunden später halten wir uns die prallen Bäuche, wir haben alles bis auf die letzte Sojasprosse vertilgt. Und jetzt wollen wir nur noch schnell wieder an die frische Luft.

Einmal in einem traditionell japanischen Gasthaus zu essen, ist ein Muss
Einmal in einem traditionell japanischen Gasthaus zu essen, ist ein Muss

Die Sonne steht schon tief, als wir uns auf unsere letzte Etappe für heute machen. Zu Fuß laufen wir vom Bahnhof, dieses Mal in die entgegengesetzte Richtung nach Ha-Se. Dort wollen wir den großen Buddha besichtigen, die bekannteste Sehenswürdigkeit Kamakuras. Der Daibutsu (=Großer Buddha) steht im Westen der Stadt, auf dem Gelände des Tempels Kotoku-in. Der Weg nach Ha-Se ist geschmückt mit typisch japanischen Einfamilienhäusern. Viele Städter leben hier und pendeln täglich nach Tokyo, die Häuser stehen dicht nebeneinander und oftmals passt das Auto wie maßgeschneidert in die winzige Garage. Bis zum Buddha sind es gute 3 Kilometer, alternativ hätten wir auch mit dem Zug fahren können, aber wir wollten uns das Geld sparen und lieber noch etwas von der Stadt sehen. Das schönste Stück ist, als wir von der Hauptstraße nach links abbiegen und nun durch eine kleine japanische Siedlung laufen. Ab und zu blüht auch hier am Wegrand schon ein Kirschbaum, und wir freuen uns wie verrückt über die etwas wärmeren Temperaturen und den blauen Himmel. Gerade rechtzeitig, kurz bevor die Sonne hinter den Hügeln verschwindet, erreichen wir unser Ziel. Die aus Bronzeplatten zusammengesetzte Statue ist 11,40m hoch und wiegt 850 Tonnen; ursprünglich soll sie mit Blattgold bedeckt gewesen sein. Sie stellt den Amida Nyorai, den Zukunfts-Buddha, dar, der die Seelen der Menschen in das Westliche Paradies aufnimmt. 1252 fertiggestellt, befand sich die Statue ursprünglich in einer großen hölzernen Halle, die jedoch 1495 bei einem Tsunami zerstört wurde. Der Daibutsu selbst überstand dagegen erstaunlicherweise alle Naturkatastrophen, sogar das große Erdbeben von 1923.

Der Daibutsu
Der Daibutsu

Wir setzen uns zu Füßen der Statue und lassen die Atmosphäre dieses heiligen Ortes auf uns wirken und den Tag noch einmal Revue passieren. Was für ein schöner Ausklang unseres Tokyo-Aufenthaltes und definitiv eines der Highlights unsere Japan-Woche. Klar, jetzt wo man ein wenig den verführerischen Duft des alten Japan geschnuppert hat, will man natürlich mehr von diesem faszinierenden Land sehen. 7 Tage sind einfach viel zu wenig. Wir wollen, neben Tokyo, auch Kyoto und Osaka sehen, den Mt. Fuji besteigen – die japanische Kultur noch besser kennenlernen und mehr als „Arigato“, „Sayonara“ und „Konnichiwa“ sagen können (obwohl wir mit diesen 3 Worten erstaunlich gut zurecht gekommen sind). Japan ist einfach die größte Überraschung unserer Reise. Ein Land, mit einer so vielfältigen beeindruckenden Kultur, das so schmählich vom Tourismus links liegen gelassen wird. Ein Fehler. Hat es doch so unglaublich viel zu bieten. Wir werden wiederkommen. Und dann mehr Zeit mitbringen. Und dann vielleicht, irgendwo in einer kleinen Gasse in Kyoto, tatsächlich einer Maiko oder Geisha begegnen.

 

(Quelle der Informationen zu den Sehenswürdigkeiten Kamakuras: Tokyo Travel Guide)

 

Mehr Fotos gibt`s wie immer hier:

http://wirsinddannmalunterwegs.jimdo.com/fotogalerie/japan/

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Do

03

Mär

2011

Gummibärchentage

Nach 5 Wochen Australien und knapp 10.000 zurückgelegten Kilometern hieß es für uns am 19.02. "Bye bye Australia" und "Konnichiwa Tokyo".

 

Ich weiß, ich habe schon von vielen Städtchen geschrieben, die uns auf unserer Reise beeindruckt haben und ich hätte nicht gedacht, dass uns noch irgendetwas so flashen kann, dass wir einfach nur fassungslos sind. Vielleicht liegt es daran, dass Japan, Tokyo, nie zu meinen bevorzugten Reisezielen gehört hat und ich daher auch keinen Gedanken daran verschwendet habe, mich über dieses Land zu informieren. Also hatte ich auch keinerlei Erwartungen, und nur dank André, der schon immer einmal nach Japan wollte, wurde Tokyo überhaupt Teil unserer Weltreise. Im Nachhinein muss ich André danken, denn ohne ihn, wäre ich wohl nie nach Tokyo gekommen und hätte diese unglaubliche Stadt gesehen. Und weil die Stadt einfach schlicht und ergreifend zu aufregend war, um Zeit im Hotelzimmer zu verbringen, waren wir von früh bis spät in die Nacht auf den Beinen, um jeden Winkel zu erkunden. Und da ist das Schreiben zugegebenermaßen aus Zeitmangel ausnahmsweise ein klein wenig auf der Strecke geblieben. Nun aber: Eine kleine Stadtrundführung sowie ein Einblick in die japanische Kultur:

Tokyo ist… Mmhhh… Mit welchem Wort könnte man die größte Stadt der Welt am besten beschreiben? Sauber. Würde ich sagen. Obwohl sauber ein bisschen spießig klingt. Und altbacken. Und das ist Tokyo keinesfalls. Alles fing damit an, dass wir vor einer reichlichen Woche gelandet sind, ahnungslos die Passkontrolle passiert haben und uns mit der Kaisoku-Line nach 1 ½ Stunden Zugfahrt direkt ins Tokyoter Stadtleben katapultieren lassen haben. Alleine die Tatsache, dass der Narita Airport 66 km vom eigentlichen Stadtzentrum entfernt liegt und damit der am weitesten außerhalb gelegene Flughafen der Welt ist, lässt einen erahnen, welche Dimensionen diese Stadt hat. Der Bahnhof spuckte uns also mitten ins Großstadtleben – und wir tauchten ein, in die Welt von Sushi, Mangas und Maikos. Unser Hotel, in Chuo-ku, ca. 1,5 Kilometer nordöstlich des Kaiserpalastes, mitten im wirtschaftlichen Herzen der Stadt. Das Zimmer 10 m², unsere winzige Ruheoase, das Bett gerade mal 1,10 m breit, aber es ist alles da, was man braucht. Schon beim Check-In wird uns die immense Höflichkeit und Freundlichkeit der Japaner bewusst. Wir werden behandelt wie die Könige auf Staatsbesuch.

 

Unser Zimmer sollten wir dann jedoch nur noch wenig zu Gesicht bekommen, denn natürlich wollten wir die Stadt erkunden. Und wie macht man das bei der Größe am besten? Genau. Mit der U-Bahn. Wenn eines in Tokyo besonders auffallend ist, dann das hervorragende Verkehrssystem. Es gibt jeweils 2 große Metro- und Bahnanbieter, die jeweils unterschiedliche Strecken bedienen. Hat man sich einmal an den Fahrkartenautomaten durchgefitzt, ist es ganz einfach. Man schaut auf die Stadt-Karte, sucht sich seine geplante Zielstation, liest dort den Preis ab und füttert dann die Maschine mit den entsprechenden Yen-Beträgen. Und ab geht die Fahrt. Wir haben die gesamte Woche zur Genüge auf die U-Bahn zurückgegriffen, die Distanzen sind zu Fuß meistens einfach zu groß, und es ist eine wahre Freude, quer durch die Stadt zu fahren und die Einheimischen zu beobachten. Auch trotz der fast ausschließlichen Beschilderung in japanischen Schriftzeichen haben wir uns super zurecht gefunden. Meist sind wir glücklicherweise nicht in der Rush Hour gefahren, dennoch haben wir eine Ahnung davon bekommen, dass die Klischees stimmen und wie voll Waggons so werden können (so richtig mit plattgedrückten Gesichtern an der Scheibe). Auch das die Japaner im Zug schlafen (auch im Stehen!), stimmt. Wir haben uns dem Ganzen gleich mal gepflegt angeschlossen und auch öfters ein Nickerchen gemacht. Wenn man dann seine Station erreicht, wird man überrascht sein, wie groß ein unterirdischer Bahnhof sein kann – meist finden sich an jeder Station kleine Malls unter der Erde mit Geschäften, öffentlichen Toiletten und Restaurants. Dazu kommt, dass jede Station annähernd 10 Ausgänge in verschiedene Himmelsrichtungen hat, was die Orientierung zuweilen etwas schwierig erscheinen lässt. In einer der letzten Geo Special habe ich einen witzigen Satz gelesen: „Das Leben eines Tokyoters kommt dem eines Maulwurf gleich, den Großteil davon verbringt er in Röhren.“ Und tatsächlich ist der Platz in Tokyo gut genutzt, als befände sich unter der eigentlichen Stadt eine zweite. Und das keinesfalls anrüchig, wie zu Hause, wo sich in Unterführungen gerne mal Obdachlose herumtreiben. Im Gegenteil.

Rush Hour in der Tokyoter Metro
Rush Hour in der Tokyoter Metro

Wenn man dann doch irgendwann zurück ans Tageslicht kehrt und auf eine der belebten Straßen tritt, ist das erste, was einem auffällt, wie unfassbar sauber diese Stadt ist. Als könnte man in der abgelegensten, verwinkeltsten Gasse vom Fußboden essen. Nirgendwo liegt Müll, nicht mal Zigarettenstummel. Und das bei 16 Millionen Einwohnern! Wie machen die das? Unsere Freundin und ehemalige Kollegin Silvia, die seit 5 Jahren in Tokyo lebt, erklärt uns später, dass die Japaner einfach zu gut erzogen sind. „Nimm Deinen Müll mit Dir“ lautet die Devise und jeder hält sich daran. Wir erfahren von ihr noch viel Interessantes über die Einheimischen und die verschiedenen Viertel als wir uns am vergangenen Dienstag mit ihr in Shibuya treffen, dem hippsten Viertel der Stadt. Gleich vor dem Bahnhof die belebteste Kreuzung der Welt. Hier prallen Welten aufeinander. Business-People versus „Cute“-Teens. Ich bezeichne sie mal so. Zwei Menschengruppen in Tokyo, die das Stadtbild ganz gut wiedergeben. Auf der einen Seite die „Armee aus Anzugträgern“, wie Silvia sie nennt. Ganz in schwarz gekleidete, schwer gehetzt wirkende Leute im Business-Outfit. Alle gleich angezogen, die Männer im schwarzen Anzug mit weißem Hemd und Krawatte, die Frauen im schwarzen Kostüm. Dagegen die Teenies. Hier lautet das Schönheitsideal in Japan „Cute“, nicht sexy oder hübsch. Niedlich! Ganz so wird sich auch gestylt. Die Mädchen tragen ultrakurze Röcke, dazu Kniestrümpfe und halsbrecherische Pumps. Die Haare auftouppiert, eine schwarze Brille (ohne Gläser!) ist der aktuelle Trend. Sie verkörpern den Schulmädchen-Look. Die Augen riesig gemalt, mit künstlichen Wimpern und geschminkt bis zum Umfallen. Das Ganze aber keinesfalls billig, im Gegenteil, alle kleiden sich sehr bewusst modisch, wir müssen selbst Sydney den Spitzenplatz der bestangezogensten Menschen aberkennen.

Promotion-Aktion in Shibuya
Promotion-Aktion in Shibuya

Aber zurück zur Kreuzung. Beschallt von dutzenden Leuchtreklamen und Werbetafeln, 6 Zebrastreifen. Es ist nicht wie bei uns, dass erst die eine und dann die andere Richtung grün bekommt, nein, es bekommen alle gleichzeitig. Die sich kreuzenden Straßen sind so breit wie die Champs-Elysées in Paris und alle vier Übergänge sind mit einem 30 Meter breiten Zebrastreifen gekennzeichnet. Die zwei anderen Übergänge laufen diagonal. Wenn die Ampeln auf Grün schalten, sind alle Übergänge für Fußgänger gleichzeitig freigeschaltet. Dann prallen ca. 1.000 Menschen aufeinander. Mindestens. So viel wie an einem Samstag auf der Prager Straße. Wer hier Platzangst hat, ist fehl am Platz. Wir lassen uns mit Silvia direkt ins nächste Sushi-Restaurant treiben – denn was wäre ein Japan-Besuch ohne Sushi?

Das Restaurant ist eines der beliebtesten in der Stadt, das Sushi fährt auf einem kleinen Laufband quer durch`s Restaurant und die Gäste sitzen drum herum. Wir werden platziert und können sofort zulangen. Die Teller sind unterschiedlich farbig markiert, um die entsprechenden Preise erkennbar zu machen. Ein Teller mit 2 Standard-Sushis kostet 120 Yen, macht 1,20 €. Dabei gibt es weniger Makis (Rollen) und Futo-Makis (große Rollen), wie wir es von zu Hause kennen, sondern fast ausschließlich Sashimi (kleine Reisbälle mit einer Scheibe rohem Fisch darauf). Um 20 Minuten im Restaurant sitzen bleiben zu dürfen, müssen wir jeder mindestens 7 Teller vertilgen (14 Sashimis). Hier geht es nach Zeit, denn die wenigen Plätze sind begehrt. Je mehr Teller man isst, desto länger darf man hier verweilen. Ist man fertig, wird man hinauskomplimentiert. Das Sushi ist überraschend mild, es gibt nur wenig Wasabi, dazu jedoch grünen Tee ohne Ende. Am besten geschmeckt hat uns das gegrillte Thunfisch-Steak. Silvia bestellt noch ein paar Makis, diese sind jedoch auch nur mit Gurke gefüllt. Kein Vergleich zu unserem Lieblings-Sushi-Restaurant zu Hause, wo es die Futo-Makis mit Frischkäse, Avocado, gegrillter Aal-Haut, Lachs, Gurke und Wasabi gibt. Dann bleiben wir lieber bei den leckeren Nudel-Suppen, die es an jeder Straßenecke für den Bruchteil des Geldes gibt.

Lecker Sushi!
Lecker Sushi!

Satt und zufrieden lassen wir uns also durch Shibuya treiben, mitten über die Takeshita dori (die beliebteste Straße der japanischen Jugend, hier gibt es alles von Plateau-Schuhen über halterlose Strümpfe bis hin zu kompletten Kostümen) zum Meji-Schrein, einer Ruheoase in mitten eines riesigen Stadtparks. Der Meji-Schrein, Tokyos berühmtester Schrein, wurde zu Ehren des berühmten Kaisers Meiji errichtet, der von 1868 bis 1912 regierte. Schon am Eingang treten wir durch das Torii, bestehend aus 3 Balken, die meist rot angemalt sind. Die Größe der Toriis ist dabei unterschiedlich, je nachdem wie wichtig der Schrein ist. Bevor wir jedoch den Schrein betreten dürfen, müssen wir uns reinigen. Mit einer Schöpfkelle entnimmt man einem Becken Wasser und wäscht sich damit die Hände und spült sich den Mund aus. In der japanischen Kultur gibt es zwei Religionen, den Shintoismus und den Buddhismus. Shinto ist die ursprüngliche Religion Japans. Noch bevor im 6. Jh. n. Chr. der Buddhismus aus China über Korea nach Japan kam, wurde in Japan das Shinto praktiziert. Ziel ist es, die Kami zu besänftigen und die Harmonie herzustellen. Zwischen beiden Religionen liegt auch der Unterschied zwischen Tempeln und Schreinen, Tempel sind buddhistisch, Schreine shintoistisch. Aber dazu später mehr. Der Shintoismus ist eine Art Schamanismus, hier werden die Geister, die Kami, die in allen Dingen wohnen, verehrt. Demzufolge sind die Japaner sehr abergläubisch und man kann seinem Glück mit allerhand Tricks auf die Sprünge helfen. So befindet sich in der Haupthalle ein Opferstock, in den man eine 5-Yen-Münze werfen kann, anschließend 2x in die Hände klatscht und sich etwas wünschen kann. Weiterhin kann man aus einer kleinen Box (nach kräftigem Schütteln) ein Stäbchen ziehen, auf dem eine Nummer vermerkt ist. Für seine jeweilige Nummer bekommt man einen Glückszettel, auf dem für verschiedene Dinge des Lebens (Geld, Familie, Arbeit usw.) eine Vorhersage geschrieben steht. Ist man mit seinem Schicksal zufrieden, kann man sich den Zettel mit nach Hause nehmen und sich daran erfreuen. Wer es allerdings nicht ist, knotet seinen Papierstreifen an einen Baum im Schrein und die Schreingottheit nimmt sich seines Unglücks an. Es kann also, welche Vorhersage man auch zieht, eigentlich nichts schief gehen. Am schönsten ist der Brauch der omamori, kleine Holztäfelchen, auf die man seine Wünsche schreiben kann (keine materiellen) und diese anschl. an eine Wand hängt. Diese Tafeln werden dann in regelmäßigen Abständen in einer feierlichen Zeremonie verbrannt und die Wünsche sollen in Erfüllung gehen. Außerdem kann man sich aus jedem Schrein Glücks-Anhänger, z.B. für gute Gesundheit, gute Reise etc. mitnehmen. Natürlich werfen auch wir eine Münze und beschreiben eine Glückstafel. Auf der Vorderseite ist ein kleiner Hase abgebildet (2011 ist das Jahr des Hasen, wie man überall in Tokyo sehen kann). Dann werden wir freundlich aber bestimmt aufgefordert, zu gehen, der Schrein schließt um 17 Uhr.

Die omamori
Die omamori

Wir fahren weiter mit der U-Bahn nach Shinjuku. Shinjuku ist eines der modernsten Viertel und Sitz des Rathauses. Dort führt uns auch unser erster Gang hin, denn ganz oben in den beiden Türmen befinden sich Aussichtsterrassen, von denen man einen Blick über die Stadt genießen kann. Der Eintritt ist frei und nach einer kurzen Taschenkontrolle fahren wir mit dem Lift in den 45. Stock. Silvia treibt uns zur Eile, ist die Sonne doch gerade untergegangen und wir wollen noch etwas von der blauen Stunde haben. Und tatsächlich, als wir oben ankommen und ans Fenster treten, sehen wir in der Ferne tatsächlich noch die Spitze des Mt. Fujis. In der Regel ist der Berg aufgrund der Luftverschmutzung und des Smogs nur selten zu sehen, nur an klaren Wintertagen, wie heute, hat man Glück. Wow. Wir sehen den spitzen Kegel aus einer riesigen Wolke emporragen, der Vulkan ist 3.776 Meter hoch und zuletzt im Jahr 1707 ausgebrochen. Aber auch sonst ist der Ausblick von hier oben fantastisch. Bis zum Horizont erstreckt sich auf allen Seiten ein Meer aus Lichtern, um uns herum stehen noch die höchsten Gebäude der Stadt (Tokyo darf aufgrund der anhaltenden Erdbeben-Gefahr keine riesigen Hochhäuser bauen, immer wieder kommt es aufgrund der Lage an der Eurasischen Platte zu mehr oder weniger starken Beben, auch wir hatten in unserer letzten Nacht sogar ein kleines Erdbeben!), weiter hinaus wird uns die ganze Größe der Stadt erst richtig bewusst. Hat die Stadt „nur“ 16 Millionen Einwohner, fast der gesamte Ballungsraum Tokyo-Yokohama um die 37 Millionen! Tokyo selbst sind eigentlich einfach nur mehrere Städte, die im Laufe der Zeit zusammengewachsen sind. Wir verbringen über eine Stunde auf dem Rathaus-Turm und drücken uns die Nasen an den Fenstern platt, so schön ist der Anblick.

Tokyo bei Nacht von oben
Tokyo bei Nacht von oben

Unser Rückweg verläuft direkt durch die Shinjuku-Station, den verkehrsreichsten Bahnhof der Welt. Gemessen an den Passagieren erreicht er mit drei Million pro Tag die Tagesauslastung des gesamten Metronetzes von Paris. Silvia hatte uns schon vorgewarnt, dass die Orientierung hier besonders schwierig werden würde und tatsächlich verlaufen wir uns natürlich als erstes. Aber das ist keine Schande in Tokyo. Selbst Silvia, die seit 5 Jahren hier lebt, hat immernoch Orientierungsschwierigkeiten. Und auch die Tokyoter verlaufen sich regelmäßig. Der Grundriss ist einfach zu kompliziert. Man hat nicht einfach einen Nord-, Süd-, Ost- und Westausgang sondern an die 50, welche kreuz und quer auf mehreren Etagen verlaufen. Immer wieder laufen wir um verschiedene Ecken, um dann in einer Sackgasse zu landen und umdrehen zu müssen. Der Bahnhof ist gleichzeitig eine riesige Shopping-Mall mit allen Nobeldesignern, angefangen von Gucci über Louis Vuitton bis hin zu Prada. Dazwischen wieder Restaurants, Blumenläden, Bäcker und andere Geschäfte. Nach einer halben Ewigkeit finden wir endlich den richtigen Ausgang und können die Gleise unterqueren.

Studio Alta - der Times Sqare Tokyos
Studio Alta - der Times Sqare Tokyos

So gelangen wir schließlich direkt nach Kabuki-cho, dem Rotlichtviertel der Stadt. Den Eingang markiert das Studio Alta, der Times Square Tokyos. Als hätten wir in dieser Stadt nicht schon genug Leuchtreklame gesehen, blinkt und schallt es hier noch bunter und lauter als in Shibuya. Wir suchen uns zunächst ein kleines Restaurant für das Abendessen, Silvia bestellt für uns auf Japanisch Reis mit Hühnchen, Salat und Suppe, André entscheidet sich für ein koreanisches Menü. Die Plätze sind gut gefüllt und wir bekommen gerade so noch einen 3er-Tisch. Man reicht uns grünen Tee und Wasser (beides ist in Japan kostenlos im Essen inkludiert) und schon kurze Zeit später kommen die riesigen Tabletts mit dem dampfenden Essen. Wie alles, was wir bisher gegessen haben, ist es einfach köstlich, wir können gar nicht genug von der japanischen Küche bekommen und es ist toll, einfach verschiedene Sachen zu bestellen und zu kosten. Meistens sind die Karten eh nur in Japanisch und mit Fotos, so dass wir in der Regel nicht wissen, was wir da bestellen, aber immer schmeckt es hervorragend. Die Japaner essen viel Schwein, meist in hauchdünne Scheiben geschnitten, gerne in einer Suppe mit Nudeln. Generell gibt es häufig Menüs, dabei ist immer ein kleiner Rohkost-Salat und eine klare Gemüsesuppe. Und das Ganze für 10 €! Natürlich sind die Restaurant-Preise in Tokyo nach oben hin offen (im teuersten Lokal der Stadt fangen die Gerichte ab 600€ an!). Laut Geo Special hat Tokyo die besten Restaurants der Welt und „keine Stadt riecht so verführerisch“. Tatsächlich duftet es überall nach gebratenen Nudeln und Suppe.

Unsere Lieblingsbeschäftigung in Tokyo - Essen - hier mit unserer Stadtführerin Silvia, die uns die japanische Kultur ganz nahe gebracht hat
Unsere Lieblingsbeschäftigung in Tokyo - Essen - hier mit unserer Stadtführerin Silvia, die uns die japanische Kultur ganz nahe gebracht hat

Frisch gestärkt sind wir nun bereit, die „sündige“ Meile Tokyos zu erkunden. Mittlerweile ist es richtig dunkel, doch die beleuchteten Werbetafeln und Schriftzeichen an den Eingängen verbreiten ein beinahe taghelles Licht. Silvia weist uns in die verschiedenen Etablissements ein, es gibt unzählige „Adult-Shops“ (;-) – Erotik-Stores), Kinos, Nachtclubs und Massagesalons… Es versteht sich von selbst, dass die Massagen hier von der etwas anderen Art sind. Besonders krass sind die sogenannten Host-Clubs. Diese gibt es für Männer als auch für Frauen. Man betritt den Club und sucht sich bereits am Eingang von einer Fototafel den gewünschten Mann, bzw. die gewünschte Frau aus und bezahlt dann stundenweise, um sich mit ihnen zu unterhalten. Kein Witz. Die Japaner bezahlen Geld dafür, dass sie sich mit einer hübschen, attraktiven Person unterhalten können! Ist man sich dann doch sympathischer, kann man einfach in ein „Love-Hotel“ gehen, diese vermieten die Zimmer stundenweise bis zu einer ganzen Nacht. Dazu findet sich im Eingangsbereich keine hotelübliche Lobby mit Rezeption, sondern eine Automatenwand. Dort sind die Fotos der vorhandenen Zimmer abgebildet, inklusive des Preises. Hat man sich für ein Zimmer entschieden, wirft man einfach das Geld in den Automaten und bekommt daraufhin den Zimmerschlüssel. So ist alles ganz anonym, es gibt sogar getrennte Ein- und Ausgänge. Als wir mal vorsichtig in eines der Hotels reinlinsen, ist nur noch 1 Zimmer (!) verfügbar!!! In den beliebten Spielkasinos stehen witzige Fotoautomaten. Hier kann man sich für 500 Yen fotografieren lassen und anschließend seine Fotos digital selbst retuschieren (längere Wimpern, Herzchen etc.). Die Augen werden bereits automatisch vergrößert, als wir das Ergebnis schließlich ausgedruckt in der Hand halten, sehen André und ich wie aus einem Manga-Comic entsprungen aus.

Als wir uns gegen 23 Uhr schließlich von Silvia verabschieden, sind immernoch Menschenmassen auf der Straße unterwegs. In der U-Bahn ist jetzt richtige Rush-Hour, die Japaner arbeiten in der Regel bis um elf Uhr abends (von 8 oder 9 Uhr morgens!). Es ziemt sich nicht, vor dem Chef nach Hause zu gehen, und da die Arbeitsmoral in Japan extrem hoch ist, und nichts das Ansehen der Firma gefährden darf, verzichten Japaner sogar auf den Großteil ihres Jahresurlaubs und arbeiten eben um die 15 Stunden am Tag. Unsere Füße qualmen vom vielen Laufen, so wird es uns die ganze Woche ergehen, wir gehen zeitig aus dem Haus und kommen meist gegen Mitternacht zurück.

 

Gleich gegenüber von unserem Hotel haben wir ein kleines hübsches Café mit leckerem Cheese-Cake und Café Latte. Jeden Morgen frühstücken wir dort erst einmal und staunen über die Höflichkeit der Bedienungen. Silvia sagt, in Japan sei der Kunde Gott und tatsächlich würde man hier niemals in einem Geschäft oder Restaurant ein unfreundliches Gesicht der Bedienung sehen. Betritt man ein Geschäft, so wird man höflich in Empfang genommen, alles wird einem gebracht, man muss nichts selbst holen oder wegräumen. Es wird alles unternommen, damit sich der Kunde wohl fühlt. Hat man am Ende dann tatsächlich etwas erworben, wird das Gekaufte liebevoll verpackt und einem zur Tür getragen, wo sich der Verkäufer fast bis zum Fußboden vor einem verneigt und sich tausendmal bedankt. Beim Verbeugen kommt es sonst eigentlich darauf an, wie hoch der Gegenüber gestellt ist, je höher, desto tiefer ist die Verbeugung und dabei muss der Rücken kerzengerade sein und man darf dem Gegenüber nicht in die Augen schauen. Es gehört zur japanischen Höflichkeit, sich selbst und die Dinge, die man übergibt, abzuwerten. Beim Zahlen wird das Geld nicht in die Hand des Angestellten an der Kasse übergeben, sondern auf ein kleines Holztablett gelegt. Genauso wird mit dem Rückgeld verfahren, oder aber der Verkäufer gibt einem das Geld direkt in die Hand. Das geschieht dann äußerst zeremoniell, der Kunde streckt die offene Hand aus, der Verkäufer legt offen seine linke Hand wiederum unter die Hand des Kunden und mit der rechten übergibt er das Rückgeld. Dieses wird auch noch einmal vor den Augen des Kunden nachgezählt. Auf die Idee, den Kunden übers Ohr zu hauen, kommt hier keiner. Und selbst wenn es passieren sollte, so geschieht es eher zu Gunsten des Kunden. Die Japaner sind so ehrlich, dass es kaum Taschendiebstähle und andere Verbrechen gibt. Ganz selbstverständlich achtet man auf seine Sachen und die des Gegenüber oder Nebenmannes.

Jana in der überfüllten U-Bahn
Jana in der überfüllten U-Bahn

Was kann man sonst noch über Tokyo sagen? Okay, wer das traditionelle Japan sucht, der muss definitiv nach Kyoto fahren. Zum Vergleich: In Tokyo stehen knapp 400 Tempel. In Kyoto ca. 1200. Tokyo ist nicht wirklich Japan, Tokyo sind Hochhäuser, dichter Verkehr, U-Bahnen, überfüllte Straßen, Shoppingmalls, Menschen auf engstem Raum – und dennoch findet man mitten im Großstadtdschungel plötzlich einen winzigen Schrein, eine Oase der Ruhe in mitten von Lärm und Hektik. Oder Parks, in denen Menschen meditieren oder Tennis spielen. Generell ist alles wahnsinnig gut organisiert und die Japaner lieben es, sich an Regeln zu halten. Ein Japaner würde glaube ich nie laut schreien, obwohl sich oftmals tausende Menschen an einem Ort befinden, sprechen alle leise. Die meisten Japaner (ausgenommen der Teenager) wollen um keinen Preis unangenehm auffallen. Sich der Masse anpassen, im Strom mitschwimmen, darin sind Japaner Meister.


Und am schönsten ist Tokyo natürlich bei Nacht. Dann, wenn die Sonne untergegangen ist und die Lichter angehen. Überall. Straßenzüge, so groß wie ganz Dresden blinken und leuchten. Besonders schön ist es abends in Ginza, dem Shoppingviertel. Hier reiht sich ein Designer-Store am anderen und alleine die Schaufenster-Dekoration lohnt einen Bummel, auch wenn die meisten Geschäfte wohl das Budget des Ottonormalverbrauchers übersteigen. Hier wollten wir eines Abends in einem kleinen Restaurant essen, angeblich sollte es dort die besten Nudeln der Stadt geben (laut Empfehlung unseres Reiseführers). Nach einer knappen Stunde suchen, haben wir es irgendwann aufgegeben, bzw. wurde uns gesagt, dass es nicht mehr existiert. Und das, nach dem wir wirklich ewig herumgeirrt sind und in 3 verschiedenen Läden nach dem Weg gefragt haben. Eine bestimmte Adresse in Tokyo zu finden, ist unmöglich. Nur die Hauptstraßen haben Namen und die Hausnummern bestehen aus 3 Nummernfolgen, je nach Bezirk, Straße und Haus. Dabei sind die Japaner sehr hilfsbereit. Fragst Du sie nach dem Weg, zeichnen sie gerne Karten oder erklären wild gestikulierend den Weg. Meist begleiten sie Dich auch noch ein Stück, damit Du auch wirklich den richtigen Weg findest. In unserem Fall wurde das Restaurant gleich gegoogelt und uns der Stadtplan mit der eingezeichneten Adresse ausgedruckt. Nur hat das leider trotzdem nicht geholfen. Restaurants ziehen ständig um, schließen, wechseln den Betreiber… In Tokyo wird altes schnell ausrangiert und einfach durch Neues ersetzt. Demzufolge gibt es auch fast keine alte Bausubstanz.

Shoppingparadies Ginza
Shoppingparadies Ginza

Wer sich dann doch auf die Suche nach etwas Traditionellem machen will, kann im Herzen der Stadt den Palastgarten besuchen und so dem Kaiserpalast ganz nahe kommen oder nach Asakusa fahren. Von der kaiserlichen Familie bekommt man nicht viel mit, aber der Palastgarten ist ein Traum. Feinste japanische Garten-Architektur, Bonsai-Bäume, kleine Teiche, und natürlich Kirschbäume en masse. Wir hatten natürlich das Glück, dass gerade die ersten begonnen haben, zu blühen. Alleine das war so ein wunderschönes Farbenspiel, dass ich verstehen kann, warum die Japaner so besessen von ihrer Kirschblüte sind. Wenn irgendwann Ende März/Anfang April alle Bäume in voller Blüte stehen, muss das ein unvergesslicher Anblick sein.

Gebäude am Kaiserpalast
Gebäude am Kaiserpalast

Circa eine Viertelstunde von uns mit der Metro entfernt, ist Asakusa. Hier steht der älteste und bedeutendste Tempel Tokyos, der Senso-ji Tempel. Wie bereits erwähnt, sind die Tempel buddhistisch und meist etwas farbenfroher als die Schreine. Den Senso-Tempel kann man gar nicht verfehlen, man läuft nämlich nach Passierung des Donnertores einen knappen Kilometer vorher schon auf einer Touristen-Meile darauf zu. Hier gibt es allen möglichen und unmöglichen Schnickschnack zu kaufen, von der Winkekatze über aufziehbare Plüschhunde, Fächer, Kimonos und und und. Marktschreier stehen auf Klappleitern vor ihren Läden und rufen lauthals ihren Schlussverkauf aus. Selbstverständlich ist immer und überall alles „on sale“. Je mehr Kunden anstehen, desto lauter schreit der Verkäufer. Das ist ein Zeichen dafür, dass der Laden gut läuft. Ein Graus für uns, empfinden wir das hier überhaupt nicht als das Tokyo, was wir bisher kennengelernt haben. Bevor wir in Richtung Hauptgebäude gehen, gibt es hier ein Becken mit Räucherstäbchen. Der Rauch ist heilig und wir beobachten die Einheimischen, wie sie sich den Rauch zufächeln und sich danach mit den Händen über das Gesicht und die Haare streifen. Links vom Tempel steht eine 5-stöckige Pagode aus dunklem Holz. Im eigentlichen Tempel gibt es dann ebenfalls einen Opferstock. Obwohl der Tempel wunderschön ist, nehmen wir doch schnell wieder reißaus, hier ist uns alles ein wenig zu touristisch.

Senso-ji Tempel in Asakusa
Senso-ji Tempel in Asakusa

Dann doch lieber wieder Shibuya, wo wir die meiste Zeit unserer Tokyo-Woche verbringen. Hier gibt es einfach so viel zu sehen. Zum Beispiel das Kaufhaus 109, ein Einkaufsparadies für die Einheimischen Jugendlichen. Allein schon die gestylten Verkäuferinnen sind es wert, die 8 Etagen anzusehen. Hier gibt es Klamotten, die habe ich noch nirgendwo auf der Welt gesehen! Oder die riesigen Elektronik-Stores, die alles an aktueller Hard- und Software zu bieten haben. Zwar könnte man hier auch nach Akihabara fahren, die Elektromeile der Stadt, aber selbst Shibuya hat hier genügend Angebote. Ein Muss eines jeden Tokyo-Besuchs ist ein Besuch eines Department stores, hier gibt es einfach alles, vom Vibrator über Waschmaschinen, Faschingskostüme, Büroartikel, Lebensmittel, Kochtöpfe, Krawatten bis hin zu Fahrrädern, Skateboards und Einrichtungsgegen-ständen. Dabei ist kein vernünftiges Lagersystem zu erkennen, alle Waren stehen kreuz und quer und die Gänge sind derartig zugestopft mit Artikeln, dass man kaum noch treten kann. Unfassbar. Alleine in einem solchen Store verbringen wir über eine Stunde und uns fallen beinahe die Augen aus dem Kopf, so komplett verrückt ist das Warensortiment. Und wenn man dann genug hat, kehrt man in eine der gemütlichen Suppenbars ein. Wie das Haikara Syokudou. Hier gibt es Andrés neue Lieblingssuppe, eine Art Chili-Suppe mit Hack, Sojasprossen und Nudeln. Die hat André ganze 4x verdrückt (3x an einem Tag!).

André schwer beschäftigt mit seiner Lieblingssuppe
André schwer beschäftigt mit seiner Lieblingssuppe

Das einzige, was ich in Tokyo schmerzlich vermisst habe, ist eine richtige Karaoke-Bar. Das heißt, es gibt schon viele Karaoke-Lokale, allerdings ist es in Japan eher üblich, mit seinem Besuch dahin zu gehen, man bekommt einen eigenen Raum und feiert dann nur innerhalb seiner Gruppe. Da es in Japan unüblich ist, Besuch zu sich nach Hause einzuladen, gehört Karaoke neben einem gepflegten Abendessen zum Gastprogramm. Dabei sind Japaner unglaublich spendabel. Der Gast muss nie zahlen, auch wenn die Rechnung schon mal um die 500,- € kostet.


Alles in Allem ist Tokyo Deutschland in vielerlei Hinsicht sehr ähnlich. Es gibt Bier und Würstchen, Blumenrabatten mit Stiefmütterchen, Hyazinthen und Osterglocken. In einem Bäcker, ein paar Straßen von unserem Hotel entfernt, gab es sogar Pfannkuchen und richtiges Schwarzbrot (man konnte hier tatsächlich alle Backwaren verkosten!). Die Menschen sind sehr ordnungsliebend, ehrgeizig und zielstrebig. Manchmal könnte man glatt glauben, man sei zu Hause, bis einem dann doch wieder an irgendeiner Ecke der Geruch von leckerer Nudelsuppe und Sojasauce um die Nase weht oder man geblendet vor einer riesigen Wand mit Leuchtmonitoren steht. Vielleicht, oder gerade deshalb, hat uns Tokyo so gut gefallen. Ein Stück Europa, weit weg von zu Hause, gespickt mit asiatischer Religion und den nettesten Menschen der Welt. Oder um es mit Andrés Worten und seinem riesigen, breiten Grinsen zu sagen: „Ich habe gerade irgendwie einen Gummibärchen-Tag!“

 

Noch mehr Fotos von Tokyo gibt`s hier:

http://wirsinddannmalunterwegs.jimdo.com/fotogalerie/japan/

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Mo

21

Feb

2011

Zwei Dumme, ein Gedanke…

Zugegeben, mit diesem Artikel habe ich mich echt schwer getan. Schließlich geht es um das Highlight unserer Australien-Reise, etwas so Besonderes, das der Artikel natürlich wiedergeben sollte. Klar gebe ich mir immer Mühe beim Schreiben, aber dieses Mal sollte der Blogeintrag noch spritziger, noch mitreißender, noch tiefgründiger werden… Einfach weil wir uns wahrscheinlich noch in 50 Jahren daran zurückerinnern werden, an diesen völlig durchgeknallten Tripp. Es gibt wahrhaftig kein besseres Wort, als „durchgeknallt“, um das zu beschreiben, was wir die letzten Tage in Down Under gemacht haben. Daher etwas mehr Text und Fotos als sonst. Also, lest selbst, ich weiß nicht, ob es mir gelungen ist, sagt ihr es mir – hinterher, nach dem Lesen. Aber erst mal viel Spaß!

 

Es fing alles mit einer kleinen fixen Idee an. Kennt ihr das? Wenn einem so ein kurzer Gedanke durch den Kopf schießt, der sich dann über kurz oder lang in Deinem Hirn manifestiert und solange keine Ruhe gibt, bis Du ihn, so abwegig er auch ist, in die Tat umsetzt? Nun ja, so saßen wir also in unserem Hostel an der Great Ocean Road, hatten noch eine Woche Zeit bis zu unserer Rückkehr nach Sydney, die Rückreiseroute an der Küste stand eigentlich fest, und plötzlich überkam uns die Schnapsidee, mal eben noch einen kurzen Abstecher ins Outback zu machen. Nach 4 Wochen Sonne, Strand, Meer und Regenwald kam irgendwie der Wunsch auf, noch mal das „richtige“ Australien zu sehen. Nach dem wir uns in unseren ganzen bisherigen Australien-Tagen immer gewundert haben, dass Australien so gar nicht das ist, was man von TV und Kino kennt, wollten wir endlich noch mal rote Erde sehen und das echte Cowboy-Marlborough-Feeling leben. Endlose staubige Straßen mitten im Herzen Australiens. Man muss dazu sagen, dass sich das eigentlich Outback sehr weit im Landesinneren zwischen South Australia und dem Northern Territory erstreckt, der Osten des Landes, wo wir uns eigentlich befanden, ist eher grün mit dichten Wäldern. Aber wo wir nun also eh in Richtung Norden fahren wollten, dann… Uns spukte also Beiden die gleiche Idee im Kopf herum – nur, dass keiner von uns beiden sich traute, es dem anderen zu erzählen. Bis wir dann irgendwann am Frühstückstisch saßen, uns anschauten: „Du, ich hab da so eine Idee… Ich weiß ja nicht, wie Du das siehst, aber wenn wir nun schon mal ein Auto haben und in Richtung Outback fahren, dann könnten wir doch eigentlich… so ein klitzekleines Stück weiter fahren, bis zum… Du weißt schon…Na bis zum ... Ayers Rock?!“. Und von da an gab es kein Halten mehr. Hibbelig und voller Vorfreude starteten wir also am vergangenen Samstag in Richtung Adelaide. Wohl wissend, dass uns wahrscheinlich jeder, dem wir von unserem Spontan-Vorhaben erzählen würden, mal eben von der Südküste bis zum Ayers Rock und zurück nach Sydney in einer Woche zu fahren, einen Vogel zeigen würde. Sind ja nur mal eben an die 5.000 Kilometer. Aber so sind wir nun mal. Und warum nicht mal richtig vom Reiseplan abweichen und etwas komplett anderes machen? Gesagt getan…

Tag 1, Samstag, 12.02.2011, 688 Kilometer

 

Nach unserem erneuten Abstecher zu den 12 Aposteln, dieses Mal bei Sonne (siehe letztem Bericht) brechen wir gegen 16 Uhr Ortszeit endlich gen Norden auf. Irgendwie haben wir uns den ganzen Tag noch ganz schön verzettelt, der Küstenabschnitt bei Port Campbell hat uns zu sehr an die Algarve in Portugal erinnert. Und wo nun nach mehreren Tagen endlich wieder Sonne war, wollten wir natürlich auch ein paar schöne Fotos machen… Wir fahren also die 688 Kilometer in Richtung Southern Australia, zunächst noch an der Küste bis in das kleine Örtchen Warrnambool wo sich das offizielle Ende der Great Ocean Road befindet, von hier aus dann ins Hinterland. An der Straße verschlafene Nester, Pferdekoppeln, Rinderherden, kleine Lämmchen und Weingüter. Die Rebstöcke begleiten uns mehrere Kilometer, dazwischen romantische kleine Güter, Fachwerkhäuschen, über und über bewachsen von wildem Wein. Einige bieten Übernachtungen an – wir müssen weiter. Gegen 17 Uhr sind es immernoch über 500 Kilometer und wir bekommen eine Ahnung davon, wann wir heute Abend, oder vielleicht doch eher morgen früh, in Adelaide ankommen werden. Aufgrund der Landesinneren Zeitverschiebung kommen wir ganz durcheinander. Mitten im Nichts dann ein winziger Rasthof mit Volkfeststimmung. Die Gemeinde hat zum Open-Air-Kino eingeladen. Hunderte Menschen haben sich eingefunden, bewaffnet mit Kissen, Decken und Kühlboxen, Musik weht über die Wiese, immer mehr Autos kommen, Männer mit Cowboyhüten weisen ihnen Parkplätze zu. Die Leinwand ist an einem LKW gespannt, um 18 Uhr ist Filmbeginn. Einige sitzen schon auf der Wiese, viele haben Klappstühle dabei. Natürlich müssen wir sofort an die Filmnächte denken, ein bisschen wehmütig. Irgendwann, ich habe nicht auf die Uhr geschaut, geht links von uns die Sonne unter. Glutrot, steht sie hinter den Bäumen und Büschen, die sich wie Scherenschnitte schwarz davor abheben. „Wie Namibia“ kommt mir in den Sinn. Noch lange stehen orange Streifen am Himmel und leuchten uns den Weg. Erst, als alles komplett schwarz ist, stellen wir fest, dass es höchste Eisenbahn ist, zu tanken. Zwar liegen einige Orte auf unserer Route, aber alle haben eins gemeinsam. Sie bestehen aus maximal 5 Häusern. Und wenn sie eine Tankstelle haben, dann ist diese bereits geschlossen. In letzter Minute erreichen wir Tailem Blend und da, endlich, werden wir fündig. Bewaffnet mit einem Footlong Subway-Sandwich machen wir uns auf die letzten Kilometer, André ist völlig übermüdet und wir wollen Nichts als ein Bett. Leider erweist sich unserer Abstecher nach Murray Bridge, einer Vorstadt von Adelaide, als Reinfall. Das simpelste Motelzimmer kostet 120$ die Nacht. Dann doch lieber bis Adelaide weiter. Mittlerweile haben wir, nach 4 Tagen und Melbourne, endlich wieder Internet anliegen und ich mache noch während der Fahrt unser Hostel klar. Google Maps lotst uns zuverlässig durch die Stadt und gegen 23 Uhr fahren wir endlich vor dem Hostel vor. An der Rezeption, wie fast immer, Deutsche. Wir lassen uns noch ein paar Tipps für unseren Trip geben, fallen wenig später dann aber doch lieber schnell in unsere Kojen. Von den 18 anderen Betten im Zimmer bekommen wir nichts mehr mit…

Sonnenuntergang vor Adelaide
Sonnenuntergang vor Adelaide

Tag 2, Sonntag, 13.02.2011, 840 Kilometer

 

Unerbittlich klingelt der Wecker wieder um sieben. André rüttelt mich wach, meine Lider wollen und wollen nicht aufgehen. Will nur schlaaaaaaaaaafen. Irgendwann rappeln wir uns dann doch auf, nach einer Dusche geht es uns besser. Schnell noch einen Toast in der Hostelküche, gegen 9 Uhr, viel zu spät laut unserer Planung, starten wir. Noch in Adelaide wollen wir uns im Supermarkt für die nächsten Tage eindecken. Doch Fehlanzeige, Coles öffnet sonntags erst gegen 11 Uhr. Also fahren wir los in Richtung Port Augusta. 300 Kilometer und die letzte Stadt am Meer. Dort werden wir dann doch noch fündig und horten Getränke und nicht verderbliche Lebensmittel – wir ahnen bereits jetzt, dass die Preise im Outback für uns unerschwinglich sein werden. Ab Port Augusta endet dann auch die letzte zwei-spurige Straße und wir sind allein. Ich hatte gedacht, da dies, der Explorer`s Way die einzige Verbindung Australiens durch das Landesinnere zwischen Adelaide und Darwin ist, dass mehr Verkehr wäre, auch Touristenbusse oder mehr Camper. Statt dessen können wir wetten, wann das nächste Auto um die Ecke kommt und welche Farbe es hat. Zunächst geht die Straße steil bergauf, über lange karge Hochebenen, doch wer jetzt denkt, dass Outback sei nur trocken, Fehlanzeige. Die gesamte rote Erde ist übersäht mit dichtem grünen Gras. Und kurz hinter Pimba finden wir uns plötzlich am Lake Hart wieder, einem riesigen Salzsee. Wer hätte das vermutet? Seen im trockensten Teil des Landes? Am Straßenrand ein totes Känguru nach dem anderen… Es muss sie also tatsächlich geben, wilde Kängurus, doch so sehr wir uns auch anstrengen und in das dichte Buschwerk links und rechts starren, wir sehen keins. Dafür Autowracks ohne Ende. Völlig verrostet, um Bäume gewickelt, wurden sie zurückgelassen, manche hunderte Meter von der Straße entfernt, und ich frage mich, wie man auf einer derartig gerade und langen Straße so vom Weg abkommen kann.

Nur eines von Vielen an Straßenrand
Nur eines von Vielen an Straßenrand

Je weiter wir in Richtung Norden kommen, desto grüner scheint das Outback zu werden. Mittlerweile sind aus dem Gras, Büsche und Bäume geworden und der rote Sand blinzelt nur noch vereinzelt zwischen grünen Blättern hervor. Am Himmel weiße Schleierwolken, die Temperaturen um die 20 Grad. Verkehrte Welt in Australien. Normalerweise dürften alleine hier um die 40° sein, doch die Wettermassen nach „Yasi“ bringen Kaltluft herüber. Wie auf`s Stichwort fängt es plötzlich auch noch an zu regnen! Sprachlos starren wir durch die Windschutzscheibe nach draußen. Das gibt es jetzt doch wirklich nicht. Regen in der Wüste? Hier regnet es sonst angeblich nur 3x im Jahr! Aber wenn wir eines inzwischen in Australien gelernt haben, dann das das Wetter dieses Jahr komplett verrückt spielt. Wahrscheinlich sehen wir das Outback wirklich so, wie es die Einheimischen in den vergangenen 10 Jahren nicht erlebt haben, grün und fruchtbar statt rot und trocken. Gegen 18.30 Uhr erreichen wir unser heutiges Ziel, bei immer noch strömendem Regen. Coober Pedy, die Opal-Hauptstadt Australiens. Bis zum Horizont liegen Erdhäufchen in allen 4 Himmelsrichtungen. Stumme Zeugen einer verzweifelten Suche nach Bodenschätzen, die Reichtum bringen sollen, jedoch in meinen Augen nur Einsamkeit und Verzweiflung. Eine lebenslange Droge. So sind auch die Menschen, Eigenbrötler, Aussteiger, an so einem Ort kann man nur leben, wenn man die Zivilisation verabscheut. Unter die Erde sind sie geflüchtet, aus Schutz vor den extremen Temperaturen und den Naturgewalten. Kein Berg schützt sie vor Wind und Regen, im Sommer bis 47° heiß, im Winter bis zu 0 Grad. So befindet sich die eigentlich Stadt unter der Erde, inklusive einer ganzen Kirche. Alte Mienengänge wurden zu Wohnzimmern. So auch unser Hostel für heute Nacht. Das Radeka Downunder. Der Besitzer ein verschrobener, kauziger alter Brummbär. Hier, 4-5 Meter unter der Erde sind konstant um die 24°, das ganze Jahr über. Unsere Betten, in einer alten Opal-Miene, unsere Tapete, rot schimmerndes Gestein. Als wir die Stufen hinab steigen, sind wir überrascht, wie angenehm das Klima unter der Erde ist. Draußen ist es nämlich aufgrund des Regens empfindlich kalt geworden. Erst jetzt verstehen wir, was mit einem „Open Dorm“ gemeint ist, die Doppelstockbetten stehen einfach im Mienen-Gang, es gibt keine Türen. André ist fasziniert und begeistert. Wer kann schon sagen, dass er einmal in seinem Leben in einer alten Miene geschlafen hat?

Unser Bett unter der Erde
Unser Bett unter der Erde

Tag 3, Montag, 14.02.2011, 849 Kilometer

 

Das Aufstehen fällt nicht schwer heute. So nah schon ist unser Ziel vor Augen. Der Ayers Rock kommt näher! Immer noch warten wir, dass sich das eigentlich erwartete Outback-Feeling bei uns einstellt. Statt dessen wieder nur grün soweit das Auge reicht. Ganze Landstriche neben der Straße stehen sogar unter Wasser. Kein Wunder, die harte Erde kann das ganze Wasser gar nicht mehr aufnehmen. So wie hier muss die Serengeti aussehen, nach dem es geregnet hat. Totes Land erwacht zum Leben. Nur das hier leider keine Giraffe um die Ecke spaziert kommt. Warum eigentlich nicht, fragen wir uns? Das hier wären doch beste Bedingungen für afrikanische Tiere? Ist schon mal jemand auf die Idee gekommen, hier Löwen und Geparden auszuwildern? ;-)

Outback unter Wasser
Outback unter Wasser

Je näher wir dem roten Herzen Australiens kommen, desto besser wird heute das Wetter. Der Himmel blau, hin und wieder Berge aus rotem Gestein am Straßenrand. Straßen bis zum Horizont, meist ohne Gegenverkehr, nur hin und wieder ein Schleicher vor uns. „Warum zum Teufel hält sich hier jeder an die 110?“ fragt André mich kopfschüttelnd. Ich weiß es nicht. „Vielleicht, weil sie es nicht anders kennen und gar nicht wissen, dass ein Auto auch schneller fahren kann?“ Wir lachen uns ins Fäustchen und André träumt von deutschen Autobahnen und seinem Galant. Jetzt, so kurz davor, können wir einfach nicht langsam fahren. Irgendwann wollen wir schließlich ankommen. Nur eines tut weh. Je weiter wir uns von der Küste entfernen, desto schwerer wird der Gang zur Tanksäule. Jede Stadt später steigt der Literpreis und als wir endlich, nach gefühlten endlosen Stunden später, die Grenze zum Northern Territory passieren und in die Straße zum Ayers Rock einbiegen, sind wir bei einem Literpreis von 1,74 (zu sonst um die 1,30!). Jetzt ist es nicht mehr weit. Der Himmel über uns wölbt sich dunkelblau und weiße Wattewolken hängen plastisch über unseren Köpfen, wie in einer 3D-Animation. Als könnte man sie einfach wie Zuckerwatte vom Himmel pflücken. Ich bin mir fast sicher, wenn ich aus dem Auto und auf`s Dach steigen würde, könnte ich sie berühren.

Viel Grün im roten Herzen Australiens
Viel Grün im roten Herzen Australiens

Mittlerweile sind wir so aufgeregt, dass wir nur noch unruhig auf unseren Sitzen herumrutschen. 140 Kilometer noch. Plötzlich taucht zu unserer linken ein roter Berg aus der grünen Wiese auf. Ist er das etwa schon? Nervös starre ich hinaus und versuche in der Ferne mehr zu erkennen. Wir kommen näher und irgendwann erhasche ich einen vollständigen Blick darauf. „Nein, das ist er nicht.“ Bin ich enttäuscht. Der Ayers Rock ist kein Tafelberg, wie dieser hier. Ein paar Kilometer weiter sehen wir dann auch das Schild: Mt. Connor (The forgotten Mountain). Okay, dann also noch nicht. Noch ein bisschen Warten. Als vor uns plötzlich mitten auf der Straße ein schwarzer VW-Golf steht, halten wir verwundert dahinter an. Was ist denn hier los? Und da sehen wir sie: Wilde Dromedare! Kein Witz! 3 Stück, direkt am Straßenrand. Wir sehen uns an: „Sind wir irgendwo falsch abgebogen und im Orient gelandet? Oder schon so dehydriert, dass wir eine Fata Morgana haben?“ Echte wilde Kamele im Outback? Davon hatten wir noch etwas gehört. Die 3 starren uns irritiert an, ehe eines direkt vor unserem Auto über die Straße läuft und wenig später mit den anderen beiden zwischen den Bäumen verschwindet. Das kam jetzt echt überraschend!

Nein wir sind hier nicht im Orient
Nein wir sind hier nicht im Orient

Eine Stunde später sehen wir dann endlich die ersten Zipfel des heiligen Berges. Je näher wir kommen, desto höher und majestätischer hebt er sich mit seinen 348 Metern gegen den blauen Himmel ab. Immer wieder bitte ich André anzuhalten, damit ich ein Foto machen kann, er wird schon ganz unruhig, will er direkt zum Berg und ihn nicht nur aus der Ferne sehen. Wir passieren den Nationalparkeingang und legen die letzten 15 Kilometer bis zum Berg zurück. Es hat etwas Spirituelles, nach all den Strapazen der Reise anzukommen. Vor 3 Tagen hätten wir es noch nicht zu glauben gewagt, dass wir diesen Mammuttrip tatsächlich schaffen. Und nun sind wir da. Wir! Am Ayers Rock! Als wir das Auto abstellen und in die Stille hinaustreten, reißen wir die Arme in die Höhe „Geschafft!!!!!!!“ jubeln wir und fallen uns in die Arme. Wir sind tatsächlich mit dem Auto hierhergefahren. GEFAHREN! Jeder Dummdödel kann schließlich zum Ayers Rock fliegen, nur wahre Helden fahren die 1.500 Kilometer selbst. „We can be heroes!“ In unserem Reiseführer steht, es sei eine epische Reise hierher, ich zitiere: „Adelaide to Alice Springs along the Stuart Highway. For wide open spaces and an adventure you`ll never forget this epic journey from the southern ocean to Australia`s red heart and beyond is a must…” Es hatte beinahe etwas von Pilgern, diese Fahrt hierher, das Ziel immer vor Augen und doch war ja auch der Weg das Ziel. Und nun sind wir da! Einen schöneren Abschluss für unseren Australien-Aufenthalt kann man sich kaum wünschen.

Der heilige Berg
Der heilige Berg

Fassungslos und müde laufen wir die wenigen Schritte direkt bis zum Felsen, zu seinem Fuße fühlen wir uns wie winzige Ameisen unter einem Baum. Da es bereits später Nachmittag ist, haben wir den Weg fast für uns allein, die befürchteten Touristenströme bleiben aus und wir genießen die Ruhe. Die Abendsonne taucht den heiligen Berg in ein goldenes Licht, als ich ihn berühre, spüre ich die Wärme, die er vom Tag gespeichert hat und versuche mit geschlossenen Augen ein wenig seiner Kraft zu fühlen. Wie konnte nur mitten auf einer Ebene ein derartiger Berg entstehen? Für die Forscher bis heute ein Rätsel ist der Ayers Rock für die Aborigines heilig. Laut Wikipedia ist der Uluru kein eigenständiger Gesteinskörper, sondern ein Teil einer unterirdischen Gesteinsschicht, die auch am 30 km entfernten Katja Tjuṯa an die Erdoberfläche tritt. Die Besteigung ist in Ausnahmefällen sogar möglich, es wird jedoch dringend davon abgeraten, da hier bereits 35 Menschen zu Tode gekommen sind.

Endlich da
Endlich da

Dafür führt direkt um den Berg ein kleiner Pfad, Eukalyptusbäume heben sich mit weißen Stämmen kontrastreich gegen den Himmel ab. Höhlen zeigen Jahrhunderte alte Felsmalereien und wir staunen immer wieder, wie glatt und einzigartig dieses Gestein ist. Schmale Rinnen sind vom Regenwasser schwarz gefärbt, ansonsten ist der Berg von einem bestechenden Rot, wie die Erde auf der er steht. Unser Weg endet an einem winzigen See mit heiligem Wasser, welches die Aborigines-Frauen für traditionelle Zeremonien verwenden. Nicht überall darf man übrigens fotografieren oder den Stein berühren. Viele Abschnitte sind so heilig, dass man nur in aller Stille daran vorübergehen kann. Als dann doch noch eine Reisegruppe an uns vorüberzieht, die meisten bekleidet mit peinlichen Netz-Hüten gegen die, zugegebenermaßen, ziemlich lästigen Fliegen, die einem hier buchstäblich in jede Körperöffnung fliegen wollen, sind wir wie immer unendlich froh, keine Pauschaltouristen zu sein. Es lebe das individuelle Reisen. Zurück am Parkplatz setzen wir uns noch für ein paar Minuten still auf eine Bank und lassen den Ausblick auf uns wirken. Die Sonne ist hinter den aufziehenden Gewitterwolken verschwunden, wir haben, wie immer, den perfekten Moment für unseren Besuch abgepasst. So richtig können wir uns nicht losreißen und uns verabschieden. Der Berg war das Ziel und jetzt haben wir nur noch eine verdammt lange Rückfahrt vor uns. Wir mögen beide noch nicht an morgen denken. Statt dessen fahren wir zurück ins 100 Kilometer entfernte Curtin Springs, unser Nachtlager für heute. Im Rückspiegel beobachten wir den immer kleiner werdenden Berg, wir waren tatsächlich da. Die Stimmung im Auto ist feierlich. Obwohl wir kein Wort sagen, sind wir uns nur stumm einig, über unser Erlebnis. Es gibt nichts mehr zu sagen, wir wissen beide, wie sich der andere fühlt.

Abschied vom Ayers Rock
Abschied vom Ayers Rock

In Curtin Springs dann die Vorbereitungen für morgen. Tanken, bei schmerzlichen 1,94 den Liter. Der Ort besteht nur aus einer Farm, klar das hier, bei den langen Transportwegen, alles um das 10-fache teurer ist. Um Geld zu sparen, nutzen wir den kostenlosen Zeltplatz. Wir suchen uns einen ruhigen Stellplatz unter den Bäumen, stellen das Auto ab und präparieren es für die Nacht. Mit uns nur eine handvoll Autos, im Gegensatz zu uns besser für das Outback gerüstet. Sie machen Lagerfeuer, schlagen ihre Zelte auf und duschen unter den Bäumen. Diese Nacht, das weiß ich schon jetzt, werden wir niemals vergessen. Wir, mitten im Outback, eine Nacht quasi in der Wildnis unter dem Sternenhimmel. So komme ich doch noch zu meinem gewünschten Farmstay. Allerdings in einer etwas anderen Form als geplant. Ich kämpfe noch mit dem neugierigen Haus-Emu. Aufdringlich schleicht er um unser Auto herum, in der Hoffnung, etwas Fressbares zu finden. Aufgerichtet ist er so groß wie ich und mir irgendwie nicht wirklich sympathisch. Ich springe ins Auto und werfe die Tür hinter mir zu, er steht draußen, mit dem Schnabel direkt an der Scheibe und starrt mich aus seinen undurchdringlichen braunen Augen tiefgründig an. Wäre die Scheibe nicht dazwischen, würden sich unsere Nasen berühren. Egal was ich auch tue, sein Blick verfolgt mich und er will einfach nicht weggehen. André steht etwas entfernt draußen und amüsiert sich köstlich. Nach dem wir uns noch gute 5 Minuten gegenseitig durch`s Fenster taxiert haben, gibt der Emu endlich auf und trottet davon. Endlich kann ich unser spärliches Abendessen zubereiten und danach klappen wir die Autositze zurück und versuchen es uns, so gut es geht, bequem zu machen. Nach und nach wird es ruhig um uns, durch die offenen Fenster zieht ein angenehm kühler Luftzug. In der Ferne Wetterleuchten, Blitze zucken immer wieder kurz über den Himmel. Lange können wir nicht einschlafen, trotz Müdigkeit, zu aufregend war der Tag. Wir starren in die Dunkelheit und erst als das letzte Lagerfeuer um uns erlischt, finden wir Schlaf. Meine letzten Gedanken, was ist, wenn des Nachts eine giftige Spinne oder Schlange durch die geöffneten Fenster ins Auto krabbelt oder kriecht, versuche ich auszublenden.

Autsch
Autsch

Tag 4, Dienstag, 15.02.2011, 1.086 Kilometer

 

Als Bewegung in die ersten Zelte um uns herum kommt, schlage ich die Augen auf. Es ist noch stockdunkel und ich habe erstaunlich gut geschlafen, wenn man das von einer Nacht im Auto überhaupt sagen kann. Relativ fit beobachte ich, wie die ersten, um rechtzeitig zum Sonnenaufgang am Ayers Rock zu sein, aufbrechen. Warum eigentlich nicht jetzt schon los fahren? Überlege ich mir, während auch André langsam wach wird. Ich unterbreite ihm meinen Vorschlag, und er nickt nur schlaftrunken. Ich bedeute ihm, weiterzuschlafen und steuere das Auto hinein in die Nacht. Zurück bis zum Haupt-Highway in Richtung Süden sind es von hier gute 150 Kilometer und da heute eine Fahrtstrecke von knapp 1.200 Kilometer vor uns liegt, ist es gut, wenn wir zeitig starten. Die Straße ist komplett leer und ich fahre langsamer als sonst, weil ich Angst habe, dass mir im Kegel der Scheinwerfer doch noch ein Känguru vor`s Auto springt. Laut Uhr ist es jetzt um sechs und ich warte vergeblich auf die ersten Anzeichen der Dämmerung. Über eine Stunde fahre ich durch die Dunkelheit, nur Gelegentlich hoppelt ein Hase über die Fahrbahn, bis endlich ein schmaler heller Lichtstreifen am Horizont auftaucht. Langsam, ganz langsam färbt sich der Himmel dunkelblau und von Minute zu Minute wird es heller. Eine Wohltat für meine müden Augen, fahre ich doch nicht gerne nachts. Ich genieße die Stille, André schläft wieder ganz fest, so allein auf der Straße nur ich und die Weite um uns herum. Bäume und Berge nehmen langsam Kontur an im Licht der aufgehenden Sonne. Noch ist sie nicht auszumachen, nur aus dem dunkelblau wird allmählich ein zartes gelb. Erst als wir gegen 7:30 in Erldunda ankommen, dem Kreuzungsort zwischen Alice Springs und Coober Pedy und wieder auf den Haupt-Highway fahren, blitzen die ersten Strahlen auf und wir kneifen die Augen zusammen, angesichts des gleisenden Lichtes. Jetzt ist auch André wach und hat das Steuer übernommen, damit ich noch ein wenig schlafen kann. Heute heißt es wirklich einfach nur fahren, fahren und nochmals fahren. Wir wollen zurück bis Port Augusta, von wo wir morgen weiter in Richtung Sydney fahren werden. Das bedeutet, wenig Pausen, eigentlich nur Tankstopps, viele Fahrerwechsel und ein straffes Reisetempo.

Zum Glück ist auch heute wieder wenig Verkehr und wir können straff die 140 km/h durchfahren. Wir kommen gut voran. Alle 2 Stunden legen wir eine kurze Pause ein, um zu tanken und uns am Steuer abzuwechseln. Die Kilometer fliegen dahin und gegen Mittag sind wir bereits zurück in Coober Pedy. Da noch eine Nacht hier für uns nicht in Frage kam, fahren wir direkt weiter. Nur hin und wieder bremst uns einer der riesigen Road Trains aus, riesige LKW`s und Schwerlasttransporte, zum Teil mit bis zu 3 Anhängern. Bei einer schnurgeraden Straße ohne Gegenverkehr zum Glück kein Problem. Wir haben heute kaum einen Blick für die Umgebung. Schlafen und Fahren wechseln sich ab. Unser kleiner Huyndai bringt uns zuverlässig und schnell gen Süden. Die Orte Glendambo und Pimba lassen wir links liegen. Unglaublich, dass wir noch gestern und vorgestern auf dieser Strecke gen Ayers Rock gefahren sind, wir winken den entgegenkommenden Fahrern, diese haben ihr Highlight noch vor sich. Überhaupt ist Grüßen hier Pflicht. Egal ob Camper oder LKW, wenn uns ab und zu dann doch mal ein Fahrzeug entgegen kommt, grüßen wir uns gegenseitig – lonely riders on the road of life…

Weites Land
Weites Land

Gegen 17:30 Uhr sind wir zurück in Port Augusta. Schneller als gedacht. Und… müde. Hundemüde. Wir steuern den nächsten Campingplatz an – Hostels sind auch hier Fehlanzeige. Die Cabins, wie immer zu teuer, was bleibt, wieder der Zelt-Stellplatz und noch eine Nacht im Auto. Immerhin eine Dusche heute und eine Campingküche. Die weihen wir dann auch gleich Mal ordentlich ein, ehe wir uns den Staub des Outbacks von den Körpern waschen. Die Zivilisation hat uns wieder. Das Outback liegt hinter uns. 3436 gefahrene Kilometer. Morgen noch einmal eine Mammut-Etappe von 1.200 Kilometern bis kurz vor Sydney. Dann haben wir es geschafft.

Tag 5, Mittwoch, 16.02.2011, 1.168 Kilometer

 

Waren wir gestern noch hoch motiviert, die lange Strecke anzugehen, können wir uns heute kaum aufraffen. Viel zu spät quälen wir uns aus unseren Autositzen, viel zu spät machen wir uns auf den Weg. Von Port Augusta geht es zunächst über ein paar Dörfer in Richtung Osten, ehe wir auf den richtigen Highway stoßen. Autobahn auch hier Fehlanzeige, wieder nur Landstraße. André hat es Erkältungstechnisch voll erwischt, seine Augen sind ganz klein und müde. Ich schrubbe Kilometer, d.h. durchziehen. Nur, heute sind Berge und Täler, Kurven und wesentlich mehr Verkehr an der Tagesordnung. Wir queren ein paar Pässe, Erinnerungen an Neuseeland werden wach. Kühe und Schafe grasen an der Straße, lediglich die allgegenwärtigen Eukalyptusbäume erinnern uns daran, dass wir noch in Australien sind. Dann mal wieder weite Plateaus, auf denen ich das Ende der Straße nicht ausmachen kann. Die Luft ist heiß, die Klima läuft auf Hochtouren und doch schwitzen wir im Auto wie verrückt. Die Straße verschwimmt in der Glut der Mittagssonne und immer wieder breche ich Überholvorgänge ab, weil ich in der flirrenden Hitze nicht ausmachen kann, ob uns ein Auto entgegen kommt oder nicht. Eine Herde Emus steht irgendwann auf der Straße und lässt sich kaum dazu bewegen, den Weg frei zu machen.

Straßensperre der etwas anderen Art
Straßensperre der etwas anderen Art

Orte, die so einsam sind, dass ich für eine Million nicht freiwillig hierherziehen würde. Wieder Outback, abwechselnd mit grünen Hügeln und Wiesen. Irgendwann die Grenze zu New South Wales. Dazwischen immer wieder Tanken. Jedes Mal kratzen wir die Überreste der Schmetterlinge, Fliegen und Libellen von Windschutzscheibe und Kühlerhaube. Ein gefundenes Fressen für die Krähen und Raben, die sich begierig darauf stürzen, wie auf ein kaltes Buffet. Jeder Muskel schmerzt von zwei Nächten hintereinander im Auto und wir sehnen uns nach unserem heutigen Ziel, der kleinen Stadt Dubbo, 300 Kilometer vor den Toren Sydneys. Dort wartet zum ersten Mal seit 5 Wochen ein Hotelzimmer auf uns. Ein Einzelzimmer mit eigenem Bad! Nur das treibt uns voran und macht die Fahrt irgendwie erträglich. Wir reden nicht viel, die Ereignisse der vergangenen Tage schwirren in unseren Köpfen herum und die Tatsache, dass wir mal eben 4.700 Kilometer in 4 Tagen gefahren sind. Ab der Stadt Broken Hill sind wir plötzlich wieder mitten im Outback. Eukalyptusbäume überwuchern halb die Straße, als hätte man gerade erst frisch eine Schneiße in den Urwald geschlagen. Als die drückende Schwüle dann kaum noch zu ertragen ist, öffnet der Himmel endlich seine Schleußen und endlich, endlich regnet es wieder. Wir fahren direkt in eine dunkle schwarze Wand, hinter uns die untergehende Sonne und vor uns… ein Regenbogen. So kräftig in den Farben, so intensiv. Ich halte mitten auf der Straße und springe hinaus mit der Kamera. Ein krönender Abschluss unseres Outback-Trips! Gerade rechtzeitig zum Einbruch der Dunkelheut erreichen wir schließlich Dubbo und beziehen unser Zimmer. Noch ehe André mit dem Essen vom Fastfood-Restaurant um die Ecke zurückkommt, bin ich eingeschlafen. 12 Stunden Fahrt zollen ihr Tribut. Wir sind am Ende. Doch alle Anstrengung hat sich gelohnt. Wir haben den Ayers Rock gesehen! Noch vor 5 Wochen sind wir bei der Vorstellung, den weiten Weg ins Outback zu fahren, in Gelächter ausgebrochen, so abwegig erschien uns der Gedanke. Doch nun haben wir es tatsächlich getan. 4 Staaten in 5 Tagen. Victoria, Southern Australia, Northern Territory und New South Wales. Eine wahrhaft durchgeknallte Reise!

Willkommener Regen
Willkommener Regen

Noch mehr Fotos vom Outback Trip gibt`s hier:

http://wirsinddannmalunterwegs.jimdo.com/fotogalerie/australien/

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Do

17

Feb

2011

Die Straße der 100 und eins Koalas

Der Duft von Eukalyptuswäldern, die nach Nadelwald riechen, als hätte man eben ein Räucherkerzchen mit dem obligatorischen Kiefernduft angezündet, und „die Straße der 100 und eins Koalas“ werden uns wohl ewig an die Great Ocean Road erinnern. 3 Tage Roadtrip an der Südküste Australiens, eines DER Wahrzeichen des Landes und viele hübsche verschlafene Dörfchen am Meer haben sich in unser Gedächtnis gebrannt. Da sich mit den 12 Aposteln das wohl (neben dem Ayers Rock) bedeutendste und meistbesuchte Ziel von Down Under befindet, müsste man denken, dass die Küste sehr touristisch ist. Aber das Gegenteil ist der Fall. Wir haben eher Ruhe und Abgeschiedenheit entdeckt, einsame Strände, wilde Wälder, rauhe Küsten, bedeckt mit einem feinen Nebel aus meterhoher Gischt, die dem Ganzen eine magische, fast mystische Stimmung verleihen. Mehr Irland, weniger Australien.

Dieser hübsche bunte Prachtkerl frisst André sprichwörtlich aus der Hand
Dieser hübsche bunte Prachtkerl frisst André sprichwörtlich aus der Hand

Von Melbourne ging es per Mietwagen über Torquay gen Süden, lange, sehr lange, sind wir im Landesinneren gefahren und konnten es kaum erwarten, bis die Straße endlich ans Meer ging. Mit 250 Kilometern ist die Great Ocean Road, neben dem Pacific Coast Highway in Kalifornien, eine der beliebtesten und bekanntesten Küstenstraßen der Welt. Hinter Torquay, dem Surfer Mekka, welches für uns nur ein paar verächtliche Mini-Wellen übrig hatte, ging es dann endlich an die Küste und langsam konnte man die Schönheit dieses Küstenstreifens erahnen. Bei Bells Beach dann die wahren Surfer Helden, die gekonnt, als hätten sie nie etwas anderes gemacht, die Wellen abreiten, eine nach der anderen, scheinbar mühelos und wir erinnern uns an unsere ersten wackligen Versuche. Das Wetter: rau, zum ersten Mal seit Tagen kein Sonnenschein, sondern tiefhängende Wolken, Nebel, dafür eine Luft, dermaßen frisch, dass jeder Atemzug wahrscheinlich eine wahre Freude für unsere Lungen ist. Wir kurbeln die Fenster runter und halten unsere Nasen in den Fahrtwind, während uns die Serpentinen durch dichte Eukalyptuswälder führen. Mit Lorne dann das hübscheste der kleinen Ortschaften, direkt am Meer, mit Strand und einer süßen Promenade, gerne würden wir bleiben, doch die Zeit treibt uns weiter. Ab hier dann das schönste Stück der Straße: Direkt am Abgrund, über dem Meer, windet sich die Great Ocean Road den Hang entlang, Haarnadelkurven bieten Ausblicke auf die Steilküste, die uns den Atem anhalten lassen. Vielleicht, oder gerade deswegen, weil heute keine Sonne scheint, und die Wellen sich unbarmherzig gegen schwarze Felsen drücken, ist es hier so faszinierend. Sonnige Strände mit seichtem Meer hatten wir genug in den letzten 4 Wochen. Hier kann man die Unerbittlichkeit der Natur spüren und am liebsten würde ich mich in einem der niedlichen Bed&Breakfasts einquartieren, mich in eine Decke gehuschelt auf die Terrasse mit Blick auf`s Meer setzen und eine Tasse heiße Schokolade trinken.

"Unser" Koala - ganz zahm, ganz zutraulich
"Unser" Koala - ganz zahm, ganz zutraulich

Ab Apollo Bay dann dichter Küstenregenwald mit unzähligen Eukalyptusbäumen, die so unverkennbar riechen, dass man den Geruch einpacken und mitnehmen möchte. Wenn Koalas high vom Fressen der Blätter werden können, dann sind wir es von der Frische des Duftes. Vögel zwitschern und wir halten Ausschau nach den kleinen Tieren, die sich in den obersten Baumwipfeln versteckt halten. Steile Straßen, dicht bewachsen, die eine maximale Geschwindigkeit von 35 km/h zulassen, zwingen zum langsam fahren, zum Glück, denn nur so, kann man den Wald richtig riechen.

 

Nach einer durchwachten Nacht im einsamen Princetown, verlassen, mit schätzungsweise unter 10 Einwohnern dann die 12 Apostel. Gehüllt in undurchdringlichen Nebel sind sie nur schwer auszumachen, wir stehen eingemummelt in unsere dicken Pullover zitternd auf der Aussichtsplattform, bei um die 15 Grad! Und das, wo wir vor wenigen Tagen noch 42,2 Grad in Sydney hatten. Es bedarf noch zweier weiterer Anläufe, ehe wir am dritten Tag dann diesen Küstenstreifen mit Sonne bewundern können. Riesige gelbe Sandsteinfelsen, die einsam aus dem Meer ragen, Felshöhlen, die der Zahn der Zeit in das Gestein geschlagen hat. Hubschrauber kreisen über den Klippen und hunderte Busse laden Tonnen japanischer Touristen aus – das ist nichts für uns. Dann lieber den Cape Otway Nationalpark, unser persönliches Highlight der Tour. Die Straße der 100 und eins Koalas, wie wir sie nennen, eine 12 Kilometer lange schmale Route durch dichten Wald hinaus zum Leuchtturm. Die Wurzeln der Eukalyptusbäume am Straßenrand heben den Asphalt schon und wir bleiben alle 2 Minuten stehen, um uns die Hälse nach den wilden Koalas zu verrenken, die in den Wipfeln über uns sitzen. Hunderte müssen es sein. Oder tausende. In jedem Baum sitzen sie. Schauen zu uns herab. Manche mit Babys auf dem Rücken. Und einer, direkt am Straßenrand, der sich erst für ein Foto in Pose setzt um dann direkt vor unseren Füßen über die Straße zu laufen. Wer braucht Touristenscharen, wenn er wilde Natur um sich haben kann?

Die 12 Apostel - das Wahrzeichen, neben dem Ayers Rock, Australiens
Die 12 Apostel - das Wahrzeichen, neben dem Ayers Rock, Australiens

3 Tage Great Ocean Road, wir haben viel erwartet, und viel unerwartet Schönes vorgefunden. Die schönsten Momente waren immer die, in denen wir abseits der Straße ungeplante Stopps eingelegt haben. Hätten wir nicht den Leuchtturm sehen wollen, wären wir den Koalas nicht begegnet. Hätten wir nicht wegen eines Umwegs tanken müssen, hätten wir nicht wilde, bunte Papageien füttern können. Ausgetretene Pfade verlassen und Neuland entdecken. Das Salz in der Suppe des Reisens!


Noch mehr Fotos von der Great Ocean Road gibt`s hier:

http://wirsinddannmalunterwegs.jimdo.com/fotogalerie/australien/

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Di

15

Feb

2011

Melbourne - ganz und gar nicht wie Sydney

Touristen, vorwiegend Backpacker, äußern sich gerne mal abfällig darüber, dass Melbourne auf dem Reißbrett entstanden sein soll. Tatsächlich haben wir bisher keine Stadt besucht, in der so viel moderne Architektur entstanden ist bzw. sich noch in der Bauphase befindet. Als würde die ganze Stadt in einem unsichtbaren Wettkampf mit sich selbst stehen (und vielleicht konkurriert sie auch ein wenig mit Sydney, was sie eigentlich nicht wirklich nötig hat) vibriert das Stadtzentrum vor Tatendrang. Es scheint fast so, als wäre diese Stadt erst in den vergangenen 10 Jahren erbaut worden, so nagelneu sehen die Gebäude aus und viele sind nach wie vor noch Baustellen. So zum Beispiel die Docklands. Ein riesiger Wohn- und Geschäftskomplex, der am Hafen komplett neu aus dem Boden gestampft wurde. Beinahe eine eigene Stadt in der Stadt. Wir laufen durch die Straßen und sie sind so neu, dass vereinzelt noch Bauzäune und –Schilder stehen und wir teilweise um Baugruben herumstiefeln müssen.

Dockland
Dockland

In Wahrheit braucht sich Melbourne keineswegs vor einem Vergleich mit Sydney fürchten. Ganz im Gegenteil. Beide Städte könnten unterschiedlicher nicht sein und der Mix hier aus historischem Baumaterial und Neuzeit ist hervorragend geglückt. Dem Besucher der "europäischsten" Stadt Australiens bietet sich eine Fülle an Museen, Theatern, Parks, Sportstätten, jedem Kunst- und Kulturliebenden dürfte das Wasser im Munde zusammen laufen. Was dem Sydney sein Darling Harbour und Circular Quay sind, dürften den Melbournern ihre Sounthbanks sein. Direkt am Yarra-River, der sich mitten durch das Zentrum zieht, sind beidseitig wunderschöne Fußgängerzonen mit unzähligen Restaurants und kleinen Cafés entstanden, die zum Verweilen einladen und einen Blick auf die atemberaubende Skyline bieten. Mitten dazwischen der Eureka Tower, mit 297,30 Metern das höchste Gebäude der südlichen Hemisphäre. Mit um die 30 $ Eintritt hat der Blick vom Skydeck dann auch seinen Preis, weswegen wir lieber am Wasser flanieren.

Am Fluss
Am Fluss

Das Besondere an der Stadt, und woran sich deutsche Städte gerne mal ein Beispiel nehmen können, es gibt einen kostenlosen Stadtbus und eine Straßenbahn, die einmal rundherum ums Stadtzentrum verkehren und einem die wichtigsten Sehenswürdigkeiten nahe bringen. Unser Hostel ist zum Glück nur einen Katzensprung vom Zentrum entfernt und so nutzen wir unsere 3 Tage ausgiebig um die Straßen zu erkunden. So viel gibt es zu sehen, auf unserer Ostküstentour haben wir ein deutsches Mädel kennengelernt, die sich unsterblich in Melbourne verliebt hat und gleich mal 7 Wochen hier hängen geblieben ist. Kein Wunder. Zu vielfältig ist der Mix der Einheimischen, zu aufregend die Szene. Ein Kasino, so groß, dass man sich darin verlaufen kann und wir beinahe 1 Stunde gebraucht haben, um wieder hinaus zu finden. Riesige Kathedralen, so mächtig, dass sie eher ins tiefste Gothik Frankreichs gehören, als nach Australien. Und, wir können unseren Augen kaum trauen – ein bisschen Wiener Charme mit Fiakern in der Innenstadt. So hatte ich dann auch beinahe Tränen in den Augen, als wir an der Rod Laver Arena vorbeifuhren, genau 7 Tage nach dem Finale der Australian Open! Aber an alles kann man nun mal nicht denken, wenn man eine 6-monatige Reise plant. Und es gibt ja schließlich noch die French Open, Paris ist nicht ganz so weit weg und dann steht Roger Federer hoffentlich wieder im Finale!

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Mi

09

Feb

2011

42,2°, eine Brunch-Fahrt und ein bisschen Wildlife

Hätten wir damals, vor einem Jahr, gewusst, dass wir so schnell wieder nach Sydney zurückkommen würden, wären wir sicherlich nicht so enttäuscht gewesen, damals das Feuerwerk zu Silvester um genau 6 Stunden verpasst zu haben. Nun sind wir mittlerweile zum 5. Mal (!) in dieser Stadt, die sich nicht umsonst rühmt, eine der Städte mit der höchsten Lebensqualität zu sein. Als wir aus dem Bus von Byron Bay kommend steigen (nach wieder einmal einer an die 16 stündigen Bus-Nachtfahrt), empfängt uns erst einmal senkende Hitze! Die schwere heiße Wand hängt zwischen den Wolkenkratzern von Downtown und wir kämpfen uns gegen unseren inneren Schweinehund mit unseren inzwischen annähernden 30 kg Gepäck pro Person in Richtung Hostel. Eine derartige brütende Hitze haben wir hier noch nie erlebt, da kommt nicht einmal Bangkok in der Trockenzeit heran. Der Wahnsinn! Alles um uns herum stöhnt und schwitzt und als wir endlich an der Rezeption stehen um einzuchecken, im Wake Up, dem natürlich coolsten Hostel in Sydney, werfe ich erleichtert meinen schweren Rucksack ab und lasse mich in die weichen Kissen der Lobby-Couch sinken. Sydney hat uns wieder! Wir sind einfach nur happy. Kein Wunder, dass die Menschen hier einfach immer gute Laune haben. Bei knapp 9 Monaten Sonnenschein im Jahr, dem Beach direkt vor der Haustür, all den hippen Cafés und Geschäften, lässt es sich definitiv aushalten. Wäre nur Sydney nicht so verdammt weit weg von zu Hause! Über 20 Stunden Flugzeit! Aber egal, jetzt sind wir erst einmal wieder zurück, und haben erneut 2 Tage Zeit, die Stadt unsicher zu machen.

Darling Harbour
Darling Harbour

So ging es dann auch erstmal direkt zum Darling Harbour, dem hübschen Hafenviertel mit seinen unzähligen Restaurants. Hier waren wir schon am 01.01. diesen Jahres, bevor es nach Fiji ging, zum ersten Mal und hatten einen traumhaften Spaziergang von hier bis zum Circular Quay gemacht. Auf dem Weg in Richtung Darling gibt es glücklicherweise überall Springbrunnen, die dazu einladen, sich abzukühlen. Am Hafen dann ist die Hitze beinahe unerträglich. Als würde man vor einem offenen Backofen stehen, bläst einem der wüstenartige Wind heiß um die Ohren. Wir retten uns von Schatten zu Schatten, wetten, wie viel Grad genau heute sind, und überlegen gerade, was wir bei diesen extremen Temperaturen in Sydney anstellen könnten, als uns eine Frau plötzlich ihr Tagesticket für die Wildlife World, einen Zoo gleich um die Ecke, in die Hand drückt. Das ist ja toll! Wir nutzen natürlich direkt die Gelegenheit und sind umso positiver überrascht, als wir am Eingang stehen und sehen, was uns das hier an Eintritt gekostet hätte, hätten wir es selbst bezahlen müssen – 49,90 $ pro Person! Wir flüchten in das klimatisierte Innere und befinden uns sofort in Mitten von unzähligen Terrarien voller Schlangen, Spinnen, Ameisen und anderer Insekten. Australien hat die gefährlichsten Tiere der Welt doch die von ihnen ausgehende Gefahr wird eindeutig überschätzt! Die meisten Tiere sind so scheu, dass es kaum zu Berührungen zwischen Mensch und Tier kommt, und wenn, dann haben sämtliche Krankenhäuser direkt die jeweiligen Gegengifte parat. Also alles halb so wild. Viele der giftigen Schlangen und Spinnen sind zu dem nur im einsamen Outback zu finden, ein weiterer Punkt, warum man sich absolut keine Gedanken machen muss, nach Australien zu reisen. Wir haben jedenfalls in unseren über 3 Wochen hier nur friedliche Exemplare zu Gesicht bekommen ;-)

Wildlife World am Hafen
Wildlife World am Hafen

Die nächsten 2 Stunden bestaunen wir also sämtliche in Australien lebenden bekannten Tierarten. Die meisten davon, Koalas, Kängurus, Wombats etc. haben wir ja eh schon unterwegs gesehen, dort allerdings in einem wesentlich natürlicheren Lebensraum, als hier im künstlichen Zoo. Dennoch ist die Wildlife World hübsch gemacht, ein netter Tierpark in Mitten der Stadt, der auch Australien-Besuchern, die nur kurz auf der Durchreise sind, einen guten Überblich über die Fauna des Landes bietet. Mehr als beeindruckt sind wir dann doch von einem gut 5 Meter langen riesigen Alligator, der zunächst majestätisch durch ein großes Wasserbecken gleitet, um sich dann faul an Land zu räkeln. Mit diesem Ur-Vieh möchte man jedenfalls keine Begegnung in freier Wildbahn erleben. Der könnte uns, ohne mit der Wimper zu zucken, im Ganzen verschlucken!

 

Als wir irgendwann am späten Nachmittag wieder ins Tageslicht treten, haben die Temperaturen kein Stück nachgelassen. Jeder kleine Anstieg in den Straßen gleicht einer Everest-Besteigung und wir werden später in der Zeitung lesen, dass dies der heißeste Tag mit sagenhaften 42,2° des bisherigen Jahres war!

Die Harbour Bridge
Die Harbour Bridge

Am nächsten Morgen heißt es dann zeitig aufstehen, wir haben für heute einen Brunch-Cruise durch den Hafen gebucht. Das hatte ich mir schon ewig gewünscht und nach über 3 Wochen Supermarkt-Verpflegung mit Toastbrot und Müsli wollten wir es uns endlich mal wieder richtig gut gehen lassen. Um 9 Uhr war dann also Abfahrt ab Darling Harbour und nach einem Glas Champagner und einer witzigen Begrüßung durch den Chef-Stuart laufen wir aus und steuern in Richtung Harbour Bridge und Opera House. Das Buffet wird wenig später eröffnet und wir stürzen uns auf Bohnen, Speck, Rührei und Würstchen. Mmmhhhh…. Mit randvoll beladenen Tellern balancieren wir zurück zu unserem romantischen Tisch am Fenster und genießen beim Essen den Blick auf den Hafen von Sydney. Am Circular Quay lesen wir dann noch ein paar weitere Passagiere auf, dann geht die Fahrt in östliche Richtung bis zum Point Piper, wo wir unsere Silvesternacht verbracht haben, um das Feuerwerk zu sehen. Erst jetzt erfahren wir, dass die kleine Halbinsel im Hafen der teuerste Wohnplatz am Ort ist, da haben wir uns ja ein dekadentes Fleckchen für den Jahreswechsel ausgesucht ;-))) Auf der Rückfahrt bieten sich dann endlich tolle Blicke vom Wasser aus auf die Oper, die Skyline und die Brücke und wir machen tausend Fotos, Jana mit Brücke, André mit Oper, Jana und André vor Oper, neben Oper, unter der Brücke, mit allem zusammen und und und.

Mit der Captain Cook auf Brunch-Cruise durch Sydneys Hafen
Mit der Captain Cook auf Brunch-Cruise durch Sydneys Hafen

Vollgefressen rollen wir dann am Circular Quay von Bord, nicht ohne noch die aktuelle Tageszeitung als Andenken mitzunehmen, in der über den gestrigen Hitzerekord berichtet wird. Auch heute ist es immernoch annähernd 35° warm und wir retten uns in den Finanzdistrikt, in den Schatten riesiger moderner Hochhäuser. Das Zentrum der Stadt kennen wir nach mittlerweile 4 Besuchen wie unsere Westentasche und an jeder Straßenecke kommen andere Erinnerungen hoch. Im Hydepark beobachten wir spielende Kinder, händchenhaltende Pärchen und hunderte Studenten. Es scheint, als würde die ganze Stadt vor Energie und Frische nur so sprühen. Im Film „Eat, Pray, Love“ vergeben die Darsteller bezeichnende Adjektive an Städte. So bekam London das treffende „steif“ zugeteilt, New York „zielstrebig“ und wir haben am 01.01.11 als wir vor der Oper in einer Bar vor einem riesigen Teller Penne mit Shrimps saßen, überlegt, welches Adjektiv wohl am besten auf Sydney zutreffen könnte. „Jung“ und „Sexy“ waren wir uns einig. So viele junge, hübsche und gut angezogene Menschen haben wir selten an einem Ort gesehen. Andrés treffender Meinung nach ist der Grund, warum es hier kaum fülligere Menschen gibt, schlicht und ergreifend der, dass die Leute hier 9 Monate im Jahr in Sommerklamotten und viel freier Haut herumrennen. Da kann man sich einfach keine Schwimmringe oder Pölsterchen an den falschen Stellen leisten ;-) Hier ist jeder Bordstein ein kleiner Laufsteg, jedes Ausgehen wird zelebriert. Jeden Abend findet irgendwo eine andere angesagte Party statt. Und wir ärgern uns einmal mehr, dass immer die schönsten Fleckchen auf Erden definitiv viiiiiel zu weit weg von Deutschland sind. Sydney jedenfalls ist uns nach San Francisco mittlerweile die liebste Stadt auf Reisen geworden.

 

Noch mehr Fotos von Australiens heimlicher Hauptstadt gibt`s hier:

http://wirsinddannmalunterwegs.jimdo.com/fotogalerie/australien/

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Mi

09

Feb

2011

Traumzeit-Legenden

This is an Aboriginal Dreamtime story about how the koala came to live in the Eucalyptus tree:


Long ago there were many koalas who would wander all over the land. Some were giants and able to reach the tops of the Eucalyptus trees along the Barwon River. After eating all the leaves, so none were left for the little ones, they would feel very comfortable and fall asleep along the river.


In a camp, not far away, there were two naughty boys named Billa and Mundi. Both the boys were told not to go down by the river because the giant koalas would roll over in their sleep and squash them. But the naughty boys did not listen. They took their boomerang and went down to the river to torment the giant koalas. Billa and Mundi would throw their boomerang at the giants and wake them up. When they went back to sleep the boys would run over and pick up their boomerang – until the giant koala rolled onto the boy`s boomerang. Knowing they would be in big trouble if they returned home without them, they crept towards the giant koalas and rolled them into the river.


As the giant koalas floated down the river they threw the boomerang into the Eucalyptus trees. The boys had to climb up into the trees but when they did, they turned into koalas themselves. Afraid the giants would return, Billa and Mundi must keep look out all night long with their boomerangs hidden in the trees.

Wer mehr über die Mythen und Legenden der australischen Ureinwohner, der Aborigines, erfahren möchte, wird auf dieser interessanten Seite fündig:

http://www.traumzeit-legenden.de/

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Mo

07

Feb

2011

Unglaubliche Begegnungen der dritten Art

Boah! Leute gibt es, dat jibt`s jar nüscht! Wenn man so lange unterwegs ist, trifft man unweigerlich über kurz oder lang immer wieder auf Menschen, die einem dermaßen suspekt sind, dass man ihnen normalerweise direkt aus dem Weg gehen würde. Aber in einem 8-Bett-Dorm ist das nun mal schlecht möglich. Oder einem voll besetzten Greyhound-Bus. Da kann man schlecht das Zimmer wechseln oder aussteigen. Da kommt es schon mal vor, dass man sich hinter ein paar dermaßen nach Knoblauch stinkenden Anti-Typen wiederfindet, oder in einem Zimmer mit einem Mit-Fünfziger schlafen muss, bei dem man sich fragt, warum der zum Teufel in einer Jugendherberge im Mixed Dorm absteigt? Oder nachts um 23 Uhr bei Mc Donalds, eingezingelt von Obdachlosen, die Selbstgespräche führen, aber Mc Donalds ist nun mal das einzige, was um diese Zeit auf hat, in einer Stadt, die sich Hauptstadt nennt, jedoch nicht mehr als ein Kuhkaff ist, wenn man 3 Stunden auf den Anschluss-Bus warten muss. Oder ganz zu schweigen von den Jungspunden, die in der Hostelküche (trotz Hinweisschild) gerne mal vergessen, dass sie nicht zu Hause bei ihrer Mutter sind, die ihnen den Dreck hinterherräumt und so einfach ihr benutztes Geschirr überall rumstehen lassen. Irgendein Dussel wird sich schon finden, der die paar Teller mit spült.

 

Ja, diese Liste könnte man jetzt unendlich fortsetzen, von Nacktschläfern haben wir gehört (im Mehr-Bett-Dorm!), weit verbreitet ist auch der Säger, der sich, sobald irgendwann im 8-Bett-Dorm gegen 03 Uhr morgens das Licht ausgegangen ist (nicht ohne dass noch ein paar Mal jemand lautstark und rücksichtlos hinein oder hinaus geplatzt ist) tief schlafend und laut schnarchend durch ganze Wälder hindurchsägt. Und übrigens: es gibt auch 20-Bett-Dorms. Na da fängt der Spaß erst richtig an. Das einzige Mittel gegen das alles: Ohropax und eine Augenklappe. Damit ist im Handumdrehen himmlische Ruhe und alles Lästige wird einfach ausgeblendet.

 

Ich habe mal gelesen, Reisen sei schlecht für Vorurteile. Und tatsächlich, wenn Du reist, musst Du Dich einfach an Deine Umgebung anpassen. Einfach irgendwann selbst wie ein Freak aussehen, dann wirst Du schon in Ruhe gelassen ;-) Nein im Ernst, so eine Reise härtet ab und fördert die Toleranz dermaßen. Dinge, die zu Hause ein absolutes No Go wären, sind unterwegs Alltag und Du findest Dich damit ab, bis es irgendwann normal ist. Da kommt es auch schon mal vor, dass Du morgens verschlafen ins Bad tappst, um Dir die Zähne zu putzen, und in den Toiletten kotzt sich einer die Seele aus dem Leib und daneben geht einer gepflegt seinem Geschäft nach. Und wenn sich ein Klischee bewahrheitet hat, 99,9% der Männer lassen immer, aber wirklich immer, die Klobrille oben!

 

Aber egal, alles was zählt, ist eine warme Dusche, egal wie versifft das Bad auch ist ;-), ein Bett (egal wo es steht, Hauptsache liegen) und eine Mahlzeit (den Verschmutzungsgrad mancher Hostelküchen möchte ich an dieser Stelle gar nicht erwähnen). Australien hat uns abgehärtet (Ja, Australien, nicht Südamerika!). Wir sind genügsam geworden. Und trotzdem zufrieden. Weil uns die vielen schönen Erlebnisse unterwegs dann wieder bewusst machen, was für ein Glück wir doch haben, so eine Reise machen zu können. Basta!

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So

06

Feb

2011

Byron Bay – Kleinstadt mit Hippieflair

Seit ich meinen ersten Reiseführer von Australien im Jahr 2003 gekauft hatte, spukte mir das Bild des Leuchtturms von Byron Bay durch den Kopf. Ich muss dazu sagen, ich liebe Leuchttürme. Leuchttürme haben etwas Magisches, etwas Spirituelles. Sie sind das Symbol für`s Nachhause-Kommen, sie leuchten Dir im schweren Sturm den Weg, sie helfen Dir, auf dem richtigen Kurs zu bleiben. Gibt es ein Bauwerk, das einen tieferen Sinn und Zweck hat, dessen Bedeutung so elementar ist, dass Menschenleben davon abhängen? Dazu die Lage am Meer, Freiheit, Weite, Naturgewalt und unendliche Schönheit. Schon Herbert Grönemeyer sang in seinem Lied „Land unter“:

 

Übernimm die Wacht
bring mich durch die Nacht
Rette mich durch den Sturm


Ein wundervolles Lied (wie eigentlich alle Lieder von Herrn Grönemeyer).

Der Leuchtturm von Byron Bay
Der Leuchtturm von Byron Bay

Wenn ich könnte, würde ich in einem Leuchtturm wohnen, habe mal eine Reportage über eine Familie gesehen, die in Holland einen alten Leuchtturm als Wohnhaus umgebaut hat. Ein Traum. Diese Gebäude haben mich einfach schon immer fasziniert. Wann immer wir an einem Ort sind, wo es einen Leuchtturm gibt, muss ich dahin. Einfach auf`s Meer hinausstarren, ganz in sich versunken seinen Gedanken nachhängen. Das hat was.

 

Nach dem Massentourismus in Surfers Paradise sollte Byron Bay also unsere willkommene Ruheoase nach all dem Trubel der vergangenen Tage werden. Die kleine Stadt, ca. 5 Busstunden von Brisbane entfernt, ist das Paradies für alternative Mit-Vierziger und –Fünfziger, die einen Hang zu Yoga, Meditation, Naturheilkunde und Esoterik haben. So hat es uns nicht überrascht, dass der Großteil der Bevölkerung hier überwiegend barfuß geht, lange Haare hat und nicht selten einen alten VW-Bus aus den späten 70ern fährt (natürlich mit Blumen und Schmetterlingen bemalt). Eine Handvoll kleiner Boutiquen, die Schmuck, Tücher und Flowerpower-Kleider verkauft, dazu ein paar organische Restaurants mit „mental food“ und ein paar Galerien für Aborigines-Art. Und natürlich der Leuchtturm, flaniert von gleich mehreren Traumstränden, Stränden, die zu schön sind, um wahr zu sein, für die es kaum Worte gibt, um sie zu beschreiben.

Der Südstrand
Der Südstrand

An diesen Ort ein riesiges Hostel für durchgeknallte partywütige Backpacker zu bauen, ist eine schreiende Ungerechtigkeit, hier gehört nichts her, das laut ist, und so langsam gehen uns die 8-Bett-Dorms und Trinkspiele unser Um-Die-Zwanzig-Jährigen Mitreisenden gehörig auf den Wecker. Ist der Sinn des Reisens für die meisten Traveller, sich die Rübe zuzuschütten, mit einer Flasche billigsten Fusels in der Runde jeden Abend darüber zu sinnieren, wo der Alkohol am billigsten ist und in welchem Hostel man am besoffensten war? Wir ergreifen lieber die Flucht und machen einen ausgedehnten Strandspaziergang zum Leuchtturm. Schon von Weitem sichtbar überragt er die Bucht, majestätisch weiß hebt er sich vor dem tiefblauen Himmel ab. Wir laufen an die 2 Stunden und steigen unzählige Stufen hinauf, bis wir schließlich am östlichsten Punkt der gesamten australischen Küste stehen. Wer morgens hier sitzt, kann als erster auf dem Kontinent Down Under die Sonne aufgehen sehen. Was für ein schöner Platz für einen Leuchtturm! Wir genießen die Aussicht lange, auf das unter uns liegende Byron Bay, geschafft vom Aufstieg in der Mittagshitze bei um die 40° ohne Schatten. Der Abstieg dann durch tiefsten Küstenregenwald, begleitet vom Zirpen der Zykaden und ein paar Schmetterlingen.

André nach dem Surfen
André nach dem Surfen

Am zweiten und letzten Tag zieht es uns dann natürlich an den Strand, jetzt will auch André es endlich wissen und stürzt sich mit dem Surfboard in die Wellen. Begeistert kämpft er 3 Stunden mit dem Meer, ich baue der Weile Sandburgen am Strand, als er endlich wieder an Land kommt, leuchten seine Augen und ich bin über und über mit Sand paniert, wie ein Wiener Schnitzel. So verbringen wir unsere letzten Stunden in Byron Bay, ehe es schon wieder weiter geht, gen Süden, nach Sydney.

 

Tolle weitere Bilder unseres Strandspaziergangs findet ihr hier:

http://wirsinddannmalunterwegs.jimdo.com/fotogalerie/australien/

 

Und: Wir haben es mal wieder mit einem Artikel auf sz-online geschafft:

http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=2679623

 

 

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Sa

05

Feb

2011

Die unendliche Geschichte des kleinen USB-Sticks

Es war einmal ein kleiner 2 Gigabyte USB-Stick, der kam aus dem fernen… Mmhhh… sagen wir mal aus China. Von dort legte er eine laaaange Reise per Schiff nach Europa zurück, wo er schließlich zu allem Übel in einem Krabbeltisch eines namhaften Elektronik-Fachgeschäftes landete. Dort war er zwar zumindest unter seinen Artgenossen, ihm fehlte jedoch ein behagliches Heim. Bis, ja schließlich, eines Tages, ihn jemand unter den dutzenden herausfischte und mit sich nach Hause nahm. Von da an, war der kleine USB-Stick in seinem Element. Er konnte Daten speichern und wiedergeben, einfach jeden Tag etwas Sinnvolles tun. Eines Tages begaben sich seine neuen Besitzer jedoch auf eine weitere laaange Reise, die ihn zu mehr Kontinenten und durch mehr Länder führen sollte, als er es sich jemals zu träumen gewagt hätte. Er legte tausende Kilometer zurück, und sollte schließlich seiner ursprünglichen Heimat wieder sehr nahe kommen.

 

Da war schließlich diese große Insel mitten in einem noch größeren Ozean. Die, auf der viele gefährliche Tiere lebten. Der kleine USB-Stick fürchtete sich schon ein wenig, aber seine Besitzer hatten ihn immer gut verpackt in einer kleinen Tasche bei sich. Hier reisten sie etwas länger umher und er hatte sich schon beinahe an die neue Umgebung gewöhnt, als es eines Tages zu einem folgenschweren Vorfall kam: Seine Besitzer ließen ihn aus Versehen in einer Stadt, in einem sehr großen Haus mit sehr vielen Betten und vielen fremden Menschen, zurück. Der kleine USB-Stick war todtraurig, dass man ihn hier einfach vergessen hatte, er dachte, er wäre etwas Besonderes. Er hoffte und bangte und wartete, dass seine Besitzer ihn vermissen würden, und tatsächlich nach über einem Tag langen Ausharrens, kam der ersehnte Anruf. Doch es sollte noch ein langer, einsamer Weg zurück in die Arme seiner Vertrauten werden.

Nach dem ihn seine Besitzer nun als vermisst gemeldet hatten, sollte er ihnen mit dem nächsten Bus hinterherreisen. Aufgeregt und voller Vorfreude auf das Wiedersehen, harrte er gespannt der Dinge, doch… nichts geschah, dieses Mal hatte ihn der freundliche Mann im großen Haus vergessen zum Bus zu bringen. Wieder verging ein ganzer langer Tag, doch da… seine Besitzer riefen wieder an, um nach ihm zu fragen. Und tatsächlich, dieses Mal brachte man ihn wirklich zu dem großen Gebäude, wo all die roten Busse abfuhren. Doch auch da musste er sich noch ein wenig in Geduld üben. Er konnte nicht ahnen, wie sehr seine Besitzer nach ihm fahndeten, waren sie doch weiter auf dem Weg gen Süden und hatten durch ihren straffen Zeitplan keine Chance, länger an einem Ort auf ihn zu warten. Also reisten sie bangen Herzens weiter, und hatten schließlich die Hoffnung schon beinahe aufgegeben, ihn jemals wiederzusehen.

 

Und so, eines Abends, ging es erneut für ihn auf in ein spannendes Abenteuer. Der alte Mann in dem roten Bus nahm ihn mit auf die Reise in Richtung der riesigen Stadt ganz im Süden, mit der großen Brücke und dem berühmten Gebäude, dessen Dach wie große Segel aussehen. So legte er mehrere hunderte Kilometer zurück bis, ja bis, er in einem kleinen Ort am Meer ankam, wo viele seltsame Leute in den Bus stiegen, Menschen, die komische Sachen anhatten und lange Haare und keine Schuhe an den Füßen. Da fühlte sich der kleine USB-Stick plötzlich wieder sehr einsam, wollte er doch endlich wieder vertraute Gesichter sehen. Und dann plötzlich, sah er sie: Seine Besitzer. Sie stiegen in seinen Bus! Er konnte seinen Augen kaum trauen. Sie waren es wirklich. Die Suche hatte ein Ende. Sie hatten ihn ebenfalls sofort entdeckt und schlossen ihn freudestrahlend in die Arme. Von da an, würden sie doppelt auf ihn aufpassen und ihn wie ihren Augapfel hüten. Zu wichtig war er für sie. Und der kleine USB-Stick war auch ein wenig stolz auf sich, wie mutig er die ganze Reise allein zurückgelegt hatte. Und so reisten und lebten sie von da an gemeinsam glücklich für alle Zeit.

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Fr

04

Feb

2011

Life`s a beach, surf it! – oder: Schwitzen, bis der Arzt kommt…

Surfers Paradise, das Partymekka für Backpacker an der legendären Goldcoast hat seinem Namen alle Ehre gemacht: Sonne satt, Gigantische Wellen, ein Strand, dessen Enden man sowohl gen Norden als auch gen Süden nicht mal erahnen kann, Wolkenkratzer, die nicht nur Dubai-Feeling vermitteln und jede Menge Vergnügungsparks. Surfers wird nicht umsonst „Klein-Miami“ genannt. Ein bisschen Miami-Feeling hatte es dann schon, so am Strand langzuflanieren, hier schießen beinahe monatlich neue Skyscraper in den Himmel, viele gut betuchte Rentner verlegen ihren Alterssitz hierher (was für ein Widerspruch zur trinkwütigen Jugend) und zahlreiche Familien frequentieren rege die hiesigen Hotels um Dreamworld, Seaworld etc. einen Besuch abzustatten. Die typisch australischen 3 B`s werden hier zelebriert: Beach, Bear & Barbecue. Dazu wird natürlich fleißig gesurft, wie es der Name schon sagt!

Der Strand von Surfers Paradise
Der Strand von Surfers Paradise

Unser Hostel, nur 150 Meter vom Strand entfernt, beste Lage also, um uns in die Fluten zu stürzen. Und dann noch ein kostenloser Bodyboard-Verleih! Besser geht`s gar nicht. Einziger Haken, die fehlende Klimaanlage im Zimmer: Da liegt man schon mal schweißgebadet die ganze Nacht wach, oder rennt 3x in der Nacht unter die kalte Dusche um die irren Temperaturen von über 30° im Zimmer zu ertragen. Mit uns im Dorm 3 nette Norwegerinnen (zum ersten Mal, dass wir diese Nation unterwegs treffen, in der Regel sind es die Schweden, die neben uns Deutschen sämtliche Welt-Sehenswürdigkeiten überfluten!).

 

Dennoch zog es uns schnell weiter gen Süden, irgendwie fehlte dem Ort Surfers das gewisse Etwas, wie im beschaulichen Noosa, im süßen Airlie-Beach, zu viel Massentourismus, zu lieblos die Architektur, wir haben die 2 Tage also eigentlich nur am Strand verbracht, sind geschwommen, haben riesige Muscheln gesammelt (endlich ein Strand für die Jana!) und sind mit unseren Bodyboards auf den Wellen geritten – immer unter den wachsamen Augen der Lifeguards natürlich ;-)

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Do

03

Feb

2011

Koalas knuddeln und mit Kängurus abhängen

Brisbane – die erste Großstadt seit langem, darauf hatten wir uns schon seit Tagen gefreut. Endlich wieder bekannte Gesichter sehen, das pulsierende Leben einer Metropole spüren und unsere Freunde von Fiji, Adam und Christie besuchen. Nach unserem gemütlichen ruhigen Hostel in Noosa, war das BUNK! mit um die 500 Betten zwar erstmal ein Schock, aber es sollte ja nur für 2 Nächte sein und wir wollten eh die ganze Zeit unterwegs sein. Aus unserem gebuchten Billig-20-Bett-Dorm (!) wurde dann glücklicherweise nur ein 8-Bett-Zimmer, immerhin mit eigenem Bad! Einen Hang zum Morbiden kann man den Hostel-Gestaltern jedenfalls definitiv bescheinigen, überall hingen geköpfte und zerteilte Barbie-Puppen, hier hatte offensichtlich einer der Architekten sein Kindheitstrauma verarbeitet ;-) Der straight umgesetzte Industrie-Style hatte jedenfalls etwas, wenn man Backstein, Metalltreppen und Lagerhallen-Flair mag. Nach dem wir erst einmal das Stadt-Zentrum Brisbanes zu Fuß erkundet hatten, stand für den zweiten Tag ein Besuch des Koala Sanctuary sowie das erste Treffen mit den Aussies an. Unser Hostel hatte netterweise einen kostenlosen Transport in den etwas außerhalb gelegenen Park angeboten, was uns nur recht war, angesichts der Taxi- und Buspreise. Unterwegs gab es sogar noch einen kurzen Stopp am Mount Coot-tha, dem Aussichtspunkt der Stadt. Leider war die Skyline aufgrund des diesigen Wetters nur verschwommen zu erkennen. Angekommen am Koala Sanctuary warteten tatsächlich schon Adam und Christie auf uns und es gab erst einmal eine herzliche Begrüßung mit den beiden: „Welcome to Australia!“

Christie wollte uns 2 Stunden später wieder abholen und so machten André und ich uns auf, die Tierwelt Australiens zu erkunden. Seit ich zu Beginn unseres Australien-Aufenthaltes gelesen hatte, dass man hier einen Koala cuddlen (Knuddeln) kann, waren André und ich begeistert von dem Gedanken. Immerhin haben sich schon viele bekannte Prominente, wie z.B. die englische Queen, hier mit einem der possierlichen Tiere ablichten lassen. Gleich hinter dem Parkeingang dann die Überraschung, im Sanctuary gibt es nicht nur Koalas und Kängurus sondern beinahe sämtliche Tiere des Kontinents zu sehen. So auch jede Menge Eidechsen, die bis über einen Meter lang, frei zwischen unseren Beinen herumwuselten. Natürlich zog es uns zielgerichtet zu den süßen Bären und wenig später standen wir vor den Freigehegen voller Eukalyptuszweigen und noch mehr Koalas. Adam hatte schon prophezeit, dass durch das Eukalyptus-Fressen die Tiere stetig „high“ sind und eigentlich die meiste Zeit über nur schlafen. Außer ein paar verschlafener Grunzer und einem gelegentlichen Zwinkern, gab es dann auch nicht viel zu sehen. Trotzdem ist es erstaunlich, wie man im Tiefschlaf, nur mit seinem Popo zwischen zwei Ästen eingeklemmt, schlafen kann… ;-)

Da die Flut leider auch vor dem Tierpark nicht halt gemacht hat, laufen zur Zeit noch die Aufräumarbeiten und das Highlight des Parks, das Koala streicheln wurde kurzerhand umverlegt in ein anderes Gebäude. Für 16$ waren wir dabei und harrten gespannt der Dinge, als eine Pflegerin mit einem der Koala-Jungen auf dem Arm zu uns kam. Ganz vorsichtig musste ich meine Hände vor dem Bauch verschränken, damit sie ihn mir auf den Arm geben konnte. Mit seinen kleinen Pfötchen klammerte er sich sofort fest an mich und eine Welle tiefer Zuneigung ergriff mich. So ähnlich muss sich eine frischgebackene Mutter fühlen, wenn sie ihr Baby zum ersten Mal auf dem Arm hält. André stand dicht neben mir und gemeinsam hielten wir dieses süße Wesen und André kraulte liebevoll sein dichtes graues Fell. Eigentlich wollte ich ihn gar nicht mehr hergeben, doch um die 7 Kilo werden dann doch irgendwann schwer und schließlich wollte auch André ihn noch einmal auf den Arm nehmen. Schnell schoss ich noch ein paar Fotos, ehe wir endgültig Lebewohl zu „unserem“ Koala sagen mussten und die nächsten Touristen an der Reihe waren.

Weiter ging es dafür direkt in das Känguru-Gehege, ähnlich unserem heimischen Streichelzoo. Mit dem gekauften Futter pirschten wir uns ganz langsam an die Tiere heran, hatten wir doch mehrfach gehört, dass ein Tritt vor die Brust ziemlich schmerzhaft sei. Die ersten Kängurus waren dann wohl ziemlich übersättigt, von den vielen Besuchern heute, bis wir eines gefunden hatten, welches uns begeistert aus der Hand gefressen hat, verging ein Weilchen. Dafür war dieses dann umso zutraulicher, es lag entspannt auf der Wiese herum, und selbst als wir uns dazulegten, malmte es weiter genüsslich in Richtung Videokamera. Coool!!! So haben wir noch ein paar echt witzige Shots gemacht, aber seht selbst:

Neben den farbenfrohen Lorikees und Kakadus, gab es natürlich auch alle sonstigen Tiere Australien zu bewundern: Emus, Krokodile, Cassowarys, einen Platypus und natürlich auch Wombats, die sich leider tiefschlafend in einem hohlen Baumstamm verschanzt hatten. Pünktlich um 14:30 Uhr holte uns Christie wieder am Zoo ab und es ging zunächst zum Haus von Adams Familie. Adams Vater als Inhaber einer eigenen Baufirma hat das gesamte Haus selbst entworfen und gebaut und als wir schließlich davor standen, waren wir einfach sprachlos! 4 Etagen, inkl. eigenem Kino, Fahrstuhl (!), Indoor-Pool, Billardtisch, mehreren Schlafzimmern, Weinkeller, Fitnessraum, begehbaren Kleiderschränken und Dachterrasse – der Hammer! Wir fühlten uns wie einer der TV-Serien, in denen Stars ihre Häuser vorführen, tja, Geld müsste man halt haben. Respekt! Und erst die riesige Küche, ein Traum! Weiter ging es dann zu Christies Haus. Dieses steht dem von Adams Familie in nichts nach, ist zwar „nur“ einstöckig gebaut, dafür herrlich weitläufig, alles super offen gebaut, ein riesiger Wohn- und Essbereich mit offener Küche, ebenfalls mehrere Schlafzimmer und zwei Bäder! Christies Mom begrüßte uns herzlich und wir wurden erstmal durch`s Haus und den Garten geführt. Als uns im Garten 2 Rottweiler freudig entgegenspringen, war André natürlich gleich in seinem Element. Christie zeigte uns den verwüsteten Garten, die Flut hat den ganzen unteren Teil des Grundstücks überschwämmt und nur Unmengen Sand und Schlamm hinterlassen. Alle packen gerade mit an, um aufzuräumen, das ganze Bootshaus ist abgesoffen. Ein bisschen war es uns schon peinlich, dass wir nicht mithelfen können/dürfen, Christie nahm uns statt dessen mit in die Küche und es gab erst mal ein leckeres spätes Mittagessen. Nach dem anschließenden Kaffee ging es dann wieder in den Garten hinab zum Fluss und Adam, Christies Bruder Ben und ihr Vater manövrierten den Jetski ins Wasser. Angesichts der fehlenden Rampen eine echte Meisterleistung. Einmal im Wasser gab`s dann jede Menge Action für André, Jetski, Kneeboard und Donut, Christies Familie (ihr Vater und Bruder sind Wasserskiläufer) und Adam hatten jede Menge Spielzeug aufgefahren, mit denen es flussauf- und abwärts ging und das über 3 Stunden lang bis zur beinahe einsetzenden Dunkelheit. Ich habe mir das ganze gepflegt vom Festland angesehen, André jedenfalls hatte `ne Menge Fun mit Adam, Ben und Christie. Nach einer gefühlten Ewigkeit kam er mit dem breitesten Grinsen der Welt an Land, völlig am Ende seiner Kräfte, weil er die letzte Stunde hängend auf einer Art riesiger runder Luftmatratze mit 70 km/h hinter einem Jetski hergezogen wurde. Natürlich musste nun auch ich nochmal ran, und kurzerhand drehte Ben mit mir noch eine ordentliche Runde auf dem Jetski (nach dem er mir fest versprochen hatte, mich nicht ins Wasser plumpsen zu lassen ;-)).

André wurde dann erstmal unter die Gästedusche gesteckt, wir sahen beide aus wie kleine Schweinchen vom ganzen Schlamm am Fluss, und Christies Mom hatte uns wie selbstverständlich, als wären wir Teil der Familie, zum abendlichen Barbecue eingeplant. So gab es dann herrliche gegrillte Würstchen, Steaks, Salat und Kartoffelauflauf und schließlich als Dessert einen fantastischen Kuchen mit warmer Vanillesauce. Die ganze Familie, inkl. der Oma waren beisammen und es war super schön, mit ihnen auf der Terrasse zu sitzen, zu schlemmen und zu essen. Ein großes Dankeschön nochmal an dieser Stelle an Christies Familie und Adam für den unvergesslichen Tag! Müde und ausgepowert schafften uns die beiden dann noch zurück ins Hostel, nicht ohne dass wir uns noch einmal für dem kommenden Nachmittag verabredet hatten, um die beiden als Dankeschön wenigstens ein auf Eis einzuladen.

 

Letzteres haben wir dann also am Montag Nachmittag, nach dem die beiden Dienstschluss hatten, nachgeholt. Bei einem ausgiebigen Stadtbummel konnten wir leider auch noch mal die Nachwirkungen der Flut sehen, da der schöne Stadtpark, die Southbanks, völlig zerstört war. Adam und Christie zeigten uns trotzdem die schönsten Plätze ihrer Stadt und nach dem sie uns auch noch zum Busterminal gebracht hatten, konnten wir uns gar nicht genug bei den beiden bedanken für die tolle Zeit! Hoffentlich kommen die beiden eines Tages mal zu uns nach Dresden, damit wir uns revanchieren können. Adam hat auch Familie in Deutschland, vielleicht klappt es also mal mit einem Besuch!

So ging am Montag Abend unser Brisbane-Aufenthalt zu Ende und per Bus ging es ins nur eine reichliche Stunde entfernte Sufers Paradise, an die Gold Coast. Ein bisschen waren wir schon traurig, uns wieder verabschieden zu müssen, dieses Mal steht nicht fest, wann wir uns das nächste Mal sehen werden, aber es gibt ja Skype und E-Mail und so kann man hoffentlich in Kontakt bleiben!

 

Mehr schöne Fotos vom Koala Sanctuary gibt´s hier:

http://wirsinddannmalunterwegs.jimdo.com/fotogalerie/australien/

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Mi

02

Feb

2011

Zyklon-Warnung "Yasi"

Das Wetter in Australien spielt komplett verrückt! Erst die schlimmste Flutkatastrophe aller Zeiten und nun ein Monster-Zyklon. Um es vorwegzunehmen, ihr braucht Euch keine Sorgen um uns zu machen! Wir sind aktuell in Surfers Paradise und fahren heute Abend noch weiter gen Süden, "Yasi" wird heute Abend gegen 20 Uhr das australische Festland um Cairns erreichen. Es ist einfach schrecklich. Gerade das bereits schwer Flut-geschädigte Gebiet in Queensland ist betroffen. Bereits jetzt wurden alle Straßen nördlich von Rockhampton gesperrt und tausende Menschen evakuiert. Der Zyklon soll laut Meteorologen die Ausmaße von "Katrina" haben. Wir sind glücklicherweise noch mit einem blauen Auge davon gekommen, als wir in Cairns waren, haben wir nichts von der Flut mitbekommen, weil es südlich von uns war und nun sind wir im Süden und der Norden ist betroffen. Dank Andrés guter Petrus-Connection haben wir mächtig Schwein gehabt. Drückt die Daumen für Queensland, dass die Ausmaße nicht ganz so verheerend sind und der Sturm noch etwas an Kraft verliert. Wir halten Euch auf dem Laufenden!

 

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,742990,00.html

"Yasi" (Quelle: Spiegel)
"Yasi" (Quelle: Spiegel)
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Di

01

Feb

2011

Unterwegs auf der größten Sandinsel der Welt

Fraser Island, Queenslands größte Insel, die 6.-größte Australiens (die Australier leben Extreme, alles ist das Größte, das Beste, das Einzigartigste) misst 120 km Länge und 24 Kilometer Breite und liegt direkt vor der Ostküste auf Höhe von Hervey Bay. Wer jetzt denkt, dass auf der ganzen Insel nur Sand ist, der irrt. Auf dem sandigen Untergrund hat sich im Laufe der Jahre eines der außergewöhnlichsten Ökosysteme der Welt gebildet. Es gibt urzeitlich anmutende Kauri-Riesen und jahrtausende alte Baumfarne, und dank des Hundeverbots auf der Insel, die ursprünglichste Dingo-Population. Vergangenen Freitag haben wir uns aufgemacht, „the great sandy island“ zu erkunden. Da dies nur mit einem 4x4-Fahrzeug und somit einer geführten Tagestour möglich war, wurden wir um 05:50 Uhr (morgens!!!!!) an unserem Hostel in Noosa abgeholt:

Rob, unser Guide für heute, ein waschechter Aussie aus Noosa, empfängt uns putzmunter und nach dem Check unserer Namen, dürfen wir in den zum Glück klimatisierten Allrad-Bus steigen. Wir kämpfen gegen unsere bleischweren Lider an, so früh aufstehen im Urlaub geht gar nicht. Bis zur Fähre in Rainbow Beach sind es erst einmal noch 1 ½ Stunden Fahrtzeit, gut für uns, Zeit für ein Nickerchen! Immer wieder blinzele ich zwischendurch nach draußen, wie fahren durch traumhafte riesige grüne Wälder, dazwischen immer wieder vereinzelte hübsche Farmen mit weiß-gezäunten Pferde- und Rinderkoppeln. Gegen 8 Uhr sind wir in Rainbow, und gehen samt Wagen auf die Autofähre nach Fraser. Die Überfahrt dauert nur knapp 5 Minuten, wir halten Ausschau nach Walen, Haien und Delfinen, die es hier geben soll, sehen jedoch keine. Angelangt am anderen Ufer fahren wir auf den Strand und Rob beginnt uns einiges über „seine“ Insel zu erzählen. In der Sprache der Aborigines heißt sie K’gari, was so viel wie „Paradies“ bedeutet. Vor ca. 750.000 Jahren bildeten sich aus einzelnen Sandablagerungen an vereinzelt aus dem Meer ragenden Felsnasen riesige Dünen, die im Laufe der Jahre zunächst von Gras und später von weiterer Vegetation überwuchert wurden. Eines der Besonderheiten der Insel ist der 75-Mile-Beach an der Ostküste der Insel, welcher bei Ebbe von Fahrzeugen befahren werden kann und als Landebahn für Flugzeuge dient. Vom Südzipfel aus cruisen wir diesen 40 Minuten lang gen Norden, links neben uns bis zu 200 Meter hohe Dünen, rechts neben uns der tosende Ozean. Nur gelegentlich kommt uns ein anderes Fahrzeug entgegen, das Licht der morgendlichen Sonne taucht den Strand in beinahe goldenes Licht. Rob lenkt unser Fahrzeug geschickt um einige schwarze Gesteinsbrocken und durch vereinzelte Süßwasserzuflüsse, die überraschend viel Wasser führen. Auf Fraser gibt es fast 200 Südwasserseen! Aber dazu später mehr.

Unser 4x4
Unser 4x4

Gerade will ich jubeln, als Rob uns auf eine riesige Schildkröte vor uns aufmerksam macht, als wir jedoch näher kommen, sehen wir, dass leider nicht mehr viel von ihr übrig ist als der Panzer und die Beine. Als sich dann auch noch ein Dingo hungrig über die Reste hermacht, muss ich würgen, aber das ist nun mal der Lauf der Natur. Erster Stopp für heute ist Eli Creek, der größte Süßwasserzufluss zum Meer. Hier legen wir eine kurze Pause für einen Morgentee ein und können durch das herrlich klare und kühle Süßwasser waten, welches am Strand riesige Naturpools gebildet hat. Auf einem kleinen Boardwalk kann man ein Stück ins Inselinnere laufen, riesige braune Fliegen (ca. 3-4 Zentimeter im Durchmesser) lassen uns jedoch beizeiten wieder zurück zum Auto flüchten.

 

Zurück im Auto fahren wir dann weiter den Strand entlang, sehen wie eines der Touristenflugzeuge am Strand landet, und gelangen zu unserem nächsten Highlight unseres Fraser Ausfluges: den Coloured Sands „The Pinnacles“, ein Abschnitt des Strandes der unterschiedlich gefärbt ist, von fast dunkelrot über hellorange bis beinahe weiß. Direkt daneben das 1935 gestrandete Schiffswrack der „Maheno“, einer 1904 in Schottland gebauten Luxusyacht, welche bei schwerem Sturm hier auf Grund gelaufen ist. Das riesige vor sich hin rostende Ungetüm ist mehr als beeindruckend und erinnert uns an die Bilder von Namibia und der Skeleton Coast.

Schiffswrack der "Maheno"
Schiffswrack der "Maheno"

Von hier geht es wieder in südliche Richtung bis zum kleinen Ort „Happy Valley“, dem Zentrum der Insel mit ein paar Unterkünften und einer Tankstelle. Ab hier geht es landeinwärts über tiefe Sandpisten mitten durch den Regenwald. Das muss man sich mal vorstellen: Tropischer Regenwald, gewachsen auf Sand! Immer wieder zeigt uns Rob die Besonderheiten der Flora, der Bus kämpft sich durch bis zu 50 Zentimeter tiefen Sand, mal kommen wir schneller voran, mal langsamer. Ziel ist der Lake McKenzie, der angeblich „schönste Swimmingpool der Welt“. Rob stellt das Auto ab und wir laufen das Stück bis zum Ufer des glasklaren Sees. Das Wasser ist hier so rein und sauber, dass es keinerlei Nährstoffe beherbergt und somit auch keinerlei Leben, weder Tiere noch Pflanzen. Wir reißen uns die verschwitzten Klamotten vom Leib und stürzen uns begeistert in die Fluten! Das Wasser ist einfach herrlich! Bei den Temperaturen heute ist es einfach ein Traum, in so einem herrlichen See schwimmen zu gehen, so ganz ohne Wellen und Salz!! Wir tauchen und schwimmen um die Wette bis fast zur Mitte des Sees, das wäre toll, wenn wir zu Hause ein solches Naturparadies hätten. Durch die zeitlich versetzt agierenden Reisegruppen sind wir wenig später ganz allein im Wasser und lassen uns einfach treiben. Australien ist einfach soooo cool!

André am Lake McKenzie
André am Lake McKenzie

Nach über eine Stunde im Wasser melden sich unsere knurrenden Mägen pünktlich zum Barbecue. Rob hat schon alles vorbereitet: Es gibt Steaks, Würstchen, gebratene Zwiebeln, Kartoffel- und Nudelsalat, Früchte, einfach alles, was das Herz begehrt. Mir läuft das Wasser im Mund zusammen und ich häufe mir den Teller randvoll – Schwimmen macht einfach mega hungrig. Mitten im Barbecue gesellt sich ein Goanna zu uns, ein ca. 1,50 Meter langes Reptil, welches gierig um unseren Tisch herumscharwenzelt, in der Hoffnung, einen Bissen zu ergattern. Wir amüsieren uns köstlich darüber, wie er mit seiner riesigen langen Zunge jeden Krümel vom Boden aufkratzt. Später lese ich, dass die Tiere eine echte Gefahr für den Schildkröten- und Vogelbestand sind. Durch immer mehr Touristenrastplätze auf der Insel, werden die Reptilien angelockt und gut versorgt, sie fressen jedoch auch Vogel- und Schildkröteneier. Das Tier ist tatsächlich so zahm, dass es bis auf wenige Zentimeter an uns herankommt. Wow!

Letzter Stopp für heute ist am Wanggoolba Creek, hier besichtigen wir auf einem knapp 1 Kilometer langen Naturlehrpfad die ganze Pracht des hiesigen Regenwaldes. Im Gegensatz zum feuchten Klima im Daintree ist es hier wesentlich angenehmer, in der Mitte des Tals folgen wir einem flachen, klaren Süßwasserflüsschen, in welchem sich zahlreiche Aale tummeln. Von hier geht es dann zielgerichtet zurück in Richtung Fähre. Solange es die Gezeiten zulassen, fahren wir noch am Strand entlang, dann muss Rob auf die Sandpiste im Inselinnern ausweichen. Der Übergang ist völlig versandet und wir brauchen annähernd zwanzig Anläufe, ehe wir durch den tiefen Sand hindurch sind und die Räder wieder greifen. Rob jagt die Drehzahl in die Höhe und düst im Eiltempo voran, so dass wir uns an den Sitzen festklammern, um nicht allzu sehr durchgerüttelt zu werden. Offenbar ist die Flut sonst zu hoch, wenn wir nicht rechtzeitig vorher übersetzen. Gegen 16 Uhr sind wir zurück in Rainbow Beach, lassen uns unseren Afternoon Tea am Strand schmecken, ehe uns Rob zurück nach Noosa bringt. Um kurz nach sechs setzt er uns am Hostel ab, genau richtig zum heutigen freien Hostel-Barbecue. Bei einem ordentlichen Hotdog und der Partie Federer - Djokovic lassen wir den Abend dann in Ruhe ausklingen.

 

Und noch viiiiele schöne weitere Pics von Fraser gibt`s hier:

http://wirsinddannmalunterwegs.jimdo.com/fotogalerie/australien/

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Sa

29

Jan

2011

Hang loose in Noosa

„Noosa is by far the best place, I`ve been in Australia”. Diesen Satz habe ich im Blog einer Engländerin auf Fiji gelesen. Da war natürlich klar, dass ein Stopp an der Sunshine Coast ein Muss für uns ist. Nach dem wir auch noch eines der besten Hostels gecheckt hatten – ging es also am vergangenen Dienstag von Airlie Beach ab gen Süden. 17 Stunden später waren wir da, und bezogen das bisher mit Abstand beste Hostel unserer Reise. Nach einem gepflegten Großeinkauf bei Coles für schlappe 98$ inklusive Kinderschokolade, yummy, (Coles ist, neben Aldi, der preiswerteste Supermarkt in Australien und schon mal einen Fußmarsch von einer Stunde hin und zurück wert – so geschehen in Airlie Beach ;-)) wurden erst einmal ein paar deftige Hackfleisch-Käse-Bällchen in der Pfanne gebrutzelt. Herrlich! Das ganze Hostel nagelneu und die Dorms nur mit 4 Betten! Mit Alex aus England sollten wir auch noch einen wahren Glückstreffer eines Zimmergenossen landen.

André sieht schon fast aus wie ein richtiger Ozzie ;-)
André sieht schon fast aus wie ein richtiger Ozzie ;-)

So haben wir es uns die vergangenen 4 Tage richtig gut gehen lassen. Chillen am Pool, lecker gemeinsam kochen, Australien Open auf dem mega-großen Flat-Screen schauen und, das allerbeste, Surfen lernen! Ja, ihr habt richtig gehört, ich habe Surfen gelernt! Unsere Melbourne-Freunde von Fiji hatten uns schon verraten, dass Noosa der ideale Ort zum Surfen ist, und da unser Hostel nicht nur kostenlos Bretter verliehen hat, habe ich mir glatt mal einen Crash-Einsteigerkurs über 2 Stunden am Mainbeach gegönnt. Wenn schon Surfen lernen, wo dann besser als in Australien mit all den braungebrannten durchtrainierten Surfertypen? Ich kann nur sagen, Surfen ist mit Abstand das Genialste, was ich seit langem probiert habe. Nur Du und das Board, der Ozean, die Wellen. Der Hammer! Nach 2 Stunden, dank des guten Coachings, konnte ich komplett alleine auf den Wellen reiten. Bewaffnet mit dem Board am Strand kam ich mir fast wie eine richtige australische Surfer-Biene vor. Wie cool ist das denn? Um das ganze Feeling dieser Erfahrung rüberzubringen, habe ich mir gleich mal den Surfer-Slang der Einheimischen für diesen Blogartikel vorbehalten ;-).Hier mal ein kleines Video meiner ersten richtigen Welle...

Alles was ihr tun müsst, um wie ein richtiger Ozzie zu wirken, ist nicht mehr als eine Shorts oder einen Bikini und Havaianas zu tragen und lässig „How`re going?“ zu sagen („How are you going“ in einem Wort). André sieht mit seiner sagenhaften Beach-Bräune eh schon aus, wie von hier, und auch ich habe dank der australischen Sonne mittlerweile einen Farbton erreicht, den ich mir nie zu träumen gewagt hätte! Überhaupt hat die Sunshine Coast ihrem Namen alle Ehre gemacht und ganz ohne lästige Salzwasserkrokodile und jellyfish (Quallen) im Wasser konnten wir endlich das Meer genießen. Noosa war einfach toll. Süße Geschäfte, nette Restaurants, zwei klasse Strände, irre Wellen – und so viele coole Menschen! Im Gegensatz zu dem so angeblich „mondänen“ Port Douglas im Norden, war das hier eine echte Wohltat! Ein bisschen Warnemünde, Binz und Kühlungsborn gepaart mit Sylt-Feeling.

Unterwegs auf dem Coastal Track
Unterwegs auf dem Coastal Track

Und noch eine witzige Episode aus Noosa zum Schluss – mehr von unserer tollen Fraser-Tour gibt`s im nächsten Blogartikel – die so typisch ist für Australien:

 

Donnerstag Abend wollten wir mit dem Bus noch mal kurz ins Zentrum. In unserem Hostel hatte man uns den Coastal Walk empfohlen, und wir, als schnelle Läufer, dachten uns, okay, die 2 Stunden unterbieten wir locker. Wir sind also in Noosa Sound gegen 18 Uhr losgelaufen, immer an der Küste entlang auf dem gut angelegten Weg. Unter uns tosende Wellen mit wagemutigen Surfern im glutroten Licht der untergehenden Sonne. Plötzlich bleibt André abrupt stehen und deutet ins Unterholz. „Ein Koala!“ Und tatsächlich, das süße possierliche Wesen kommt uns direkt auf dem Wanderweg entgegen. Erst bleibt es vor André sitzen und mustert ihn von oben bis unten, dann kommt es zu mir und setzt sich für ein Foto in Pose! Das ist sooo süß!!! Ich gehe in die Hocke, fast könnte ich sein weiches, schimmerndes Fell berühren. Was für eine geniale Begegnung.

Unsere erste Begegnung mit einem Koala in freier Wildbahn
Unsere erste Begegnung mit einem Koala in freier Wildbahn

Ab jetzt laufen wir gegen die Zeit und die einsetzende Dunkelheit. Der Weg windet sich dicht an den Klippen durch den Noosa Nationalpark mit dichtem Regenwald. An der Alexandria Bay steigen wir die Stufen zum Strand hinab und sind am Wasser allein. Die menschenleere Bucht schimmert im letzten verbleibenden Tageslicht und weiße Krabben rasen im Eiltempo über den Strand. Immer noch liegen ca. 1,5 Kilometer vor uns und wir spurten, so schnell es unsere FlipFlops zulassen über die Stufen am Ende der Bucht hinauf über den letzten Pass. Von oben sehen wir schon die Lichter von Noosa Sunshine und den im Mondlicht leuchtenden Sunshine-Beach ehe uns das dichte Unterholz in absolute Dunkelheit hüllt. Kein Licht, keine Laterne beleuchtet unseren Weg. André läuft zügig voran, immer die Hände vor sich ausgestreckt, um nicht in ein Spinnennetz zu laufen. Bei den riesigen Viechern hier, dürfte das kein Vergnügen sein. Ich keuche hinterher, immer darauf bedacht, fest aufzutreten, um etwaige Schlangen auf dem Weg zu vertreiben. Immer wieder zucken wir zusammen, wenn es unmittelbar neben uns im Gebüsch raschelt. Endlich sind wir über den Berg und steigen die Stufen zur Stadt hinunter. Puhhh. Am Carpark haben wir Glück und sehen ein letztes Auto stehen. Ich nutze die Gunst der Stunde, um den Mann nach dem Weg zurück zum Hostel zu fragen, und ehe wir uns versehen, hat er uns auf den Rücksitz seines Autos verfrachtet, und fährt uns zurück zu unserer Unterkunft! Sein Sohn und er kommen vom Fischen und er entschuldigt sich tausendmal für den strengen Geruch im Auto. Wir können es kaum fassen, die Leute hier sind so … so unglaublich nett und hilfsbereit. Das würde uns zu Hause nicht passieren! Wir bedanken uns überschwänglich bei ihm, als wir wenig später am Hostel ankommen und er verabschiedet uns herzlich. Müde und happy kehren wir in der Küche ein und machen uns erst einmal eine ordentliche Portion China-Essen. Alex hat sein leckeres Thai-Curry und frische Shrimps gemacht, wir packen alles Essen gemeinsam auf den Tisch, so dass Jeder von allem kosten kann, und langen ordentlich zu. Mmmhhhhh….

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Mi

26

Jan

2011

Funny, isn`t it?

Heute mal was besonders Lustiges, was wir in unserem Hostel entdeckt haben. Im Englischen ist es lustiger, daher haben wir es im Original übernommen. Aber für die, die kein oder nicht so gut Englisch sprechen, haben wir das Ganze mal frei von der Leber weg übersetzt ;-) Da fällt mir spontan der Dialog zwischen Quantas Piloten und Mechanikern ein *lol*


Und damit ihr wisst, wie gefährlich Australien ist, hier eine Karte:

These questions about Australia were posted on an Australian Tourism website. Obviously the answers came from fellow Aussies

....just trying to help:


Diese Fragen über Australien sind an die australische Tourismuswebsite gestellt worden und wurden von Australiern beantwortet.


E: Does it ever get windy in Australia? I have never seen it rain on TV, so how do the plants grow? (UK)
    A: We import all plants fully grown and then just sit around

    watching them die.

D: Ist es jemals windig in Australien? Ich habe es im Fernsehen noch nie regnen sehen, wie also wachsen eure Pflanzen? (UK)
    A: Wir importieren alle Pflanzen voll ausgewachsen, pflanzen sie

    ein und sehen zu, wie sie vertrocknen.

E: Will I be able to see kangaroos in the street? (USA)
    A: Depends how much you've been drinking.

D: Werde ich in den Straßen Kängeruhs sehen? (USA)
    A: Das hängt davon ab, wie viel du getrunken hast.

E: I want to walk from Perth to Sydney - can I follow the railroad tracks? (Sweden)
    A: Sure, it's only three thousand miles, take lots of water...

D: Ich möchte von Perth nach Sydney laufen, kann ich den Bahn-Schienen folgen? (Schweden)
    A: Sicher, es sind nur 3000 Meilen (4800 Kilometer), nimm eine

    Menge Wasser mit ...

E: Are there any ATMs (cash machines) in Australia? Can you send me a list of them in Brisbane, Cairns, Townsville and Hervey Bay? (UK)
    A: What did your last slave die of?

D: Gibt es Geldautomaten in Australien? Wenn ja könnt ihr mir eine Liste mit den Standorten in den Städten Brisbane, Cairns, Townsville und Hervey Bay schicken? (UK)
    A: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

E: Can you give me some information about hippo racing in Australia? (USA)
    A: A-fri-ca is the big triangle shaped continent south of Europe.

    Aus-tra-lia is that big island in the middle of the Pacific which

    does not... oh forget it. Sure, the hippo racing is every Tuesday

    night in Kings Cross. Come naked.

D: Könnt ihr mir Informationen über Nilpferdrennen in Australien geben? (USA)
    A: A-fri-ka ist der große dreieckförmige Kontinent im Süden von

    Europa. Aus-tra-lien ist die große Insel in der Mitte vom Pazifik,

    welche keine ...ach vergiss es. Sicher, die Nilpferdrennen sind

    jeden Dienstag Nacht in Kings Cross. Komm nackig.

E: Which direction is north in Australia? (USA)
    A: Face south and then turn 90 degrees. Contact us when you

    get here and we'll send the rest of the directions.

D: Welche Richtung ist Norden in Australien? (USA)
    A: Schau in Richtung Süden und dreh dich um 90 Grad. Meld dich

    bei uns, wenn du da bist und wir schicken dir die restliche

    Wegbeschreibung.

E: Can I bring cutlery into Australia? (UK)
    A: Why? Just use your fingers like we do.

D: Kann ich Besteck mit nach Australien bringen? (UK)
    A: Warum? Nimm einfach die Finger wie wir auch.

E: Do you have perfume in Australia? (France)
    A: No, WE don't stink.

D: Habt ihr Parfüm in Australien? (Frankreich)
    A: Nein, WIR stinken nicht.

E: Can you tell me the regions in Tasmania where the female population is smaller than the male population? (Italy)
    A: Yes, gay nightclubs.

D: Könnt ihr mir sagen, in welcher Region in Tasmanien mehr Männer als Frauen leben? (Italien)
    A: Ja, in Schwulen-Nachtclubs.

E: Do you celebrate Christmas in Australia? (France)
    A: Only at Christmas.

D: Feiert ihr Weihnachten in Australien? (Frankreich)
    A: Nur an Weihnachten.

E: Are there killer bees in Australia? (Germany)
    A: Not yet, but for you, we'll import them.

D: Habt ihr Killer-Bienen in Australien? (Deutschland)
    A: Noch nicht, aber für dich importieren wir welche.

E: Are there supermarkets in Sydney and is milk available all year round? (Germany)
    A: No, we are a peaceful civilisation of vegan hunter gatherers.

    Milk is illegal.

D: Gibt es in Sydney Supermärkte und ist Milch das ganze Jahr verfügbar? (Deutschland)
    A: Nein, wir sind eine friedliche Gesellschaft von Veganern. Milch

    ist illegal.

E: Please send a list of all doctors in Australia who can dispense rattlesnake serum. (USA)
    A: Rattlesnakes live in A-meri-ca which is where YOU come from.

    All Australian snakes are perfectly harmless, can be safely

    handled and make good pets.

D: Bitte schickt uns eine Liste mit allen Ärzten in Australien, die Klapperschlangenserum vorrätig haben. (USA)
    A: Klapperschlangen gibt es nur in A-mer-ika, der Kontinent aus

    dem DU kommst. Alle australischen Schlangen sind absolut

    harmlos und können sicher als tolle Haustiere gehalten werden.

E: I have a question about a famous animal in Australia, but I forget its name. It's a kind of bear and lives in trees.(USA)
    A: It's called a Drop Bear. They are so called because they drop

    out of gum trees and eat the brains of anyone walking

    underneath them. You can scare them off by spraying yourself

    with human urine before you go out walking.

D: Ich habe eine Frage über ein berühmtes Tier in Australien, habe aber den Namen vergessen. Es ist eine Art Bär, der in den Bäumen lebt. (USA)
    A: Es heißt Fallbär. Sie heißen so, weil sie sich aus Gummibäumen

    auf jeden darunter Laufenden fallen lassen, um dessen Gehirn zu

    fressen. Du kannst sie abschrecken, indem du dich selbst mit

    menschlischem Urin einsprühst, bevor du spazieren gehst.

E: Will I be able to speek English most places I go? (USA)
    A: Yes, but you'll have to learn it first.

D: Kann ich an den meisten Orten in Australien Englisch sprechen? (USA)
    A: Ja aber du musst es erst lernen.

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Di

25

Jan

2011

Whitsundays – “Your safety is our priority”

Ach ja, seufz, ich schreibe Euch mal kurz auf, wie so ein Tagesprogramm zweier Weltreisenden aussieht, so anstelle vom normalen zu Hause, mit Aufstehen, Frühstück, Arbeit, Arbeit, Arbeit, Abendbrot, Bett, also:  

 

1.) Long Sleeping, after that a small breakfast

2.) Boat Cruise to Whitehaven Beach which is 6,5 km long of pure white Silica Sand, soft white and fluffy great to get between your toes

3.) A short walk to the top of Hill Inlet, where we can watch the ever changing swirllie sands of Whitehaven Beach

4.) Diving and snorkeling with over 1.500 different fish and 500 different types of corals

5.) Afternoon tea and fresh fruits on the boot, cruise back to town

6.) Dinner and open air cinema

 

So erst geschehen vorgestern, auf unserer Traumtour zu den Whitsundays. Auf dem Boot hat uns jemand gefragt, ob wir bei 6 Monaten Reisen nicht langsam Heimweh bekommen. Klar! Es gibt viele Momente, in denen ihr uns fehlt, und in denen wir uns wünschen, einfach gemeinsam mit Euch um einen großen Tisch zu sitzen und zu essen, zu quatschen und zu lachen. Dennoch ist diese Reise wahrscheinlich eine „once in a lifetime experience“, und das heißt für uns, erleben und genießen (ihr merkt schon, nach über 2 Monaten Englisch sprechen, verfallen wir schon selbst vom deutschen immer wieder in ein bisschen Ozzie-Slang ;-)).

 

Nach dem wir am vergangenen Freitag, den 21.01.11 per Greyhound-Bus in einer 11-stündigen Fahrt von Cairns aus zu unserem ersten Stopp an der Ostküste, Airlie Beach, gefahren sind, haben wir uns 3 Tage gegönnt, um den hübschen kleinen Ort zu genießen, direkt auf ein paar Hügeln am Meer gelegen, das Gateway zu den Whitsundays, den 74 berühmten tropischen Inseln mit den schneeweißen Stränden vor der Küste Australiens. Der Ort noch ein geruhsames Backpacker-Paradies, wer weiß wie lange noch, zu schnell schießen Hotelriesen und Luxusresorts aus dem Boden wie Pilze. Unser Hostel: Endlich mal wieder eine positive Überraschung (nach der katastrophalen Erfahrung in Sydney über Silvester): Ein 4-Bett-Dorm für uns allein und saubere Küchen sowie sanitäre Einrichtungen. Nach dem ersten anfänglichen Überfordert-Sein aufgrund der unzähligen Tourveranstalter vor Ort, stellte sich relativ schnell heraus, dass die meisten Ausflüge zu den Inseln mehrtägig sind und unser Budget regelrecht sprengen. Wir hatten die Qual der Wahl aus 1-6 Tagestouren, Segelboot oder Katamaran, Inner oder Outer Reef. Dabei lagen die Preise zwischen 150 und über 600$, was uns angesichts der noch kommenden 3 Wochen in Australien den Schweiß auf die Stirn trieb. Da wir die Segeltour bereits auf den Fiji-Inseln gemacht hatten und sich unsere Wünsche somit auf den Whitehaven Beach, den weißesten Strand der Welt sowie eine Schnorchelrunde im Great Barrier Reef beschränkten, kristallisierten sich schließlich nur noch die beiden Veranstalter „Reefjet“ und „Mantaray“ heraus, die jeweils mit einer Tagestour „All-in-One“ warben. Nach einem kurzen Anruf im Office, stellte sich dann noch heraus, dass beide Boote demselben Veranstalter gehören und die Mantaray derzeit aufgrund von Motorschaden im Hafen liegen bleiben muss. Damit blieb also nur die „Reefjet“ übrig, eine 1-Tagestour zum Whitehaven Beach inklusive Lookout sowie einem Schnorchelstopp vor einer der benachbarten Inseln. Der Preis: 140$ pro Person. Aber Augen zu und durch, die Whitsundays sind einfach ein Muss auf jeder Ostküstentour. Vorgestern war nun also der große Tag:

Wieder mal auf dem Wasser
Wieder mal auf dem Wasser

Wir werden super pünktlich um 07:35 Uhr direkt von unserem Hostel abgeholt. Mit dem Shuttle geht es direkt zur Marina, wo wir freudig von der Crew begrüßt werden und das Boot besteigen. Nach ein paar kurzen Sicherheitsinstruktionen („Your safety is our priority“ – der Standard-Spruch in Down Under, nicht nur von Quantas), verlassen wir den Hafen und fahren hinaus auf`s Meer. Man hatte uns gewarnt, dass die See heute etwas „rough“ sein könnte, angesichts unseres Hammer-Transfers nach Waya auf Fiji sind die Wellen jedoch ein Witz. Einziger Haken der Tour ist, dass zur Zeit Quallen-Saison ist, und wir daher zum Schwimmen und Schnorcheln einen „Stinger-Suit“ tragen müssen, welcher uns vor einer unliebsamen Begegnung der schmerzhaften Art schützen soll. Aber zunächst geht die Fahrt direkt zum Whitehaven Beach, dem spektakulären 6 km langen weißen Traumstrand, der unzählige Postkarten als Motiv ziert. Gegen 11 Uhr erreichen wir unser Ziel und sind begeistert. Dieses Mal sieht es vor Ort tatsächlich aus, wie auf den Prospekt-Fotos, der Sand ist wirklich blendend weiß. Wir haben hier eine Stunde Zeit und dank der Nebensaison und der Flut-Nachrichten, sind wir fast alleine. Wir nutzen unsere freie Zeit, um witzige Fotos zu machen und den feinen Sand zu bestaunen, ich habe noch nie so feinkörnigen, weißen Sand gesehen. Der Strand ist bretthart und mit 99,7 % Quarzgehalt weiß wie Schnee, wenn man barfuß darüber läuft, sinkt man nicht einmal ein! Schwarze Wolken rasen über den Himmel, sekundenlang nieselt es, bis gleich darauf wieder die Sonne scheint. Das ist ja wie im April hier! Das Wetter ändert sich beinahe minütlich. Als es dann richtig zu schütten beginnt, besteigen wir lieber schnell wieder unser Boot und machen uns über das bereitstehende Mittagsbuffet her!

Whitehaven Beach
Whitehaven Beach

Unser nächstes Ausflugsziel für heute ist der Hill Inlet, ein kleiner Hügel gegenüber des Endes des Whitehaven Beaches, von dem man den berühmten Blick über die Inseln hat und die Sandbänke bei Ebbe bestaunen kann. Wir gehen an Land und starten unseren 15-minütigen Bushwalk zur Aussichtsplattform. Die Crew macht uns auf allerhand Getier im Unterholz aufmerksam, mehr als einigen von uns lieb ist, bevölkern doch wieder zahlreiche fette Spinnen den Weg, und mit fett meine ich handtellergroße Exemplare. Da waren die paar Tierchen im Daintree nix. Hier läuft es einem kalt den Rücken runter. Zwar ist der Golden silk orb-weaver relativ harmlos, seine Körpergröße (ohne Beine an die 10 Zentimeter) ist jedoch furchteinflößend. Nur immer schön aufpassen, wohin wir mit unseren Flip Flops treten ;-) Am Lookout angekommen haben wir einen tollen Blick über die unter uns liegende Bucht und den irre langen Whitehaven Beach mit seinem Farbenspiel zwischen weißem Sand und blauem Meer. Zuverlässig lässt sich auch die Sonne gerade wieder blicken und wir können so ein paar schöne Fotos von der Bucht machen.

Blick vom Hill Inlet
Blick vom Hill Inlet

Letzte Station für heute ist das Schnorcheln vor Border Island. Wir werfen uns in unsere sexy Suits und stürzen uns vom Boot aus in die Fluten. Der Großteil der Gruppe auf dem Boot hat einen Dive gebucht und die Taucher setzen sich per Motorboot ab. Es ist unglaublich, hier kann man ohne Tauchschein einen 12-Meter-Introductory Dive machen. Das Ganze ist uns aber nicht ganz geheuer. Ohne Erfahrung in 12 Metern Tiefe tauchen, da bleiben wir lieber an der Oberfläche. Leider kommt das Riff hier nicht annähernd an unsere traumhaften Schnorchel-Erfahrungen auf Fiji heran. Man hatte uns zwar gesagt, dass es zum Schnorcheln egal ist, ob man ans Inner oder Outer Reef fährt, Hauptsache Great Barrier Reef, unserer Meinung nach ist es dennoch ein gewaltiger Unterschied. Hier an den Inseln ist das Wasser extrem trübe und zu tief, um die Fische und Korallen erkennen zu können. Am Outer Reef gibt es dagegen Korallenbänke im Wasser, um die man draußen, im Ozean, herumschnorcheln kann. Dazu gibt es direkte feste Dive-Stationen der einzelnen Veranstalter, eine Art kleines Boot-Hotel mitten im Meer. Aber hinterher ist man halt immer schlauer. Und die Tour zum Outer Reef hätte nochmal einen extra Tagesausflug für um die 150$ bedeutet. Naja.

Fertig machen zum Schnorcheln!
Fertig machen zum Schnorcheln!

Auch die erhofften Schildkröten lassen sich heute leider nicht blicken, unser großer Traum, einmal mit einer Schildkröte zu schwimmen, sollte also nicht in Erfüllung gehen. Obwohl gerade Eier-Zeit ist, das heißt, viele Tiere halten sich in Küstennähe auf, um ihre Eier zu bewachen, haben wir kein Glück. Zurück an Bord schälen wir uns aus den Suits, immerhin sind wir damit von Quallenangriffen verschont geblieben. Nach dem obligatorischen Afternoon-Tea mit frischer Melone und anderem Obst, geht es zurück in Richtung Airlie Beach. Müde und happy sitzen wir an Deck und genießen die letzten Sonnenstrahlen für heute. Auch wenn das Schnorcheln eher enttäuschend war, so hatten wir doch einen tollen Tag. Und, vor allem, tolles Wetter! Nach den regenreichen vergangenen Wochen eine echte Wohltat!

 

Den gestrigen Tag haben wir dann einfach mal gepflegt mit Nichtstun verbracht und uns an der herrlichen künstlichen Lagune am Meer geaalt. Airlie Beach hat sich noch einmal von seiner besten Seite mit strahlend blauem, wolkenlosen Himmel und 30° gezeigt und am liebsten hätten wir hier noch ein paar Tage mehr dran gehangen. Stattdessen ging es dann gestern Abend per Bus weiter bis Noosa an die Sunshine Coast, 17 Stunden südlich von Airlie Beach. Und wir können Entwarnung geben, die Flutschäden in Brisbane sind beseitigt und die Straßen wieder frei, d.h. unserer Tour steht nichts mehr im Wege. Adam, Christie und ihre Familien sind glücklicherweise vom Hochwasser verschont geblieben, hoffen wir, dass die nun nach Süden ziehende Zyklon-Front in Melbourne nicht ähnliche verheerende Schäden anrichtet!

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Mo

24

Jan

2011

Daintree / Cape Tribulation – where the rainforest meets the ocean

Wir sind in Australien!
Wir sind in Australien!

Nach unserem gestrigen Ausflug in die Welt der Schmetterlinge und der längsten Gondelbahn der Welt, haben wir uns für heute einen Tagesausflug in den fast unberührten Daintree Nationalpark sowie zum Cape Tribulation vorgenommen. Nach langen Recherchen und Vergleichen der Tourveranstalter blieb die günstigste Alternative der Mietwagen, was uns nur recht war, angesichts der üblichen Massen-Touri-Abfertigung auf solchen geführten Tagesfahrten. Gesagt, getan, um 08:15 Uhr holen wir unseren winzigen Huyndai Getz ab und begeben uns zum ersten Mal mit dem Auto auf Australiens Straßen. Wir verlassen Cairns in nördliche Richtung auf dem Captain Cook Highway, vorbei an zahlreichen Kreisverkehren und Zuckerrohrfeldern, soweit das Auge reicht. Ab Palm Cove windet sich die Straße in engen Kurven spektakulär am Meer entlang, einzelne Scenic Lookouts öffnen den Blick auf traumhafte menschenleere palmengesäumte Südseestrände. Wir fühlen uns beinahe wie auf dem Pacific Coast Highway in Kalifornien, nur halt auf der anderen Seite des Pazifiks. Erster Stopp für heute ist Port Douglas, ein laut Reiseführer „mondäner“ Badeort mit zahlreichen Resorts und Spas der gehobenen Preiskategorie. Außer einer kleinen Einkaufspassage und einer Einkaufsstraße kann man Port Douglas wohl eher als Örtchen bezeichnen, wir sehen kaum Touristen auf den Straßen, und vom Postkarten-Strand „4-Mile-Beach“ sind wir einfach nur enttäuscht. Der weiße Strand ist eher dunkelgelb und übersäht von Algen und alten Kokosnüssen. Hier wird uns auch erst so richtig bewusst, warum die ganzen herrlichen Strände auf dem Weg hierher so verlassen waren. Aufgrund der Salzwasserkrokodile und der Stinger-Quallen darf nirgendwo gebadet werden! Das ist ja der Horror! Da wohnt man direkt an einem paradiesischen Traumstrand mit herrlich seichtem tiefblauen Badewasser und darf hier nicht schwimmen. Und das ganze Problem zieht sich über die gesamte Küste! Statt dessen gibt es an jedem Strand ein ca. 20x20 Meter großes, mit Netzen abgesperrtes Becken, in dem sich dann alle Badenden tummeln. Na wenn das kein Urlaubstraum ist!

Von Port Douglas sind es nur wenige Kilometer bis Mossman, dessen Mossman Gorge Nationalpark die Südgrenze des Daintree Nationalparks markiert und Heimat der Kuku-Yalanji-Aborigines ist. Wir stellen das Auto am Carpark, im Eingang der Schlucht ab, und laufen auf den markierten Wanderwegen durch dichtes Urwald-Gehölz entlang am Mossman River. Nach 500 Metern gelangen wir an ein natürliches Badebecken, flankiert von riesigen granit-grauen Steinen. Ein paar andere Besucher haben die Gunst der Stunde bereits genutzt und schwimmen im herrlich klaren, kühlen Wasser. Leider haben wir die Badesachen nicht dabei und waten so nur bis zu den Knien im Wasser. Bei all der schwülen Hitze ist das kühle Nass herrlich angenehm und André ärgert sich wie verrückt, dass er nicht Baden kann. Zu schön ist dieses Fleckchen Erde.

Am Mossman Gorge
Am Mossman Gorge

Umzingelt von Schmetterlingen laufen wir weiter bis zur Rex Creek Swingbridge, einer hübschen Hängebrücke über den Fluss. Hier sind wir ganz alleine und die Urwald-Geräusche schwellen zu einem rauschenden Summen an, das uns durch und durch geht. Immer wieder fallen einzelne Sonnenstrahlen durch das dichte Blätterdach und Pollen und winzige Insekten tanzen wie Lichtfunken zwischen den Bäumen.

 

Wir verlassen Mossman und lassen den Ort Daintree Village links liegen, wollen wir doch keine der geführten Bootstouren inkl. Krokodilsichtung machen. Stattdessen nehmen wir direkt die Cable-Ferry, die uns für 21 $ Retourn ans andere Ufer des Daintree Rivers bringt. Auch hier ist aufgrund der anhaltenden Regengüsse das Wasser weit über die Ufer getreten und wälzt sich schlammbraun in Richtung Ozean. Mittlerweile hat sich der Himmel wieder zugezogen und wir geben Gas, wollen wir doch das Kap noch bei Sonne sehen. 

Golden Silk Orb-Weaver
Golden Silk Orb-Weaver

Unterwegs legen wir noch einen kurzen Zwischenstopp am Alexandra Range Lookout ein, von dem wir einen atemberaubenden Ausblick über Baumfarne, Gräser und Lianen hinab auf die Mündung des Daintree Rivers haben, ehe wir im Discovery Center, mitten im Nationalpark ankommen. Hier haben Besucher die Möglichkeit, den über 200 Millionen Jahre alten Regenwald, mit seiner Flora und Fauna Schicht für Schicht zu erkunden, auf unterschiedlich hohen Boardwalks kann so vom Boden bis zu den Wipfeln jeder Baumriese bestaunt werden. Seit 1988 gehört der Daintree Nationalpark als ältester Regenwald der Welt zum UNESCO Weltnaturerbe. Seine biologische Vielfalt ist weltweit einmalig, ca. 70 Tier- und 700 Pflanzenarten hier sind endemisch, kommen also nur hier vor. Als wir in den dichten Dschungel eintauchen und über die umrankten Holzplanken stiefeln, in unseren Flip Flops wohlgemerkt ;-), entdecken wir nicht nur die Faszination von Blüten und Gewächsen sondern bemerken auch die allgegenwärtigen riesigen Spinnennetze, die praktisch zwischen jedem Baumstamm hängen. Auf dem Aussichtsturm, der sich direkt zwischen den Baumwipfeln befindet, finden wir auch zahlreiche Exemplare der grünen Ameise, deren Biss besonders schmerzhaft sein soll. Als dann auch noch unmittelbar eine fette, ca. 7 Zentimeter große Golden Silk Orb-Weaver in ihrem Netz hängt, wird mir ganz schlecht. Ab jetzt schaue ich auf jeden Schritt den ich mache und auf jedes Blatt, dass mir im Weg hängt. Ich sage nur so viel, je genauer man hinschaut, desto mehr sieht man – nichts für schwache Gemüter und Spinnen-Phobiker. Obwohl ich selbst durchaus in der Lage bin, zu Hause beim Anblick eines Weberknechtes in schrilles Kreischen und Panikzustände zu verfallen, muss ich zugeben, dass diese Wesen faszinierend und abschreckend zu gleich sind. Und so lange sie nicht in irgendeinem Hotelzimmer auf mich lauern, sondern einfach nur friedlich und ruhig im Wald rumhängen, bitteschön.

Als wir endlich im Ort Cape Tribulation ankommen, fängt es natürlich wie auf Kommando wieder an zu regnen. Wir warten den Guss ab und laufen dann das Stück zum Strand. Hier lief Captain Cook 1770 mit seinem Schiff auf Grund, der Abschnitt ist so bedeutend, wegen seiner beinahe unberührten Natur und seinen einsamen Stränden, hier trifft sprichwörtlich der Regenwald auf den Ozean. Nur wenige Touristen kommen bis hierauf, der ganze Ort hat nur 150 Einwohner. Wir erhaschen immerhin 2 Minuten Sonne, ehe es sich endgültig für heute eintrübt und wir beim Besuch des vielfotografierten Myall Beachs bis auf die Haut vom Regen durchnässt werden. Pitschnass sprinten wir zurück zum Auto und sitzen dann triefend vor der Heizung, um uns trocken pusten zu lassen. Innerhalb von wenigen Minuten verwandeln sich die Flüsschen am Straßenrand zu reißenden Fluten und die Straße wird regelrecht überflutet. Wir halten jedes Mal die Luft an, wenn wir einen Strom mit dem Wagen queren, in der Hoffnung, dass das Wasser noch nicht allzu tief ist, denn, je länger wir warten würden, desto wahrscheinlicher wäre es, dass wir heute nicht mehr nach Cairns zurückkommen. Und schließlich müssen wir morgen früh unseren Bus bekommen. André steuert unser Auto geschickt über die Straßen, der Scheibenwischer läuft volle Kanne und wir sind uns einig: So einen Regenguss haben wir noch nie, wirklich noch nie in unserem Leben gesehen. Es regnet fast 2 Stunden auf unserer Rückfahrt, die schönen angepriesenen Boardwalks am Straßenrand im Nationalpark müssen wir sausen lassen, Hauptsache wir kommen so schnell wie möglich zurück ins Hotel.

Am Cape Tribulation
Am Cape Tribulation

Erst kurz vor Palm Cove hört es endlich auf zu schütten und wir machen einen letzten kurzen Stopp für heute in dem hübschen idyllischen Ort am Meer. Der Strand hier wurde 2003 zum saubersten ganz Australien gekürt und wäre es nicht schon so spät und wir so nass, und hätten wir nicht schon unser Busticket für morgen und die heutige Übernachtung, könnte man hier durchaus eine Nacht verbringen. Gegen 20 Uhr sind wir zurück in Cairns, froh, dass wir dem Regen getrotzt haben und unser Auto so schön mitgespielt hat. André hat die Gangschaltung und den Linksverkehr wieder mit Bravour gemeistert, die Erfahrungen aus Neuseeland sind noch gut gegenwärtig. Morgen geht es nun um 07:45 Uhr mit dem Greyhound Bus gen Süden!

 

Noch viele weitere Regenwald-Fotos gibt`s hier:

http://wirsinddannmalunterwegs.jimdo.com/fotogalerie/australien/

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Mi

19

Jan

2011

Über den Dächern des Regenwaldes

Autsch! Australien ist teuer. Von Sydney wussten wir das ja bereits, aber im Stillen hatten wir gehofft, dass sich das in den anderen Teilen von Down Under nicht ganz so extrem fortsetzen würde, aber Fehlanzeige. Wir können jetzt schon vorhersagen, dass Australien ein tiefes Loch in unsere Reisekasse reißen wird. Und das, selbst wenn wir die billigsten Hostels im Dorm buchen und den Supermarkt rege frequentieren. Nur zum Verständnis ein paar Preise für Euch: 1,5 Liter Wasser = 3 €, 1 Kugel Eis = 2,80 €, 2 Liter Coca Cola = 4,42 €, 1 Stück Butter = 1,80 € (der Billig-Hausmarke), 1 Stück Käse 500 g = 3,90 €, 1 Flasche Shampoo = 5,90 € usw. - 1 ganze Pizza kostet im Gegensatz dazu 8,86 €. Wir haben für einen winzigen Supermarkteinkauf so gleich am ersten Abend 48 € bezahlt. Da kommt doch Freude bei unserem Reise-Finanzminister André auf. Ein Tagesausflug kostet übrigens im Schnitt sage und schreibe 120 € pro Person. Was alleine schon unser gesamtes Tagesbudget für 2 Personen übersteigt!!! Da weiß man Deutschland und seine Konkurrenz-Marktsituation erst richtig zu schätzen. Aber da müssen wir jetzt halt durch. Nun aber zu den erfreulicheren Dingen des Lebens: Sightseeing!

 

Nach dem wir gestern Cairns unsicher gemacht haben, das Städtchen ist weitaus kleiner und provinzieller als gedacht, außer einer „großen“ Mall (von den Staaten sind wir ja ganz andere Dimensionen gewöhnt), einem winzigen Ortskern mit ein paar Geschäften, Reiseagenturen und einer künstlich angelegten Salzwasserlagune am Hafen (im Meer kann aufgrund der Salzwasserkrokodile nicht gebadet werden), gibt es größtenteils nur Wohnhäuser (Cairns Haupteinkommensquellen sind der Tourismus und Zucker) ; hieß es heute: Ab in den Dschungel. Aber nicht nach dem Motto „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“, sondern: mit „one of the world most scenic railways“. Das kleine Bergstädtchen Kuranda, nordwestlich von Cairns, ist ein beliebtes Ausflugsziel für Tagestouristen, das Besondere ist jedoch nicht der Ort an sich, sondern die Transportmittel, mit denen man hin und zurück kommt. Die Kuranda Scenic Railway startet vom Bahnhof in Cairns und windet sich dann 2 Stunden und 34 Kilometer lang durch 15 Tunnel und über 40 Brücken inmitten tropischen Regenwaldes. Und die Skyrail, mit 7,5 Kilometern die längste Gondelbahn der Welt, schwebt dann zurück über die Gipfel des Regenwaldes. Für schlappe 97 $ hatten wir den Ausflug in unserem Hotel gebucht und immerhin 5 % Rabatt ergattert. Also hieß es heute Morgen: Früh Aufstehen, denn um 08:30 Uhr sollte bereits Abfahrt sein. Beim Anblick des hübschen nostalgischen Bähnchens musste ich unweigerlich sofort an unseren Lößnitz Dackel zu Hause denken. Genau wie zwischen Radebeul und Moritzburg und im Rabenauer Grund, reihen sich hölzerne Waggons aneinander. Ab geht die Fahrt hinauf und bald sind wir von dichtem Blätterwerk umgeben. Die Fenster sind weit offen und ein angenehmer kühler Luftzug vertreibt die allgegenwertige Feuchtigkeit. Immer wieder bieten sich spektakuläre Ausblicke über das Tal und in die Tiefen des Dschungels. Highlight der Strecke ist ein kurzer Fotostopp an den Barron Falls, einem 329 m hohen Wasserfall, der sich aufgrund der aktuell anhaltenden Regenzeit ohrenbetäubend und tosend in die Barron Schlucht stürzt.

Auf geht`s in Richtung Kuranda!
Auf geht`s in Richtung Kuranda!

Kuranda selbst entpuppt sich als kleines verschlafenes Nest, jedoch mit eindeutig zu viel Kommerz. An jeder Ecke gibt es Didgeridoos, Boomerangs, Opal-Schmuck und andere typisch australische Souvenirs zu kaufen. Wir haben 4 Stunden Aufenthalt und nach einem Käffchen mit einem „Spanish Donut“ (= deutsche Zuckerbrezel, aber okay) zieht es mich zielstrebig in Richtung Butterfly Sanctuary, der angeblich größten „butterfly flight aviary and exhibit in Australia“. Da André sich nicht besonders für Schmetterlinge interessiert und der Eintritt mit 17$ mehr als happig ist, möchte er lieber auf einer Bank im Park ein Mittags-Nickerchen machen, ich stürze mich also alleine ins Getümmel. Sobald ich den Eintritt bezahlt habe und durch die gummiartigen Lamellen an der Eingangstür gegangen bin, empfängt mich ein tropisches Klima und ein Meer aus farbenfrohen Schmetterlingen, die mich sofort umschwirren. Bewaffnet mit der Kamera inkl. Teleobjektiv im Makro-Modus tauche ich also ein, in die Welt dieser grazilen Wesen, und vergesse für die nächsten 1 ½ Stunden alles um mich herum. Auf gut 3.600 Kubikmetern ist hier der natürliche Lebensraum als winziger Regelwald dargestellt, eine Art riesige Foliere mit über 1.500 Schmetterlingen, darunter auch der fluoriszierend blau leuchtende Ulyssus sowie der größte in Australien vorkommende, der Australien Birdwing. Sie umkreisen mich, setzen sich auf das Objektiv, auf mein Kleid, meine Hände und Schultern. Es ist unbeschreiblich. Ich fotografiere und fotografiere, ein Motiv schöner als das andere. Immer wieder bestaune ich eines der prachtvoll geflügelten Wesen, wie sie sich direkt vor meinen Augen auf den dichten Blättern niederlassen um sich nur wenige Sekunden später wieder flatternd auf und davon zu machen. Wusstet ihr, dass Schmetterlinge bis zu 19,3 Kilometer pro Stunde zurücklegen können, einige sogar bis zu 40,23? Manche sind bis zu 10 Zentimeter groß und so bunt, schillernd grün, gelb, rot oder orange, als hätte der liebe Gott seinen gesamten Farbtopf darüber ausgeschüttet. Ihr müsst es mir also nachsehen, wenn in der heutigen Bildergalerie vorrangig Schmetterlinge zu finden sind.

Nur einer von vielen wunderschönen Schmetterlingen
Nur einer von vielen wunderschönen Schmetterlingen

André erwartet mich draußen schon wieder und wir laufen zurück zur Skyrail Station, die uns zurück in Richtung Cairns bringen wird. An einem Eisstand unterwegs lachen uns Sorten wie „Chocolate Obsession“ und „White Choc Raspberry“ an, beim Preis von 3,80$ pro Kugel bleibt uns der Appetit jedoch im Halse stecken. Wir besteigen die Gondel und schweben wenige Sekunden später über das Blattwerk, sehen die reißenden Barron Falls noch einmal von oben und staunen atemlos über die schwindelerregende Höhe, in der wir lautlos über den Regenwald gleiten. An zwei Stationen kann man aussteigen und den Rainforest selbst erkunden, ein Boardwalk schlängelt sich durch das dichte Unterholz, Hinweistafeln erläutern die hiesige Fauna. Der Urwald ist so dicht und ursprünglich, dass wir jeden Moment das Gefühl haben, Tarzan würde an einer Liane hängend um die Ecke kommen oder Indiana Jones auf der Suche nach einer weiteren versunkenen Stadt.

Gondelbahn über dem reißenden Barron River
Gondelbahn über dem reißenden Barron River

Gegen 16 Uhr sind wir zurück an der Talstation und ein Shuttle-Bus bringt uns zurück ins Hotel. Wie auf Kommando fängt es in Strömen an zu regnen, das haben wir ja gut abgepasst heute. Der Zyklon bringt rasend schnell schwarze Gewitterwolken und wo eben noch blauer Himmel und Sonnenschein war, ist plötzlich alles schwarz. Der Scheibenwischer am Bus kommt kaum noch hinterher, die Regenmassen zu vertreiben und der Fahrer scherzt mit uns, dass wir Glück haben, bei dem Wetter, wird die Skyrail nämlich unterbrochen, was mitunter für die Touristen eine unfreiwillige Pause von bis zu 2 Stunden bedeuten kann. Schwein gehabt ;-) Wir lehnen uns zurück und schauen aus dem Fenster in den strömenden Regen. Irgendwie kommt uns das von Fiji bekannt vor ;-)


PS: Mehr Fotos, heute besonders viele mit Schmetterlingen, gibt`s unter:

http://wirsinddannmalunterwegs.jimdo.com/fotogalerie/australien/

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Mo

17

Jan

2011

G'day Cairns

Hallo ihr Lieben,

 

Australien hat uns wieder, sind heute Morgen Ortszeit um 8:00 Uhr in Cairns gelandet und haben bei schwülen 30° und 90% Luftfeuchte unser hübsches Hotelzimmer bezogen. Nach einer Woche Gemeinschaftsbad und -Toiletten mit fremden Bartstoppeln im Waschbecken und jede Menge Haaren auf dem Fußboden auf Waya, freuen wir uns nun wie die Schneekönige über unser eigenes Klo im Zimmer! Nicht mehr nachts im strömenden Regen barfuß zum Bad laufen zu müssen hat schon was.

 

Aufgrund der Beschwerden unserer raren Beiträge der vergangenen Woche (;-)), muss ich zu unserer Verteidigung sagen, dass eine Insel ohne Fernseher und mit einer derartig grottigen Internetanbindung einfach für keinen Blogartikel taugte. Und mal so ganz abgeschieden von der Zivilisation zu sein, ist ja auch nicht schlecht. So haben wir auch erst gestern von den verheerenden Überflutungen in Australien in den Nachrichten erfahren und waren geschockt! Da Brisbane auch auf unserer Route liegt, gilt es jetzt, die Daumen zu drücken, dass wir durchkommen. Aber nun der Reihe nach:

 

Nach dem wir mit dem Katamaran Yasawa Flyer die 3 Stunden zurück nach Denarau überstanden hatten (dieses Mal ohne seekrank zu werden), haben wir eine Nacht in Nadi geschlafen, ehe es früh 9 Uhr mit Air Pacific zurück nach Sydney ging. Erste Anlaufstelle im Flughafen dort war der Vodafone-Stand, wo wir erst einmal einen Prepaid-Surfstick erstanden haben. Nach dem wir uns in Süd- und Nordamerika so schön an das kostenlose Wifi gewöhnt hatten, muss man in Australien nämlich überall dafür bezahlen. Und da eine halbe Stunde locker 5$ kostet, rechnet sich so ein Stick doch ein ganzes Stück mehr. Schließlich wollen wir Euch von Australien nach über einer Woche Abstinenz nun wieder regelmäßig mit spannenden Berichten und tollen Fotos versorgen! Jeder bewaffnet mit einem Big Angus Meal von Mc Donalds ging es dann ins Hotel, wir hatten uns für die eine Nacht extra ein Zimmer nahe der Airports gesucht, um nicht noch einmal für viel Taxi-Geld ins Zentrum kutschen zu müssen. Also Zimmer bezogen, Burger verschlungen und erst einmal die Nachrichten-Defizite der vergangenen Woche aufgearbeitet. So ist der gestrige Tag ratzefatz vorüber gewesen und heute Morgen ging es dann um 6:00 Uhr ab nach Cairns. Mit nur 3 Stunden Flugzeit die bisher kürzeste Flugroute unserer Strecke. Trotz diverser Zyklone, die angeblich momentan über Australien kreisen, haben wir in der Luft davon glücklicherweise nichts mitbekommen und sind ruhig gelandet.

 

Von hier werden wir nun die kommenden 4 Wochen in Richtung Süden fahren, dazu haben wir ein Busticket für Greyhound gekauft, den größten Busanbieter an der Ostküste, ein Hop-on/Hop-Off-Bus, bei dem man überall aussteigen und so lange bleiben kann, wie man will. Das Ticket gilt für ein Jahr und war die preiswerteste Alternative, die Küste zu bereisen. Dank unseren australischen Freunden, die wir auf Fiji kennengelernt haben, steht nun auch schon die ungefähre Reiseroute und wir haben auch schon Einladungen nach Brisbane und Melbourne. Hoffen wir, wie gesagt, dass die Flut nicht weiter steigt, sonst könnte es mit dem Durchkommen schwierig werden. Unsere Gedanken sind bei den Flutopfern. Hier wird gerade überall im Fernsehen und Radio zu Spenden aufgerufen, es ist die schlimmste Flutkatastrophe seit Beginn der Aufzeichnungen und es hat bereits mehrere Tote gegeben. Nun ziehen die Fluten auch noch weiter in Richtung Melbourne, dort fiel bereits nach heftigem Regen und starkem Wind in 8000 Haushalten der Strom aus. Die Ausmaße sind unvorstellbar. Da ein Großteil der Früchte und des Gemüses aus der Region um Brisbane kommen, werden nun zum Teil die Lebensmittel knapp. Nun könnte auch das Great Barrier Reef gefährdet sein, da das Wasser der übergetretenen Flüsse auch giftige, düngermittelbelastete Substanzen ins Meer spült und dadurch Fische, Schildkröten und andere Meeresbewohner bedroht sind. Das alles überschattet unsere Ankunft und wir können nun also nur sehen, was passiert und ob wir vielleicht unterwegs sogar helfen und beim Aufräumen mit Anpacken können. Erinnerungen an 2002 werden wach - auch bei Euch zu Hause, sieht es im Moment ja schon wieder nach Hochwasser aus. Was für ein krasser Winter. Was für verrückte Naturkatastrophen. Wir drücken Euch die Daumen, dass sich die Lage in Dresden bald wieder stabilisiert und die Wetter-Kapriolen der vergangenen Wochen endlich ein Ende haben. Genug Schnee für diesen Winter habt ihr ja gehabt. Jetzt kann der Frühling kommen!

 

Für uns ist mittlerweile auch schon ein Drittel der Reise vorüber. Wahnsinn! 7 von 12 der großen Flugetappen sind geschafft, 5 von 13 Ländern bereits bereist. Die Erdkugel ist über die Hälfte umrundet, ab jetzt geht es praktisch zurück in Richtung Heimat. Wenn wir zurückblicken, können wir es kaum fassen, wenn wir an unsere ersten Tage in Südamerika zurückdenken. Vorgestern vor 9 Wochen sind wir in Dresden gestartet, mit dem Rucksack voller Klamotten und dem Kopf voller Träume. Viele haben sich schon erfüllt, ein paar mussten wir aus Kostengründen leider begraben (Tauchen lernen). Aber immer haben sich dafür neue, unerwartete Höhepunkte aufgetan. Habe erst wieder einen wunderschönen Spruch gelesen: "Live is a journey, don`t miss the train." In unserem Fall dürfte das dann der Bus für die nächsten 4 Wochen sein!

 

Seid lieb gegrüßt und fest umarmt von den beiden Weltenbummlern

André und Jana

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So

16

Jan

2011

And the winner is…. – Erlebnisse zweier gestrandeter Inselbewohner

Waya, unsere kleine Insel in den südlichen Yasawas, 60 Kilometer nordwestlich von Viti Levu entfernt, war unser Zuhause der vergangenen 7 Tage, welche wir in vollen Zügen genossen haben. Direkt am Strand der Likuliku Bay, einem der 10 schönsten Strände der Welt, lag unser hübsches Resort, das Octopus. Eine Hand voll winziger, gemütlicher Bungalows, jede Menge Kokosnusspalmen, bunte Schmetterlinge, ein paar Hängematten und unglaublich viele nette junge Leute. Den ganzen Tag über hatten wir ein bunt gewürfeltes Programm, unter anderem, am Sonntag, ein Besuch eines wundervollen Gottesdienstes in einem kleinen Fiji-Dorf – ich habe noch nie einen Pfarrer mit so viel Hingabe und Leidenschaft predigen hören. Obwohl wir nicht viel verstehen konnten, waren wir doch berührt von der Stimmung, die die gesamte Gemeinde ergriffen hat. Begleitet vom Gesang der Ladies, sind wir immer wieder aufgestanden, haben einander alle an den Händen gehalten und uns im Takt der Musik gewiegt. Ähnlich wie bei uns, ist der Sonntag heilig auf Fiji, es wird geruht und im besten Sonntagsstaat in die Kirche gegangen. Die Frauen hielten ihre kleinen Kinder auf den Armen und lächelten uns offen und herzlich an. Am Ende wurde ein Teil der Predigt für uns sogar auf Englisch gehalten und die Gemeinde dankte uns für unseren Besuch mit dem Fazit, dass vor Gott alle Menschen gleich sind, egal welcher Abstammung, welchen Geschlechts oder welcher Religion. Ein wundervoller Tag.

André am Strand
André am Strand

Ansonsten wurde viel gewandert, gesungen, gebastelt. Wir haben Schmuck aus Muscheln selbst gemacht und Kokosnussblätter zu Körben und Lesezeichen geflochten. Jeden Abend gab es eine traditionelle Kava-Zeremonie für die Neuankömmlinge. Anschließend versammelten sich alle zum gemeinsamen Dinner. Das Essen war einfach fantastisch. Es gab jeden Tag fangfrischen Fisch, Krabben, Shrimps, dazu geröstetes Gemüse und gebackene Kartoffeln in einer cremigen hollandaise-ähnlichen Sauce. 3 Mahlzeiten am Tag! Da zwickt die Hose jetzt hier und da schon Mal ein bisschen. Aber es war zu gut, um auch nur einen Bissen auf den Tellern zurückzulassen. Im Gegensatz zu dem vielen Fastfood der vergangenen Wochen, zerging einem das zarte Fleisch förmlich auf der Zunge. Nach dem Essen gab es immer eine kleine Ansprache durch den Hotelchef, der das jeweilige Programm für den nächsten Tag vorstellte. Neben Schnorchel-Touren gab es so auch Tauchkurse, geführte Touren ins Dorf oder Angelkurse.

 

Das Personal war so unglaublich freundlich, jeden Tag bekamen wir frische Blumen auf`s Kopfkissen gelegt und abends kam unser persönliches Hausmädchen, um uns Gute Nacht zu sagen und unser Moskitonetz für die Nacht zu drappieren. Seta wohnt im Dorf auf Waya, 15 Minuten vom Hotel entfernt und hat 3 Kinder, 2 Söhne, 10 und 8 Jahre alt und eine Tochter 4. Vom ersten Tag an hat sie sich unsere Namen gemerkt, bei an die 100 Gästen.

Bula! Das freundliche Personal im Octopus hatte stets ein Lächeln auf den Lippen!
Bula! Das freundliche Personal im Octopus hatte stets ein Lächeln auf den Lippen!

Montag Abend dann das Highlight der ganzen Woche: The International Crab-Race. 3 $ waren der Einsatz und André sicherte uns eine der über 100 Tiere. Im Sand vor der Hauptbure wurde das Wettkampffeld präpariert, ein Kreis mit mehreren Hügeln und Erdlöchern. Alle Krabben werden dann auf einmal mit einem Eimer in die Mitte gesetzt und welche Krabbe zuerst die äußere Kreisbegrenzung erreicht hat, kommt eine Runde weiter. Insgesamt waren schließlich 71 Krabben im Rennen und neben einem Vorlauf gab es ein Semi- und ein Finale. Unsere Krabbe, Nummer 4, schaffte es tatsächlich ins Finale und unter unseren lauten Anfeuerungsrufen bei einem fulminanten Schlussspurt schaffte sie es tatsächlich bin an die Spitze und sicherte sich den zweiten Platz. Yippieh!!! André musste anschließend in einer feierlichen Prozedur die Krabbe bei der Siegerehrung entgegennehmen und eine Ehrenrunde mit ihr laufen. Mit dem zweiten Platz haben wir so, dank unserer Krabbe, einen 20$-Gutschein für die Bar gewonnen. Die Getränke für die nächsten Tage waren also gesichert! Im Anschluss an den Wettkampf und nach einem gebührenden Siegerfoto, setzten wir unsere Krabbe feierlich wieder am Strand aus, nach dem sie André noch einmal ordentlich mit ihren winzigen Scheren gezwickt hat.

Unsere Siegerkrabbe
Unsere Siegerkrabbe

Ab Dienstag dann endlich eine Wetterbesserung, nach dem es die Tage davor ununterbrochen und sintflutartig geregnet hat. Zwar wussten wir, dass auf Fiji gerade Regenzeit ist, aber dabei denkt man an ein paar nachmittägliche Schauer, nicht 24 Stunden täglich monsunartige Wolkenbrüche. Nicht das uns der Regen gestört hätte, im Gegenteil, die frische Luft war sehr angenehm und kühl und das Veranstaltungsprogramm wurde einfach in der offenen Gemeinschaftsbure durchgeführt. Wir haben viel geschlafen und gelesen, sogar André hat das Lesen für sich entdeckt. Und was macht man am besten in den ersten regenfreien Stunden und bei wenigen Wellen? Richtig, Schnorcheln! Ab ins Meer, denn auch vor der Küste Wayas galt es, ein wunderschönes Riff zu erkunden. Wir brauchten nicht weit zu schwimmen und tauchten ein, in die farbenfrohe Unterwasser-Welt. Unter Wasser die Tierwelt zu erkunden hat etwas Magisches. Sobald man abgetaucht ist, wird es ganz ruhig und man gleitet schwerelos über die Korallen. Die Wellen tragen einen sanft von A nach B, ohne dass man sich groß bewegen muss. Ein paar schwarz-weiße Zebrafische begleiteten uns die ganze Zeit und sind nur ca. 10 Zentimeter von meiner Brille entfernt mit uns geschwommen. Immer wieder gaben wir uns unter Wasser Zeichen, weil wir einen besonders schönen, bunten oder großen Fisch entdeckt hatten. Und nach über einer Stunde im Wasser hatte auch ich Glück und entdeckte endlich, zum ersten Mal, eine Anemone mit 3 Clownfischen. Begeistert tauchte ich auf und wollte André zu mir herüberwinken, doch eine riesige Welle riss mich fort und beim zweiten Anlauf konnte ich sie nicht mehr wiederfinden.

 

Aber auch sonst gab es genug zu entdecken, das Riff war noch wesentlich bunter und vielfältiger, es waren viel farbenfrohere Korallen und Fische zu sehen und wir fühlten uns wie in einem riesigen Salzwasser-Aquarium. Es gibt kaum etwas Schöneres auf der Welt, als so berauscht von den Farben zu schnorcheln.

Unter Wasser
Unter Wasser

Am Mittwoch hieß es dann Abschied nehmen von unseren lieb gewonnenen australischen Freunden Adam und Christy. Nach dem wir am Dienstag bereits die Kiwis, Yuki und Chris, herzlich verabschiedet hatten, leider kommen wir auf unserer Tour nicht noch einmal in Auckland vorbei, löste sich unsere 6-er-Gruppe nun endgültig auf. Wir waren eine echt tolle Truppe und es war schön, zur Abwechslung mal ein paar Tage mehr mit den gleichen Leuten zusammen zu sein und diese etwas besser kennenzulernen. Aber Adam und Christy haben uns eingeladen, wenn wir auf unserer Tour an der Ostküste Australiens in Brisbane sind, mit uns Jetski und Boot zu fahren. Das hat André sich natürlich nicht 2x sagen lassen, zu Mal Adam einen eigenen Jetski hat (der sage und schreibe 15.000 $ Dollar gekostet hat!) und sie also gemeinsam auf Tour gehen können. Also werden wir die beiden in spätestens 14 Tagen wieder sehen, dass machte den Abschied nicht ganz so traurig.

 

Am Abend war wieder Spielezeit, dieses Mal mit Bierwetttrinken, Limbo und Luftballontanz. Unsere Glückssträhne hielt an, und wir gewannen jeder einen Cocktail und eine Massage. Wie cool!. Leider hatten wir uns beim Schnorcheln (trotz Wolken) beide einen derartigen Sonnenbrand auf dem Rücken geholt, dass wir die Massage noch ein wenig warten lassen mussten. Anstelle unserer Aussies waren nun die UKs im Überschuss und wir haben ein nettes Ehepaar aus England getroffen, welches sich zu uns gesellte. Mit einem anderen tauschten wir uns über Neuseeland und Australien aus.

v.r. Christie, Yuki, Adam, Chris & wir mit der Siegerkrabbe
v.r. Christie, Yuki, Adam, Chris & wir mit der Siegerkrabbe

Als wäre Waya traurig gewesen, dass wir bald wieder abreisen mussten, hat uns am Donnerstag der Regen wieder eingeholt. Es schüttete und schüttete, sämtliche geplante Wanderungen wurden gestrichen, zu meinem Ärger auch der geplante Mountain-Peak-Hike, eine sechtsstündige Wanderung auf den Inselberg, bei der man einen spektakulären Blick über die ganze Inselgruppe haben soll. Mist! Statt dessen ging es zumindest noch einmal ins Inseldorf. Ähnlich wie auf Naviti leben hier um die 300 Menschen in mehr oder weniger armen Verhältnissen, es gibt eine kleine Kirche, eine Communityhall und, das besondere, einen Kindergarten, welcher mit Hilfe von Spenden eines regelmäßig wiederkehrenden Touristen ganz neu gebaut wurde. Leider hatten die Kinder zur Zeit Ferien, so dass wir keinen Unterricht verfolgen konnten, dafür wurden wir aber schon am Dorfeingang mit einem fröhlichen „Bula“ von allen Seiten begrüßt. Wir folgten dem Village-Man langsam durch das Dorf, einzelne Häuser werden gerade neu aus Stein gebaut, dazwischen stehen jedoch noch einzelne Wellblechhütten und Holzhäuschen. Überall kamen die Kinder aus den Häusern gerannt und begleiteten uns zum Teil ein Stück. Beim anschließenden Craftmarket konnten wir selbstgemachte bunte Flickenteppiche kaufen, die die Frauen in jeweils einer Stunde von Hand fertigen. Ein paar wiegten ihre Babys auf den Armen, winzige knopfäugige Wesen, mit schokoladenbrauner Haut und schwarzen Kringellocken. Wir winkten zum Abschied und ich traf noch Seta wieder, unser Zimmermädchen. Ich fragte sie, wie es für sie ist, dass beinahe täglich mehrere Touristen in ihr Dorf einfallen, sie reagierte nur sehr verhalten, bringt doch das Geld auch viel Gutes und zumindest ein wenig Lebensstandard.

Wanderung nach Nalauwaki
Wanderung nach Nalauwaki

Tja, und um uns den Abschied von Fiji so richtig schwer zu machen, gab es am Samstag dann tatsächlich, zum ersten Mal, ein Wetter vom Feinsten, strahlend blauer Himmel, kaum eine Wolke in Sicht und beste Schnorchel-Bedingungen. Ein wenig waren wir schon grummelig auf Waya, ausgerechnet jetzt, wo wir abreisen mussten, konnte man erst die ganze Schönheit der Insel erahnen. Natürlich habe ich mir sofort meine Kamera geschnappt und noch ein paar schöne Abschiedsfotos geschossen, von unserer Bucht, die zu recht zu den schönsten Stränden der Welt gehört. Nach dem Auschecken nahmen wir endlich auch unseren Massagegutschein in Anspruch und ließen uns bei einer Stunde feinster Lomi Lomi Massage noch einmal ordentlich verwöhnen. Als dann um 15 Uhr das Boot kam und Seta pünktlich mit dem ganzen Team am Strand stand, um uns ein Abschiedsständchen zu bringen, kämpfte ich wieder einmal um meine Fassung. So ist es, wenn man reist, man trifft so viele nette Menschen und besucht so viele schöne Orte, dass es einem mit jedem Mal schwerer fällt, zu gehen. Selbst, als wir längst im Zubringerboot in Richtung Yasawa Flyer saßen, sahen wir die Crew noch winken. Ein Dankeschön an alle Mitarbeiter des Octopus`, die unseren Aufenthalt zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht haben. What a great experience! Thanks for the fantastic stay!

Die sagenhafte Likuliku Bay
Die sagenhafte Likuliku Bay

Wer auf den Geschmack gekommen ist:

http://octopusresort.com/

 

Und noch viele weitere Bilder unserer Inselabenteuer findet ihr hier:

http://wirsinddannmalunterwegs.jimdo.com/fotogalerie/fiji/

 

Jetzt geht`s ab nach Australien!

2 Kommentare

Mi

05

Jan

2011

Die Segel sind gesetzt!

Wir würden Euch jetzt gerne sagen, dass Fiji einfach furchtbar ist. Mit schlechtem Wetter, unfreundlichen Menschen, ein Ort, von dem man einfach nur wieder weg will. Ja, das würden wir, alleine deswegen, um die einsamen Strände und Inseln vor den Scharen einfallender Touristen zu schützen, damit Fiji das bleibt was es ist: Ein Paradies. Aber wir können es nicht. Wir müssen Euch die Wahrheit sagen. Fiji ist ….. nicht real. Fiji ist nicht von dieser Welt. Ein Ort, an den man geht, um zu bleiben. Ein Paradies, in dem man zur Ruhe kommt. Aber pssst, sagt es nicht weiter!

 

Feejee-Time: Das ist laissez-faire, easy-going, Zeitlupentempo. Hier ticken keine Uhren, hier gibt es keine Wecker. Wir sind auf einer Insel gestrandet, auf der Schuhe verpönt sind. Wir wohnten in einer winzigen strohgedeckten Holzbure am Strand, nur mit Bett und Stuhl ausgestattet. Bis zum Wasser waren es 10 Schritte. Vom Bett aus konnten wir den Sonnenaufgang über dem Meer sehen. Es gab keinen Strom, kein Radio, Fernsehen oder Telefon. Das Radio war das Singen der Vögel, das Rauschen der Palmen; der Fernseher der sagenhafte Meerblick und die Riffe ringsherum. Und wozu ein Telefon? Hier wollten wir nicht gestört werden. Und wir haben angefangen zu grübeln. Was ist wirklich wichtig im Leben? Wir brauchen kein Luxuszimmer, keine Klimaanlage, kein 5-Sterne-Buffet. Zu Fuß sind wir in 2 Minuten einmal quer über die Insel gelaufen, vom Sunrise- zum Sunset-Beach. Ja, es gab tatsächlich einen Strand für den Sonnenauf- und einen für den Sonnenuntergang. Dazwischen 50 Meter Kokosnuss-Palmen, Hibiskussträucher, Papaya-Bäume und Sand. Wir sind barfuß gelaufen, die ganze Zeit. Von morgens bis abends. Die Waschbecken, outdoor, waren mit Hibiskusblüten geschmückt. Haben wir schon jemals mit Meerblick Zähne geputzt? Es war wie im Garten Eden. Natur pur. Wir haben Kokosnüsse und Papayas gepflückt, frische Kokosnuss-Milch getrunken (die übrigens wesentlich weniger nach Kokos schmeckt, als man denkt), sind schnorcheln gewesen. Abends wurde Gitarre gespielt und gesungen. Alle saßen beieinander und redeten, lachten. Egal welcher Nationalität und Herkunft, die Barefoot-Familie. Unser Tagebuch einer Reise ins Paradies:

Captain Cook Segelsafari


Tag 1, Montag, 03.01.2011


Gegen 08:00 Uhr werden wir mit dem Taxi am Hotel abgeholt. Die kurze Nacht steckt uns noch in den Knochen. Nach dem wir gestern Abend hier angekommen sind und im Hotel, der Nomads Skylodge, eingecheckt haben, wollten wir eigentlich nur schnell was essen. Daraus wurden später ein paar Cola-Rum und ein ausgelassener Karaoke-Abend mit den Einheimischen. Was für ein Einstand auf Fiji. Das Aufstehen heute Morgen fiel uns daher etwas schwer, wobei wir freudig mit einem lauten „Bula“ von 4 Aussies begrüßt werden, die bereits im Bus sitzen. Dann geht es ab in Richtung Denarau, unterwegs sammeln wir noch 3 weitere Gäste ein, Susi und Hanna aus Rostock und Nino aus Frankfurt. Es ist nicht zu glauben. Ganz Deutschland scheint in Australien und auf Fiji zu sein. In Denarau gehen wir eine Stunde später an Bord unseres Segelschiffes, der Spirit of the Pacific, welche uns die nächsten 3 Tage durch die traumhafte Inselwelt der südlichen Yasawa-Inselgruppe bringen wird. Es sind wirklich nur wir 9 Touristen an Bord sowie ein paar Crew-Mitglieder und das auf einer 33-Meter-Yacht. Wir bekommen ein ausgelassenes Begrüßungsständchen, machen es uns dann an Deck gemütlich und kommen schnell mit den anderen Reisenden ins Gespräch. Rob, Leanne, Gary und Michelle kommen aus Sydney, unsere deutschen Mitreisenden habe ich ja schon kurz vorgestellt. Wir verlassen den Hafen von Denarau und steuern gen Westen. Es geht zügig voran und Lee, unser Guide, treibt uns zusammen, um alle vorzustellen und das Programm der nächsten Tage zu erläutern. Dann führt er uns einmal über das Schiff und stellt die gesamte Besatzung vor. Wir fühlen uns sofort wohl und gut aufgehoben an Bord und freuen uns wie verrückt auf die kommenden 3 Tage. Unser Koch, Freddy, hat das Frühstück bereits vorbereitet, es gibt leckeren Toast und Tee oder Kaffee. Ich nutze gleich mal die Gelegenheit, um mir von Gary ein paar Australien-Tipps für unseren kommenden Trip an der Ostküste geben zu lassen. So vergeht die Zeit wie im Flug und kurze Zeit später machen wir einen kurzen Stopp an der Bounty Island – um zwei weitere Touristen einzusammeln, Iliana und Eric, 2 Schweden. Die beiden Glücklichen haben hier bereits 4 Tage verbracht. Dann geht es weiter, vorbei an dutzenden winzigen kleinen Inselchen mit herrlich weißen Stränden.

Mittagessen! - Eine spanische Makrele
Mittagessen! - Eine spanische Makrele

Unsere erste Station für heute ist Vomo-Island, eigentlich bestehend aus 2 Inseln, beides privat, und Standort eines 5-Sterne-Resorts. Unterwegs hat die Crew noch eine riesige Spanische Makrele (Walu) geangelt – ob die wohl heute Abend auf den Tisch kommt? Vomo hat ein herrliches Riff und alle machen sich startklar für den ersten Schnorchel-Trip. Die Aussicht auf die Inseln ist einfach traumhaft, ein kleines Beiboot bringt die Schnorchler direkt zum Riff, welches bereits vom Boot aus bei dem flachen Wasser zu sehen ist. Leider dürfen wir nicht auf die Insel, Nicht-Resort-Gäste sind hier unerwünscht. Freddy bereitet derweile das Mittagessen, es gibt Hähnchenkeule mit Kartoffeln und Salat, auf das wir uns wenig später stürzen.

Vomo Island
Vomo Island

Den Rest des Nachmittags verbringen wir auf dem Bootsdach, Nino, Hanna und Susanne sind bereits ebenfalls weit gereist und wir tauschen Reiseerfahrungen aus, André nickert und die anderen lesen und sonnen sich. Schließlich werden sogar zum ersten Mal die Segel gehisst und gegen 16 Uhr erreichen wir unser Ziel, Drawaqa Island und die Barefoot Lodge an der Südspitze der Yasawas. Von hier werden wir die nächsten beiden Tage starten und morgen Abend auch hierher zurückkehren. Wir werden bereits winkend vom Hotelpersonal und 2 Gästen erwartet und gehen barfuß (Barefoot;-)) an Land. Hotel ist eigentlich zu viel gesagt, es gibt ca. 20 strohgedeckte Strandburen und eine große Hauptbure. Kein Beton, kein Massentourismus. Es sind nur wir, vom Boot, und die beiden anderen Touristen, ebenfalls Deutsche, die bereits seit ein paar Tagen hier sind, auf der Insel. Lee lotst uns in die Main-Bure, die Haupthütte, eine Art großer Gemeinschaftsraum, wo sich die nächsten Tage unser gemeinsames Leben abspielen wird. Er erklärt uns den weiteren Ablauf und führt uns dann zu unseren Buren und die paar Meter zu den Gemeinschaftsduschen und –Toiletten, ebenfalls ein paar Holzhäuschen mitten im Grünen. Alles ist mit Blumen geschmückt und begeistert beziehen wir unseren Strandbungalow. André kann es kaum erwarten, ins Wasser zu springen und so machen wir uns startklar zum Schnorcheln. Direkt an unserem Strand, dem Sunrise-Beach, gibt es ca. 10 Meter im Wasser ein großes Riff und wir müssen nicht weit schwimmen, um die ersten bunten Fische zu sehen. Staunend lassen wir uns schwerelos durch`s Wasser treiben und genießen die bunte Farbenpracht. Direkt in den Korallen entdecke ich einen riesigen blauen Seestern und versuche André unter Wasser darauf aufmerksam zu machen. Wir schnorcheln ca. eine Stunde, als plötzlich ein riesiger Fisch auf mich zuschwimmt. Noch während ich denke, „Der ist aber lang und groß“, wird mir bewusst, dass das tatsächlich ein Hai ist! Kein Weißer Hai, aber immerhin ein ca. 1 Meter langer Riff-Hai. Mir schlägt das Herz bis zum Hals und ich versuche André ein Signal zu geben, der ein Stück von mir entfernt schwimmt. Ganz ruhig verharre ich auf der Stelle und der Hai schwimmt direkt an meiner Nase vorbei. André ist leider zu weit weg und kann ihn nicht mehr sehen, suchend schwimmt er um mich herum. Ein paar Minuten später sehe ich den Hai erneut auf mich zu schwimmen und dieses Mal nimmt André die Verfolgung mit der Unterwasser-Kamera auf. An die 10 Minuten jagt er den Hai durch das klare Wasser, um ein noch besseres Foto zu machen, doch dieser ist schneller und irgendwann außer Sichtweite. Begeistert und außer Atem steigen wir aus dem Wasser und können unser Glück kaum fassen. Wahnsinn. Wir haben tatsächlich einen richtigen Hai gesehen.

Unsere Buren am Sunrise-Beach
Unsere Buren am Sunrise-Beach

Die wenige Zeit bis zum Abendbrot verbringen wir mit Duschen und Frischmachen, dann ist um 19 Uhr auch schon Cocktail-Stunde und wir treffen Hanna, Susi, und die 4 Australier an der Main-Bure. Freddy mixt uns einen leckeren Cocktail, seine Spezial Pina Colada und wir lassen uns im Garten vor der Bure nieder. Kurz darauf gesellen sich auch die beiden Schweden zu uns, diese haben tatsächlich einen Octopus beim Schnorcheln entdeckt. Lee trommelt schließlich alle zusammen, wir müssen uns in einer Reihe aufstellen, und er benennt für diese Reise einen Chief, einen Spokesman sowie einen zweiten Chief aus der Gruppe. Dies ist so Tradition auf Fiji und muss die nächsten Tage streng eingehalten werden. Lee instruiert uns in die traditionelle Kava-Zeremonie, an der wir nun, als Übung für morgen, im Fiji-Dorf, teilnehmen werden. Im Gänsemarsch gehen wir schweigend in die Mainbure und nehmen in 2 Reihen Platz. Der Manager sowie die Crew-Mitglieder sitzen uns im Schneidersitz gegenüber und sind feierlich geschmückt. Diese Zeremonie ist heilig auf Fiji, so werden sonst nur besondere Gäste bei einer einheimischen Familie begrüßt. Der Kava-Saft (Rauschpfeffer) wird aus einer pulverisierten Wurzel hergestellt und soll entspannen und Unruhe mindern. Er führt zu leichter Euphorie und Gesprächigkeit (Quelle:Wikipedia). „Bula!“

 

Um 19:30 Uhr gibt es Abendessen und bei Live-Fiji-Gitarrenmusik schmeckt der Fisch gleich noch doppelt gut. Dazu gibt es leckeren Salat, Kartoffeln und Wurzel-Gemüse, die Kasawa. Als Dessert gibt es Papaya und Ananas, ich habe noch nie so leckere und süße frische Früchte gegessen. Mit prallen Mägen fordert uns Lee dann auch noch zum Tanzen auf, wir müssen wieder üben für morgen und naja, vielleicht rutscht dann das Essen besser und die Verdauung wird angeregt ;-) Wir proben ausgelassen die beiden traditionellen Fiji-Tänze, ehe uns Lee lachend für heute entlässt, nicht ohne noch einmal das Programm für morgen zu erläutern. Die Gruppe zerstreut sich schnell, alle wollen nur noch ins Bett, die viele frische Luft und das Schwimmen macht müde. Im Dunkeln tappen wir in unsere Bure, ein paar Fackeln spenden Licht und zeigen uns den Weg. Wir drappieren das Moskito-Netz um uns herum und sind innerhalb kürzester Zeit tief und fest eingeschlafen.

Tag 2, Dienstag, 04.01.2011

 

Um 06:30 Uhr klopft Nino wie versprochen an unsere Bure. Schlaftrunken öffne ich die Augen, was?  Ist tatsächlich schon wieder Morgen? Die Nacht war herrlich, wir haben das Meer rauschen und die Palmen rascheln gehört. Es war so windig, dass man dachte, gleich würde das Dach abheben, aber unsere Bure ist heil und André liegt eingekuschelt unter unserem Moskito-Netz. Leise öffne ich die Tür und staune nicht schlecht, als ich nach draußen schaue. Es ist noch vor Sonnenaufgang, aber der Himmel ist bereits leicht orange gefärbt. Ich weiß nicht mehr, wann ich das letzte Mal vor Sonnenaufgang auf den Beinen war. Das muss eine Ewigkeit her sein. Bewaffnet mit der Kamera laufe ich die paar Schritte zum Wasser. Genau jetzt lugt das erste Stück Sonne über den Horizont und wie ein Feuerball steigt sie langsam aus dem Wasser. Die Masten der Spirit of the Pacific heben sich schwarz gegen den Himmel ab.

Die Spirit of the Pacific im Licht der aufgehenden Sonne
Die Spirit of the Pacific im Licht der aufgehenden Sonne

Um 07:00 Uhr startet Lee eine Morgenwanderung auf den Inselberg, doch ich bin noch zu müde und krabbele lieber zurück zu André unter die Decke. So schlafen wir noch ein Stündchen bis es um 08:00 Uhr Frühstück gibt. Alle finden sich in der Main Bure ein, es gibt Ei, Toast und frische Papaya. Nach dem Frühstück bleibt nicht viel Zeit, Lee geht direkt zum Tagesprogramm über. Zuerst dürfen wir tatsächlich einen Papaya-Baum pflanzen. Jeder bekommt eine kleine Pflanze und darf diese in die Erde setzen. Es hat irgendwie etwas Symbolisches, wie wir hier einen Baum pflanzen, der später einmal Früchte tragen und Menschen ernähren wird. Die zarten Blätter sind noch so winzig, und behutsam setze ich das Pflänzchen in das ausgehobene Loch und bedecke die Wurzeln mit Erde. Im Anschluss zeigt uns Lee den Erdofen, welcher bereits für das Essen heute Abend präpariert ist. Zur Feier des Tages wird hiermit heute unser Abendmahl, ein Original Fijian earth oven lovo feasts, zubereitet. Der Erdofen besteht aus einem riesigen Erdloch, in welchem aus Holz und Kokosnussblättern ein Feuer gemacht wird. Darauf werden Steine gelegt, die die Hitze speichern. Wenn das Feuer aus ist, wird das Essen auf die heißen Steine gelegt und das Loch erneut mit Bananen- und Kokosnussblättern abgedeckt, bis das Essen gar ist. Da freuen wir uns ja schon direkt auf heute Abend!

Jay beim Korb-Flechten
Jay beim Korb-Flechten

Lee erklärt uns außerdem, wie wichtig die Kokosnusspalme für die Menschen auf Fiji ist, jeder Teil der Pflanze wird für etwas anderes Sinnvolles verwendet. Aus den Blättern werden Dächer gebaut oder Körbe, Hüte und Teller geflochten, die Früchte werden nicht nur zum Kochen verwendet, die Milch ist auch als Medizin sehr wertvoll. Und die Stämme werden als Baumaterial genutzt. Der Manager der Lodge, Jay, flicht während Lees Erzählung im Handumdrehen fingerfertig einen Korb und eine Schale aus Palmenblättern. Rasend schnell verweben seine Finger das Blattwerk und das Ergebnis sieht einfach toll aus. Lee reicht den Korb herum, es ist erstaunlich, wie fest und stabil er ist. Das Flechtwerk fügt sich nahtlos ineinander und so nutzen die Einheimischen diese Körbe unter anderem als Behälter beim Fischfang. Zum Schluss bekommen wir noch eine Demonstration, wie wir Kokosnüsse ohne Messer öffnen können – falls wir mal auf einer einsamen Insel gestrandet sind ;-)

 

Nach dem lehrreichen Teil für heute, geht`s zum Spaß über, wir werfen uns in unsere Badesachen und ab geht die Post per Boot zum schönsten Inselriff. Dieses liegt auf der anderen Seite der Bucht, der West-Seite und mit dem Boot sind es ca. 10 Minuten bis dahin. Wir schlüpfen in die Flossen, setzen Brille und Schnorchel auf und lassen uns vom Boot ins Wasser plumpsen. Sofort unter Wasser sehen wir das riesige Riff. Hunderte bunte Fische tummeln sich zwischen den Korallen. Wir gleiten lautlos durch das Wasser und bestaunen die farbenfrohe Unterwasserwelt. Blaue, gelbe, rote Fische, schwarze Fische mit gelben Streifen, gelbe Fische mit schwarzen Streifen, Fische wie Khan aus „Findet Nemo!“, kleine Fische, große Fische, und noch viele viele mehr. Die Korallen leuchten fluoriszierend blau, dazwischen kleine Canyons aus Sand, ich habe noch nie ein vergleichbares Riff mit so vielen und schönen Fischen gesehen. Das ist definitiv einer der schönsten Schnorchel-Plätze, an denen wir bisher waren.

Um 12 Uhr ist schon wieder Lunchtime und eine Stunde später setzen wir erneut die Segel und fahren in Richtung Naviti, in das kleine Fiji-Dorf Muaira. Dort werden wir schon ausgelassen empfangen, die Kids sind super fröhlich und stürzen sich regelrecht auf uns, um als Fotomotive zu posieren. Wir besichtigen zunächst die kleine Holzkirche und haben dann die Ehre, mit einer traditionellen Kava-Zeremonie von den Dorfältesten, alle in Strohgewändern gekleidet, begrüßt zu werden. Nach dem wir die Prozedur gestern bereits geübt haben, nehmen wir wortlos gegenüber den Ältesten Platz. Die Männer im Schneidersitz in der ersten Reihe, in der Mitte Gary, unser Chief, links daneben der Spokesman, Nino, und rechts neben Gary, Rob, der 2. Chief. Wir Frauen dahinter, die Beine übereinander nach hinten geschlagen. Mit Klatschen und einem lauten „Bula!“ beginnt die Zeremonie und nacheinander bekommen Gary, Nino und Rob die Schale mit dem Kava-Saft gereicht. Zuerst müssen sie einmal in die Hände klatschen, dann die Schale entgegennehmen, laut „Bula“ rufen, trinken, die Schale zurückgeben und noch 3x klatschen. Erst danach sind wir anderen an der Reihe. Die Kinder drücken sich draußen an die Wand, um einen Blick auf uns zu erhaschen, niemand sonst von den Einheimischen ist anwesend. Zum Schluss dürfen wir alle noch einmal mit den Ältesten für ein Erinnerungsfoto posieren und verabschieden uns dann dankend.

Bei der traditionellen Kava-Zeremonie
Bei der traditionellen Kava-Zeremonie

Lee führt uns durch das kleine beschauliche Dörfchen. Hier ist die Welt noch in Ordnung. Winzige bunte Holzhäuschen inmitten grüner Wiesen, eingerahmt von ein paar Bergen. Wäsche flattert auf der Leine und Kinder toben lachend um die Wette. Wir werden überall mit einem freundlichen „Bula“ begrüßt und staunen über die Fröhlichkeit der Menschen hier. Alle haben ein Lachen auf den Lippen und obwohl wir in einem armen Land sind, haben wir zum ersten Mal auf unseren Reisen nicht das Gefühl, der reiche weiße Eindringling sondern fast ein Teil der Familie zu sein. Zurück an der Community Hall, nehmen wir erneut im Schneidersitz Platz, doch dieses Mal ist der Raum gefüllt mit Frauen und Kindern. Aus einem Raum hinter der Bühne vernehmen wir Musik und Stimmen. Gespannt warten wir darauf, was nun passiert und kurz darauf kommen die Stammältesten erneut, dieses Mal begleitet, von hübsch angezogenen Frauen mit Blumen im Haar. Alle nehmen auf dem Fußboden Platz, die Männer beginnen die Musik anzustimmen und die Frauen zu tanzen und zu singen. Der ganze Raum ist erfüllt von der Lebensfreude der Menschen, alle strahlen eine derartige Begeisterung aus, die dermaßen ansteckend ist, dass wir sofort mitklatschen und im Takt der Musik mitwippen. Natürlich werden wir auch zum Tanzen aufgefordert, auch das haben wir ja gestern bereits geübt, und so reihen wir uns zwischen die Einheimischen und los geht`s. Wir singen und tanzen was das Zeug hält und die Frauen und Männer nehmen uns in ihre Mitte, als würden wir zu ihrem Stamm gehören. Es ist einfach nur schön! Hinterher werden wir jeder mit einem Handschlag und einem herzlichen „Wanaka“ verabschiedet.

Muaira
Muaira

Um das Gemeindehaus haben sich inzwischen die Dorffrauen aufgereiht und bieten nun selbstgemachtes Kunsthandwerk zum Kauf an. Es gibt Schmuck, Ohrringe, Ketten und Armbänder, Sarongs und wunderschöne riesige Muscheln. Da diese jedoch leider kaum eine 4-monatige Reise überstehen würden, geschweige denn aus- bzw. in anderen Ländern eingeführt werden dürfen, widerstehen wir der Versuchung. Die Frauen sind alle hübsch zurecht gemacht, eine ist besonders schön, eine junge Fiji-Frau mit einem feschen Kurzhaarschnitt und einem so ansteckenden Lachen, dass man sie einfach nur gern haben muss. André und ich laufen schon vor zum Strand, während die anderen noch umherschlendern, dort haben sich dutzende Einheimische angesammelt, offensichtlich werden heutige einige Familienangehörige verabschiedet, weil sie nach den Feiertagen abreisen. Die Kinder stürmen wieder begeistert auf uns zu und wir machen ein paar tolle gemeinsame Fotos am Strand, sie umarmen mich lachend und überhaupt nicht scheu, so dass mir das Herz aufgeht und ich ganz traurig bin, dass ich nichts für sie habe. Nicht mal ein paar Süßigkeiten.

Am Strand von Naviti Island
Am Strand von Naviti Island

Lee trommelt uns zusammen und es geht zurück auf`s Boot. Wieder im Barefoot-Resort haben wir noch 2 Stunden bis zum Abendessen und natürlich stürzen wir uns auch hier sofort wieder in die Fluten um das Riff weiter zu erkunden. Endlich entdecken wir auch den riesigen blauen Seestern wieder und sehen heute sogar noch zwei weitere. André taucht ganz nah heran, um ein schönes Foto mit der Unterwasserkamera zu machen. Heute ist leider kein Hai in Sicht, und so machen wir uns nach einer Stunde schwimmen fertig für das Abendessen. Nach dem das Essen heute den ganzen Tag im Erdofen gegart wurde, gibt es nun Fisch, Schwein und Hühnchen mit zwei Sorten Süßkartoffeln, Salat und Obst. Heute sitzen wir sogar draußen zum Essen und werden wieder mit Live-Musik vom Manager verwöhnt. Nach all dem Schwimmen und der frischen Luft sind wir hungrig wie die Wölfe und das Essen schmeckt herrlich. Wir verdrücken jeder zwei riesige Teller und sitzen anschließend mit prall gefüllten Bäuchen zufrieden am Tisch, die Füße barfuß im Sand, und lauschen dem Gesang unserer Crew.

 

Nach dem Essen hat Lee gestern angekündigt, ist internationaler Abend, jede anwesende Nation muss einen Programmpunkt vorführen. Wir haben ewig überlegt, was wir typisch Deutsches machen können und André hatte schließlich die Idee der „Reise nach Jerusalem“. Die Australier fangen an und machen ein tolles Quiz rund um Australien. Nino hat entscheidende Vorteile, da er beinahe direkt aus Australien kommt, wir, da wir das Ganze noch vor uns haben, können leider kaum eine Frage beantworten. Man merkt, dass ich zum Thema Australien noch nicht viel gelesen habe. Dann sind wir an der Reihe und ein paar Minuten später rennen die Australier, die Schweden und die Fijianer um die Wette um die Stühle. Das Spiel sorgt für regelrechte Begeisterungsstürme und Lee schüttet sich beinahe aus vor Lachen. Im Finale sind dann nur noch Michelle und Gary übrig, ein rein australisches sozusagen, und Michelle sichert sich den Siegercocktail. Die Schweden führen eine witzige Tanzaufführung auf, bei der wir in einer Reihe im Entengang, als Elefant-Imitatoren herumlaufen und versuchen, Ilianas Schwedisch-Strophen nachzusingen. Die Fijis spielen zum Abschluss noch ein wunderschönes Musikstück und wir beklatschen den internationalen Abend lautstark. Was für eine schöne Idee! Gary, Nino und Rob müssen noch eine kleine Abschiedsrede halten, da fällt es schwer, nicht sentimental zu werden. Und als wäre es noch nicht schön genug, gibt es noch ein Lagerfeuer am Strand unter dem Sternenhimmel. Wortlos sitzen wir andächtig um das Feuer und starren hypnotisiert in die Flammen. Zu schade, dass wir morgen schon wieder abreisen müssen.

Tag 3, Mittwoch, 05.01.2011

 

Hanna weckt uns wieder pünktlich um 06:30 Uhr zum Sonnenaufgang. Vom Bett aus sehen wir schon den roten Himmel und ich springe schnell aus dem Bett und schnappe meine Kamera. Nino, Hanna und Susanne sitzen bereits im Sand und ich geselle mich dazu und bestaune, wie die Farben von einem sanften blau, in ein leuchtendes orange, dann in ein gelb und schlussendlich wieder in ein tiefblau übergehen. Unser Segelschiff schaukelt ein paar Meter vom Ufer entfernt in den Wellen, sonst ist alles ruhig. Wir packen unsere Sachen zusammen und gehen zum letzten Mal Outdoor-Zähneputzen. Um 07:30 Uhr ist Boarding und wir steigen in unsere kleine Nussschale, welche uns das kleine Stück zum Segelboot bringt. Zum Abschied haben sich die Resort-Crew und Iliana und Eric am Strand versammelt und winken uns zu. Die Beiden bleiben noch ein paar Tage länger, so gut hat es ihnen gefallen. Mir stehen die Tränen in den Augen, ich will nicht weg. Die letzten Tage waren einfach zu schön.

Abschied von unserem Strand auf Drawaqa
Abschied von unserem Strand auf Drawaqa

Zurück an Bord setzen wir die Segel und verlassen endgültig die Bucht von Drawaqa Island und der Barefoot Lodge. Nach dem Frühstück setze ich mich mit dem Netbook an Deck und fange an zu schreiben. Zu viele Gedanken schwirren in meinem Kopf umher und ich muss dringend die Erlebnisse der vergangenen Tage festhalten. Unsere ganze Captain Cook Familie sitzt an Deck und schließlich werden sogar noch einmal die Segel gehisst, der Motor verstummt und wir gleiten wieder lautlos durch den Pazifik. Jeder von uns darf dann sogar noch einmal ans Steuer. Unter den wachsamen Augen des Kapitäns steuern André und ich das 33 Meter Schiff zielstrebig bei 8 Knoten auf 170° gen Osten. Es ist gar nicht so einfach, das riesige Boot konstant auf Kurs zu halten. Durch die Wellen und den Wind, der heute weht, driftet der Bug immer wieder plötzlich nach links oder nach rechts, so dass man immer wieder stark gegensteuern muss.

 

Gegen Mittag erreichen wir die winzige Insel Tivua Island, schon von Weitem ist uns das winzige Eiland im blauen Ozean ins Auge gestochen und wir machen tatsächlich einen Schnorchel-Stopp vor Ort. Aufgrund des Windes und des heute bewölkten Himmels, bleibt der Großteil von uns an Bord, nur ein paar (natürlich inklusive André) lassen sich zum Riff mit dem klangvollen Namen „Champagner Reef“ bringen. Eine halbe Stunde später sind sie zurück und begeistert erzählt André von den Clown-Fischen, die er gesehen hat. Nino hatte glücklicherweise wieder seine Unterwasserkamera mit, so dass wir sogar ein paar Fotos haben. Das Wasser ist hier so flach, dass André Mühe hatte, die Korallen beim Darüberschwimmen nicht zu berühren. Freddy hat derweile für das Mittagessen eingedeckt, es gibt Spaghetti Bolognese und alle stürzen sich begeistert darauf. Kohlehydrate sind jetzt genau das Richtige. Nach dem Mittag fahren wir noch einmal mit dem kleinen Boot auf die Insel und wenige Minuten später setzen wir unsere Füße auf den Strand der ca. 50x60 Meter großen Insel. Laut Lee dauert es angeblich genau 7 Minuten, um sie einmal komplett zu umrunden, es gibt lediglich 2 Gästebungalows und einen Hauptbungalow, in dem ein Ehepaar lebt, welches sich um die Insel kümmert. Wir holen hier noch eine deutsche Familie ab, die die Insel tatsächlich für 3 Tage gemietet hat. Auch nicht schlecht. Sich im Urlaub mal eben eine eigene Insel mieten. Als wir jedoch hören, dass hier täglich um die 300 Touristen für 4 Stunden zu einem Sightseeing-Stopp angekarrt werden, wünschen wir uns doch wieder zurück auf unsere beschauliche Barefoot Island. André und ich laufen am Strand wirklich einmal um die Insel, das Wasser ist so flach, dass man locker an die 100 Meter hineinlaufen kann und die Korallen reichen bis an den Strand. Wir entdecken sogar einen Schildkröten-Brutplatz, sehen aber leider keine kleinen Schildis.

Tivoa Island
Tivoa Island

Zurück auf der Spirit of the Pacific erfahren wir, dass die geplante Glasbodenbootfahrt gecancelt wurde, weil das Wasser zu flach war und man sonst das Riff beschädigen würde. Schade. Aber Naturschutz geht vor. Dafür bekomme ich an Bord noch eine kostenlose Gitarrenstunde und Lee überreicht uns feierlich eine Zertifikat, für unsere erfolgreiche Teilnahme an der Segelsafari und der Aufforstung von Barefoot Island. Na so bildet man sich doch gerne weiter. Die Zertifikate werde ich gleich zu Hause in meinen Lebenslauf einfügen ;-)))

 

Gegen 16 Uhr sind wir zurück in Denarau und die ganze Crew verabschiedet sich mit einem Song und natürlich einem lauten „Bula“. Traurig gehen wir von Bord, jetzt ist unsere schöne Tour tatsächlich vorüber. Auch wenn wir noch 10 wunderschöne weitere Tage auf Fiji haben werden, so waren die letzten Tage doch einmalig. All die netten Menschen, die wir kennengelernt haben, der herzliche Empfang, das Segelschiff, das leckere Essen – kurz: wir sind verdammt froh, dass wir uns diese Tour gegönnt haben, auch wenn der Preis eigentlich unser Budget sprengt. Per Bus geht es zurück gen Nadi und unser Ziel für heute Nacht ist das Club Fiji Resort. Wir sind die ersten, die den Bus verlassen und verabschieden uns von den anderen. Schade, schade, schade, jetzt würden wir gerne die Zeit zurückdrehen. Adieu Spirit of the Pacific. Du wirst uns fehlen!

 

Und weil es so schön war, hier sind noch viiieeel mehr Fotos:

http://wirsinddannmalunterwegs.jimdo.com/fotogalerie/fiji/

 

Ein großes Dankeschön an Nino für`s Beisteuern vor allem der Unterwasserfotos - mit unseren analogen Einwegkamera dauert es noch ein wenig, bis die Bilder entwickelt sind ;-)

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Sa

01

Jan

2011

Ein Haarschnitt, Wayne Carpendale und eine Beinahe-Verhaftung…

Happy New Year, ihr Lieben! Inzwischen dürftet auch ihr ins neue Jahr geschlittert sein und wir wünschen Euch alles alles Gute, Gesundheit, Glück und Erfolg für 2011. Mögen all Eure Wünsche in Erfüllung gehen und ihr stets zufrieden und ausgeglichen sein. Wir sind ja nun ein wenig eher reingerutscht, hier in Sydney, und der gestrige Tag hielt so einiges an Überraschungen für uns bereit. Aber lest selbst:

Sydney Feuerwerk (Quelle: Vivacity Sydney)
Sydney Feuerwerk (Quelle: Vivacity Sydney)

Nach dem wir nach einem 14 Stunden (!) Flug von Los Angeles gegen 08:00 Uhr Ortszeit und bei 27° Außentemperatur in Sydney ankommen, sind wir wie gerädert. Der Sommer hat uns wieder! Wir haben den 30.12. direkt übersprungen, da wir die Datumsgrenze überquert haben und sind nun 10 Stunden vor deutscher Zeit (anstelle 9 Stunden nach in L.A.). Nach dem wir in der ersten Endlos-Schlange die Passkontrolle absolviert haben, geht es in der nächsten Schlange darum, dass Gepäck noch einmal nach Lebensmittel und tierischen Produkten durchsuchen zu lassen und da aller „guten“ Dinge nunmal 3 sind, dürfen wir uns zur Feier des Tages auch noch in einer extra langen Taxi-Schlange anstellen. Als wir gegen 10:00 Uhr endlich im Hostel ankommen, dürfen wir zwar sofort ins Zimmer, werden aber getrennten Dorms zugeteilt, da das Hostel komplett ausgebucht ist. Die Hostelbewohner machen sich gerade für den Silvester-Abend fertig, in der Nähe vom Hafen soll es einen hübschen kleinen Park geben, von wo man angeblich einen guten Blick auf die Oper und die Harbour Bridge haben soll. Um 12 Uhr ist uns jedoch zu früh, lächzt unser Körper doch nach einer Dusche und einer Mütze voll Schlaf. Aus letzterem wird dann nicht wirklich viel, im 8 Bett-Dorm, naja. Statt dessen machen wir uns um 14 Uhr auf, zu Fuß, in Richtung Downtown, die Straßen sind noch relativ leer und man merkt noch nicht vom Silvester-Wahnsinn. Im Kings Cross kehren wir in unsere „Stamm“-Bar, das „Sugar Mills“ ein, in der wir auch schon im letzten Januar lecker gegessen haben und entdecken ein super Lunch-Angebot: Rumpfsteak mit wahlweise Fries/Mached Potatoes und Salad/Beans. Lecker! Und das für nur 10 $. Nix wie her mit dem Steak, wir haben Hunger.

 

Gegenüber der Bar wirbt ein winziger Friseursalon mit Männerhaarschnitten ab 12 $, na bitte. André hat dringend einen Besuch nötig, und ich schiebe ihn kurzerhand hinein. Eine Stunde und einige Haar-Zentimeter später ist auch das erledigt, der Schnitt sieht super aus und wir stürzen uns direkt wieder ins Getümmel, um den besagten kleinen Park im Westen der Stadt ausfindig zu machen und unsere Hostel-Mitbewohner zu treffen. Mit dem Bus sind wir im handumdrehen vor Ort und entdecken sogar noch einen winzigen gemütlichen Strand, mit Blick auf die Brücke. Dafür ist von einem Park nichts zu sehen, es reihen sich nur zahlreiche Villen an den Hang. Wir laufen einmal ums Karree und endlich entdecken wir das winzige Hinweis-Schild mit dem Namen „Duff-Area“. Nur: Laut Schild ist das Gelände wegen Überfüllung geschlossen. Ich versuche es mit einem tiefen Augenaufschlag (;-))bei den Wachleuten und tatsächlich dürfen wir ausnahmsweise noch mit hinein. Ein paar Stufen geht es hinab, dann liegt der „Park“ vor uns, eine ca. 20x20 Meter große Wiese auf einer winzigen Mole, auf der sich schätzungsweise 200 angetrunkene feierwütige Teenies herumtreiben. Na da kommt doch Freude auf. Fluchtartig verlassen wir das Gelände wieder, und starten per Bus einen weiteren Versuch in Richtung Botanical Garden, von irgendwo muss es doch einen hübschen Blick auf das Feuerwerk geben.

 

Doch auch hier haben wir kein Glück, das Areal ist gesperrt und nur über eine endlose Warteschlange darf man hinein. Mittlerweile ist es fast 19 Uhr und anscheinend ist jetzt ganz Sydney auf den Beinen. Familien mit riesigen Kühlboxen, Gaskochern und halbem Küchen-Equipment laufen uns über den Weg und auf jedem erdenklichen Fleckchen Grün im Zentrum hat es sich schon jemand mit einer Decke gemütlich gemacht. Oje. Eine Bucht weiter gibt es noch einen Pier in Richtung Botanischen Garten und wir versuchen, die Absperrung so zu umgehen. Geschwind krabbeln wir unter dem Zaun hindurch, rennen die wenigen Schritte bis um die nächste Ecke, die paar Stufen hinauf und… laufen dem nächsten Wachmann in die Arme. Mist. Inzwischen hat auch der andere Wachmann, unten, unseren Versuch bemerkt und wir werden unwirsch abgeführt. 500$ Arrest-Gebühr? Mit ein paar netten Worten und schuldbewussten, reumütigen Mienen werden wir dann doch umsonst laufen gelassen, schließlich ist „Happy New Year“. Die Aussies sind halt etwas lockerer als die Amis. In den Staaten säßen wir nun wahrscheinlich im Knast. ;-)

 

Zurück am Hafen beschließen wir, dann doch ein Taxi zurück in Richtung des Parks zu nehmen, von einer Seitenstraße des Hügels hatte man einen guten Blick und das Gelände war frei. Auf dem Weg zum Taxi laufen wir dann doch tatsächlich Wayne Carpendale und Annemarie Warnkross (die Red-Tante) in die Arme (kein Witz!). Ich wäre fast an den beiden vorbeigerannt, doch André stößt mir schnell in die Rippen. Die beiden laufen aufgemotzt direkt an uns vorbei zum Hafen – na wo die beiden wohl heute feiern? Der Taxifahrer aus Bangladesch bringt uns innerhalb von 10 Minuten zurück zur Wolesley Road und lässt sich unterwegs über die horrenten Hotelpreise zu Silvester in Sydney aus. Er kann es nicht fassen, wie einzelne Leute 1.500$ für eine Übernachtung zahlen. Aber zu Silvester will halt jeder nach Sydney.

 

An unserem entdeckten Aussichtsfleckchen haben sich inzwischen noch einige andere junge Leute angesammelt, und zwar alles Deutsche! Das gibt es doch nicht. Wir machen es uns ebenfalls auf den warmen Gehwegplatten mit Eistee und Pringles gemütlich, jetzt heißt es nur noch Warten. Und das 4 Stunden bis Mitternacht! Wir erfahren von Einheimischen, dass es bereits 21 Uhr ein kleines Feuerwerk für die Kinder gibt. Das ist ja schön! Gegen halb neun wird es dann auch merklich voller auf unserer Straße und zahlreiche Familien gesellen sich zu uns. Dann, 21 Uhr, erstrahlt die Harbour-Bridge und es geht los. 15 Minuten Feuerwerk vom Feinsten, mit allem Drum und Dran. Über 3 auseinandergelegene Spots im Wasserwird die Pyro-Technik in den Himmel geschossen, dass es nur so knallt und eine wahre Freude ist. Schööööön!

 

Danach, wieder Warten, noch 3 Stunden. Mittlerweile, nach über 40 Stunden Wachsein, nagt die Müdigkeit an uns, die Sonne ist untergegangen und es wird empfindlich kühl. Zum Glück haben die Gehwegplatten die Hitze gespeichert und wir machen uns lang, um die Wärme zu nutzen. André nickert ein paar Mal weg und auch ich bin irgendwann eingeschlafen. Das ist ja wie früher in unseren Kindertagen, als man schon mal vorschlafen musste und einen die Eltern dann um Mitternacht geweckt haben. Um 23:45 Uhr werden wir dann von den ersten Raketen wach und jetzt ist es um uns herum gerappelt voll. Die letzten 10 Sekunden zählt ein riesiger Laser-Countdown an der Harbour-Bridge herunter und dann geht das eigentliche Feuerwerk los. „Happy New Year“! Alle liegen sich in den Armen, jubeln und klatschen. Die Light-Show ist der Wahnsinn. Das Feuerwerk nimmt gar kein Ende, immer höher und höher öffnen sich die bunten Raketen zu riesigen Blumen am Himmel, überall „Ahhhs“ und „Ohhhs“ und wir halten uns einfach fest und genießen den Anblick. Wir sind tatsächlich zu Silvester in Sydney! Nach wir das letzte Silvester hier um genau 6 Stunden verpasst haben, damals saßen wir um Mitternacht genau im Flieger zwischen Singapore und Sydney, sind wir nun tatsächlich hier, mittendrin, und genießen das Spektakel. Frohes Neues Jahr!

Sydney Skyline
Sydney Skyline
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Sa

01

Jan

2011

The Thrill Capital of the World

"If you`re looking for spine-tingling, adrenaline-pumping coasters, the Six Flags Magic Mountain is the place for you. Defy gravity as you speed, flip, soar and dive on an arsenal of extreme coasters guaranteed to provide the ultimate in thrills. More coasters, more thrills, more fun!"

 

Der Six Flags Magic Mountain, Andrés wahr gewordener Traum, ein Vergnügungspark nur mit Achterbahnen. Ich hatte bereits im Sommer mal einen Artikel über den Park im Blog geschrieben und am 28.12.2010 war es nun tatsächlich endlich soweit und André konnte zurück in „seinen“ Park, zu „seinen“ Achterbahnen. Darauf hatte er sich seit Monaten gefreut, haben ihn doch die Erinnerungen aus 2007 nicht mehr los gelassen.

Ein Interview mit einem Adrenalin- bzw. Achterbahn-Junkie:

 

Jana: André, was reizt Dich eigentlich so am Achterbahn-Fahren?

André:  (Großes Grinsen, bis zu beiden Ohren) Weil es einfach Laune macht. Gute Frage. Warum fasziniert mich das so? Weil es nun mal verdammt viel Freude macht, mit 90 Sachen Schrauben, Loopings, Abfahrten und Überkopf-Strecken zu fahren und dauernd in und aus dem Sitz gepresst bzw. gerissen zu werden.

 

Jana: Kannst Du Dich noch an Deine erste Achterbahn-Erfahrung erinnern? Wo war das?

André:  Ja, im Hansapark. Ich weiß nicht mehr, wie alt ich war. Ich bin damals mit meinem Vater gefahren und habe mir den Hals verknackst. Das war sehr schmerzhaft.

 

Jana:  Und wie ist nach der Erfahrung einer Achterbahn-Junkie aus Dir geworden?

André: Man sollte denken, dass man nach so einer Erfahrung geheilt ist, aber nach dem ich zu Hause dann immer mal wieder auf dem Rummel mit den Bahnen gefahren bin, war ich irgendwie infiziert.

 

Jana:  Was war die aufregendste Achterbahn-Fahrt, die Du je hattest?

André:  Damals, 2007, in Las Vegas, auf dem Stratosphere Tower. Da hing man in 360 Metern Höhe direkt über dem Abgrund. Da ging mir schon ganz schön die Muffe.

 

Jana: Was ist das Besondere am Six Flags? Worauf hast Du Dich am meisten gefreut?

André:  Die Vielzahl und der Variantenreichtum vor Ort. Alleine, dass es dort so viele Extrem-Rides, u.a. ein paar der schnellsten und höchsten Achterbahnen der Welt gibt. Der Six Flags ist der Park auf der Welt, mit den meisten Achterbahnen. Das allein, macht ihn schon zu etwas Besonderem.

 

Jana:  Was fühlst Du während so einer Fahrt? Bist Du noch aufgeregt oder mittlerweile so erfahren, dass es Dich relativ kalt lässt?

André: Ich bin total entspannt und freu mich einfach nur. Aufregung ist da keine mehr. Reine Vorfreude.

 

Jana : Was ist das Highlight von Six Flags für Dich?

André: (begeistert) Tatsu. Eine Achterbahn, bei d er die Schiene über einem ist. Man steigt ein und wenn es los geht, wird man um 90° mit dem Rücken in Richtung Schiene gedreht, so dass Arme und Beine in der Luft hängen und man das Gefühl hat, zu fliegen, wie Superman. Hinzu kommt, dass Tatsu auf einem Berg gebaut ist und dadurch der Höhenunterschied dazu kommt. Das verschafft zusätzliches Adrenalin.

 

Jana: Nun bist Du einige der bekanntesten Achterbahnen der Welt gefahren. Was fehlt Dir noch in Deiner Sammlung?

André:  Die Achterbahn in New Jersey. Diese ist auch eine der höchsten und schnellsten der Welt. Man wird innerhalb von wenigen Sekunden von 0 auf 200 km/h katapultiert und es geht senkrecht im 90°-Winkel hinauf und hinab.

 

Jana: Na dann hoffen wir, dass Du bald dahin kommst! Danke für das Interview! ;-)

 

http://www.sixflags.com/magicmountain/index.aspx

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Di

28

Dez

2010

Back to the roots

Oder: Back to the road! Und mit “Road” ist keine geringere gemeint, als der Highway N°1, eine der Traumstraßen der Welt. 650 Kilometer atemberaubende Küstenlandschaft zwischen San Francisco und Los Angeles. Einsame Strände, tosende Brandung, die gegen rauhe Felsen bricht, idyllische Künstlerörtchen, gigantische Mammutbaum-Wälder, romantische Wasserfälle – direkt am Meer entlang windet sich der Pacific Coast Highway Kilometer um Kilometer in Haarnadelkurven an steilen Felshängen entlang, jede Kurve bietet neue spektakuläre Ausblicke auf das Meer und neue beeindruckende Fotomotive. Freiheit, Weite, Glücksgefühle - diese Straße sollte jeder mindestens einmal in seinem Leben befahren haben.

 

Von San Francisco starten wir mit dem Mietwagen gen Süden und fahren über Santa Cruz in Richtung Monterey. Auf diesem Abschnitt, wo die Straße sich noch größtenteils fast auf Meerhöhe bewegt, finden sich unzählige wilde, beinahe unberührte Strände mit feinstem Pazifik-Sand. In Monterey dann Ostseefeeling pur: Ein langer Pier mit urigen Holzplanken, Segelboote und ein Aquarium, das eindrucksvoll das Leben im Meer dokumentiert.